am Cuber-Stausee

frei nach dem Motto: woanders ist es auch (manchmal) schön 😉

Schönes Wochenende

nicht von dieser Welt: Cuber-Stausee mit Puig Major

Piratenturm und Sterne

Hoch über der Küste hat man vor hunderten Jahren eine Kette von steinernen Türmen errichtet. Von denen aus beobachtete man das Meer und konnte rechtzeitig die Bevölkerung vor einem drohenden Piratenangriff warnen.
So auch hier.

Heutzutage erfüllt er wohl keinen Zweck mehr, außer vielleicht einem sehenswerten Fotomotiv für reisende Hobbyfotografen.

Steinerner Turm vor Bergen in der goldenen Stunde oder unterm unendlichen Sternenzelt, das Licht aus dem Tal von Soller unterm Orion – wie ein kochender Hexenkessel – das ist schön.

Und der Abstieg in der Finsternis mit Stirnlampe zurück in den Ort ist ein kleines Abenteuer. Man gönnt sich ja sonst nix.
Das Abendessen im heute bereits leergefegten Speisesaal des großen Hotels schmeckt danach umso besser.

Die Magie der Berge

Nun stehen wir hier am See, hoch oben in den schroffen Bergen dieser Insel, hoch oben über dem von hier aus unsichtbaren, aber ganz nahen Meer.
Wolken stauen sich an den steilen Felsgipfeln, Sonnenlichter flirren wie Scheinwerferstrahlen über die Landschaft.
Das ist Irland…
Man neigt dazu, Bilder aus der Erinnerung, mit dem, was man im Augenblick aufnimmt, zu vergleichen. Alles schon einmal gesehen?
Die Wolken fallen in sich zusammen, vom anderen Seeufer aus vermutet man plötzlich, in den Alpen zu sein, ehe weiße Wölkchen am tiefblauen Himmel über weißen Felsen eine unwahrscheinliche Leichtigkeit entwickeln, das ist der sommerliche Balkan, die Rhodopen, das ist Griechenland.

Eine Wandergruppe überholt uns zügig auf diesem für hiesige und Vorsaisonverhältnisse recht gut begangenen Wanderweg. Man spricht deutsch – angeregt über Beruf, Kinder, Rechtsstreitigkeiten, was auch immer. Man hat ein straffes Programm heute, der Paß, der Gipfel, die Schlucht… Nicht treiben lassen, keine Zeit, keine Zeit… Keine Zeit?

Später stehen wir ebenfalls oben auf dem Gipfel. Der Name? Spielt keine Rolle, schön, steil, war der Aufstieg, im oberen Teil felsig, bei Regen möchte man da nicht drüber.
Wenige Andere sind hier oben. Sie sind ganz still, ehrfürchtig – so hoch über der Welt, dem fernen Gewusel da unten – man vermeidet jedes Geräusch, flüstert nur miteinander. Diesen Moment aufnehmen, festhalten, bewahren, darum geht es.

Der lange Abstieg durch die überdimensionale Schlucht mit ihren schwindelerregenden Tiefblicken, auf dem in unvorstellbarer und unendlicher Mühsal errichteten Pflasterweg in Felshängen und -wänden, die nicht für Menschen gemacht sind, wird zum weiteren Höhepunkt an diesem Tag.

Diese Insel ist anders – anders, als wir uns das vorstellten.

Sterne über Palmen

Man glaubt es kaum, wie intensiv ein Urlauberort die Nacht mit seinem Licht verschmutzen kann, wenn man es hier auf diesen Aufnahmen nicht mit eigenen Augen gesehen hat.
Dabei ist das gar nicht einmal so uninteressant. Lange dauert es, bis wir feststellen, weshalb dazu noch dieser diffuse Nebel und dieser gelbliche Schleier in der Luft ist, der sich bei jedem Windstoß verstärkt.
Die Pinie nebenan lässt bei jedem Luftzug Millionen ihrer Pollen frei und diese aufs Meer hinaus tragen. Hätte sie, im eigenen Interesse der Vermehrung nicht damit warten können, bis der Wind von See her weht?

