Septembermorgen

Stellt man sich den Wecker auch am Sonntagmorgen auf 5 oder 6 Uhr?

Der Samstag war ja schon einigermaßen hart – draußen war es dunkel, kalt – aber da war auch diese ungeheuer befreite Stimmung am See im Licht des beginnenden Tages.

Und für heute Morgen hatte der Wetterbericht möglichen Nebel angesagt.

Der Wecker wurde nicht gestellt – so dämmert es bereits, als der erste Blick nach draußen geht. Vom Nebel hier keine Spur, aber das muss nichts heißen – auf den Wiesen an unserem Flüsschen stehen die Chancen gut. Ein paar Wolken im Osten, der rötliche Schimmer der ersten Sonnenstrahlen, der blaue Himmel – es sind 6°C, das sieht vielversprechend aus.

Also dann los.

Gesagt, getan, wenige Minuten später stehe ich auf den Wiesen am Flüsschen – im Nebel.

Faszinierend ist es, zuzuschauen, wie sich in Minutenschnelle auf den taubedeckten Wiesen immer wieder neue Nebelbänke bilden. Wie kleine Perlen glitzern Wassertröpfchen an Spinnennetzen und Gräsern und der unter ihnen erstarrte Schmetterling wird sich nachher hoffentlich im warmen Sonnenlicht wieder erholen.

Der Zauber dauert ungefähr eine halbe Stunde, dann steht die Sonne schon zu hoch und in ihrer Wärme zerfällt das geisterhafte Weiß und gibt die intensiven Farben eines Frühherbstmorgens frei.

Was für ein Tagesbeginn.

 

Riesengebirge – Pantschefall

Der Pantschefall ist wohl einer der bekanntesten Wasserfälle im Riesengebirge und mit ca. 150 m Höhe der Höchste hier.

 

Ganz früh am Samstagmorgen…

wenn nur die Fische im See lärmen…

Welche Zutaten benötigt es, um einen Tag euphorisch zu beginnen?

Einen Wecker, etwas Willensstärke, um den inneren Schweinehund zu besiegen, um fünf Uhr aufzustehen, warme Kleidung, einen Fotoapparat mit Stativ und ein Fahrrad.

Das Fahrrad ist ganz wichtig, auf die Kamera kann man notfalls verzichten, wenn man diese einzigartige Stimmung nur einfach so genießen, inhalieren, in der Erinnerung aufbewahren will.

Man breche dann möglichst noch im Dunkeln auf, steige auf das Fahrrad und radle (ordentlich beleuchtet natürlich) zum nächsten See. Dort baue man die Kamera, so man sie dabei hat, auf und harre der Dinge die da geschehen.

Kühl ist es, aber ganz ganz still – über diese Art der Stille gab es ja schon einmal einen Beitrag.

Am sternenklaren Himmel geben sich die Mondsichel und das jetzt in den Morgenstunden schon sichtbare Sternbild des Orion ein Stelldichein…

Und wenn man ganz ruhig ist, kann man sogar die Fische lärmen hören. Das leise Klatschen, wenn sie kurz an die Wasseroberfläche auftauchen und kleine kreisrunde Wellen hinterlassen.

Erst als es heller wird, kann man feststellen, dass man hier tatsächlich nicht der Einzige ist. Der Angler war aber auch kaum zu bemerken.

Das Farbenschauspiel der aufgehenden Sonne entschädigt ohne Weiteres für die bei den kühlen Temperaturen klamm gewordenen Gliedmaßen. Es ist aber auch immer wieder von Neuem schön, einen Tagesbeginn zu erleben. Weiße dünne Nebelschwaden treiben plötzlich in der sich erwärmenden Luft geisterhaft auf dem Wasser.

Hat man sich satt gesehen, steige man schließlich wieder auf sein Fahrrad und radle zum Bäcker. Nicht gleich zu dem nebenan. Nein – ein paar Kilometerchen durch den Wald, wenn das erste Sonnenlicht durch die Bäume schimmert, sorgen für eine noch schönere Stimmung.

Und dann erst der Duft der frischen Brötchen.

Nun sollte man jedoch achtsam sein. Denn auch Viele, die sich jetzt erst aus den Federn gequält haben, sind mit dem Auto die unter Umständen nur ein paar hundert Meter zum Bäcker unterwegs.

Klare Luft, Sonne, intensive Farben und das Gefühl, schon etwas Unvergessliches erlebt zu haben… Läßt sich ein Tag besser beginnen?

 

Dies und das – ein Textbeitrag

Vielen Dank, liebe Springerin für die Nominierung zum Mystery Blogger Award.

Hmmm…

Nun sind diese Awards aber eher nicht so meine Sache. Doch die Springerin hat diese Nominierung mit einem kleinen Dankeschön für die hier auf diesem Blog gezeigten Bilder verbunden.

Heißt für mich im Umkehrschluss, es ist ein lieb gemeinter Anstoß, mir wieder einmal Mühe zu geben und ein wenig Gedanken zu machen.

Warum betreibt man dieses Bloggen eigentlich?

Ringsum wird die Welt immer chaotischer, man hat das Gefühl, es brechen vielerorts längst überwunden geglaubte bösartige Eigenschaften des Menschen wieder hervor. Überall entstehen neue Krisenherde, die Gefahr eines Atomkriegs ist sehr real, Klimawandel, verschwimmende Grenzen von Gut und Böse…

Und man selbst sitzt hier, enthält sich (zumindest im Blog) jeder politischen Meinungsäußerung und postet freundliche Landschafts- oder Tierbilder. Gibts da nichts Wichtigeres?

