Spreewaldmarathon 2014

26.04.2014
Halb sechs ist heute Aufstehen angesagt. Meine Bio-Uhr funktioniert, ich werde kurz vor dem Wecker wach. Draußen ist es jetzt, Ende April, schon fast hell. Leider lässt sich im Holzbungalow das Knarren der Dielen nicht vermeiden, so dass vermutlich auch meine noch schlafenden Frauen mein bemüht leises Schleichen nicht überhören können.
Deshalb frühstücken wir, als Uwe und Thomas vorbei kommen, gleich draußen im Stehen auf der Terrasse. Trockenes Brötchen mit original Rostocker Wiener Würstchen. Und einen Kaffee habe ich seit gestern Abend schon in der Thermoskanne.
Die Sonne scheint schon, auf dem See liegen leichte Nebelbänke. Idyllisch…
Der Abend gestern im Restaurant war auch wieder einmal gemütlich. Es war so warm, dass wir sogar noch auf der Terasse mit schönem Blick auf den See sitzen konnten. Dazu unterstützten ein riesiges Bauernfrühstück und ein paar Bierchen unsere mentale Vorbereitung auf den heutigen Spreewald-Marathon.
Ein wenig spannend ist das schon, ich kenne Thomas nur flüchtig, wir sind einmal bei der Tour im September 2011 mit Roland zusammen gefahren. Da war er auf dem Mountain Bike genauso schnell wie wir auf Rennrädern. Mal sehen, wie das heute in unserer Gruppe funktioniert. Gegen halb sieben starten wir dann. Uwe fährt mit dem Auto, er will noch ein wenig Ruhe, Thomas und ich fahren mit den Rädern die 11 Kilometer nach Lübben hinüber.
Das erste kleine Abenteuer heute bieten die drei aus einer Koppel ausgebrochenen Pferde auf dem asphaltierten Waldweg nach Klein Radden. Statt vor uns in die Felder auszuweichen, galoppieren sie ein ganzes Stück vor uns her bis zur Hauptstraße, so dass wir uns ein wenig wie Cowboys auf Rädern vorkommen 🙂
Dann sind wir recht schnell in Lübben. Nachdem Uwe sein Rennrad auf dem Parkplatz am Burglehn zusammengebaut hat, wechseln wir zur Information auf der Schlossinsel, wo wir uns mit Bärbel treffen.
Wenige Minuten später geht es dann wieder mit „Auf die Gurke, fertig, los.“ 7.30 Uhr auf die Piste.
Der 12. Spreewald-Marathon hat für uns begonnen.
Unsere Frauen und Töchter starten auf die 70 Kilometer erst 11.30 Uhr. Sie frühstücken noch in aller Ruhe im Restaurant und fahren dann auch mit den Rädern zum Start nach Lübben.
Die Sonne scheint, der Wind weht auf den ersten Kilometern unterstützend von Ost.
Wir sind, nachdem wir die Stadt verlassen haben, recht schnell unterwegs, fahren zunächst in einer großen Gruppe bis Krausnick. Doch das permanente unruhige Stop and Go, 40-25er Spielchen mit rechts, links sonstwie überholen macht keinen rechten Spaß. Da sind Stürze geradezu vorprogrammiert.
Die Route ist seit Jahren unverändert, erst ein Stück nach Westen, Kasel-Golzig, dann gen Golßen, vorher biegen wir wieder nach Osten ab, überqueren die Autobahn und dann geht es durch den großen Wald bis Krausnick. Es sind mehr 200er als sonst unterwegs, nach Schätzung müssten es über 700 Teilnehmer allein auf dieser Tour sein. Und entsprechend ist auch das Gedränge am Kontrollpunkt. Aber der Veranstalter hat die Massen gut im Griff, es gibt wieder prima Wurst- und Käsebrote, Spreewaldgurken, Bananen, Getränke usw. Darauf freut man sich ja doch immer wieder. Der Spreewald-Marathon ist eigentlich mehr ein Volksfest, bei dem man nach Herzenslust fressen kann. Und nebenbei fährt man noch ein wenig Rad…
Wir haben bis hierher ungefähr einen 32er-Schnitt!
Nun fahren wir aber zunächst in unserer 4er-Gruppe weiter. Kurze P-Pause im Unterspreewald am Puhlstrom – hier habe ich sehr schöne Erinnerungen an unseren Familienurlaub 2013 und die Paddeltouren, dann rollen wir mit gleichmäßigem 32er-Tempo weiter. Durch Schlepzig, vorbei an Seemanns Haus, nach Norden – Klein Lübbenau, dann nach Osten, gegen den Wind. Und dann werden wir von einer größeren Gruppe geschluckt und nun wird es wieder etwas schneller, bis wir nach ca. 72 km und einigen Kopfsteinpflasterpassagen das Euro-Camp und damit den zweiten Kontrollpunkt erreichen.
