Cottbus-Tour 2008

Spreewald-Ausroll-Tour 2008

12.09.2008
 
Halb sechs Aufstehen, allerdings hält sich meine Lust ein wenig in Grenzen. Auch in der Vorbereitung habe ich das Ganze dieses Mal recht nachlässig gemacht, so muss ich, als ich eigentlich schon losfahren will, noch den Sattel wechseln. Und dann finde ich meine Kappe nicht, der Wind weht sehr kühl und recht heftig mit 2-3 von Nordost, so dass ich auch den ganzen Tag das Windgeräusch in voller Lautstärke hören muss. So komme ich also erst 6.20 Uhr los, eigentlich wollte ich schon 6.00 Uhr…
Na ja…
Brandis, Zeititz, Bennewitz, Wurzen, dann Kleinzschepa und der 8%er, den ich recht gemächlich (nur nicht frühzeitig fertig machen) hinauf schleiche. Und der Wind nervt und bremst mich gewaltig.
Röcknitz, Mockrehna, dann durch den Wald, endlich mal kein Gegenwind, Roitzsch und Dommitzsch.
Gegen 8.58 Uhr erreiche ich nach 60,65 Kilometern die Elbfähre (2:29:42 Std.), für 1,- EUR nimmt der Fährmann mich hinüber auf die Prettiner Seite, wo ich die erste Rast mache.
Das Wetter bleibt trübe, der Himmel ist fast bedeckt, grau, die Wolken hängen tief und der Wind hört nicht auf zu wehen.
Prettin, Annaburger Heide, Annaburg, 75 km.
Mein Schnitt ist nicht besonders und ich fühle, wie langsam auch die Kräfte etwas nachlassen. Holzdorf, Schönewalde…
In einem Dörfchen 5 km vor Dahme mache ich die zweite Pause, es sind 108,76 km, aber es ist schon 11.20 Uhr (4:29:59 Std.). Das sind nicht einmal 25 km/h! Und ich bin richtig ausgepowert.
Der Hunger hält sich in Grenzen, das Brötchen schmeckt nicht so recht, der Durst ist groß. Wenn das so weiter geht, halte ich das nicht durch! Nach der Rast geht es wieder etwas besser, zumindest zehn Kilometer lang, dann habe ich schon an kleinen Anhöhen gegen den Wind zu kämpfen. Ein schweres Vorankommen ist das heute. Ich hoffe auf den Spreewald, wo es sicher besser wird.
Golßen, dann bin ich auf bekannter Strecke. Tropical Island, kurz danach mache ich auf dem Asphaltradweg nach Krausnick 13.34 Uhr die nächste Pause (151,12 km, 6:24:03 Std.), bekomme aber nur noch ein paar Hanutas hinter. Mehr geht nicht. Ich bin ziemlich fertig. Ein merkwürdiges Gefühl, nun wieder hier, wo ich im April auf dem Spreewald-Marathon recht zügig vorbei kam, zu sitzen. Im Frühjahr schien die Sonne, Vorfreude auf den Frühling, den Sommer… Jetzt hat sich der Herbst mit aller Macht schon eingestellt.
Krausnick, Schlepzig, Krugau…
Schön, die Spreearme im Wald, dann endlich geht es nach Süden und sofort verbessert sich auch meine Geschwindigkeit. Der Wind bläst nun von der Kante, das ist wesentlich angenehmer.
Biebersdorf, Radensdorf…
Ich bekomme langsam Zweifel, ob ich den Zug 16.58 Uhr noch in Cottbus schaffe. Es sind noch einige Kilometer, schätze so an die 40 – 50. Aber vielleicht wird es nun auf der tollen Route, die ich auf der ALDI-Karte quer durch den zentralen Spreewald gefunden habe, noch besser und schneller. Die kleine Asphaltstraße führt noch ca. 4 Kilometer nach Süden in das Biosphärengebiet, die Landschaft wird immer schöner. Aber dann wechselt plötzlich der Belag. Immer mit der Hoffnung auf Besserung holpere ich nun mit 8,5 bar auf schmalen Betonplatten durch den Spreewald. Das rüttelt mich ziemlich durch, Hauptsache, der Rahmen hält das aus!
