Morgen am See

 

„Es duftete nach Erde, Wald und Wasser… Bleßhühner fahren hupend umher und machen den See zum Rummel- und Tummelplatz. Das ‚Kökökök“ der Haubentaucher und das sägende „Räb-räb“ der Stockenten-Erpel fährt durch die dünnen Zweige der Faulbäume…“ (Erwin Strittmatter – Der große Gesang aus 3/4 hundert Kleingeschichten)

Diese Worte kommen mir in den Sinn.

Das Nachtdunkel weicht der nebelverhangenen Dämmerung über dem See. Es ist ein kalter Morgen Ende März, ein Stück weit abseits menschlichen Getöses beginnt mit dem ersten Tageslicht der große Gesang des Lebens am See.
Am Ufer sitzend verschmilzt der Beobachter dieses Schauspiels unauffällig mit der Landschaft. Er wird von den Tieren nicht mehr als Eindringling oder gar Feind in ihrem Kosmos betrachtet und so gehen sie ohne Scheu ihrem Morgenwerk nach.
Graugänse, die eben in einer Gruppe rauschend auf dem Wasser niedergegangen sind, tauchen halb aus dem Nebel auf und verschwinden wieder darin, der Haubentaucher zieht unbeirrt seine Bahn auf der glatten Wasseroberfläche. Bleßhühner, Reiher- und Tafelenten sammeln sich in Grüppchen und schauen sich nach Frühstück um.
Die Reiher testen rau krächzend ihre Stimmen und ab und hört man ein „glumb, glumb“ aus dem Schilf.

Hinter dem Wald geht die Sonne auf und taucht die reiferstarrte Landschaft in ein warmes goldenes Licht.

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