Sommer 21 – die langen Tage

Sommer 21 (ein paar Bilder zur Erinnerung)

Von Fotos, die plötzlich ganz anders waren, als ursprünglich beabsichtigt.

Tja, das ist nun so eine Sache. Zumindest dem Radelnden uHu geht es zumeist so, dass er eine Fototour mit einer ganz bestimmten Absicht unternimmt. Man hat ungefähr eine Art Plan oder Vorhaben, manche nennen es auch Projekt, im Kopf und dann geht es mehr oder weniger zielbewusst auf die Motivsuche.
Wobei, ehrlich gesagt, unsereiner sich immer wieder dabei ertappt, auch völlig abseits vom Plan mal schnell ne Aufnahme von einem besonderen Licht, einem speziellen Blickwinkel, was auch immer, so ganz nebenbei mit einzufangen.
Aber (fast) immer weiß man (oder hat eine Ahnung davon) was man danach im Kasten bzw. auf der Speicherkarte hat.
In diesem Fall war die Absicht, lediglich ein paar schnelle Bilder zu machen, um eine schöne Radtour zu dokumentieren und zumindest für die eigenen Erinnerungen zu dokumentieren.

Der Himmel blauweiß, eher weiß-grau als blau, das Licht diffus, der Wind na ja… Radfahrerunfreundlich meist von vorn. Also wird rasch mal dieser Mohn im reifen Weizenfeld mit den Kornblumen geknipst.
Geknipst – wird vermutlich am Ende recht nichtssagend sein, Feld, Blumen, eine Horizontlinie. Na ja… Oder später diese windzerzausten gelben Sommerblumen, bei denen es einfach nicht gelingt, scharfe Bilder zu bekommen.

Später sitzt der Radelnde (nun fotosichtende) uHu am Notebook, schaut das (digitale) Tagesergebnis durch und – ist doch tatsächlich überrascht.
Diese eigenartigen Farben, dieses Rot und Blau im Gelb, dieser weiche Wolkenhimmel, das (nicht ganz unabsichtliche Spiel mit der Schärfentiefe) – das ist es, die Schärfe sitzt genau auf dem Mohn, der Rest verschwimmt im Licht. Oder diese Blüten, windgebeugt, spürbar die Bewegung…

Im Alltäglichen, schon so oft Gesehenen, Chaotischen das kleine aber wichtige Detail zu finden und den Blick darauf fokussieren, den Rest ausblenden – ja das soll es sein…

Teils unbeabsichtigt sind hier ein paar Bilder entstanden, die mehr als diese Tour dokumentieren, das ist das Gefühl dieses Sommers, dieses schwankenden Lichts, der Hitze, Kühle, Trockenheit, Nässe, des warmen Winds über den Wiesen…
Sommer 21 – so wird er in Erinnerung bleiben.
Und diese Bilder sollen hier aufbewahrt werden -> https://lutz-brauer.com/sommer-21/

Sommer 21 – Schmetterlinge

Klick.

Schon besser…
Das wird dem Anspruch in etwa gerecht.

Sommer 21 – Schmetterlinge

Schmetterlinge abbilden – dieses zitternde Leben, das Verletzliche, Zarte, Feine einzufangen – ist ehrlich gesagt, nicht einfach, wenn man noch keinen richtigen Plan hat.
Nun gut, man kann zum Beispiel geduldig warten und draufhalten und hoffen, dass eins der Fotos gelingt und ausreichend scharf ist. Aber dann stört das Chaos der Halme im Hintergrund, viel zu unruhig das Ganze, das langweilige Licht, welches das Motiv gar nicht so recht in Erscheinung setzt…
Ne, das isses nicht.
Und bei den Wolken wird das auch nichts mehr.
Aber dann kommt die Sonne heraus, noch einmal macht sich der uHu (dieses Mal mit dem Rad) auf den Weg zum distelbewachsenen Feldsaum.
Der nächste Versuch – das geduldige Warten bleibt nicht erspart, das Beobachten des durch die Luft gaukelnden Objekts der Begierde – hoffffffentlich setzt er sich auf diese Blüte oder an den langen Grashalm – nein? – nein – schaaaaade, Warten… Warten.
Da ist er wieder, endlich – er zeigt offenbar Erbarmen mit dem lauernden uHu, dem allmählich Knie und Kreuz weh tun.
Die Kamera hat zum Glück ein schwenkbares Display, das ermöglicht einen guten Sichtwinkel aus Bodennähe, ein „Hindernis“ vor dem Motiv, ein gewollter leichter Schleier, die Blüte oder der Halm, der (geduldige) Schmetterling, die Sonne, deren Licht die Flügel so wunderbar transparent machen…

