Kloster-Lehnin-Tour 2011

Freitag, 22.04.2011

Halb fünf klingelt der Wecker. Da ein schöner Tag angekündigt ist, stellt das heute kein Problem dar.
Draußen sind es ca. 5°C, ich ziehe also lieber die Softshelljacke und die Beinlinge an, auch die Handschuhe sind zunächst noch angebracht.
Mit Musik von „In Extremo“ im Ohr breche ich gegen 5.08 Uhr auf. Vorbereitet hatte ich schon gestern Abend alles, meine Frau hatte mir sogar noch ein paar meiner Lieblingsbrötchen für große Radtouren mitgebracht, die sind ganz praktisch, da ein halbes Brötchen schon allein für die Pausenversorgung ausreicht. Und unterwegs Verpflegung nachkaufen werde ich auch dieses Mal nicht. Das kostet zu viel Zeit.
Der Wind ist noch ganz zaghaft, es beginnt gerade zu dämmern. Da heute Karfreitag ist, nehme ich ab Borsdorf bis Bennewitz die B6, es sind kaum Autos unterwegs, so dass ich rasch und ungefährdet bis kurz vor Wurzen komme.
Schön anzusehen sind die Nebelschwaden über der Mulde und den tiefliegenden Uferwiesen, aus denen die Baumkronen ragen. Wurzen ist rasch durchquert.
Als ich gen Falkenhain rolle, geht im Osten die Sonne auf. Traumhaft, allein „on the road again“ dem roten Sonnenball am Horizont entgegenfahrend – das ist ein Bild!
Falkenhain, Schildau, weiter nach Torgau… „In Extremo“ heizt mich zusätzlich an, Mittelalter-Heavy-Metal… Genau das Richtige – „Frei zu sein“. Euphorie pur.
Torgau im Vorbeiflug, dann Radweg auf der anderen Elbseite bis Zwethau und dann auf der bekannten kleinen Straße Richtung Prettin.
Die Sonne scheint nun vom wolkenlosen Himmel, etwas kühl ist es aber noch und auch der Wind von NO hat etwas aufgefrischt.
Einige Kilometer vor Prettin mache ich die erste Rast. (7:35 Uhr, 65,58 km, 2:23:10)
Ich will es noch einmal testen, ob und wie maximal ich die Abstände zwischen den Pausen ausdehnen kann, ohne mich zu verausgaben und trotzdem die lange Strecke durchzuhalten.
Mein Schnitt ist bis hierher schon recht gut, über 26 km/h.
Nun weiter nach Norden, Prettin, dann 14 Kilometer bis Jessen. Dort wird die Schwarze Elster überquert, das Nest schläft noch fast.
Ein Stück in Richtung Wittenberg, dann zweigt die Straße nach Norden gen Seyda, Seehausen ab.
Hier am Ende der bewohnten Welt ist in den Dörfern der Straßenbelag wieder recht  gewöhnungsbedürftig, dazu kommt nun doch ein wenig Gegenwind, ich spüre allmählich, dass das Kraft kostet. Aber nicht verzweifeln, nicht schwach werden. Geduldig kurbeln, an die Situation anpassen, mit dem Wind ganz gechillt (wie mein Töchterchen sagen würde) umgehen und herunter schalten.
Doch im Kopf sitzt da etwas, was mich anstachelt, doch den Schnitt, der nun bei 27 liegt, nicht so ohne weiteres einbrechen zu lassen. Hmmm…
Görsdorf, dann tauche ich in einen großen Wald ein, der sich kilometerweit hinzieht.
Bis Treuenbrietzen geht es nun auf einem sehr guten Radweg entlang der Bundesstraße von Jüterbog entlang. Der Wind nun von der Kante, es rollt wieder besser und so bin ich zügig in Treuenbrietzen. Es ist etwas später als im letzten Jahr, allerdings habe ich heute nicht 100 km (direkte Strecke über Wittenberg – die ich auch im Juni fahren möchte) sondern auf Grund des Bogens über Torgau schon 130 km in den Beinen.
Die nächste Rast mache ich nun irgendwo in der Pampa nordwestlich von Treuenbrietzen. (10:10 Uhr – 10:35 Uhr, 134,35 km, 4:54:48)
Es ist warm geworden, ich stecke Jacke und Beinlinge in den Rucksack, fahre in kurzen Hosen und Trikot. Die Querverbindung, die mich direkt nordwärts durch Borkheide und Borkwalde führt, ist fast ausnahmslos gut asphaltiert. Die könnte ich also auch im Juni bei der Oststeetour problemlos fahren.
Am Ende dieser Straße komme ich dann auf die Hauptstraße Beelitz – Kloster Lehnin, noch ein paar kleine Hügelchen, ein schöner Landstrich, Wald, Seen, kleine Täler, dann bin ich nach 163,19 km 11:30 Uhr in Kloster Lehnin.
Das älteste Zisterzienserkloster Brandenburgs, welches seit ca. 1200 existiert und immer noch in Betrieb ist, finde ich rasch, nicht zu verfehlen, man braucht nur der Tourischar hinterher zu gehen.
Es ist schön, sehenswert – eine wunderbare Anlage. Dann noch eine kurze Pause, eine Banane, Trinken… Weiter geht’s.
Die Rückstrecke dürfte heute genauso lang wie die Hinfahrt werden – also Land in Sicht 🙂
