BTSB-RUnde 2009

BTSB-Runde 2009
(Bayern – Tirol –Salzburg – Bayern)
 
16.07.2009 
Geplant hatte ich diese Tour schon lange, im Prinzip, seit wir uns für den Urlaub im Chiemgau entschieden hatten. Vom „Kaiser“ (Wilder Kaiser) zum „König“ (Hochkönig) war das Motto. Einige Zeit später aber schon wuchs mein Respekt vor den 230 Kilometern und 3800 Höhenmetern, so dass ich, ich wollte das Cube Curve mit schmaleren 32er Reifen, statt dem Rennrad in den Urlaub mitnehmen, um auch im Gelände mal fahren zu können, die Route auf ca. 180 km und reichlich 2000 Höhenmeter verkürzte, d.h. konkret auf den Umweg am Hochkönig vorbei verzichtete. Der Watzmann sollte genügen. Denn mit dem Cube Curve war ich noch nicht weiter als 175 km an einem Tag gefahren und das war etwas anstrengender als auf dem Rennrad.
 Das Wetter war als sonnig und heiß angekündigt, da befürchtete ich zusätzliche Probleme, was meinen Flüssigkeitsbedarf anging.
 Ungewohnt ist es, am Morgen, schon halb sechs aufzustehen. In diesem Urlaub schlafen wir alle viel und lang, halb sechs ist quasi mitten in der Nacht. Na ja, aber irgendwie geht das trotzdem, so dass ich 05.50 Uhr auf dem Cube Curve vom Campingplatz rolle und gleich darauf rasch abwärts nach Unterwössen.
Im Rucksack habe ich 1,5 Liter Wasser mit Brausetabletten, am Rahmen 2 Literflaschen Apfelschorle mit Long-Energy-„Doping“, im Notfall müsste ich dann halt Nachschub kaufen. Dazu Einiges an Essen… (außer Bananen, leider) Die Sonne geht gerade hinter dem Hochgern auf, als ich Unterwössen in Richtung Österreich verlasse und im Achental via Schleching sacht aufwärts zur Grenze fahre. Der Geigelstein und die umliegenden Gipfel erscheinen orange im Licht der Morgensonne, schön.
Die ersten Prozente, 10% vor dem Grenzübergang, ein enger Taldurchbruch der Tiroler Achen, doch nach Süden zu habe ich heute leider keinen Blick zum Kaiser, dort hängt der Nebel im Tal.
Und als ich Kössen durchquert und gen Lofer fahre, verbirgt auch hier der Nebel die warmen Sonnenstrahlen. Mir soll es aber Recht sein, es fährt sich bei diesen Temperaturen wesentlich besser.
Immer entlang der Ache, vorbei an alten Bauernhöfen rolle ich nun bis Erpfendorf. Die Berge ringsum in Wolken, Nebel, nur ab und zu ein Aufblitzen von blauem Himmel. In Erpfendorf dann erreiche ich die große Bundesstraße nach Saalfelden. Zum großen Teil verzichte ich nun, es geht allmählich aufwärts, auf die Benutzung der Radfernwege, die sind zu kurvig, da gibt es Schotter, Wurzeln, nicht so toll… Und im doch recht heftigen Auto- und LKW-Verkehr kommt mir sogar ab und zu ein Radler entgegen.
Kurz vor Lofer, in Waidring, der Nebel hat sich verzogen, ein herrlicher Blick auf die Loferer Steinberge. Ein gewaltiges Felsmassiv bis 2500 Meter Höhe ragt da vor mir auf. 
In Waidring erreiche ich selbst ca. 780 Meter Höhe, das ist eine Art Pass, denn nun geht es schnell bergab. Und wenige Kilometer vor Lofer mache ich am Mozartradweg vor der Kulisse der großen Felsberge die erste Rast. (08.03 Uhr, 45,56 km, 2:01:02 Std.) Ich spüre ein wenig die Oberschenkel, es ist doch ein ganz anderes Fahren als auf einem Rennrad. Und nach der Erfahrung der 175 km –Tour Anfang Juli wird das noch etwas anstrengender.
Lofer, dort fahre ich nun durch, dann finde ich schnell die Hauptstraße wieder, vor mir die gewaltigen Felsmassive der Leoganger Steinberge (bis 2634 m) und links, nordöstlich der Reiter Alpe (bis 2286 m)
Weißbach bei Lofer, 10 Kilometer weiter. Endlich kann ich diese große Straße verlassen, der Verkehr war etwas nervend, auch wenn ich nun teilweise doch auf den Tauernradweg auswich.
