Spreewaldmarathon 2014

26.04.2014
Halb sechs ist heute Aufstehen angesagt. Meine Bio-Uhr funktioniert, ich werde kurz vor dem Wecker wach. Draußen ist es jetzt, Ende April, schon fast hell. Leider lässt sich im Holzbungalow das Knarren der Dielen nicht vermeiden, so dass vermutlich auch meine noch schlafenden Frauen mein bemüht leises Schleichen nicht überhören können.
Deshalb frühstücken wir, als Uwe und Thomas vorbei kommen, gleich draußen im Stehen auf der Terrasse. Trockenes Brötchen mit original Rostocker Wiener Würstchen. Und einen Kaffee habe ich seit gestern Abend schon in der Thermoskanne.
Die Sonne scheint schon, auf dem See liegen leichte Nebelbänke. Idyllisch…
Der Abend gestern im Restaurant war auch wieder einmal gemütlich. Es war so warm, dass wir sogar noch auf der Terasse mit schönem Blick auf den See sitzen konnten. Dazu unterstützten ein riesiges Bauernfrühstück und ein paar Bierchen unsere mentale Vorbereitung auf den heutigen Spreewald-Marathon.
Ein wenig spannend ist das schon, ich kenne Thomas nur flüchtig, wir sind einmal bei der Tour im September 2011 mit Roland zusammen gefahren. Da war er auf dem Mountain Bike genauso schnell wie wir auf Rennrädern. Mal sehen, wie das heute in unserer Gruppe funktioniert. Gegen halb sieben starten wir dann. Uwe fährt mit dem Auto, er will noch ein wenig Ruhe, Thomas und ich fahren mit den Rädern die 11 Kilometer nach Lübben hinüber.
Das erste kleine Abenteuer heute bieten die drei aus einer Koppel ausgebrochenen Pferde auf dem asphaltierten Waldweg nach Klein Radden. Statt vor uns in die Felder auszuweichen, galoppieren sie ein ganzes Stück vor uns her bis zur Hauptstraße, so dass wir uns ein wenig wie Cowboys auf Rädern vorkommen 🙂
Dann sind wir recht schnell in Lübben. Nachdem Uwe sein Rennrad auf dem Parkplatz am Burglehn zusammengebaut hat, wechseln wir zur Information auf der Schlossinsel, wo wir uns mit Bärbel treffen.
Wenige Minuten später geht es dann wieder mit „Auf die Gurke, fertig, los.“ 7.30 Uhr auf die Piste.
Der 12. Spreewald-Marathon hat für uns begonnen.
Unsere Frauen und Töchter starten auf die 70 Kilometer erst 11.30 Uhr. Sie frühstücken noch in aller Ruhe im Restaurant und fahren dann auch mit den Rädern zum Start nach Lübben.
Die Sonne scheint, der Wind weht auf den ersten Kilometern unterstützend von Ost.
Wir sind, nachdem wir die Stadt verlassen haben, recht schnell unterwegs, fahren zunächst in einer großen Gruppe bis Krausnick. Doch das permanente unruhige Stop and Go, 40-25er Spielchen mit rechts, links sonstwie überholen macht keinen rechten Spaß. Da sind Stürze geradezu vorprogrammiert.
Die Route ist seit Jahren unverändert, erst ein Stück nach Westen, Kasel-Golzig, dann gen Golßen, vorher biegen wir wieder nach Osten ab, überqueren die Autobahn und dann geht es durch den großen Wald bis Krausnick. Es sind mehr 200er als sonst unterwegs, nach Schätzung müssten es über 700 Teilnehmer allein auf dieser Tour sein. Und entsprechend ist auch das Gedränge am Kontrollpunkt. Aber der Veranstalter hat die Massen gut im Griff, es gibt wieder prima Wurst- und Käsebrote, Spreewaldgurken, Bananen, Getränke usw. Darauf freut man sich ja doch immer wieder. Der Spreewald-Marathon ist eigentlich mehr ein Volksfest, bei dem man nach Herzenslust fressen kann. Und nebenbei fährt man noch ein wenig Rad…
Wir haben bis hierher ungefähr einen 32er-Schnitt!
Nun fahren wir aber zunächst in unserer 4er-Gruppe weiter. Kurze P-Pause im Unterspreewald am Puhlstrom – hier habe ich sehr schöne Erinnerungen an unseren Familienurlaub 2013 und die Paddeltouren, dann rollen wir mit gleichmäßigem 32er-Tempo weiter. Durch Schlepzig, vorbei an Seemanns Haus, nach Norden – Klein Lübbenau, dann nach Osten, gegen den Wind. Und dann werden wir von einer größeren Gruppe geschluckt und nun wird es wieder etwas schneller, bis wir nach ca. 72 km und einigen Kopfsteinpflasterpassagen das Euro-Camp und damit den zweiten Kontrollpunkt erreichen.
Die Wurstbrote schmecken super, bei kohlensäurehaltigen Getränken halte ich mich heute besser zurück, ich habe da noch meine Probleme des letzten Jahres im Hinterkopf.
Weiter nun, eine sehr schnelle Gruppe lassen wir besser ziehen, fahren wir zu Viert schön gleichmäßig wieder am Briesensee vorbei, absolvieren den Bogen über Alt Zauche, einige Leute mit ihren Kindern stehen an den Gartenzäunen und winken oder feuern uns an, das macht Spaß (!), und sind nach 104 Kilometern 11.30 Uhr in Straupitz. Die frühe Startzeit hat den Vorteil, dass wir heute ohne Anstehen sogar Plinsen und Kaffee bekommen. Herrlich!
