Reformationstag (1)

Die Absicht, mal wieder an den Teich zu fahren und dort die Blaue Stunde zu erleben, war schon lange da. Allerdings bieten sich die besten Möglichkeiten nicht im Sommer, sooo zeitig schafft man es wirklich nicht aus den Federn.
Jetzt, Ende Oktober trafen jedoch wieder alle Bedingungen für eine passende Gelegenheit zusammen. Es würde recht spät hell werden, leichter Frost war angesagt, die kalte Nachtluft erhöhte die Wahrscheinlichkeit von Nebel und trocken sollte es trotzdem bleiben.
Gedacht, geplant, getan… Als der Radelnde Uhu auf dem Rad bei -3°C die über zehn Kilometer lange Anfahrt absolviert, spannt sich über allem ein endloser, völlig ungetrübter Sternenhimmel. Das steigert die Euphorie. Trotz Feiertag sind schon einige Autos unterwegs, aber am abgelegenen Teich wird es definitiv sehr still sein.
Der letzte Hügel, der dunkle Wald, dann ist im Finsteren schon der Damm des Teichs erreicht.
Still ist es.
Still?!
Plötzlich ist genau auf dem Damm ein recht lautes Rascheln zu vernehmen. Das muss ein größeres Tier sein…
Im Licht des Radscheinwerfers bewegt sich etwas großes Dickes auf dem Weg.
Ein Wildschwein??? Die Nackenhaare stellen sich auf. Nein, zu klein… Ein Waschbär? Der wäre vermutlich schon geflüchtet…
Das dicke Etwas auf dem Weg bewegt sich langsam und ungerührt ob des Störenfrieds (in diesem Falle der Radelnde, jetzt Schiebende Uhu) genau in dessen Richtung. Der Schiebende Uhu fasst den letzten Mut zusammen und nähert sich dem Dicken…
Aber auch der zeigt keine Angst. Jetzt lässt sich erkennen, dass der Dicke eine Ast hinter sich her schleift. Gelbe große Zähne, ein platter Schwanz – kaum zu fassen, das ist ein Biber. Klar, die Biberburg ist ein paar Meter entfernt, eigentlich kennt das der Schiebende Uhu. Gut – dann lassen wir dem Biber jetzt erst einmal die nötige Zeit, seinen Ast hinüber in den Wald zu zerren, ehe es an den geplanten Standort geht um dort Stativ und Kamera aufzubauen.
Das Schnaufen des Dicken entschwindet in der Dunkelheit, jetzt schnauft nur noch der Fotografierende Uhu etwas enttäuscht.
Das Wasser des Teichs hat man schon abgelassen. In der Finsternis ist das kaum zu erkennen, aber offensichtlich gibt es außer der Pfütze, wo ein paar Enten kreisen, nur noch Schlammbänke bis hinüber zum Schilfufer.
Und etwas Nebel…
Und darüber die Sterne…
Die fotografischen Ergebnisse zeigen dann eine völlig veränderte, im Sternenlicht sehr surreale Landschaft.

18 Kommentare

  1. athenmosaik sagt:

    Unfassbare Stimmung auf den Fotografien und wirklich toll eingefangen. Die Geschichte dazu natürlich auch!!

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    1. Dankeschön. 🙂 Die fremdartige Atmosphäre entsteht gerade durch den Schlamm – umso überraschender, denn ich hatte mit stillem spiegelnden Wasser gerechnet. 😉

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  2. Greta DH sagt:

    Das Bild mit die 3 Silberreiher ist wunderschön! (Es sind doch Silberreiher, oder?)

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    1. Danke 🙂 Ja, das sind Silberreiher, die wie alte Männer im frostigen Schlamm standen und auf die Sonne warteten.

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  3. Maren Wulf sagt:

    Beinahe überirdisch schön, der Teich zur blau-lila Stunde.

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    1. Vor allem war das ursprünglich gar nicht so beabsichtigt… Ich hatte auf einen spiegelnden See gehofft. Doch so finde ich die Wirkung und Atmosphäre ebenfalls viel mystischer.

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  4. Inge David sagt:

    Nice story … and beautiful atmosphere photos !
    Have a great week !

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    1. Thanks 🙂 I hope, you enjoyed it 🙂

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  5. Richard sagt:

    Schöne Geschichte. Man muss eigentlich ganz froh sein, dass Biber normalerweise sehr scheu sind. Ich habe erst einmal einen gesehen, das war am helllichten Tag irgendwann im Juni, und da ist mir zuerst einmal aufgefallen, dass der deutlich größer ist, als ich dachte. Und angeblich sind die auch durchaus wehrhaft. So mancher Hund, der ihnen ins Wasser gefolgt ist, soll das schon bereut haben. Gut, dass deine Geschichte so schön friedlich verlaufen ist, passt besser zu den stimmungsvollen Fotos.

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    1. Danke Richard. Vermutlich habe ich auf den „Dicken“ nicht gerade bedrohlich gewirkt oder er war zu sehr mit seinem Ast beschäftigt. Biber habe ich bisher in freier Wildbahn nur einmal schwimmend in einem Flusstotarm erlebt, die Größe jetzt an Land fand ich schon sehr beeindruckend. So war es vielleicht auch gegenseitiger Respekt, der alles gut ausgehen ließ 😊

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  6. hikeminded sagt:

    Toll, toll, toll!
    Die Bilder sind großartig. Vielleicht sollte ich doch mal früh aufstehen …
    Ich hab zwar auch schon alleine im Wald übernachtet, aber ich stimme dir vollkommen zu: Im Dunkeln wächst das Knacken zur Explosion, das kleinste Geräusch zum Monster. Seitdem weiß ich, warum es Märchen gibt.

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    1. Dankeschön 😊 Du hast vollkommen Recht. Aber die Tiere sind in den meisten Fällen das geringste Risiko. Ein Ranger hat mir mal gesagt, Wildschweine sind z.B. so klug, dass die sich keinen unnötigen Stress mit dem Menschen einhandeln wollen. 😉 Wobei der Respekt trotzdem groß ist und die Geräusche im nächtlichen Wald somit schon für eine gewisse Unruhe sorgen können. 😊

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  7. rabirius sagt:

    Die Fotos sind großartig. Tolle Atmosphäre und schöne Farbbalance.

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    1. Danke Dir. Das Ergebnis war eher überraschend, weil es noch fast stockdunkel und diese Nebelbänke kaum zu erkennen waren. Dazu die Pfützen im Schlamm, die die geringsten Lichtschimmer widerspiegelten….

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  8. Ola sagt:

    Schönes Erlebnis, toller Trip.

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    1. Das war es. Auch wenn er erst einmal mit Gänsehaut begann 😉

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  9. Fotohabitate sagt:

    Na, da hat sich der Feiertag ja mehr als gelohnt: tolle Szenerie mit Adrenalinkick 😉 Im Dunkeln wirkt ja alles mächtiger und lauter. Da hätten sich meine Nackenhaare garantiert auch hochgestellt 😊

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    1. Hallo Simone,
      nachdem der erste Schreck überstanden war, fand ich es sehr überraschend, wie wenig scheu der Biber war. Und auch schlammige Teiche haben ihren Reiz 😉

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