Die Wurstbrote schmecken super, bei kohlensäurehaltigen Getränken halte ich mich heute besser zurück, ich habe da noch meine Probleme des letzten Jahres im Hinterkopf.
Weiter nun, eine sehr schnelle Gruppe lassen wir besser ziehen, fahren wir zu Viert schön gleichmäßig wieder am Briesensee vorbei, absolvieren den Bogen über Alt Zauche, einige Leute mit ihren Kindern stehen an den Gartenzäunen und winken oder feuern uns an, das macht Spaß (!), und sind nach 104 Kilometern 11.30 Uhr in Straupitz. Die frühe Startzeit hat den Vorteil, dass wir heute ohne Anstehen sogar Plinsen und Kaffee bekommen. Herrlich!
Große Mittagspause…
Dann der Bogen über Lieberose. Auch hier fahren wir zunächst zu Viert los. Nun habe ich ein wenig zu tun. Zunächst mit meiner Motivation, die etwas nachlässt, gerade, als wir unter einer Regenwolke hindurch müssen, aber auch deswegen, weil ich spüre, dass mich das durchgehend hohe Tempo mehr anstrengt, als ich das wollte. Die Straße von Goyatz nach Lieberose hinüber ist neu asphaltiert, das ist (trotz einsetzendem Regenschauer) im Vergleich zur Holperpiste der letzten Jahre sehr schön zu fahren.
Lieberose, Rast (ca. 130 km) – hier gesellt sich der Berliner, der im letzten Jahr bei uns mitfuhr, zu uns. Sein Kumpel ist zwischenzeitlich langsamer geworden und fährt nun hinterher. Er selbst ist auch noch nicht so gut drauf, und im späteren Verlauf muss er uns dann auch ziehen lassen.
Nun über die Heide, der größte Anstieg bei dieser Tour. Uwe lässt sich etwas Zeit, ich warte auf ihn, die Drei fahren schon vornweg. Dann kommt Uwe in einer mit gutem Tempo fahrenden Gruppe hinterher, in die auch ich mich einreihe und so holen wir auch unsere Drei wieder mühelos ein. In Richtung Burg über Drachhausen und Schmogrow-Fehrow haben wir wieder Rückenwind. Es rollt gut, ich habe großen Respekt vor demjenigen, der ununterbrochen vorn ein gleichmäßiges Tempo fährt und nicht wechselt.
In Burg am Pausenpunkt werden wir sogar mit Musik und Ansager als quasi „Helden der Landstraße“ empfangen. Und es gibt wieder genug zu Essen 🙂
Allerdings merke ich langsam, dass mir allmählich, obwohl ich genug trinke, erste Anzeichen einer Dehydrierung zu schaffen machen – unangenehm. Wir haben immer noch einen fast 31er-Schnitt. Thomas macht Druck, woher nimmt er die Kraft? Alle Achtung!
Nun werden die Wege enger, an Vetschau vorbei, durch Raddusch und den ehemaligen Tagebau sind wir permanent damit beschäftigt, konzentriert die langsameren Radler der kürzeren Touren zu überholen. Dabei entdecken wir auch Fränze, die mit großem Vorsprung vor den anderen Mädels hier unterwegs ist. So kommen wir nach Lübbenau, bleiben bis zur Stadt ein Stück auf der stark befahrenen Bundesstraße, und müssen noch die Plattenstraße an der Arbeiterherberge vorbei befahren, wobei ich endlich auch abreißen lasse und erreichen kurz darauf den letzten Kontrollpunkt (ca. 190 km) am Spaßbad „Spreewelten“.
Hier ist noch einmal große Stimmung, gute Verpflegung, ich hätte auch gern noch die Kartoffelsuppe gekostet, aber es geht leider auch gleich weiter.
Es ist 15 Uhr, als wir das Ziel auf der Schlossinsel in Lübben erreichen, das sind 204,64 km in einer Nettozeit von 6:37 Std.
Die Sonne scheint, auf der Festwiese ist Volksfeststimmung. Nur die Trachtenmädels mit den Gurken fehlen heute. Wir müssen die Damen, die uns die goldenen Gurken um den Hals hängen, erst suchen. Dafür legen die Trommler und Cheerleader einige Zeit später richtig los.
Gegen 17 Uhr sind dann auch alle Anderen da und wir rollen nun noch gemütlich auf dem Spreedamm via Ragow und Klein Radden im Abendsonnenlicht zurück und lassen so diesen schönen Tag ausklingen.
Nach dem Duschen ist im Restaurant noch am großen gemeinsamen Tisch „Nachbereitung“ angesagt. Der Hunger ist riesig, obwohl ich auch heute das Bauernfrühstück wieder nicht schaffe, der Durst groß und wird mit ein paar „Babben“-Bierchen gelöscht, die Stimmung entsprechend gut.
Es war wieder toll und wir beschließen, morgen gleich für das nächste Jahr wieder vorzubuchen.