Und meine Reserven sind heute doch noch recht groß.
Mein Schnitt liegt bei 27,5 km/h, solo auf dieser Streckenlänge finde ich den recht gut. Allerdings vermute ich, dass dieser nicht zu halten sein wird. Bleibt nur die Frage, wann ich heute einbreche.
Ruhige Straßen, heute ist ja auch Feiertag, nun nach Westen, Südwesten, ich befinde mich eine ganze Weile in der Nähe von Brandenburg, ehe ich wieder in Richtung Süden abschwenke.
Eine neue Pause an einer fast einsamen Landstraße zwischen zwei einsamen Dörfchen in einem großen Wald. (Klein Briesen: 12:38 Uhr – 12:50 Uhr, 184,77 km, 6:42:55) Der grobe Asphalt und die kleinen Wellen haben mir nun doch ein wenig zu schaffen gemacht, trotzdem rollt es nach der kurzen Ruhe und Verpflegungspause wieder gut.
Görzke, kurz vorher werden die 200 „geknackt“. Ich bin meinem eigenen Zeitplan eine reichliche Stunde voraus.
In Richtung Wiesenburg ist nun eine Umleitung ausgeschildert. Da ich aber nun nach 200 km wieder einmal keine Lust auf große Umwege habe, versuche ich es trotzdem. Positiv für uns Radfahrer, es kommt auf den nächsten 10 Kilometern kein Auto mehr. Die Straße steigt sachte an, ich muss ein paar Gänge herunter schalten, kurz vor Wiesenburg dann die erwartete Baustelle, doch heute wird hier nicht gearbeitet, man kann hindurch schieben.
Aber der Staub, diese Sonne… Es wird heiß, der Durst wird immer größer und das Gemisch in meinen Plasteflaschen schmeckt langsam nicht mehr so recht.
Wiesenburg streife ich nur, dann rollt es auf der kleinen Waldstraße durch den Fläming via Medewitzer Hütten, Stackelitz bis Hundeluft wieder angenehm.
In Hundeluft nach 230,30 km aber halte ich an, man muss es ja nicht übertreiben und mache die nächste Pause. (14:35 Uhr – 14:50 Uhr, 8:24:30)
Der rechte Fuß schmerzt, der Schuh drückt im vorderen Fußbereich, das liegt aber wohl auch daran, dass ich auf der Pedale ganz leicht nach rechts abknicke und den Druck nicht direkt von oben ausübe. Wenn ich das bewusst korrigiere, wird es allmählich besser. Muss ich künftig beachten.
Vielleicht muss ich auch die Spannung der Bindung mal etwas nachlassen…
Nun weiter, in der Sonne war es gar zu warm. Der Wind unterstützt mich auch nicht so wie ich hoffte, in Roßlau und Dessau (ca. 250 km), wo ich dieses Mal keine Cola kaufe, sind die Radwege wieder
erbärmlich schlecht und in Dessau an einer Kreuzung knallt mir an einer Asphaltbeule die Satteltasche auf die Straße. Wutentbrannt fluche ich laut, die Autofahrerin gegenüber schaut ganz entsetzt.
Die Strecke vom letzten Jahr nehme ich nun nicht, ich fahre wieder einmal über Mildensee, Kleutsch, Sollnitz… Das ist kürzer, zudem hoffe ich noch ein wenig auf den Wind.
Aber trotzdem habe ich langsam das Gefühl, einzubrechen. Ich werde immer langsamer und im Wald bei Retzau halte ich erneut – Trinken, Trinken, Trinken, auch wenn es nicht mehr schmeckt…
Vielleicht hätte ich doch eine Cola… (?!)
Raguhn, Jeßnitz, Muldenstein, den Muldensteiner Berg nehme ich bedächtig – das ist auszuhalten – kleine Gänge, nur nichts überreizen jetzt. Friedersdorf – gemächlich, schneller geht es aber auch gar nicht mehr, rolle ich hinab an die Goitzsche und unterhalb der Burgruine Pouch mache ich wieder eine größere Rast. Es ist warm, angenehm ist es hier auch auf der Bank, eigentlich habe ich gar keine Lust, noch weiter zu fahren… (17:00 Uhr – 17:15 Uhr, 281,41 km, 10:26) Na ja…
Genauso gemächlich geht es nun am See entlang und dann auf der Straße nach Löbnitz. Kurz vor Reibitz wieder ein aggressiver Hund, der spürt, dass ich ihn nicht leiden kann… Sein Frauchen hat den nur schwer im Griff. Nichts wie weg.
Wölkau, ein Tourenradler hängt sich in meinen (lahmen) Windschatten, wittert, dass ich kaum noch das Tempo halten kann, aber das werde ich ihm jetzt nicht zeigen. Für ihn reicht es zum Glück noch 😉
Der Hügel nach Mutschlena hinüber, dann Liemehna, noch eine kurze Verschnaufpause usw. Die letzten Anstiege, in moderaten Gängen und Frequenz kein Problem, doch mein toller Schnitt ist nun auf 26,5 gesunken. Na ja, bis nach Hause rette ich den nun noch…
Und ganz sooooo schlimm war es ja nun letztendlich doch nicht.
19.20 Uhr bin ich wieder zu Hause, der Körper ist müde, na gut, ein Stück weit würde es sicher noch gehen, aber es ist im Augenblick trotzdem gut, dass ich es hinter mir habe.