Und irgendwann gebe ich den Gedanken auf, den Zug schaffen zu wollen. Inmitten von Wiesen, Spreearmen und Wald fange ich endlich an, diese Tour zu genießen. Schön ist es hier! Ich sehe nur sehr wenige Menschen, habe ein wenig Probleme mit der Orientierung anhand meiner Billigheimer-Karte, aber auch denen, die ich frage, geht es da nicht viel besser. Aber… Irgendwo werden wir schon rauskommen.
Und dann gibt es sogar wieder Schilder, bis Burg sind es noch ein paar Kilometer, aber die nutze ich nun auch noch zum Schauen und Genießen. Es kommt sogar kurz die Sonne zum Vorschein. Alles zeigt sich in den schönsten Farben. Hat es sich doch gelohnt.
Kurz vor Burg/Dorf mache ich nun die letzte Rast. Es ist 15.45 Uhr, ich habe 198,35 Kilometer hinter mir (8:33:12 Std.). Die 200-Kilometer-Schallgrenze erreiche ich nun kurz vor Burg.
Vorbei an dem Platz, an dem sich im April der Kontrollpunkt befand, kurzer erfolgloser Abstecher in einen Zooladen, Mareike braucht für ihren Krebs-Experimentierkasten Meersalz, und dann entlang einer stark befahrenen Straße gen Cottbus.
Der Radweg zweigt allerdings bald von der Straße ab und führt nun als Fahrradstraße, einfach genial, über 10 Kilometer quer durch endlosen Wald bis direkt ins Cottbuser Zentrum. Besser geht das nicht. Super!
Nur in der Stadt selbst fahre ich nun mangels Ausschilderung zum Bahnhof mehr intuitiv und erlebe zu guter Letzt auch noch ein schönes Kopfsteinpflaster. Aber dann stellt sich doch ein wenig das erhoffte gute Gefühl ein, als ich mit klackenden Schuhen 17.46 Uhr mein Rad in den Bahnhof schiebe. Das war’s für heute…
Mein tolles Rad, was das in den letzten drei Jahren nun schon für Touren überstanden hat! Und immer noch rollt es einfach super, die Schaltung ist immer noch einwandfrei… 
Cottbus 222,29 km, 17.46, 9:38:49 Std. Nettofahrtzeit
Ich muss nun auf den Zug 18.58 Uhr warten, aber die Zeit vergeht recht schnell. Meine Fahrkarte kann ich sogar am Schalter ohne Bedien-Aufschlag kaufen, diese geplante heimliche Preiserhöhung hat Mehdorn dank der Revolte der Bürger nicht durchsetzen können 🙂 Eigenartigerweise drängeln sich aber an den Automaten die Leute, dort dauert das, hier, am Schalter dagegen ist es leer (???).
Noch eine Bockwurst, die habe ich mir verdient, dazu eine Cola, und dann Klamotten wechseln, etwas Trockenes anziehen und nicht den Fehler vom letzten Jahr wiederholen. So vermeide ich die Schüttelfrostattacke zwar, aber Dagi ist trotzdem in Taucha, es ist dann 21.15 Uhr, und holt mich mit dem Auto ab, so dass mir die letzten 10 Kilometer erspart bleiben.
Im Nachhinein fand ich diese Tour bis auf die Kilometer auf der Rüttelpiste quer durch den Spreewald nicht ganz so toll. Aber das lag wohl hauptsächlich an den widrigen Umständen, der Wind und das trübe Wetter drückten die Laune schon frühzeitig. Statt angenehm und entspannt mit Rückenwind gen Osten zu rollen, gab es von 222 Kilometern mindestens 180 Kilometer Gegenwind.


Doch am Sonntag (14.09.2008) las ich schon wieder auf Zwinkis Seiten den Bericht über seinen Vor-Weihnachts-200er bei -7°C. Das ist zwar nicht so sehr gesund, aber schon ein Abenteuer.
Die Sucht ist groß…

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