Karfreitagsrunde 2014

18.04.2014
Um vier Uhr klingelt der Wecker – Aufstehen.
Ich lasse mir genug Zeit beim Frühstück, ans Rad gepackt habe ich danach alles recht schnell.
Es beginnt gerade zu regnen.
Auf gewohnter Strecke fahre ich im Dunkeln und Dauerregen nun via Panitzsch und Taucha nach Pönitz. Kurz davor ist wieder eine Straßenbaustelle, man hat eine provisorische Umgehung mit Alu-Profilplatten durchs Feld gebaut. Am zentimeterbreiten Übergang von der Straße zur Alu-Platte bleibe ich mit dem Vorderrad hängen und stürze. Elegant abgerollt, nix passiert, Aufstehen, Weiterfahren. Nass bin ich sowieso.
Liehmena, Mutschlena, Wölkau, von dort auf die B2.
Vorbei am Roten Haus, weiter durch Wellaune, 6.20 Uhr erreiche ich Bad Düben und kurbele nun hinauf in die Dübener Heide. Die Schuhüberzieher lassen nach einer Stunde das Regenwasser durch. Das wird recht schnell ziemlich unangenehm. Hinauf zum höchsten Punkt geht es heute im zunehmenden, immer stärker werdenden Regen. Die Wolken hängen tief und drohend. Dann rolle ich locker abwärts an Kemberg vorbei nach Pratau. Der Regen hört jetzt nach über 2 Stunden endlich auf. Im Westen sind Wolkenlücken zu erkennen. Elbquerung, dann Wittenberg. Erste kurze Rast, 7.40 Uhr, ca. 71 km. Zum Glück scheint es jetzt und hoffentlich auch für die nächsten Stunden trocken zu bleiben.
Nun geht es erneut hinauf, jetzt in den Fläming, die Straßen sind zum Karfreitag glücklicherweise leer.
Meine Füße sind nass und aus den Handschuhen läuft das Wasser. Kalt ist es auch, das wird zunehmend lästiger für mich.
Die seichten Hügel des Fläming sind kein Hindernis, auf dem kleinen Blatt mit der entsprechenden Frequenz rollt es ausgesprochen gut.
Ca. 10 km vor Treuenbrietzen rufe ich Uwe an, der daraufhin in Hektik verfällt. So zeitig hatte er mit mir noch nicht gerechnet.
Nach Treuenbrietzen geht es wieder bergab, so habe ich nach wenigen Minuten schon das Städtchen durchquert und kurz darauf, ca. 9.15 Uhr, 104 km, erreiche ich den verabredeten Treffpunkt. Uwe ist einige Zeit später da. Zusammen fahren wir nun recht entspannt in Richtung Borkheide. Der Wind weht von Nordwest, der wird uns nachher bei der Rückfahrt sicher gut unterstützen.
Nachdem wir ungefähr 20 Kilometer zurückgelegt haben, ist dann ein Bäcker genau richtig. Ein heißer Kaffee und ein Stück Kuchen, perfekt! Und etwas aufwärmen können wir uns auch.
Nach der Pause fahren wir auf der Fahrradstraße durch den endlosen Wald bis Ferch, kreuzen zweimal die A9 und haben einen eindrucksvollen Blick auf den verkehrsreichen Berliner Ring, bevor wir Ferch und die Südspitze des Schwielowsees erreichen. Ca. 11.20 Uhr, 136 km. Zwischenzeitlich ist mir meine zweite Trinkflasche kaputt gegangen, als sie mir bei dem Geholper auf dem durch Wurzeln zerrissenen Asphalt aus der Halterung fiel.

