Karfreitagsrunde 2014

18.04.2014
Um vier Uhr klingelt der Wecker – Aufstehen.
Ich lasse mir genug Zeit beim Frühstück, ans Rad gepackt habe ich danach alles recht schnell.
Es beginnt gerade zu regnen.
Auf gewohnter Strecke fahre ich im Dunkeln und Dauerregen nun via Panitzsch und Taucha nach Pönitz. Kurz davor ist wieder eine Straßenbaustelle, man hat eine provisorische Umgehung mit Alu-Profilplatten durchs Feld gebaut. Am zentimeterbreiten Übergang von der Straße zur Alu-Platte bleibe ich mit dem Vorderrad hängen und stürze. Elegant abgerollt, nix passiert, Aufstehen, Weiterfahren. Nass bin ich sowieso.
Liehmena, Mutschlena, Wölkau, von dort auf die B2.
Vorbei am Roten Haus, weiter durch Wellaune, 6.20 Uhr erreiche ich Bad Düben und kurbele nun hinauf in die Dübener Heide. Die Schuhüberzieher lassen nach einer Stunde das Regenwasser durch. Das wird recht schnell ziemlich unangenehm. Hinauf zum höchsten Punkt geht es heute im zunehmenden, immer stärker werdenden Regen. Die Wolken hängen tief und drohend. Dann rolle ich locker abwärts an Kemberg vorbei nach Pratau. Der Regen hört jetzt nach über 2 Stunden endlich auf. Im Westen sind Wolkenlücken zu erkennen. Elbquerung, dann Wittenberg. Erste kurze Rast, 7.40 Uhr, ca. 71 km. Zum Glück scheint es jetzt und hoffentlich auch für die nächsten Stunden trocken zu bleiben.
Nun geht es erneut hinauf, jetzt in den Fläming, die Straßen sind zum Karfreitag glücklicherweise leer.
Meine Füße sind nass und aus den Handschuhen läuft das Wasser. Kalt ist es auch, das wird zunehmend lästiger für mich.
Die seichten Hügel des Fläming sind kein Hindernis, auf dem kleinen Blatt mit der entsprechenden Frequenz rollt es ausgesprochen gut.
Ca. 10 km vor Treuenbrietzen rufe ich Uwe an, der daraufhin in Hektik verfällt. So zeitig hatte er mit mir noch nicht gerechnet.
Nach Treuenbrietzen geht es wieder bergab, so habe ich nach wenigen Minuten schon das Städtchen durchquert und kurz darauf, ca. 9.15 Uhr, 104 km, erreiche ich den verabredeten Treffpunkt. Uwe ist einige Zeit später da. Zusammen fahren wir nun recht entspannt in Richtung Borkheide. Der Wind weht von Nordwest, der wird uns nachher bei der Rückfahrt sicher gut unterstützen.
Nachdem wir ungefähr 20 Kilometer zurückgelegt haben, ist dann ein Bäcker genau richtig. Ein heißer Kaffee und ein Stück Kuchen, perfekt! Und etwas aufwärmen können wir uns auch.
Nach der Pause fahren wir auf der Fahrradstraße durch den endlosen Wald bis Ferch, kreuzen zweimal die A9 und haben einen eindrucksvollen Blick auf den verkehrsreichen Berliner Ring, bevor wir Ferch und die Südspitze des Schwielowsees erreichen. Ca. 11.20 Uhr, 136 km. Zwischenzeitlich ist mir meine zweite Trinkflasche kaputt gegangen, als sie mir bei dem Geholper auf dem durch Wurzeln zerrissenen Asphalt aus der Halterung fiel.

Kurze Rast oberhalb des Seeufers, Fotos. Leider ereilt uns hier wieder ein Regenschauer.
Danach geht es nun nach Westen, zunächst müssen wir eine verkehrsreiche Straße nutzen, ab der Autobahnausfahrt Glindow wird es dann aber ruhiger und dann fahren wir mit leichtem Gegenwind in Richtung Kloster Lehnin. In Kloster Lehnin halten wir nur kurz für ein paar Fotos, es regnet gerade wieder, diesen Ort habe ich schon bei schönerem Wetter erlebt. Ca. 154 km, es könnte knapp die halbe Strecke heute sein.
Aber nun haben wir etwas mehr Wetterglück. Wir absolvieren bis Golzow noch ein paar Kilometer mit leichtem Gegenwind. Dann verläuft die Route in südliche Richtung, Rogäsen, dort verlieren wir uns kurz, weil ich fotografiere und Uwe, der schon voraus gefahren ist, einen Track von mir auf dem Navi hat, den ich zwischenzeitlich noch einmal etwas abgewandelt habe und er deswegen 2 Zusatzkilometer fahren muss. Aber als er zurück kommt, sieht er mich gerade noch, wie ich auf der Bundesstraße vorbei fahre. Ich indessen wundere mich nach einigen Kilometern, dass ich ihn immer noch nicht eingeholt habe. Soooo schnell kann er doch gar nicht sein. Kurz vor Belzig, als ich unsicher werde und vermute, dass er vielleicht hinter mir sein könnte und mich nun wiederum nicht einholen kann, beschließe ich, auf ihn zu warten. Da höre ich ihn plötzlich rufen und er düst herbei. Die Jagd hat einige Körner gekostet. Etwas langsamer kurbeln wir nun nach Belzig, die Umgehungsstraße ist für Fahrräder gesperrt, so dass wir im Zickzack durch die Innenstadt müssen und dabei noch ein paar Kopfsteinpassagen mitnehmen. Aber Belzig ist trotzdem rasch durchquert. Nun weiter nach Süden – mit dem Wind. Die dunkelschwarze Unwetterwolke ist westlich an uns vorbei gerauscht. Wieder einmal Glück gehabt.