324,31 km, 26,37 km/h, 12:18 Std. Netto

Die Route auf gpsies.com

Spreewaldmarathon 2011

16.04.2011

Es war toll, es war schön, es war schnell…
So gut rollte es bislang noch nie beim Spreewaldmarathon.
Ich habe mir schon Kaffee in der Thermoskanne und belegte Brote mitgebracht, so dass ich am Morgen nicht viel zu tun habe und entspannt frühstücken kann.
Die Anderen tun das dann nachher im Restaurant. Gegen 7 Uhr fahren wir, vorher war Scheiben-vom-Eis-frei-kratzen angesagt, nach Lübben.
Der Himmel ist wolkenfrei, die Sonne scheint schon, am See Nebelschwaden, aber noch ist es recht eisig.
Halb acht stehe ich dann auf dem Parkplatz in Lübben, baue das Rennrad zusammen, vereinzelt stehen noch mehr solcher merkwürdiger Typen, die an ihren Rädern herum fummeln. Man grüßt sich, vielleicht fährt man ja nachher zusammen.
In Ruhe rolle ich nun wieder zur Schlossinsel hinüber, ein Jahr ist vorbei, kaum zu glauben, wie schnell das ging, nun stehen wir wieder hier und warten auf den Start. Wieder einmal…
Da sind wieder die Leute auf ihren teuren Rädern, den werbebedeckten Trikots, da ist die Mitgas-Truppe, vereinzelt sieht man Fichkona-Leute zwischendrin…
Allmählich kommt Gelassenheit auf, der Startbereich füllt sich.
Und schneller als gedacht kommt auch da nach der kurzen Ansprache schon das „Auf die Gurke, fertig, los“.
Der Schuss aus der Startpistole, dann gaaaanz langsam im Schritttempo geht es über die Brücke, auf die Straße, durch die Stadt. Vornweg bis zum Stadtrand begleitet uns die Polizei, schon rollen wir mit über 30 km/h dahin, werden schneller. Und dann sind wir aus Lübben hinaus.
Nun allmählich wäre es gut, Einige zu finden, die ein gutes Tempo fahren.
Die Route ist bekannt, aber immer noch sind es nur Einzelne, Versprengte, kurz bilden sich Grüppchen, die gleich darauf wieder auseinander fallen, ich werde immer schneller und schneller, um eine Gruppe zu finden und weil vor mir sich immer wieder Gruppen zeigen. Aber das geht dann nur für kurze Zeit… Leider… So bin ich (eigentlich zu schnell) allein unterwegs, überhole etliche andere Einzelfahrer, das gute Canyon fährt sich aber auch vorzüglich. Doch lange darf das nicht mehr so gehen, die Oberschenkel schmerzen bereits ein wenig, der Puls geht hoch und die kalte Morgenluft ist unangenehm einzuatmen, so verschleiße ich mich schon viel zu zeitig.
Bis ich dann endlich ein paar Mitgas-Kolosse eingeholt habe, etwas größer, etwas breiter, hinter denen ich mich verstecken kann 🙂
Gemütlich mit reichlichem 30er-Schnitt rollen wir nun in Richtung Golßen, an Golßen vorbei…
Der Raser, die ganz Schnellen sind schon weg.
Aber da kommt uns ein Pulk entgegen. Was ist das, eine Alternativeranstaltung? Auf der gleichen Route. Das gibt Chaos!
Plötzlich aber merken wir, dass das ja Unsere sind. Die kommen zurück??? Na klar, irgendwo hätten wir schon lange abbiegen müssen! Aber da war kein Pfeil.
Den hat vermutlich jemand geklaut.
Vorsichtig reihen wir uns in den entgegenkommenden Strom ein, nur keinen Sturz verursachen. Und nun wird es wesentlich schneller. 40 – 45 km/h, plötzlich ein „Stop“, hochgerissene Arme, Abbremsen auf 25 km/h, wieder Anziehen des Tempos auf 40, am Abzweig nach Tropical Island. Halt, wo lang? Keine Pfeile zu sehen, die Masse fährt in Richtung Lübben zurück, wir hinterher, wieder Tempo 40, Abbremsen, plötzlich der blaue Pfeil, es geht nach links.