Orion über Palmen – Wintersterne – eigenartig.

Die Üppigkeit der Vegetation


In unserer Heimat herrschen eher die düsteren Farben Grau, Braun, Schwarz (zumindest zu dieser frühen Jahreszeit) vor. Darüber liegt ein feuchter Regenschleier, der die Grenzen zwischen Himmel und Erde verschwimmen lässt. Hat etwas für sich – ist, wenn man sich darauf einlässt, ebenfalls schön, weckt melancholische Stimmungen…

Blauer Himmel, weiße Wolken, grüne mit weißen Felsen durchsetzte Berge, eine uferlose Blütenpracht, prall gefüllte Orangen- und Zitrusbäume, silbergraues Olivenlaub über grotesk verwundenen und verwachsenen uralten Baumstämmen, stolze, kerzengerade, hoch aufragende Palmen, rotbraune Häuser im üppigen Pflanzenmeer. Ein Tisch mit einer Kanne frischgepressten Orangensaft am Wegrand, das freundliche Lächeln der Bäuerin.
Das muss das Paradies sein, so stellt man sich das als Mitteleuropäer vor.

Lassen wir alle anderen nüchternen Überlegungen einmal beiseite.

Das ist das Paradies.

Wir nun auch…

Die Olsenbande war schon dort (und das mehrmals), Til Schweiger und Jan Ullrich u.a. besitzen Fincas da, die Verwandtschaft kennt die Insel, Einige aus dem Freundes- und Bekanntenkreis ebenfalls –
und wir haben es nun auch getan.

Wir haben den Sprung nach M. gewagt, uns gegen alle (eigenen) Vorurteile durchgesetzt und selbst einen Eindruck verschafft.
Die ersten Bilder – Sonne über Meer, verschwenderisches Frühlingsgrün, Touristengedränge am Strand unter Palmen, in den Sträßchen und Bars des kleinen Ortes an der kreisrunden Bucht, Läden mit Schnickschnack, den die Welt nicht braucht. Darüber Berge, Berge – Berge, bis weit hinauf in den blauen Himmel.
So hat man sich das vorgestellt. So entspricht das dem gängigen Klischee. Das ist eigentlich auch nicht anders, als in anderen Touristenzentren in anderen Ländern. Nur wärmer, grüner, bunter, südlicher eben…
Dazu Gedränge im Hotel und dem zu Essenszeiten lärmigen und überfüllten Speisesaal.
Doch, gerade jetzt, in der Vorsaison, nur wenige hundert Meter abseits, ist Landschaft, ist Natur, ist Stille, summende Insekten, Rauschen des Windes in silbrig-grauem Olivenlaub, Rauschen der Brandung auf scharfkantigem Kalkfels.

Mallorca ist anders, ist schön – vorausgesetzt, man nimmt sich die Zeit und Ruhe, es zu entdecken, ohne fernen Zielen hinterher zu jagen oder den Tag am Strand verrinnen zu lassen…

Im Folgenden soll auf konkrete Routenbeschreibungen, Nennungen von Orten, Empfehlungen und Bildern zu Sehenswürdigkeiten verzichtet werden.
Das kann man vielerorts nachlesen, das können Andere viel viel besser beschreiben.
Es soll lediglich ein Versuch sein, den Wust der Eindrücke dieser Tage etwas zu entwirren, die subjektiven Wahrnehmungen (egal an welchem Ort diese auch stattfanden, denn da wird jeder Mallorca-Urlauber seine eigenen ganz persönlichen Lieblingsstellen haben) mit Fotos widerzugeben und insgesamt ein Bild dieser faszinierenden Insel zu vermitteln.
Und die Eine oder der Andere wird sicher manches Bekannte erkennen.