Kurze Rast oberhalb des Seeufers, Fotos. Leider ereilt uns hier wieder ein Regenschauer.
Danach geht es nun nach Westen, zunächst müssen wir eine verkehrsreiche Straße nutzen, ab der Autobahnausfahrt Glindow wird es dann aber ruhiger und dann fahren wir mit leichtem Gegenwind in Richtung Kloster Lehnin. In Kloster Lehnin halten wir nur kurz für ein paar Fotos, es regnet gerade wieder, diesen Ort habe ich schon bei schönerem Wetter erlebt. Ca. 154 km, es könnte knapp die halbe Strecke heute sein.
Aber nun haben wir etwas mehr Wetterglück. Wir absolvieren bis Golzow noch ein paar Kilometer mit leichtem Gegenwind. Dann verläuft die Route in südliche Richtung, Rogäsen, dort verlieren wir uns kurz, weil ich fotografiere und Uwe, der schon voraus gefahren ist, einen Track von mir auf dem Navi hat, den ich zwischenzeitlich noch einmal etwas abgewandelt habe und er deswegen 2 Zusatzkilometer fahren muss. Aber als er zurück kommt, sieht er mich gerade noch, wie ich auf der Bundesstraße vorbei fahre. Ich indessen wundere mich nach einigen Kilometern, dass ich ihn immer noch nicht eingeholt habe. Soooo schnell kann er doch gar nicht sein. Kurz vor Belzig, als ich unsicher werde und vermute, dass er vielleicht hinter mir sein könnte und mich nun wiederum nicht einholen kann, beschließe ich, auf ihn zu warten. Da höre ich ihn plötzlich rufen und er düst herbei. Die Jagd hat einige Körner gekostet. Etwas langsamer kurbeln wir nun nach Belzig, die Umgehungsstraße ist für Fahrräder gesperrt, so dass wir im Zickzack durch die Innenstadt müssen und dabei noch ein paar Kopfsteinpassagen mitnehmen. Aber Belzig ist trotzdem rasch durchquert. Nun weiter nach Süden – mit dem Wind. Die dunkelschwarze Unwetterwolke ist westlich an uns vorbei gerauscht. Wieder einmal Glück gehabt.

Nach 193 km vor Niemegk werden wir wieder von einer neuen Umgehungsstraße herunter geführt und müssen die alte Straße benutzen. Aber, auch hier haben wir Glück, so entdecken wir die ziemlich einsam und vom großen Verkehr fast abgeschnittene Tankstelle, an der wir nun halten und uns einen Kaffee und eine Bockwurst genehmigen. Als wir nach der ausgiebigen Pause wieder auf die Räder steigen, stellen wir fest, dass wir nun wohl eine längere Schönwetterphase erleben werden. Niemegk erreichen wir recht schnell, fahren von dort wieder streng nach Süden, nach Neuendorf, auf meinem Fahrradcomputer erscheint die 200, dann geht es sacht hinauf in den Fläming nach Klein Marzehns. Um mit Sicherheit einen 300er heute zu erleben, aber auch um Coswig zu vermeiden, habe ich die Route ab Groß Marzehns südwestlich über Cobbelsdorf gen Roßlau geplant.
Landschaftlich ist es hier sehr idyllisch, die sanft gewellte Landschaft, die gelbblühenden Rapsfelder vor dem blauweißen Himmel und den dunkel drohenden Quellwolken, die von Norden heran ziehen, sind sehr sehenswert. Autsch, diese Schauerwolken werden wir jetzt wohl nicht umgehen können. Wir radeln genau parallel zu dieser Front, die uns in Kürze überrollen wird. Noch einmal queren wir die A9, Ausfahrt Köselitz, dann geht es auf schlechtem rauen Asphalt weiter nach Südwesten. Ich werde nun immer schneller, Uwe lässt abreißen, ich erreiche gerade so das nächste Dorf, doch der Graupelschauer war noch etwas schneller. Und die Eiskörner sind gerade im Gesicht doch etwas schmerzhaft. Ehe es aber ganz schlimm wird, kann ich mich rechtzeitig noch unter einem Dachüberstand unterstellen.
Ebenso schnell, wie das Unwetter kam, ist es auch schon wieder vorbei. Uwe trifft Minuten später ein, er hat im Wald Schutz gesucht. Zusammen geht es nun weiter bis Roßlau, eine heftige Kopfsteinpflasterpassage inklusive.