Ja, jetzt sind wir wieder richtig! 10 Kilometer hat uns der Umweg gekostet. Aber, was soll’s, bei dem Wetter kein Problem. Zum Glück haben wir das noch rechtzeitig vor Berlin gemerkt 🙂
Nun weiter im Affenzahn durch die verschlafenen Dörfchen, allmählich werde ich den Gedanken nicht mehr los, dass ich dieses Tempo nicht 200 km lang durchhalten kann. Das ist doch kein Rennen!
Und immer wieder dieses Stop and Go! Dazu Leute, die nicht in der Spur bleiben, hin und her wechseln, rechts überholen, links zurückfallen. Blöd.
Und dann, zwei Kilometer vor Krausnick im Wald geschieht das, was einfach kommen musste!!!
Ein lautes Scheppern, „Massensturz“ schreit Einer, wir sehen schon, wie die vor uns übereinander fallen, mit Mühe und Not bringen wir die Räder gerade noch zum Stehen und auch die nach uns Kommenden können zu unserem großen Glück rechtzeitig bremsen.
Aber die da vorne müssen sie auseinander ziehen, einer hat ein großes Loch in der Hose, da sieht man die große Schürfwunde. An den Rand hat man eine junge Fahrerin getragen, die rührt sich gar nicht. Einer ruft den Notarzt, wir wollen helfen, doch da sind schon Helfer genug. So fahren wir ein wenig schockiert weiter. Die junge Frau muss sich wohl ernsthaft den Arm verletzt haben, glücklicherweise wohl nichts Schlimmeres.
Und Einer stellt fest, dass es „nur Eine?!“ sei, meinte aber, dass wir wohl alle sehr großes Glück hatten und es nicht mehr Verletzte gab.
Trotzdem schlimm! Und der Schreck sitzt noch bis zum Kontrollpunkt in den Gliedern.
Und dann Krausnick – wieder der Spreewald-Traum, belegte Brote, Obst, Riegel, Getränke und natürlich Gurken… (46,24 km)
Auch deswegen sind wir ja wieder hier! Und es schmeckt!
Weiter…
Nun bis Schlepzig, ich hänge an drei anderen Fahrern, die wiederum die vor uns rollende Gruppe einholen und dann fahren wir recht entspannt gemeinsam und haben so auch noch Zeit, den Storch auf der Wiese zu registrieren. Schön… Angenehm.
So kommen wir nun bis zum Euro-Camp, inklusive einem kleinen Schlenker über Dörfer, durch die wir in den letzten Jahren nicht gefahren sind. Und auch hier wieder die gewohnt gute Organisation, die Superverpflegung, die vielen Freiwilligen, die diese Veranstaltung unterstützen. Einfach Klasse.
Dazu das Wetter und der schöne frühlingshafte Spreewald, durch den wir fahren.
Nach der Rast am Eurocamp (77,38 km) muss ich nun allein weiter, die Gruppe vor mir ist zu schnell, die hole ich allein nicht ein.
Also mache ich mich nun solo auf die Reise. Auch hier macht die Route heute einen kleinen Umweg, die Straße ist stellenweise nicht ganz so toll, aber dafür vermeiden wir die stärker befahrene Hauptstraße.
Briesensee, Alt und Neu Zauche, überrascht stelle ich fest, auch allein diese Strecke mit einem 30er Schnitt fahren und durchhalten zu können. Erst kurz vor Straupitz holt mich eine Gruppe ein, doch das sind keine Zweihunderter, das sind Hundertzehner! Die sind noch wesentlich ausgeruhter. Obwohl es auch mir super geht, die vielen GA-Kilometer der letzten 3 Monate machen sich bezahlt. Also rolle ich noch 5 Kilometer locker im Windschatten mit und erreiche 11.35 Straupitz. (112,68 km)
Mittag – leckere Plinsen, Kaffee, Tee, Apfelschorle, Schnittchen mit Leberwurst, Grützwurst, Speckfett, Gurken üppig!