Klick.

Schon besser…
Das wird dem Anspruch in etwa gerecht.

Werra-Weser 2021 (09)

Freitag, 25.06.2021

Draußen scheint wieder die Sonne vom blauen Himmel und nach dem üppig schönen Frühstück radeln wir ohne Gepäck heute nordwärts aus Bremerhaven hinaus. Dabei können wir den riesigen Containerschiffen zuschauen, die in kurzen Abständen den Überseehafen Bremerhaven ansteuern. Die Flut ist gerade im Kommen, schnell ein paar Fotos vom Watt, auf der Rückfahrt ist hier dann Wasser.
Wremen ist ein kleines Dörfchen mit kleinem Fischerhafen, ein kurzes Stück nördlich davon erreichen wir den Punkt, an dem geographisch die Weser in die Nordsee übergeht.
Ringsum endlose Weite, das Meer, die Deiche, das platte Land… Darüber ein endlos blauer Himmel.
Ziel erreicht, es war wieder einmal eine sehr schöne und lange Radreise.
Und im Kopf spuken schon Ideen und Pläne, was man denn so demnächst anstellen könnte.
In Wremen-Hafen kehren wir dann auf Fisch und ein Flens noch ein, ehe wir zurück in die Stadt fahren.
Dabei kommen wir am Containerhafen vorbei, an dem man aus allernächster Nähe dem Be- und Entladen der Schiffsgiganten zuschauen kann. Das beeindruckt uns eine ganze Weile, danach überflutet uns der Überseehafen und seinen von LKWs verstopften Straßen, den überdimensionalen Autotransportschiffen und den Kreuzfahrern mit Eindrücken.
Zum Schluss schauen wir uns noch einmal direkt im Zentrum, angesichts der Glas-Stahl-Beton-Bauten um, ehe es müde ins Hotel zurück geht.
Gegessen wird heute zum Abschluss lecker beim Perser gegenüber.
Etappe Bremerhaven – Wremen – Bremerhaven: 50,16 km

Samstag, 26.06.2021

Die lange Zeit vom Frühstück bis zur Zugabfahrt überbrücken wir heute mit einem sehr interessanten und eindrucksvollen Besuch im Klimahaus. Das sollte glatt obligatorisch für Schulen werden…
In aller Ruhe geht es danach durch die Einkaufsmeile zum Bahnhof und einen Zug eher schon nach Bremen, wo wir uns noch eine Stunde lang in der Bahnhofsgegend umschauen. Ein wenig beunruhigend wirkt das Treiben einiger Zeitgenossen hier schon.
Der IC von Norddeich nach Leipzig ist dann pünktlich, fährt aber, weil man ein Fenster in der 1. Klasse nicht schließen kann, mit 20 min Verspätung ab. Dazu noch die Umleitung über Verden, aber uns drängt ja nun nichts mehr. Wir fahren, die Räder sind gut untergebracht.
Und die Verspätung verkürzt uns dann abends in Leipzig die Wartezeit auf den Umstieg in den Dresdner Zug.
Gegen 23.15 sind wir schließlich wieder zu Hause.
Und es war wieder einmal sehr schön.