Roßlau, dann die Elbebrücke, die Mulde, Fotos… Die Sonne scheint wieder, es ist jedoch kühl und an zahlreichen Stellen liegen Haufen von Eiskörnern. Hier muss es ganz schön gewütet haben. In Dessau sind wir gegen 17 Uhr und machen dort wieder eine ausgiebige Pause mit Bockwurst, Kaffee und Cola nach ca. 250 Kilometern in einer Tankstelle.

Mir geht es, wohl auch infolge der recht zahlreichen gewollten und ungewollten Pausen und des recht niedrigen Tempos sehr gut. Auch wenn wir erst einmal frieren, als wir wieder hinaus müssen. Durch Dessau kommen wir trotz der gewohnt katastrophalen Radwege recht zügig. Nur insgesamt sind wir relativ langsam geworden. Raguhn, die direkte, landschaftlich schönere Strecke entlang der Mulde nach Jessnitz ist gesperrt. Aber auch die Parallelroute über Altjeßnitz am Irrgarten vorbei ist kein Umweg. Muldenstein, Muldensteiner Berg, heute kein Problem, Friedersdorf, dann die Goitzsche. Blick nach Bitterfeld…

Das Wetter macht uns nun richtig Freude. Die Sonne scheint, da wir ja schon mitten im April sind, wird es auch noch eine Weile hell bleiben. Und auf Grund der kühlen reingewaschenen Luft sind die Farben besonders intensiv und kräftig. Die blaue Fläche der großen Seen, die Quellwolken, das orangene Sonnenlicht. Traumhaft schön…
Unterhalb von Pouch, es ist gerade 19 Uhr, rufe ich zu Hause an, wir werden schätzungsweise gegen 21 Uhr zu Hause eintreffen. Der Abschnitt, den die Muldeflut im letzten Jahr aus der Straße nach Löbnitz weggerissen hat, ist heute mit einer Art Damm überbrückt, man kann die breite Spur der Vernichtung hier noch sehr genau sehen, eine breite Rinne aus Sand und Schlamm, ohne Bewuchs zum Seelhausener See hin. An Löbnitz geht es vorbei nach Reibitz, dann nach Badrina und hinüber nach Wölkau. Ich schwelge in den Farben den blühenden Rapsfelder im Schein der Abendsonne. Pönitz, die Baustelle von heute Morgen, der „Killerhügel“ nach Taucha hinüber. Taucha, Panitzsch, es dämmert allmählich, aber nun ist es fast geschafft.
Es sind wieder 324 km geworden, als wir 20.50 Uhr im Ziel einrollen.

