Wandertag in der Sächsischen Schweiz

Die Wettermeldungen verhießen für Samstag sonnig-bewölktes Pseudowinterwetter, also den aktuellen Verhältnissen entsprechend sollte es Temperaturen um die 0°C geben.
Tatsächlich lief es dann auf graue Hochnebelsuppe hinaus. Aber auch gut.
Nach der Anreise per Bahn (ein Sachsen-Ticket bietet preislich eine sehr willkommene Alternative zur Variante Hektik auf überfüllten Autobahnen, mit der man gerade mal eine halbe Stunde schneller vor Ort ist.)
Die Tour startet in Bad Schandau. Im Tal ist schemenhaft sind die Felsen über dem Fluss zu erkennen, alles ist grau in grau und trotzdem sind die einzelnen Schattierungen und Konturen schon allein ein Hingucker. Es geht vom Bahnhof aus gleich bergauf durch den Wald in Richtung des ersten Gipfels. Hier ist außer uns niemand unterwegs, der Boden ist stellenweise aufgewühlt, zum Glück sind aber auch die Wildschweine nicht zu sehen.
Der Aufstieg auf den reichlich 390 m hohen Kleinhennersdorfer Stein durch die Hölle ist ein schönes Erlebnis. Nach steilem Waldpfad durch raureifbedeckte Farnwiesen verengt sich oben das Tal zu einer Schlucht zwischen moosgrün bewachsenen Felswänden. Hier oben im Dämmerlicht und dieser neblig-dunstigen Luft wird es richtig mystisch. An der Südkante des Felsmassivs steht eine Bank, weite Sicht ist nicht, aber man kann in der Ferne die Silhoutte von Zschirnstein und Schrammsteinen erahnen.
Kurz vor dem Abstieg im Übergang zum Papststein, dem nächsten Gipfel , schauen wir noch einmal in der Lichterhöhle vorbei. Hier wurde in früheren Jahren Sandstein abgebaut und dadurch die natürliche Höhle oder Kluft um Einiges vergrößert. In einem der letzten Beiträge im „Sandsteinblogger“ hatte man es sich nicht nehmen lassen, das Gewölbe mit etlichen Teelichtern stimmungsvoll vorweihnachtlich auszuleuchten. Kerzen haben wir heute allerdings nicht mit, der Hunger treibt uns nunmehr jedoch etwas zügiger in den Sattel hinab und den langgezoggenen Aufstieg über viele Treppenstufen hinauf zum Gipfel des Papststeins (452 m). Die Baude hat im Winter an den Wochenenden geöffnet, wie immer ist es hier trotz der zahlreichen Gäste urig und gemütlich und das Essen schmeckt.
Nach der Mittagspause sind die Beine etwas schwer geworden, der kleine Abstecher zur Aussichtsplattform muss aber noch einmal sein, ehe wir bergab zum nächsten Sattel und von dort aufwärts zum dritten heutigen Gipfel, dem Gohrisch wechseln.
Über Treppen, durch Klüfte und auf Leitern erreicht man relativ zügig den Pavillon am östlichen Rand des Felsmassivs. Nun lockert auch ein wenig der Hochnebel auf, die umliegenden Tafelberge Lilienstein, Königstein und Pfaffenstein präsentieren sich in diesem diffusen Licht von einer sehr schönen Seite. Stehen, schauen, genießen… So schnell erleben wir das in dieser Form nicht wieder.
Als wir später unten am Waldrand in Richtung Königstein zurück laufen, verstärkt sich diese wunderbare Pastell-Stimmung noch.
Foto-Grafieren – aus altgriechisch φῶς phōs, im Genitiv φωτός photós ‚Licht‘ und γράφειν graphein ‚schreiben‘, ‚malen‘, ‚zeichnen‘, also „zeichnen mit Licht“ (wikipedia)
Die Sonne geht allmählich unter, der Dunst, der leichte Nebel macht das goldene Licht, die Luft die Landschaft ganz weich – und es macht große Freude, diese wenigen Minuten des ganz besonderen Lichts zu malen, zu zeichnen, zu foto-grafieren, um dieses Erlebnis aufzubewahren.
Punktgenau stehen wir schließlich kurz vor Einbruch der Dunkelheit unten am Zug. Passt…
Was für ein schöner Tag war das wieder einmal.

Wanderung im Böhmischen (4) – das Wunder der 15 Minuten

Schon der Aufstieg zur ehemaligen Burg Schaunstein (Saunstejn) ist über steile Treppen, Leitern und durch enge Schluchten ein Erlebnis. Diese Burg wurde im 14. Jh. zum Schutze der Handelsstraße Böhmen – Lausitz in den Sandstein gehauen. Im 15. Jh. diente sie Raubrittern als Stützpunkt.
Als wir oben ankommen, bietet sich uns ein unvergessliches Schauspiel- die Landschaft im Licht der untergehenden Sonne – einfach nur märchenhaft – und es stellt sich die ernste Frage – Knipsen oder Schauen und ganz tief aufnehmen – am Besten Beides…
C.D. Friedrich hätte seine Freude daran.
Das Wunder der 15 Minuten – zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und über Glück haben wir ja schon mal philosophiert – hier stellt es sich sofort ein.

Wanderung im Böhmischen (3) – bei Vysoka Lipa

Es ist zu schön, nach gemütlicher Einkehr zum Essen, jaaa – auch die Cesnecka, die Knoblauchsuppe muss sein und böhmischen Bierchen geht es zur Felsenburg Saunstejn (Schaunstein). Dabei öffnen sich immer wieder Ausblicke hinüber zu den Bergen, wo wir Ende September schon das Wunder des Nebels in den Gebirgstälern bestaunen konnten.
So schließt sich wieder ein Kreis – und irgendwie ist jede Wanderung hier wie ein Nach-Hause-Kommen.