Das Gewühl von Radfahrern ist hier aber schon enorm, viele 110er sind schon hier, auch einige 70er sehe ich, die müssen früher gestartet sein, 200er verstreut… Die 150er kommen noch, die müssen die gleiche Strecke fahren und kommen eine ganze Weile nach uns. Wie die Anderen später berichten, sind sie zeitgleich in Straupitz. Aber da sind wir schon ein ganzes Stück voraus.
In Richtung Lieberose fahre ich nun zunächst allein, das geht auch ein längeres Stück ganz gut.
Unterwegs sehe ich aber wieder einen Rettungswagen, eine Gruppe 200er daneben, man hebt gerade auf der Trage Einen mit Halskrause ins Fahrzeug. Das Risiko des Gruppenfahrens…
Erst im hügeligen Gelände südlich des Schwielochsees holen mich die Tharandter ein, lassen mich aber mitfahren, und dann geht es in Zweierreihe inkl. Kreisel nach Lieberose.
Lieberose (138,26 km), Rast, eine Bockwurst, nicht lange, einige Minuten nur, obwohl der Abschnitt bis Raddusch heute entschärft ist. Im letzten Jahr bei Gegenwind war das eine endlose Durststrecke, dann in Raddusch gab es kein Essen mehr, nur noch Wasser… Das war übel.
Heute aber ist in Fehrow schon ein Getränkepunkt eingerichtet, den Hinweis haben auch Andere gebracht, ein Ehepaar versorgt uns freundlich am Gartenzaun. Und dazu kommt, dass ich nun mit  Axel aus Potsdam und Stefan aus Sachsen-Anhalt zusammen fahre. So wird es leichter. Wir wechseln uns ab, kassieren noch zwei Fahrer vor uns und erst in Fehrow holen uns die Tharandter wieder ein, mit denen es zusammen weiter geht. Die Getränke in Fehrow waren genau richtig.
Stefan hat nun schon kleinere Probleme, ist kurz vorm Krampf, er beißt, kämpft. Aber es geht gut.
An einer Brückenbaustelle, wo die Beschilderung eigentlich eindeutig ist, gibt es eigenartigerweise Orientierungsprobleme bei den Tharandtern. Und der, mit dem ich dann in der Zweierreihe rolle, meint plötzlich, dass sie ihren Alterspräsidenten da verloren haben. Er sieht es aber mit einem Lächeln recht gelassen.
Burg, schnell geht es hindurch, dann kleine Straßen nach Raddusch und nun die vielen langsameren Radler der kürzeren Strecken. Das geht es manchmal recht knapp zu, wir wollen ja nun gern auch das Tempo halten, aber die Überholvorgänge sind manchmal bei den in Zweier- oder Dreierreihen nebeneinander radelnden Teilnehmern der kürzeren Strecken ziemlich riskant.
Ich überlege, ob ich Dagi anrufe, eigentlich könnten wir, so hatten wir am Morgen besprochen, von Raddusch aus zusammen das letzte Stück nach Lübben fahren. Aber wir sind gerade so schön schnell und als ich mir gerade noch zwei Schnittchen hinein schiebe, sitzen Axel und Stefan schon auf den Rädern. Sie warten aber geduldig.
So unterlasse ich den Anruf. War auch ganz gut so, denn meine Mädels sind erst 1,5 Stunden später hier in Raddusch.
Nun durch den rekultivierten Tagebau, an Lübbenau vorbei, dann ein Stück Radweg, die Pfeile weisen nun zur Spree. Fahren wir nun Straße bis zum Ziel?
Na gut – Spreedamm. Aber auch hier ist Vorsicht wegen der vielen langsamer Fahrenden angesagt.
Bei 205 km schaue ich kurz auf den Fahrradcomputer, das hatte ich in Raddusch vergessen (da waren es ca. 184 km). 6:27 Std.
Eine Wahnsinnszeit. Es ist doch tatsächlich gelungen, den fast 32er-Schnitt bis hierher zu halten.
Und dann Lübben. Pflasterstraße, Ampeln, Menschengedränge am Kahnhafen, die schmale Brücke, das Ziel!!!
Das war es wieder einmal.
Verabschiedung von den Beiden.
Die Spreewaldmaid hängt mir die goldene Gurke um den Hals…