Die Route auf gpsies.com

Brevet 200 km Sachsen 2014

Sonntag, 06.04.2014
6 Uhr heißt es Aufstehen, Frühstück, 6.45 Uhr Abfahrt nach Bennewitz. Während der gemächlichen Fahrt teste ich noch ein wenig meine Schaltung, ich habe lange nicht mehr auf dem Rennrad gesessen.
7.30 Uhr bin ich dann in Bennewitz, finde auch das Sportlerheim gleich.
Nach und nach trudeln nun auch die „alten“ Randonneure ein. Junge Kerle, die mit den Elbspitze-Leuten fahren, dann eine später an den Anstiegen ungemein starke Truppe, dazwischen ein paar Berliner… Ganz junge und etwas Ältere. Eine bunte Mischung. Viele ARA-Trikots…
Das Wetter ist zunächst etwas neblig, aber trocken.
8.30 Uhr Start der ersten 30-Mann-Gruppe. Olaf gibt noch ein paar Hinweise, dann schickt er uns auf die Strecke. Es geht erschreckenderweise gleich volles Tempo via Wurzen, auf dem Muldentalbahnradweg bis Golzern. Die führenden Leute vorn bolzen mit 35-40 km/h voran, kaum vorstellbar, wie die das durchhalten wollen.
Auf meine besorgte Frage an meinen Nebenmann meint der schmunzelnd, das sei immer so.
Dann der erste 15% – Bergstraße Golzern. Das ist heute das erste Mal, dass ich ins Keuchen komme. Vermutlich bin ich den auch zu schnell gefahren. Oben weiter im Auf und Ab bis ins Tal nach Tanndorf, dann geht es nach der Muldebrücke via Zschadrass erneut heftig hinauf und oben weiter bis Colditz. Dort rollen wir ganz hinunter zur Mulde, dann wieder hoch nach Lastau.
Diesen Anstieg, der, gerade von hier aus dem Tal gesehen, respekteinflößend wirkt, habe ich in den Jahren meiner Radfahrererei immer vermieden. Aber oben in Lastau muss mit Kontrollzange gestempelt werden.
Das Wetter ist immer noch trübe und kühl.
Danach erneute Abfahrt wieder ganz hinunter zur Mulde, in Kralapp müssen wir aber gleich wieder ganz hoch, nach einem bösen Stich ist da die nächste Kontrollzange. Anschließend rollt es in wildem Galopp, die Schnellsten sind schon weit weg, in Dreiergruppe über Geringswalde hinüber nach Kriebstein, dem ersten Kontrollpunkt.
Nach 67 km kommen wir 11 Uhr dort an.
Wir befinden uns deutlich im Zeitfenster. Kurze Pause, im Kassenraum holen wir den Stempel.
Dann geht es mit einer bergstarken Truppe über die Höhen im Auf und Ab nach Wechselburg. Dort müssen wir wieder ganz hinab, ehe es nach dem Viadukt in Göhren noch einmal ungemein steil mit vielen Prozenten zur Sache geht.
Obergräfenhain im Vorbeiflug, mittlerweile sind wir zu Zweit, das rollt ganz gut.
Zusammen fangen wir noch einen Anderen ein. Kurz vor Kohren-Sahlis, nach 103 km beschließen wir nun spontan, in einem wunderbaren Biergarten am See eine Rast einzulegen und genehmigen uns ein alkoholfreies Hefeweizen. Die Sonne bricht warm durch die Wolken, einfach genial. Indessen fahren oben auf der Straße andere Randonneure vorbei.
Nach der Pause lauert in Kohren-Sahlis der für heute letzte Stich über den Töpfermarkt hinauf, dann geht es durch den Streitwald, wir passieren Frohburg und rollen dann gen Westen, gegen den Wind ins Thüringische. Pahna, Treben, Regis-Breitingen, Lucka, es geht durch die Braunkohlenecke südlich von Leipzig. Inzwischen ist unsere Gruppe auf 4 Mann angewachsen. So erreichen wir, abwechselnd führend, das sonnige Pegau nach ca. 150 Kilometern gegen 15 Uhr.
Stempel und Rast an der Shell-Tanke (eine kleine Cola muss jetzt sein). Hier treffen wieder einige Gruppen zusammen, eigenartig, dass man sich immer wieder sieht und die Zeitunterschiede gar nicht so riesig sind.
Zu Viert machen wir uns dann mit Rückenwind auf die letzten 60 Kilometer. Am Tagebau Schleenhain führt uns der Track in die Irre, die Straße gibt es seit einem halben Jahr nicht mehr 🙂 Weggebaggert…
Im Galopp, fast immer steht eine „3“ an erster Stelle auf dem Tacho, weiter, Eula, Kitzscher, dann nordostwärts. Abschließend „erledigen“ wir noch die kleinen Hügel um Ammelshain, Leulitz.
Bennewitz, nun noch schnell die AGIP-Tanke aufsuchen, 17.28 Uhr der letzte Stempel und 5 Minuten später erreichen wir das Sportlerheim in Bennewitz. Ziel erreicht, Brevet bestanden 🙂
Der Erste. Danke Olaf fürs Organisieren.
Wir sitzen bei Soljanka und einem alkoholfreien Flensburger noch eine halbe Stunde in der Sporthalle, schwätzen ein wenig.

Und ich kurbele dann gemächlich über die Dörfer nach Hause zurück und genieße noch den warmen sonnigen Sonntagabend. Eigentlich war es schön 🙂
Nach meinem Navi waren es nun ca. 215 km mit ca. 1800 Höhenmetern. Gewaltig für den Saisonbeginn.