Spreewaldmarathon 2019

Alle Jahre wieder…
So oder ähnlich geht es durch den Kopf, als wir in der Morgenstille locker an der Spree entlang gen Lübbenau rollen. Das elfte Mal ist es heute, eigentlich gab es nur ein Jahr, 2017, in dem der Radelnde Uhu aussetzen musste.
Das frühlingshaft warme, aber für diese Jahreszeit viel zu trockene Wetter ist mit einem deftigen Gewitter heute Nacht umgeschlagen.
Nun ist der Himmel wolkenverhangen, der Wind weht leicht von West, es ist kühl, aber wir werden den ghanzen Tag lang Glück haben, bis auf wenige Spritzer bleibt es heute noch trocken.
Der Startpunkt für den 17.Spreewaldmarathon ist wegen Bauarbeiten an der Festinsel heute an den Sportpark an der Majoransheide am westlichen Rand der Stadt verlegt.
Auch wenn wir das Ambiente am Schloß auf der Festwiese schöner finden, für den Stadtverkehr ist es schon eher eine Entlastung, wenn sich die zigtausende von Radlern von hier draußen aus auf die Strecke machen.
9 Uhr ist der Startschuß, dann setzen sich 1200 Radler laaangsam in Bewegung auf die 110er-Runde. Nach dem gemütlichen 70er im letzten Jahr äußerten unsere Nachwuchsfahrerinnen den ausgeprägten Wunsch, sich einmal etwas mehr zu fordern und die 110 zu versuchen.
Und so hat der Radelnde Uhu heute DREI !!!! JUNGE !!! DAMEN !!! im Schlepptau. Auch nicht schlecht.
Die Route verläuft zunächst quer durch die Stadt, am zweiten Kreisverkehr gibt es Irritationen, die Schnellen vorn folgen dem blauen (200er) Pfeil und werden rasch nicht mehr gesehen, die Langsameren haben immerhin Zeit zum Reagieren und Schauen und biegen rechtzeitig ab, der rote (110er) Pfeil ist etwas weiter stadteinwärts angebracht, war nicht direkt zu erkennen. Etwas ungünstig ist nun die Vermischung mit dem alltäglichen Kfz-Verkehr. Das wird nicht unbedingt auf Feudenausbrüche bei unseren motorisierten Verkehrsteilnehmern sorgen.
Aber als wir die Stadt schließlich verlassen, ist alles gut und schön.
Und es wird immer schöner…
Das ist es wieder, das Besondere am Spreewaldmarathon, die weite Landschaft, die Störche auf Wiesen und Feldern, die kleinen Straßen und Sträßchen und dann die perfekte und umfassende Betreuung an den Verpflegungspunkten.
Es geht einfach nicht besser und schöner – finden zumindest wir.
Die DREI!!! JUNGEN!!! DAMEN!!! 😉 haben sich mit dem Schnitt, den der Radelnde Uhu vorgibt, wunderbar arrangiert. Nicht zu schnell, schön gleichmäßig, nicht zu große Gänge, kraftsparend und knieschonend eher mit höherer Frequenz, Viele überholen uns zwar, aber es geht nicht ums Gewinnen, sondern ums Durchhalten und Ankommen. Und ums Genießen dieses schönen Tages.
Für ausreichende Pausen und Verpflegung ist gesorgt, alle sind zufrieden und haben ihren Spaß.
Auch die „Strategie“, durch nicht zu lange Pausen Zeit zu gewinnen, geht voll auf. Etliche, die uns überholten, sehen schon am ersten Kontrollpunkt am Eurocamp nach 42 km ziemlich knülle aus, die sehen wir danach erst eine ganze Weile nach unserer Ankunft im Ziel wieder. Aber wir wollten ja nicht gewinnen 😉
Schwere Beine? Gibt es heute auch nicht. Eher schwere Bäuche vom vielen Essen. Oder Mädels?
Die Plinsen in Straupitz sind wieder ein Träumchen (schade, ein Jahr müssen wir nun wieder darauf warten) und nach kurzer Fahrt durch die herrliche Flussauenlandschaft gibt es in Burg schon die nächste Fresspause.
Wetter? Das hält sich – prima. Was kann es Schöneres geben, als an solch einem Tag um bzw. durch den Spreewald zu rollern.
Der „Angsthuckel“ am Tagebau ist heute geschenkt, bald ist Lübbenau erreicht, schon wieder Pause? Neee, war ein Spaß, die muss sein, irgendwie fallen wir sonst vom Fleisch.
Lübben – am Sportpark säumen viele Zuschauer die EInfahrt ins Ziel, dann gibt es die wohlverdienten bronzenen Gurkenmedaillen.
Toll Mädels, es hat heute viel Spaß mit Euch gemacht. Gerne mal wieder…
Nach ein, zwei Bierchen (bleifrei) rollen wir nun wieder zurück zu unserer Unterkunft.
In Summe kommen wir somit heute auf 140 Tageskilometer.
Abgesehen von einigen 200ern kommt uns auf dem Spreedamm kaum noch jemand entgegen. Ruhe macht sich wieder über der Landschaft breit, das Licht in diesen Nachmittagsstunden wird schöner, goldener, glatt ist der Wasserspiegel der gemächlich strömenden Spree.
Die Summe der Ereignisse dieser Tage – das Fest, der Spreewaldmarathon und sein Getöse und die vielen Radler, die extrem beanspruchten, aber immer freundlichen Helfer und Betreuer, das Dahinrollen auf dem Spreedamm, die endlose ruhige Landschaft, wenn der Lärm verschwunden ist, die schöne kleine und gemütliche Altstadt von Lübbenau z.B., die Wanderung an den Kanälen entlang durch den Wald am nächsten Tag, das Paddeln auf dem stillen Wasser, der Sonnenuntergang und die abendlichen Farben – und nicht zuletzt das üppige Bauernfrühstück oder die Grützwurst ergänzt mit ein, zwei, xx Gläschen Babben-Bier, das bedeutet für uns (auch) Spreewald.
Und der nächste Spreewaldmarathon ruft schon.