Werra-Weser 2021 (08)

Donnerstag, 24.06.2021

Schon der letzte Tourtag. Wieder einmal… Aber noch liegt die „Königsetappe“ vor uns. 80 Kilometer durch flaches Land am Deich stur nach Norden gegen den Wind.
Frühstück ok, das hält nicht ganz dem Vergleich mit den Anderen stand.
Auschecken, Räder holen, Abfahrt. Und auch hier, wie gestern das gute Erlebnis, dass man auf Radwegen entlang der großen Straßen völlig entspannt aus der Stadt hinaus und bei Vegesack wieder an den Fluss kommt. Der ist hier schon ganz schön groß und mächtig, die Hügeleinlagen in der Gegend – geschenkt.
Nach 30 Kilometern fahren wir am U-Boot-Bunker Valentin vorbei, einem überdimensionalen Monstrum aus Beton. Die U-Boote, die hier gebaut werden sollten, sollten dann gleich über die Weser ins Meer einlaufen. Es kam nie so weit. Der Bunker steht dagegen immer noch.
Weiter am Deich, Baustelle, die durchqueren wir, mit dem Rad kommt man (fast) überall durch. Nordwärts, gegen den Wind. Trübe ist es, kühl ist es… Weit und breit keine Pausenstation in Sicht. Also fahrn, fahrn, fahrn…
Endlich – das Dörfchen Wersabe – und ein Schild – Hofcafé An’n Diek…
Klein unscheinbar ein Lädchen mit Garten, man solle klingeln. Also klingeln und eine sehr freundliche ältere Dame kommt sofort und öffnet. Was wir wollen – Kaffee? Klar doch, Kuchen, Torte, das, was wir im Kühlschrank sehen, macht die Entscheidung schwierig. Wir begnügen uns mit drei Stück Torte. Und Kaffee, warum zwei Tassen, wenn man eine ganze Kanne bekommt?
Die später Kommenden sind ebenso begeistert. Das ist doch mal wieder ein wunderbares Ferienerlebnis. Da bleibt man sehr gern hängen. Warum noch weiter fahren. Hier ist es auch schön…
Aber es nützt nichts, es muss weiter gehen.
Der Fluss wird breit, riesig, die vorbei fahrenden Schiffe immer größer, dann der Wesertunnel, danach ein Imbiss am Strom, wo es lecker Fischbrötchen gibt.
Und dann irgendwann die Einfahrt nach Bremerhaven. Die Skyline beeindruckend, das sieht nach etwas aus, drüben die Kranbrücken des Überseehafens.
Nur der Radweg ist plötzlich zu Ende, nun heißt es, vorsichtiges Fahren inmitten der zahlreichen Autos. Durch die Stadt, nach Bremerhaven Lehe, wird es nun einigermaßen anders, kulturell und ethnisch bunt, die Häuser ein Gemisch aus bröckelnden und gut restaurierten Fassaden, das Hotel dann am nördlichen Rand in einer ruhigeren Wohngegend.
„Columbus“ – benannt nicht nach Christoph, sondern nach dem Superdampfer Columbus, der 1924 vom Stapel lief. Das Schiff verkehrte auf der Nordamerika-Route. 1939, nach Ausbruch des 2. Weltkrieges sollte auf der letzten Nordamerika-Rückfahrt verhindert werden, dass es den Engländern in die Hände fiel und wurde deswegen im Atlantik versenkt. Ein amerikanisches Schiff nahm die Schiffbrüchigen auf, der Obersteward blieb bis nach dem Krieg in Tokio und gründete, zurück in Deutschland, 1950 das Hotel.
Viele Stücke, Gemälde, Fotos erinnern an die Seefahrt und verleihen dem Ganzen einen angenehmen, gediegenen Eindruck.
Abendessen gibt es heute beim Italiener ein wenig die Straße abwärts, den massiven Polizeieinsatz beim Penny gegenüber können wir gratis miterleben.