Nach 193 km vor Niemegk werden wir wieder von einer neuen Umgehungsstraße herunter geführt und müssen die alte Straße benutzen. Aber, auch hier haben wir Glück, so entdecken wir die ziemlich einsam und vom großen Verkehr fast abgeschnittene Tankstelle, an der wir nun halten und uns einen Kaffee und eine Bockwurst genehmigen. Als wir nach der ausgiebigen Pause wieder auf die Räder steigen, stellen wir fest, dass wir nun wohl eine längere Schönwetterphase erleben werden. Niemegk erreichen wir recht schnell, fahren von dort wieder streng nach Süden, nach Neuendorf, auf meinem Fahrradcomputer erscheint die 200, dann geht es sacht hinauf in den Fläming nach Klein Marzehns. Um mit Sicherheit einen 300er heute zu erleben, aber auch um Coswig zu vermeiden, habe ich die Route ab Groß Marzehns südwestlich über Cobbelsdorf gen Roßlau geplant.
Landschaftlich ist es hier sehr idyllisch, die sanft gewellte Landschaft, die gelbblühenden Rapsfelder vor dem blauweißen Himmel und den dunkel drohenden Quellwolken, die von Norden heran ziehen, sind sehr sehenswert. Autsch, diese Schauerwolken werden wir jetzt wohl nicht umgehen können. Wir radeln genau parallel zu dieser Front, die uns in Kürze überrollen wird. Noch einmal queren wir die A9, Ausfahrt Köselitz, dann geht es auf schlechtem rauen Asphalt weiter nach Südwesten. Ich werde nun immer schneller, Uwe lässt abreißen, ich erreiche gerade so das nächste Dorf, doch der Graupelschauer war noch etwas schneller. Und die Eiskörner sind gerade im Gesicht doch etwas schmerzhaft. Ehe es aber ganz schlimm wird, kann ich mich rechtzeitig noch unter einem Dachüberstand unterstellen.
Ebenso schnell, wie das Unwetter kam, ist es auch schon wieder vorbei. Uwe trifft Minuten später ein, er hat im Wald Schutz gesucht. Zusammen geht es nun weiter bis Roßlau, eine heftige Kopfsteinpflasterpassage inklusive.

Roßlau, dann die Elbebrücke, die Mulde, Fotos… Die Sonne scheint wieder, es ist jedoch kühl und an zahlreichen Stellen liegen Haufen von Eiskörnern. Hier muss es ganz schön gewütet haben. In Dessau sind wir gegen 17 Uhr und machen dort wieder eine ausgiebige Pause mit Bockwurst, Kaffee und Cola nach ca. 250 Kilometern in einer Tankstelle.

Mir geht es, wohl auch infolge der recht zahlreichen gewollten und ungewollten Pausen und des recht niedrigen Tempos sehr gut. Auch wenn wir erst einmal frieren, als wir wieder hinaus müssen. Durch Dessau kommen wir trotz der gewohnt katastrophalen Radwege recht zügig. Nur insgesamt sind wir relativ langsam geworden. Raguhn, die direkte, landschaftlich schönere Strecke entlang der Mulde nach Jessnitz ist gesperrt. Aber auch die Parallelroute über Altjeßnitz am Irrgarten vorbei ist kein Umweg. Muldenstein, Muldensteiner Berg, heute kein Problem, Friedersdorf, dann die Goitzsche. Blick nach Bitterfeld…

Das Wetter macht uns nun richtig Freude. Die Sonne scheint, da wir ja schon mitten im April sind, wird es auch noch eine Weile hell bleiben. Und auf Grund der kühlen reingewaschenen Luft sind die Farben besonders intensiv und kräftig. Die blaue Fläche der großen Seen, die Quellwolken, das orangene Sonnenlicht. Traumhaft schön…
Unterhalb von Pouch, es ist gerade 19 Uhr, rufe ich zu Hause an, wir werden schätzungsweise gegen 21 Uhr zu Hause eintreffen. Der Abschnitt, den die Muldeflut im letzten Jahr aus der Straße nach Löbnitz weggerissen hat, ist heute mit einer Art Damm überbrückt, man kann die breite Spur der Vernichtung hier noch sehr genau sehen, eine breite Rinne aus Sand und Schlamm, ohne Bewuchs zum Seelhausener See hin. An Löbnitz geht es vorbei nach Reibitz, dann nach Badrina und hinüber nach Wölkau. Ich schwelge in den Farben den blühenden Rapsfelder im Schein der Abendsonne. Pönitz, die Baustelle von heute Morgen, der „Killerhügel“ nach Taucha hinüber. Taucha, Panitzsch, es dämmert allmählich, aber nun ist es fast geschafft.
Es sind wieder 324 km geworden, als wir 20.50 Uhr im Ziel einrollen.

Die Route auf gpsies.com

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