219,34 km, 6:56:13 Std Netto.

Mulde-Elbe-Runde 2011

Freitag 01.04.2011

Recht entspannt starte ich gegen 6.45 Uhr. Wetter bewölkt, Wind von W, der im Tagesverlauf
unangenehm auffrischt, trocken.
Naunhof, Großsteinberg, ab und zu teste ich die Helmkamera. Grethen, Großbardau, Großbothen.
Muldetal, dort im Tal der Freiberger Mulde aufwärts durch Leisnig bis Klosterbuch.
Es rollt gut, bislang zumindest.
Hinter Klosterbuch geht es dann aus dem Tal hinauf auf die Hügel.
In einem kleinen Dorf in der Nähe der A14 mache ich dann 9.05 Uhr, nach 56,51 Kilometern (2:10:10) die erste Rast.
Die Umleitungsschilder irritieren mich danach nur kurz, aber zum Glück sind die Straßenbaustellen schon fast abgeschlossen, so dass ich gut bergab rollend durch Zschaitz durchkomme. Im NW sehe ich von den Hügeln noch einige Zeit den Collm. Nur einmal verfahre ich mich, aber die Route auf „Armin“ war schlecht bei dem Licht zu erkennen, 50 Höhenmeter mehr, aber na ja… Alles Training.
Noch ein paar Anstiege, noch ein paar Abfahrten, kleine nette Bachtäler, Kaisitz, 8% hinauf, Niederjahna und dann ein schöner Blick auf den Dom von Meißen unter mir im Elbtal. Wetter ist schön, sonnig und bewölkt, angenehm warm.
Meißen erreiche ich nun nach einer schönen Schussfahrt bergab nach ca. 91 Kilometern gegen 10.45 Uhr. Fotos von Dom und Albrechtsburg, als ich die Elbbrücke überquere, dann rolle ich in nordwestliche Richtung auf dem Elberadweg flussabwärts.
Und nun macht sich der Wind arg bemerkbar. Schlagartig wird aus dem entspannten Rollen ein mühevolles Kurbeln, ich freue mich über die Abschnitte, auf denen es mal noch Norden oder Nordosten geht, da kurbelt es sich viel leichter.
So macht mir auch die Gegend keine besonders große Freude. Dazu kommt, dass aus unerfindlichen Gründen die Elbradweg-Bauer den Asphalt mit Pflasterstücken unterbrochen haben. Irgendein Architekt fand wahrscheinlich auch das „Wildpflaster“ besonders schick. Aber für die Radfahrer und besonders Rennradler ist das unzumutbar. Schade…
Neben mir lassen sich ein paar Paddler den Strom abwärts treiben…
Diesbar, von 2005 habe ich das noch in schöner Erinnerung, heute möchte ich eigentlich nur weiter,
dem Wind die nächsten Kilometer abtrotzen.
Zweite Pause bei Seußlitz (105,34 km, 11.10 Uhr, 4:05:45), ich liege voll im Zeitplan. Aber ein wenig spüre ich die Schinderei schon.
Bald kann ich Nünchritz, eindrucksvoll die Großbaustelle des neuen Werkes und Riesa sehen, doch die letzten drei Kilometer am Fluss entlang bis zur Elbebrücke in Riesa geben mir einen kleinen Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Frontaler Gegenwind, der mich auf 18 km/h abbremst.
