Wanderung

Man gehört eigentlich nicht zu den Menschen, welche meinen, es sei absolut nicht nötig, ferne Weltgegenden zu bereisen – dazu ist die Welt viel zu bunt und interessant, als dass es nicht möglich sein sollte, überall Neues zu entdecken – weil man ja in unmittelbarer Nachbarschaft schon vieles Schöne beisammen habe.

Und trotzdem sind es gerade die kleinen Streifzüge durch die nächste Umgebung, die Auge und Sinn vieles Wunderbare offenbaren, sofern man dazu aufnahmefähig ist.

Die kleine Freitagabendwanderung führt nach einer kurzen Begegnung mit Bekannten aus dem Dorf, die sich verwundert wegen der in der Hand gehaltenen Kamera äußern, denn es blühe ja noch gar nichts, weiter an unserem Flüsschen entlang.

Nein, bei den Minusgraden blüht hier wirklich noch nichts und trotzdem zaubert die sinkende Sonne zarte warme Pastellfarben ins Dickicht und in die Landschaft.

 

Und es bleibt genug Zeit, dieses Bild fest zu halten und zu verinnerlichen.

Eine Diskussion, ob bei einer großen Reise ebensolche Momente des Innehaltens und Genießens möglich sind, weil man ja für das viele Geld auch möglichst viel sehen und erleben muss, was unglücklicherweise auch in Hetze und Akkord enden kann, soll jetzt nicht angezettelt werden. Die Mischung aus allem macht es möglicherweise – der Kompromiss aus dem vielseitigen Erleben und der Chance, dieses Erleben anschließend auch setzen zu lassen und in der Erinnerung lange aufbewahren zu können.

17 Kommentare zu „Wanderung“

  1. Schöne Fotos. Ich bin ja, wie du, recht viel in der Heimat (Mitteldeutschland) unterwegs…und staune immer wieder, wie wenigen Menschen, die auch hier leben, die Umgebung eigentlich bekannt ist. Vielleicht hat aber dieser Blick für Heimat auch etwas damit zu tun, dass man noch in einer Zeit groß geworden ist, in der Reisen in ferne Länder nicht möglich war.

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    1. Danke. Ich denke immer, wenn sich Viele mal langsamer als mit dem Auto durch unsere Umgebung bewegen würden, wären sie in der Lage, auch das Nächste mal zu entdecken. Aber das kann stimmen, dass immer noch Viele das nachholen wollen, was ihnen bis zur Wende verwehrt blieb – Fernreisen. Aber auch dort braucht man Offenheit und Aufnahmefähigkeit sowie Toleranz für das Fremde.

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  2. Von mir dazu ein Gedicht, passend zu deinem Beitrag!

    „Willst du immer weiter schweifen?
    Sieh, das Gute liegt so nah.
    Lerne nur das Glück ergreifen,
    Denn das Glück ist immer da.“
    (Goethe)

    Lieben Gruß, Ewald 😊

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  3. „Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen.“ (Marcel Proust).
    Einer meiner Lieblingsprüche, der an meinem Schreibtisch hängt. 🙂 Ich finde, man sollte für vieles offen sein und ich fühle mich als Erdenbürgerin. Ich liebe unseren tollen Planten, seine Natur, ob sie nun vor meiner Haustür ist oder 10.000 km entfernt. Vollkommen egal! LG Simone

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  4. Das Sehen von scheinbaren Nebensächlichkeiten lernt man als Kind, wenn einem die Zeit dazu gelassen wird, aber das Fotografieren rettet oder weckt diese Fähigkeiten beim Erwachsenen. Wer die Erfahrung noch nicht gemacht hat, dass das Mitführen und „Füttern“ der Kamera mit Entdeckungen absolut jeden Weg erlebnisqualitativ erweitert, vertieft und belohnt, kann sich die Art des Sehens und Erlebens einfach nicht vorstellen.

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  5. Sehr schöner Beitrag. Finde auch, es komme nicht so sehr darauf an, wie weit und teuer man gereist ist, sondern mehr darauf, ob man überhaupt aufnahmefähig für die Schönheiten und Besonderheiten der besuchten Gegend ist.
    LG Franz

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  6. Wie oft erlebe ich ähnliches. Da ich gerne Vögel fotografiere, laufe ich mit meiner „Riesentüte“ durch die Gegend. Wenn ich die dann auf ein Ziel richte, fragen viele Leute was ich denn da sehe. Die rennen „Blind“ durch die Gegend.

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