Spreewaldmarathon 2016

Samstag, 16.04.2016

Die Anspannung ist ziemlich groß, obwohl eigentlich geplant ist, diese Tour nur so weit zu fahren, wie es Kopf und Körper zulassen.
Nur nichts provozieren – sondern ganz langsam, ganz behutsam den Neuanfang versuchen, den zweiten Neuanfang übrigens nach dem „Fast-Katze-Überfahren“-Crash vom August 2012.
Na ja, eigentlich schon der dritte, nach 08/2015 und 12/2015…

Egal…

Kühl, wolkig, sonnig ist es, für heute ist gutes Wetter angesagt.
Zumindest sollen nicht solche Regenfälle wie gestern zu erwarten sein.
Auf das Einrollen im Morgensonnenschein nach Lübben hinüber verzichten wir, im Auto ist es wärmer und gemütlicher…
Und so kommen wir sogar noch in den Genuss, die „Hasenhochzeit“ auf dem Feld vor Lübben zu sehen. Sind das nun 7, 8 oder 14 Hasen oder 15 Hasen und 7 Ohren oder 15 Ohren und…
Auch egal, auf jeden Fall haben wir noch nie so viele Hasen auf einem Fleck gesehen.
An der Festinsel ist wieder Tohuwabohu, die 1200 Teilnehmer auf den 200 km wälzen sich gerade über die kleine Brücke auf Lübbens Straßen.
Und ganz am Ende rollen wir schließlich in aller Ruhe hinterher. Begleitet vom Polizeifahrzeug mit Blaulicht – auch ein Erlebnis… Dem englischsprechenden Pärchen hinter uns sind wir schließlich zu langsam, die zwei gemächlich dahin rollenden Herren auf den schicken Rennrädern vor uns überholen wir dann nach ein paar Kilometern…
Na was – geht doch.
Uwes geschicktes abwartendes Nachfragen erreicht dann in Lubolz den von ihm gewünschten Effekt. Ich werfe alle Pläne von einer Spreewaldrunde mit maximal 70 km außerhalb jeglicher Wertung, alle Pläne von da mal abkürzen und dort mal ne Beule abschneiden über den Haufen und wir rollern den 200ern in Sichtweite hinterher.
Man muss es ja nicht übertreiben, doch selbst die 150er-Runde, die mir zu diesem frühen Zeitpunkt noch völlig aussichtlos erscheint, kann man ja im Notfall jederzeit abbrechen.
Der neue Verpflegungspunkt in Kasel-Golzig bestärkt dann noch einmal das Vorhaben, auf der ausgeschilderten Route zu bleiben.
Recht locker erreichen wir Krausnick, die Masse der Leute ist schon weg, das bietet die Chance, sich ohne Drängelei zum ersten Mal voll zu fressen. Die Sonne scheint, die fleißigen und netten ehrenamtlichen Helfer lächeln, das Leben ist schön.
Ein kurzes Hineinhorchen – nö – selbst das leise Kribbeln im Hinterkopf ist nicht zu spüren.
Aber – man muss auch das Pausenmachen nicht übertreiben. Radfahren wollen wir auch noch.
Kult-P-Pause im Unterspreewald am Puhlstrom, Plinsen nach weiteren 10 kmchen am Hafen in Schlepzig. Das ist auch neu – und da wir ja ganz entspannt….
So können wir dieses freundliche Angebot einfach nicht ablehnen.
Eurocamp, schon eine ganze Weile beunruhigte die dunkle Wolkenfront im Westen. Doch den nach der Pause einsetzenden Regen soll es lt. Wetterbericht heute eigentlich nicht geben. Kleiner Makel, hört bestimmt gleich wieder auf.
20 Kilometer weiter – sollten wir doch die Regenklamotten anziehen? Der Regen war ja nun nicht angesagt, ist sicher nur die dicke schwarze Wolke, gleich vorbei.
Straupitz – wir sind durch, nass, kalt…