Über das Glück

Über das Glück wurde ja schon einmal hier „“philosphiert“.
Diese Momente wiederholen sich, oft unbemerkt und erst im Nachhinein als glückliche Augenblicke wahrgenommen.
So zum Beispiel an diesem sehr frühen und überaus nebligen April-Samstagmorgen, als der Radelnde uHu wieder einmal an einem seiner Lieblingsorte am See steht und sich abmüht, dieses wunderbar diffuse Licht in irgendeiner Form abzulichten.
Schemenhaft tauchen dabei aus dem Grau zwei Haubentaucher auf. Da sich der uHu seeehr still verhält und in seiner dunklen Kleidung am Seeufer kaum auffällt, lassen sich die beiden Vögel von ihm nicht irritieren oder stören. Ein balzendes Paar ist es, an den Bewegungen der langen Hälse lässt sich erkennen, was gleich geschehen wird.
Und tatsächlich, nachdem Beide wie U-Boote aufeinander zugeschwommen sind, richten sie sich im Moment des Erreichens hoch auf und lehnen sich aneinander.
Detail-Fotos? Fehlanzeige…
Die 70 mm sind einfach zu kurz, das lange „Rohr“ schlummert zu Hause in der Kiste.
Aber ehrlich gesagt, in diesem, nach zwei langen Jahren endlich wieder elebten Augenblick denkt der uHu gar nicht ans Fotografieren. Völlig egal, das kann man nicht fotografieren. Das muss man einfach nur sehen und verinnerlichen.
Nach diesem kleinen Wunder ist alles wieder ein bisschen anders, ein wenig schöner.
Diese Welt funktioniert immer noch nach demselben Prinzip, wie sie es schon seit Jahrtausenden tut und das beruhigt doch ein wenig.
Noch lange ist das krächzende Kräck kräck zu vernehmen, auch wenn die Vögel kaum zu erkennen sind.
Balzende Haubentaucher im Nebel – Glück gehabt.

Glück…

entschleunigtes Reisen

Zugegeben – besonders angenehm sitzt man auf den harten Holzbänken nicht. Die Leute vor vielen Jahren mussten da ziemlich hart im Nehmen sein.
Unsere letzte Erfahrung in der Holzklasse ist 36 Jahre her. 1983 schaukelten wir in einem Uralt-Zug in die rumänischen Karpaten.

Aber auch jetzt erschließt sich schon nach wenigen Minuten die Schönheit dieser Art des gemächlichen Reisens. (vorausgesetzt, Hintern und Knochen halten dem Gerüttel stand)
Im Schneckentempo schraubt sich der über hundert Jahre alte Zug ins Gebirge hinauf, durch finstere Tunnel mit wunderbaren Ausblicken in das „Goldene Tal“.
Nicht mal schnell im Auto auf gut und glatt ausgebauten Straßen in einer halben Stunde quer über die Insel, sondern gemächlich, man könnte quasi im Vorbeifahren die Früchte von den Bäumen pflücken, auf teils verworfenen Gleisen in die Hauptstadt rumpelnd.
Jaaa – es ist nur noch etwas für Touristen, die es sich leisten können, diesem etwas melancholischen Gefühl nachzuhängen. Die Einheimischen bevorzugen da auch eher die effektiveren und zweckmäßigeren Fortbewegungsmittel. Und man selbst reist zu Hause ja schließlich auch nicht ungern auf gepolsterten Sitzen.

Als am Abend die Sonne hinter den Bergketten untergeht und die Dämmerung über die Berge herein bricht, die historischen Lampen im Zug leuchten, ergibt man sich gern noch einmal dieser Langsamkeit des Unterwegsseins.

Ist Schnelligkeit immer besser?