Die Magie der Berge

Nun stehen wir hier am See, hoch oben in den schroffen Bergen dieser Insel, hoch oben über dem von hier aus unsichtbaren, aber ganz nahen Meer.
Wolken stauen sich an den steilen Felsgipfeln, Sonnenlichter flirren wie Scheinwerferstrahlen über die Landschaft.
Das ist Irland…
Man neigt dazu, Bilder aus der Erinnerung, mit dem, was man im Augenblick aufnimmt, zu vergleichen. Alles schon einmal gesehen?
Die Wolken fallen in sich zusammen, vom anderen Seeufer aus vermutet man plötzlich, in den Alpen zu sein, ehe weiße Wölkchen am tiefblauen Himmel über weißen Felsen eine unwahrscheinliche Leichtigkeit entwickeln, das ist der sommerliche Balkan, die Rhodopen, das ist Griechenland.

Eine Wandergruppe überholt uns zügig auf diesem für hiesige und Vorsaisonverhältnisse recht gut begangenen Wanderweg. Man spricht deutsch – angeregt über Beruf, Kinder, Rechtsstreitigkeiten, was auch immer. Man hat ein straffes Programm heute, der Paß, der Gipfel, die Schlucht… Nicht treiben lassen, keine Zeit, keine Zeit… Keine Zeit?

Später stehen wir ebenfalls oben auf dem Gipfel. Der Name? Spielt keine Rolle, schön, steil, war der Aufstieg, im oberen Teil felsig, bei Regen möchte man da nicht drüber.
Wenige Andere sind hier oben. Sie sind ganz still, ehrfürchtig – so hoch über der Welt, dem fernen Gewusel da unten – man vermeidet jedes Geräusch, flüstert nur miteinander. Diesen Moment aufnehmen, festhalten, bewahren, darum geht es.

Der lange Abstieg durch die überdimensionale Schlucht mit ihren schwindelerregenden Tiefblicken, auf dem in unvorstellbarer und unendlicher Mühsal errichteten Pflasterweg in Felshängen und -wänden, die nicht für Menschen gemacht sind, wird zum weiteren Höhepunkt an diesem Tag.

Diese Insel ist anders – anders, als wir uns das vorstellten.