St. Martin ist ein ganz kleines Gebirgsnest, dann das Schild „17%“ an der kleinen Straße hinauf zum Hirschbichlpass, über den ich zurück nach Bayern will. Und es sind 17%, fast kontinuierlich, die ich nun auf Serpentinen hinauf kurbeln muss. Es wird heiß, aber auch so würde ich sicher im Schweiß schwimmen. Es nützt nichts, ab und zu muss ich eine Verschnaufpause einlegen, ohne Pause halte ich das nicht durch. Die flachsten Stellen sind nicht weniger als 10%, heftig, heftig. Irgendwann ein Dörfchen, abgelegen, mitten in den Bergen, das hier ist Hochgebirge, anders als unsere Chiemgauer Berge, gewaltig und schön. Aber seit Jahren schon habe ich nicht mehr das Verlangen, unbedingt wieder auf solche Gipfel steigen zu müssen. Den Kick bekomme ich auch hier unten auf dem Rad zum Beispiel, als jetzt die Libellenblase bei 22% plötzlich am Anschlag steht. Und dann an einem Parkplatz der zarte Hinweis, dass mich nun 30% erwarten. Deprimiert steige ich vom Rad. Das schaffe ich mit dieser Schaltung nicht. Also heißt es nun schieben. Glücklicherweise sind es nur ein paar hundert Meter, dann kann ich wieder fahren.
Hirschbichlpass, 1185 m, der höchste Punkt heute, unweit eine Herberge, eine Gaststätte, ein toller Blick auf die felsige, im vollen Sonnenlicht liegenden Felsen der Reiteralpe.
Und dann Schussfahrt, kilometerweit durch ein wunderbares Tal, am Hintersee hinab nach Ramsau. Einfach schön, so macht Radfahren Spaß. Und die vielen Mountain Biker, die mir entgegenkommen, schauen neidvoll zu, wie ich abwärts brause. 
Hintersee, Touristengetümmel, Ramsau, Straße nach Berchtesgaden, viel viel Kraftverkehr. Bis Berchtesgaden sind es nur 10 Kilometer, auch die geht es immer noch bergab. Einfach genial. Eine Schlucht, sehenswert, ein wilder, talwärts schäumender Bach, kurzer Stau, den ich auf dem Fußweg ignorieren kann, dann Berchtesgaden. Auch hier Getümmel und Verkehr, unschön. Ich sehe zu, dass ich den Ort so schnell wie möglich hinter mir lassen möchte. Erst auf dem großen Parkplatz am Salzbergwerk halte ich schließlich. (10.45 Uhr, 88,74 km, 4:20:22 Std.)
Den grandiosen Watzmann sehe ich grade noch von hier, dort oben das Kehlsteinhaus, es ist schon ein begnadetes Fleckchen Erde.
Zeitmäßig befinde ich mich ganz gut im Limit, das hätte ich nach dem Pass so nicht erwartet, aber das mag auch daran liegen, dass ich sehr großzügig geplant habe. Nach kurzer Rast Weiterfahrt, nun die landschaftlich schöne Straße am Untersbergmassiv entlang hinab, wieder in Richtung Österreich, Salzburg. Das geht recht zügig, immer noch leicht abwärts, nach weniger als einer halben Stunde überquere ich erneut die Grenze und in Sankt Leonhard verlasse ich die Hauptstraße und kurve durch Siedlungssträßchen und Fahrwege hinüber zur Salzach, um dort wieder Fahrt aufzunehmen und auf dem Tauernradweg Salzburg zu erreichen. Die Landschaft ist schlagartig sehr flach geworden, auf dem Weg sind viele Hobby-Radler unterwegs, zum Glück ist es unter den Bäumen recht schattig, so dass die Mittagstemperaturen ganz gut auszuhalten sind und ich einige Minuten später Salzburg erreiche.
Ins Zentrum der Altstadt kommt man bequem auf dem Radweg, das ist perfekt, ich gerate sogar noch kurz auf Abwege, wenn ich nun schon einmal hier bin, will ich auch noch mal auf den Domplatz. Und die Touris drängen sich in der heißen Sonne, es ist gerade 12 Uhr.