Ab Riesa fahre ich dann aber doch besser auf der Straße gen Mühlberg. Der Belag des Radweges am Fluss ist nervend.
Nun durch recht öde flache Landschaft mit vielen großen Feldern bis Mühlberg, Kampf gegen den Wind, nicht viel fürs Auge… Mühlberg im Zipfel Brandenburgs… Weiter, keine Pause.
In Kossdorf überlege ich kurz, ob ich nun die ausgeschilderte Straße nach Torgau nehme, aber das sind noch über 20 Kilometer. Wenn ich dagegen, wie ursprünglich beabsichtigt, via Arzberg fahre, dann wird das laut Armin“ kürzer. Also hinüber nach Westen nach Stehla, Gegenwind, langsam…
Und Kopfsteinpflaster!!! Prima…
Die Straße wird immer schlechter, das Pflaster grober, Asphaltflicken, furchtbar!
Irgendwann bin ich so frustriert, dass ich fast abbrechen und hinüber nach Belgern will. Aber wer weiß, ob heute die Fähre fährt. Und auch dorthin drohen mir ein paar Kilometer übelster Pflasterstrecke. Also Zähne zusammen beißen, (mühsam) lächelnd den Mountain Biker, der mit hochrotem Gesicht ebenfalls gegen den Wind kämpft, überholen und dann 13.40 hinter Arzberg die dritte Pause machen. (157,21 km, 6:21:00)
Bis Torgau ist es dann (gegen den Wind) nicht mehr sehr weit, aber anstrengend. Spaß macht das so nicht unbedingt…
Schloss Hartenfels, ein Foto ist das wert. Autochaos in Torgau auf den engen Straßen, nichts wie hier weg. Aus Torgau hinaus nun südwärts, die Bundesstraße ist ebenfalls mit dem Verkehr nervig, doch in Richtung Schildau wird es ruhiger. Nun durch die Heidelandschaft, bis Wurzen noch 38 Kilometer. An sich ist das nicht viel, aber auch hier schafft mich der Wind, besonders schnell bin ich und kann ich nicht mehr.
Hinter Schildau geht es kurz ein Stück aufwärts, dann mache ich im Wald, wo ich auf meinen früheren Freitagabend-Schildau-Touren schon immer hielt, noch eine Rast, der rechte Fuß schmerzt. Irgendwie drückt der Schuh. Also Einlegesohle raus, dann geht es. War sowieso längst fällig. (15.05, 185,25 km, 7:36:15)
Falkenhain, dann Richtung Körlitz, leicht ansteigend aber auf stillen Straßen, langsam, aber die Beine sind schon noch ok.
Roitzsch, ich pirsche mich durch eine Baustelle, dann Wurzen, nächste Baustelle, Schieben, aber ich komme durch.
Und dann stehen die ersten „200“ in 2011 auf dem Kilometerzähler.
Wurzen, endlich die Muldebrücke, Bennewitz, gemächlich, kraftsparend gen Altenbach, kurze Pause in Zeititz, noch etwas trinken, auch an Getränken habe ich zu wenig mit. Der Wind sorgt ebenfalls für ein Austrocknen des Körpers. Eine Flasche Cola hätte zwischendurch auch gut getan.
Na ja.
Kurz vor 17 Uhr…
Ich bin wieder zu Hause. Pünktlich – wie besprochen 🙂

16:58, 219,74 km, 9:09:40

Die Route auf gpsies.com