Vorfrühlings-Rundfahrt

Eisig weht immer noch der Nordwind, angesagt waren heute schon mehr als 10C, im Wind sind es gefühlt 5°C. Aber als wir dann auf holprigem Feldweg gen Osten rumpeln, die Wolken sich auflockern und sich sehenswert auf den grünenden Saaten Sonnenlichter zeigen, ist es doch ganz angenehm und auszuhalten, weil der Wind nun von der Seite weht und das Rumpeln leichter macht. Nördlich unserer Wohngegend gibt es außer Bundesstraßen leider keine gut ausgebaute Fahrradinfrastruktur, nur weite, fast baumlose, Felder und Feldwege, die zudem (nach drei Dürrejahren endlich einmal wieder) schlammig sind.
Erst bei Lübschütz, als wir beschließen, uns nun an der Mulde entlang vom Wind treiben zu lassen, werden die Bodenbeläge radelfreundlicher.
Bei Grubnitz durchqueren wir die schöne und weite Auenlandschaft am Fluss, den wir dann auf der kleinen Brücke (2002, nach der großen Flut rollte hier der gesamte Fernverkehr hinüber, weil bei der großen Brücke etwas südlicher plötzlich – und erst nach Tagen festgestellt – ein Mittelpfeiler fehlte) überqueren.
Trotz kahler Bäume, es ist schön hier und der Fluss führt endlich wieder einmal ausreichend Wasser.
Ringelnatzstadt Wurzen – spontaner Abstecher zum Bäcker in der kleinen feinen Altstadt -es ist Mittagszeit, den leckeren Kuchen und die herzhaften Käsebrötchen lassen wir uns eine halbe Stunde später auf einer Anhöhe über der sonnigen Muldeaue mit Blick auf die nähere und fernere Umgebung munden.
In der Sonne ist es nun gut auszuhalten, ein Hauch von Frühling liegt in der Luft.


Neben uns kann man noch die Reste der Fundamentmauern der ehemaligen Kirche, dem letzten Rest des Dörfchens Sellnitz erkennen, welches vermutlich 1429/30 durch die Hussiten zerstört wurde.
Frühling, nach den langen kalten und oftmals trüben Wochen ist das wie Balsam auf der Seele.
Genussvoll rollen wir dann bis Trebsen, überqueren hier die Mulde wieder westwärts und pirschen uns am Schloss vorbei durch den Park möglichst windgeschützt bis hinauf zum großen Wald, der uns dann schließlich das Gegenwind-Kurbeln wesentlich erleichtern soll.
Aber, um die Hügel heimwärts zu umgehen, wählen wir den etwas längeren Weg, der dann auch nicht allererste Wahl ist. Rumpeln nur unwesentlich schneller als im Schritttempo durch Schlamm und Pfützen ist angesagt.
Kurz vor Altenhain liegt der sogenannte Schwarze Bruch in wunderbar idyllischer Umgebung mitten im Wald. Nur intensiv nach Benzin stinkt es und auf dem dunklen Wasser treibt ein Ölfilm. Und das ist nicht zum ersten Mal so, es wird spekuliert, dass es sich hier um entsorgte Altlasten der sowjetischen Truppen handelt. Der Name des ehemaligen Steinbruchs stammt aus den letzten Kriegstagen. Man vermutet, dass 1945 amerikanische Soldaten vor der Übernahme des Geländes durch die Russen Handgranaten in den mit Rückständen aus der Treibstoffversorgung gefüllten Steinbruch warfen und so eine gewaltige Explosion und ein tagelanges Feuer verursachten, in dessen Folge die Felswände schwarz wurden.
Wenig später rollen wir am Gelände (mittlerweile seit der Wende vom Wald überwuchert) des ehemaligen Munitionslagers, der Muna vorbei. Ich kann mich aus Kinderzeiten noch an die streng bewachte drahtzaunbewehrte Anlage mit ihren Scheinwerfern erinnern.
Von Altenhain bis Ammelshain rollt es nun auf Asphalt wieder hervorragend, noch die Autobahnbrücke über die A14, dann zum See.
Knirsch – bei der lieben Reisegefährtin hat es laut geknirscht.
Wieder ein Deja Vu, denn auf ähnliche Weise hatte sich vor fast einem Jahr mein altes Fahrrad aus dem Dienstbetrieb verabschiedet. Das Schaltauge ist gebrochen. Ausbauen und kette kürzen – da fehlt jetzt der Elan – das heißt, dass der Radelnde Uhu nun die letzten 10 Kilometer im Eiltempo durch den Wald nach Hause rast, um das Auto zu holen.
Nun ja, positiv gesehen – ein guter Trainingseffekt, schade trotzdem, dass eine schöne Radtour so ein Ende finden musste.

PS: ein neues Schaltauge ist bereits bestellt, in Kürze kann es hoffentlich wieder auf Tour gehen.

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