Sternstunde im Westbruch

Die spontanen Aktionen sind meist die Besten – und bleiben demzufolge auch lange im Gedächtnis haften.
Nach einem eher trüben grauen Novembertag zeichnet es sich am Nachmittag schon ab. Das könnte ein kalte, weil voraussichtlich wolkenlose, Nacht werden.
Drinnen ist es zwar schön warm und gemütlich, aber die letzten Lichter des Tages da draußen werden immer intensiver, kräftiger, goldener…
Sollte man nicht doch? Kalt ist es, und da nochmal aufs Rad? Ein paar Kilometer in der unbehaglichen Dämmerung zum Ziel radeln?
Man sollte…
Es ist fast dunkel, als ich das Ziel am Kohlenberg erreiche. Den Kohlenbergteich habe ich schon im Frühjahr wegen seiner zahlreichen Wasservögel häufig besucht. Jetzt hat man das Wasser abgelassen, die Lichtreflexe im Schlamm und im verbliebenen Wasser sehen interessant aus. Aber das Schilf ist übermannshoch und ohne schlammige nasse Füße kommt man nicht so recht ran.
Ehe also die Zeit mit Suchen im Dunklen vergeudet wird, da muss nochmal am Tag eine passende Stelle gesucht werden, beschließe ich, meinen zweiten Plan umzusetzen und den Westbruch am Kohlenberg aufzusuchen und mit Sternenhimmel abzulichten.
Der waldreiche Kohlenberg mit 179 Metern Höhe im Osten von Leipzig ist für unsere Verhältnisse schon eine recht mächtige Erscheinung. Oben hat man eine schöne Sicht auf Leipzigs Skyline, das ist jedoch heute nicht die Absicht, denn es gibt noch zwei ehemalige Steinbrüche hier.
Im trockenen Ostbruch befindet sich der Klettergarten des DAV, im Westbruch, der voll Wasser ist, befindet sich ein Tauchrevier.
Nach einem sehr dunklen Hohlweg ist der Bruch schnell erreicht, die Finsternis weicht einem milchigen Grau, in dem die gegenüberliegenden Felswände verschwimmen, das wirkt äußerst mystisch und märchenhaft und wird vermutlich durch die Kälte verursacht. Oder machen meine Augen nicht mehr richtig mit? Das wäre auch nicht auszuschließen.
Zunächst wieder ein paar Testaufnahmen. Vorsicht, dabei nicht ins Wasser fallen… Die ISS zieht ihre Bahn, im Osten verglüht eine von Nord nach Süd fliegende kleine Feuerkugel am Himmel und überall Sterne, Sterne, Sterne… Wasser, Felsen und Baumkulissen, darüber der unendliche Nachthimmel.
Es lohnt sich wieder einmal. Gut dass ich hier stehe, hocke und (nur ein ganz klein wenig – ehrlich) friere, zu Hause sitzen kann man später noch genug.
Einfach nur schauen und staunen – wieder einmal. Und gelegentlich ein Foto machen.
Auf dem Rückweg wird dann doch noch einmal am Kohlenbergteich gehalten. Hinter den Bäumen am anderen Ufer brennt man gerade ein großes Feuer ab. Das sieht natürlich äußerst eindrucksvoll über dem Wasser aus. Schnell alles aufgebaut, Kamera befestigt, Fernauslöser und…
Da hat sich beim EInpacken vorhin etwas verstellt – Videomodus – das kann doch nicht sein – selbst mit Stirnlampe ist die Suche erfolglos. Fazit: man sollte sich, wenn man mit der Kamera nicht restlos vertraut ist, darauf einstellen, dass gerade bei Nachtfotografie mancher Weg umsonst sein könnte – grrrrmbl. (Dass das nur ein kleiner Hebel ist, wird eine halbe Stunde später bei Licht festgestellt – aber – ein Grund mehr, sich noch einmal auf Tour zu begeben)

PS: in der Fotonachbearbeitung zeigt es sich – es ist (obwohl subjektiv anders empfunden) einfach zu hell bei uns. 15 km Abstand zur Großstadt sind nicht genug, um, wie auf dem Darß, die Milchstraße fast plastisch erscheinen zu lassen – es gibt zuviel störendes Licht.
Fazit: Für die Milchstraßenfotografie eignen sich tatsächlich nur die ganz dunklen Ecken auf unserem Planeten. Belassen wir es also beim stillen märchenhaften Steinbruch und dem Sternenhimmel darüber.
Lasst es einfach auf Euch wirken 🙂

(hier findet Ihr weitere Bilder zum Sternenhimmel)

12 Antworten auf “Sternstunde im Westbruch”

  1. Mein lieber Lutz,
    Das sind wieder tolle Fotos mit dem entsprechenden Text. Ich bin begeistert! 👍👍👍
    Lieben Gruß, Ewald
    😊

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  2. Du weißt ja mittlerweile, dass ich fan vin Sternenfotogrsfie bin. 😉 Ja, die Lichtverschmutzung ist in Hannover auch ein Problem. Da bin ich froh wenn ich noch Orion oder Cassiopeia erkenne. Dennoch, Deine Fotos sind sehr gelungen! Welche Blende nimmst du? Unter 2,8?

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    1. Das Problem wird offenbar auch immer schlimmer, wohl auch durch die Zersiedelung der Großstadtumgebungen. Ich nehme Blende 2.5 und mit der 6D bekomme ich auch bei ISO 6400 in Bezug auf Rauschverhalten noch ganz ansprechende Bilder.
      LG Lutz

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