Aus diesen und jenen Gründen bin ich vor einiger Zeit vom Radsport auf das Fotografieren umgestiegen. Denn geht das Eine, was man bisher exzessiv betrieben hat und von dem man geglaubt hat, das bis ins hohe Alter hinein tun zu könne, plötzlich nicht mehr in diesem Umfang, dann tut sich ein großes Loch an dieser Stelle im Leben auf. Und das will – muss – gefüllt werden. Es bleibt ja trotzdem der Drang, draußen zu sein, sich zu bewegen, dem muss man nachgeben und für eine entsprechende Alternative – in diesem Fall Fotografieren – sorgen.

Da es schade wäre, die eigenen Bilder nur auf dem Computer liegen zu lassen, beginnt man schließlich, diese in einem Blog zu zeigen. Enorm schnell findet man Gleichgesinnte auf diesem Gebiet.

Es gibt Viele, die etwas zeigen, die dem, was unsereinem so vorschwebt, schon sehr nahe kommen. Und man schaut sich um, wie machen sie das… Kann man sich austauschen, kann man das lernen, sich weiterentwickeln, um irgendwann einmal auch so weit zu kommen?

An dieser Stelle möchte ich einige Blogs nennen, die mich in dieser Absicht ungemein angesprochen und unterstützt haben, wie z.B. Frank Brehe, Foto Fex, Werner Braun, Alois Absenger oder Gerhard Reimann, Thee Ballmer und Linsenfutter in Sachen Natur- und Tierfotografie oder die ungemein sehens- und lesenswerten Blogs von Puzzleblume, der Springerin, Ellen oder der Eulenschwinge und Smartfoto78 die auf einem hohen Niveau wunderbare Texte und immer wieder besondere Bilder miteinander zu kombinieren verstehen.

Und dann wäre da noch die Nachtfotografie oder Langzeitbelichtung – Mannis Fotobude, Ewald Sindt oder Joachim Dudek – wie gut kann man sich mit Euch austauschen.

Natürlich nicht zu vergessen all die Anderen, die ich hier nicht nennen konnte….

Und was treibt Einen noch so an?

Es ist der Wunsch, die Welt so zu zeigen, wie sie im Großen und Kleinen ist, sie auf dem Bild zu konservieren, weil sie vielleicht bald nicht mehr so ist, wenn der Mensch so weitermacht.

Es wäre schade, wenn das, was man da fotografiert (und da wird der Bogen zum Absatz oben geschlagen), verloren ginge, nur weil der Mensch in seinem Drang sich selbst zu zerstören, nicht aufhört.

Man muss keine großen Reisen machen, Fotografieren öffnet die Augen für das, was um Einen ist, da gibt es genug zu entdecken. Und das kann man den Anderen zeigen, ihnen empfehlen…

Hier nun noch die Antworten zu den Fragen:

1) Wohin führte dich deine letzte Reise? / Where did you last journey lead you to?

Die letzte (echte) Reise führte nach Wien, was als Stadt immerhin eine Überraschung für uns war. Schließlich war Wien nicht die gemütliche und idyllische, ein wenig verschlafene K&K-Hauptstadt, die wir nach den Erzählungen aus unserem Umfeld vermutet hatten, sondern eine quirlige Großstadt mit sehr vielen verschiedenen Gesichtern.

Aber mittlerweile ist jede Fototour eine Art Reise, man fällt (und sei es 5 Uhr morgens am noch finster ruhenden See) aus dem Alltag, zelebriert das Fotografieren und genießt diese einzigartige Atmosphäre, denn dieser Moment kommt garantiert nicht wieder.

2) Weißt du, was dein Herz begehrt? / Do you know what your heart is longing for?

Abgesehen davon, dass ich mir sehr wünsche, dass das persönliche menschliche Umfeld so, wie es ist, bitte schön noch lange erhalten bleibt, wünsche ich mir, dass sich auch in der großen Welt die Menschen einfach nur mit ein wenig mehr Toleranz und Akzeptanz begegnen

3) Wann hast du das letzte Mal einem Fremden / einer Fremden einfach so zugelächelt? // When did you smile to a stranger the last time?

Das geschieht eigentlich recht häufig, auch wenn man augenblicklich nicht in der Stimmung dazu ist, kann z.B. ein Anlass dazu sein, dass man sich gerade mit ein wenig Rücksicht aufeinander im Straßenverkehr begegnet ist…

4) Schaust du in der U-Bahn, im Bus, in der Straßenbahn, im Zug, auf einer Parkbank – irgendwo im öffentlichen Raum – mehr auf dein Handy als auf deine Umgebung? – When you’re in public (subway, bus, train, on a park-bench …) are you looking more on your cell phone than you see the surroundings?

Als Radfahrer, der fast alle Wege unmotorisiert zurücklegt, hat man keine Gelegenheit, aufs Handy zu schauen, aber auch sonst, wenn ich draußen bin, ob in der Stadt oder auf dem Land, ist dieses Gerät tabu – außer ich benötige die Navi-Funktion 😉

5) Träumst du oft? / Do you dream often?

Das ist sehr unterschiedlich, nicht immer, aber es gibt schon Phasen, in denen man innerlich zur Ruhe gekommen ist und dann auch viel Zeit zum Träumen findet.

Manche Bilder lösen…

eine Menge Assoziationen aus. In diesem Fall Mattheuers „Hinter den sieben Bergen“.

Und auch hier sollte man dem Eiapopeia nicht ganz vertrauen. Es ist nichts Gutes hinter diesen sieben „Bergen“ zu erwarten.

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