 Salzburg, 1990 waren wir mit unseren 200,- DM Begrüßungsgeld hier, mit Gersi und Kleeni im Trabi. Lang ist’s her. Und eine gute Zeit war das damals. Wie haben wir uns dagegen in den letzten 19 Jahren verändert. Einige Zeit später nehme ich noch einmal den Tauernradweg an der Salzach, um dann die große Straße nach Freilassing zu erreichen. Wieder enormer Verkehr, dann eine Autobahnausfahrt, ein Kreisverkehr, der es in sich hat, doch das ist rasch überstanden und nun wird es zum Glück wieder ruhiger. Deutschland, Bayern, Freilassing durchquere ich so schnell es geht, der Ort ist nicht sehr toll.
Am Horizont, schon erstaunlich weit entfernt die Berge der Alpen. Vor mir nun weites, recht flaches Oberbayern, nicht weit ist es bis zum Waginger See, doch so weit von der Route abkommen möchte ich nicht. Bevor ich eine kleine Straße nach Teisendorf hinüber nehme, mache ich noch einmal Rast (13.00 Uhr, 128,82 km,6:02:53 Std.) und genieße den schönen Anblick zu den Alpen hinüber.
Wenn ich es überschlage, werde ich heute womöglich am Ziel gerade einmal 170 Km auf dem Zähler stehen haben. Aber es ist doch noch früh am Tag… Und es wäre schade, man könnte schlecht schlafen… Ohne 200… Zeit habe ich eigentlich.
Und auch wenn es nach Teisendorf, der Schweiß läuft in Strömen, und von dort auf hügeliger Strecke gen Traunstein in der Sonnenglut zur Schinderei wird, denke ich intensiv nach, wie ich die Tour noch so optimal verlängern kann, dass ich wenigstens die 200 schaffe. Aber etwas Besseres, als zu guter Letzt noch den Chiemsee zu umrunden, fällt mir da nicht ein. Traunstein, kurze Trinkpause im Schatten, ein wenig zweifle ich noch in der Hitze, dann folgt ein nunmehr schon recht anstrengender kleiner Anstieg, Verkehr, dann ruhige Straße. Statt aber nun via Chieming und Grabenstätt den kürzesten Weg ins Achental zu nehmen, fahre ich nach kurzem Zögern nach Seebruck weiter. Rast mache gegen 14.55 Uhr (166,42 km, 7:42:41) noch einmal ein paar Kilometer vor Seebruck, auf einem schattigen Parkplatz an der Bundesstraße. Hier esse ich sogar einen dieser tollen Power-Riegel. Das scheint etwas zu helfen.
Seebruck, ein netter Urlauberort mit Yachthafen direkt am Chiemsee. Ich fahre ohne Pause weiter und nachdem ich Gstadt, von wo man einen herrlichen Blick über die Insel Frauenchiemsee auf die Alpen hat, durchquert habe, nehme ich nun statt der Straße den Chiemsee-Rundweg, der mich auf vielen Kurven und kleinen Umwegen teilweise direkt am Seeufer entlang, teils durch Auenwäldchen und Schilfgürtel nach dem Touristenzentrum Prien und weiter bis Felden am Südufer führt. Viele viele Radler sind hier unterwegs. In Felden bin ich den Bergen nun aber auch wieder sehr nahe gekommen. Von dort nun der kürzeste Weg im flachen Gelände bis Bernau und weiter entlang einer Moorlandschaft bis nach Grassau. Ich werde recht langsam, die Kräfte lassen nach, es ist immer noch heiß, jeder Anstieg ist jetzt eine kleine Mühsal. Auch auf diesen Wegen muss ich nun ab und zu mal kurz anhalten und trinken, allmählich gehen mir die Reserven aus. Marquartstein ist aber nicht mehr weit und ehe ich mich so völlig fertig und dehydriert meinen Mädels zeige, kaufe ich bei der entsetzt guckenden Getränkestützpunkt-Verkäuferin noch eine Flasche Cola, die hilft ein Stück weiter.
 Leider sind meine Mädels, nachdem ich mich dann sogar noch in Erwartung einer Portion Pommes Frites zum Wössener See hinauf gemüht habe, wegen einer drohenden dunklen Wolke schon zum Camp verschwunden. Aber nun überstehe ich den Schlussanstieg von Unterwössen hinauf nach Brem, zum Camp Litzelau auch noch.
Und dann, 17.50 habe ich es geschafft.
Es war doch ziemlich hart heute, solch Hitze-Touren sind mir nicht so lieb.
Da habe ich doch immer noch die „Höllentour 2007“ mahnend im Gedächtnis, erleben möchte ich so etwas nicht mehr.
218,06 km, Netto-Fahrtzeit: 10:12 Std., 2.100 Höhenmeter

Die Route auf gpsies.com

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