Vom Glück

„Doch merkt ma’s, wenn’s da is, im Augenblick kaum, ma spannts erst danach beim In-Rückspiegel-Schaun.“

So heißt es vom Glück im Bayrischen Gedicht von Helmut Zoepel.

Als ich auf der Suche nach einem guten Platz, um den Sonnenuntergang abzulichten, im Gestrüpp am Bach umherstreife, bin ich eher darauf bedacht, nicht abzurutschen und im Wasser zu landen.

Und dennoch sind da die Momente, in denen ich inne halte und mir einen Blick auf das Wunder dieses schönen Abends gönne.

Die Sonne rollt langsam vom Himmel herab, verfängt sich in den Gräsern am anderen Bachufer, ehe sie langsam wie ein erlöschendes Streichholz hinter den Baumkronen verglimmt.

 

Sonnenuntergänge gibt es jeden Tag – und jeden Tag sind sie etwas Neues und Einmaliges, so noch nie da gewesenes.

Das Erdulden der einsetzenden Kälte ist der Preis für dieses Schauspiel, doch wer das nicht auf sich zu nehmen bereit ist, verpasst vielleicht die schönsten Momente seines Lebens.

Der Himmel glüht noch lange nach dem Versinken der Sonne nach, beinahe minütlich wechseln seine Farben – welch ein Schauspiel.

Die Blaue Stunde setzt ein.

„Beim In-Rückspiegel-Schaun“ am nächsten Morgen taucht aus der Erinnerung ein längst vergessen geglaubtes Bild aus der Kindheit auf. Mit Freunden stehen wir am weiden- und erlenbewachsenen Ufer eines Totarmes des unweit mäandrierenden wilden Flusses und sehen regungslos wie die Indianer, die wir gerade darstellen, dem Sonnenuntergang zu. Vielleicht werden im Schutz der Dunkelheit die Bleichgesichter angreifen…

„ma spannts erst beim In-Rückspiegel-Schaun.“

Wanderung

Man gehört eigentlich nicht zu den Menschen, welche meinen, es sei absolut nicht nötig, ferne Weltgegenden zu bereisen – dazu ist die Welt viel zu bunt und interessant, als dass es nicht möglich sein sollte, überall Neues zu entdecken – weil man ja in unmittelbarer Nachbarschaft schon vieles Schöne beisammen habe.

Und trotzdem sind es gerade die kleinen Streifzüge durch die nächste Umgebung, die Auge und Sinn vieles Wunderbare offenbaren, sofern man dazu aufnahmefähig ist.

Die kleine Freitagabendwanderung führt nach einer kurzen Begegnung mit Bekannten aus dem Dorf, die sich verwundert wegen der in der Hand gehaltenen Kamera äußern, denn es blühe ja noch gar nichts, weiter an unserem Flüsschen entlang.

Nein, bei den Minusgraden blüht hier wirklich noch nichts und trotzdem zaubert die sinkende Sonne zarte warme Pastellfarben ins Dickicht und in die Landschaft.

 

Und es bleibt genug Zeit, dieses Bild fest zu halten und zu verinnerlichen.

Eine Diskussion, ob bei einer großen Reise ebensolche Momente des Innehaltens und Genießens möglich sind, weil man ja für das viele Geld auch möglichst viel sehen und erleben muss, was unglücklicherweise auch in Hetze und Akkord enden kann, soll jetzt nicht angezettelt werden. Die Mischung aus allem macht es möglicherweise – der Kompromiss aus dem vielseitigen Erleben und der Chance, dieses Erleben anschließend auch setzen zu lassen und in der Erinnerung lange aufbewahren zu können.

Frühmorgens in Leipzig (3)

 

Frühmorgens in Leipzig (2)

Die Mädlerpassage in Leipzig. Die dargestellte Szene der beiden Plastiken dürfte vielen Leipzig-Besuchern bekannt sein 🙂

 

Rund ums Märchenschloss

1989 gab es eine 6-teilige DDR-Serie „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ – man bilde sich nun selbst eine Meinung 🙂

Das Märchenschloss

Schnee, blauer Himmel, Sonnenschein…
Und ein Märchenschloss – Schloß Moritzburg.
Wer denkt da nicht gleich an „Drei Haselnüsse…“.

Und tatsächlich, betrachtet man dieses Schloss aus einiger Distanz zum Touristenstrom, dann geht die Film-Musik Karel Svobodas einfach nicht mehr aus dem Kopf. Wunderschön ist es anzusehen.

Aber Moritzburg ist noch mehr – einen Weg von zwei Kilometern durch Park- und Waldanlagen zu Fuß entfernt gibt es das Fasanenschlösschen (1769 – 1782) und den Leuchtturm.
Ein wenig erinnert der Chinese oben auf der Dachspitze an das chinesische Teehaus (1755-1764) in Sanssouci. Aber wen wundert es, zeigt es doch die Schwärmereien der Rokoko-Fürsten und Könige in diesen Zeiten für die Exotik des Fernen Ostens.
Der Leuchtturm dürfte auch nur einer Laune heraus entsprungen sein, bietet jedoch ein schönes Foto-Motiv.

Käthe Kollwitz verbrachte in Moritzburg auf dem Rüdenhof am See die letzten neun Monate ihres Lebens. Das Ende des Krieges erlebte sie leider nicht mehr. Die große Künstlerin, die in einem Großteil ihrer ausdrucksstarken Werke das Elend der Armen und den Krieg anprangerte, wurde ausgerechnet von einem Prinzen hier aufgenommen. Prinz Ernst Heinrich von Sachsen bot ihr nach langer Flucht vor den Bomben des Krieges Unterkunft und Sicherheit – er handelte als Mensch und Kunstfreund – ganz ohne Klassendenken.

Hier findet Ihr einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema

 

 

Ach ja…

etwas Schnee gab es nun in der letzten Woche doch noch.

Die Zeit für einen kleinen Gang in unsere Umgebung musste da einfach sein.