Aber die Leute hier lassen sich einfach nicht verdrießen, das steckt irgendwie an. Und die Plinsen sind nun auch nicht von schlechten Eltern. Dazu ein, zwei Käffchen.
Besser geht dat nich…
Na gut, die Dusche könnte bitte mal jemand abstellen.
Regenklamotten sind mittlerweile sinnlos. Wenigstens die dürfen nun trocken bleiben.
Unsere Familien, die wir angesichts des Wetters in einer ganz anderen Laune erwartet hatten, stehen lächelnd und zufrieden im Regen. Erstaunlich. Was hat der Spreewaldmarathon, was andere Radtouren nicht haben?
Uwes Optimismus leidet jedoch ein wenig, denn die helleren Wolkenlücken werden minutenschnell wieder dunkel zugedeckt, der Jemand dreht am Duschknopf, das Wasser fällt mal spärlicher, mal etwas intensiver, wo kommt das alles her?
Ein Genuss ist die schöne Landschaft zwischen Straupitz und Burg angesichts der Nässe und Kälte heute leider nicht – ja, wir haben abgekürzt – die 200 sollen es heute nicht sein, wir sind zeitlich sowieso viel zu spät, so dass wir die Beule über Lieberose ausfallen lassen.
Aber in Burg gibts schon wieder etwas zu futtern. Lecker Kuchen… Prima.
Offensichtlich bewirkt aber der Dauerregen, dass die angekündigten Sturmböen ausfallen. Ist ganz praktisch, denn im ehemaligen Tagebaugelände südlich von Raddusch würde es sonst ganz schön entgegen blasen. Hat also auch sein Gutes…
Der letzte Verpflegungspunkt an den Lübbenauer Spreewelten wirkt heute ein wenig verwaist. Schade, denn die Blasmusiker geben ihr Bestes und hätten sicher ein wenig mehr Publikum verdient. Und auch die angebotenen Suppen sind genau das Richtige im Augenblick – also auch hier wieder der Vorteil der Situation, man bekommt die und noch nen Nachschlag ohne Schlangestehen.
Lässt das Pieseln jetzt etwa nach?
Es scheint ganz so – tatsächlich das penetrante leise Klopfen auf dem Helm wird langsamer, leiser…
Aber war wohl nur ne Atempause, auf dem letzten Stück auf der Bundesstraße nach Lübben scheint der Duschknopf kaputt gegangen zu sein und der Himmel öffnet nun etwas unkontrolliert seine Schleusen. Die Straße ist eine einzige Wasserfläche, man sieht nur Wasser ringsum, Taucherbrille und Schnorchel wären jetzt ganz praktisch.
Aber dann ist gegen 16 Uhr doch Lübben erreicht.
Fast alle haben durchgehalten, sich allerdings nach der Zieleinfahrt auch gleich verkrümelt. Ein Fest wird das hier eben nicht mehr, auch wenn die Trommler und Cheerleader jedem eintreffenden Fahrer eine Extra-Willkommens-Welle gönnen.
Aber das Ziel ist erreicht und die eigenen Vorstellungen wurden bei Weitem übertroffen.
156 km – das lag außerhalb jeglicher Vorstellung.
Trotz der üblen Vorgeschichte in den letzten Monaten, der fast völlig fehlenden Grundlagenausdauer und der stark abgebauten Muskulatur ist es eine für mich arg überraschende Tatsache, diese Distanz gefahren zu sein. Es geht!
Aber, was folgt nun?
Hineinhorchen, schauen, was mit dem Körper passiert, Ruhe bewahren und auf keinen Fall sofort nachlegen. Man muss es ja nicht übertreiben.
Übrigens scheint jetzt die Sonne von einem blauweißen Himmel.
Da erübrigt sich jeder Kommentar.

Und an die goldene Gurke, wir waren ja eigentlich für 200 gemeldet, werde ich mir ein Zettelchen kleben… „Beschissgurke“ könnte vielleicht drauf stehen 🙂