Große Mittagspause…
Dann der Bogen über Lieberose. Auch hier fahren wir zunächst zu Viert los. Nun habe ich ein wenig zu tun. Zunächst mit meiner Motivation, die etwas nachlässt, gerade, als wir unter einer Regenwolke hindurch müssen, aber auch deswegen, weil ich spüre, dass mich das durchgehend hohe Tempo mehr anstrengt, als ich das wollte. Die Straße von Goyatz nach Lieberose hinüber ist neu asphaltiert, das ist (trotz einsetzendem Regenschauer) im Vergleich zur Holperpiste der letzten Jahre sehr schön zu fahren.
Lieberose, Rast (ca. 130 km) – hier gesellt sich der Berliner, der im letzten Jahr bei uns mitfuhr, zu uns. Sein Kumpel ist zwischenzeitlich langsamer geworden und fährt nun hinterher. Er selbst ist auch noch nicht so gut drauf, und im späteren Verlauf muss er uns dann auch ziehen lassen.
Nun über die Heide, der größte Anstieg bei dieser Tour. Uwe lässt sich etwas Zeit, ich warte auf ihn, die Drei fahren schon vornweg. Dann kommt Uwe in einer mit gutem Tempo fahrenden Gruppe hinterher, in die auch ich mich einreihe und so holen wir auch unsere Drei wieder mühelos ein. In Richtung Burg über Drachhausen und Schmogrow-Fehrow haben wir wieder Rückenwind. Es rollt gut, ich habe großen Respekt vor demjenigen, der ununterbrochen vorn ein gleichmäßiges Tempo fährt und nicht wechselt.
In Burg am Pausenpunkt werden wir sogar mit Musik und Ansager als quasi „Helden der Landstraße“ empfangen. Und es gibt wieder genug zu Essen 🙂
Allerdings merke ich langsam, dass mir allmählich, obwohl ich genug trinke, erste Anzeichen einer Dehydrierung zu schaffen machen – unangenehm. Wir haben immer noch einen fast 31er-Schnitt. Thomas macht Druck, woher nimmt er die Kraft? Alle Achtung!
Nun werden die Wege enger, an Vetschau vorbei, durch Raddusch und den ehemaligen Tagebau sind wir permanent damit beschäftigt, konzentriert die langsameren Radler der kürzeren Touren zu überholen. Dabei entdecken wir auch Fränze, die mit großem Vorsprung vor den anderen Mädels hier unterwegs ist. So kommen wir nach Lübbenau, bleiben bis zur Stadt ein Stück auf der stark befahrenen Bundesstraße, und müssen noch die Plattenstraße an der Arbeiterherberge vorbei befahren, wobei ich endlich auch abreißen lasse und erreichen kurz darauf den letzten Kontrollpunkt (ca. 190 km) am Spaßbad „Spreewelten“.
Hier ist noch einmal große Stimmung, gute Verpflegung, ich hätte auch gern noch die Kartoffelsuppe gekostet, aber es geht leider auch gleich weiter.
Es ist 15 Uhr, als wir das Ziel auf der Schlossinsel in Lübben erreichen, das sind 204,64 km in einer Nettozeit von 6:37 Std.
Die Sonne scheint, auf der Festwiese ist Volksfeststimmung. Nur die Trachtenmädels mit den Gurken fehlen heute. Wir müssen die Damen, die uns die goldenen Gurken um den Hals hängen, erst suchen. Dafür legen die Trommler und Cheerleader einige Zeit später richtig los.
Gegen 17 Uhr sind dann auch alle Anderen da und wir rollen nun noch gemütlich auf dem Spreedamm via Ragow und Klein Radden im Abendsonnenlicht zurück und lassen so diesen schönen Tag ausklingen.
Nach dem Duschen ist im Restaurant noch am großen gemeinsamen Tisch „Nachbereitung“ angesagt. Der Hunger ist riesig, obwohl ich auch heute das Bauernfrühstück wieder nicht schaffe, der Durst groß und wird mit ein paar „Babben“-Bierchen gelöscht, die Stimmung entsprechend gut.
Es war wieder toll und wir beschließen, morgen gleich für das nächste Jahr wieder vorzubuchen.

Brevet 200 km Sachsen 2014

Sonntag, 06.04.2014
6 Uhr heißt es Aufstehen, Frühstück, 6.45 Uhr Abfahrt nach Bennewitz. Während der gemächlichen Fahrt teste ich noch ein wenig meine Schaltung, ich habe lange nicht mehr auf dem Rennrad gesessen.
7.30 Uhr bin ich dann in Bennewitz, finde auch das Sportlerheim gleich.
Nach und nach trudeln nun auch die „alten“ Randonneure ein. Junge Kerle, die mit den Elbspitze-Leuten fahren, dann eine später an den Anstiegen ungemein starke Truppe, dazwischen ein paar Berliner… Ganz junge und etwas Ältere. Eine bunte Mischung. Viele ARA-Trikots…
Das Wetter ist zunächst etwas neblig, aber trocken.
8.30 Uhr Start der ersten 30-Mann-Gruppe. Olaf gibt noch ein paar Hinweise, dann schickt er uns auf die Strecke. Es geht erschreckenderweise gleich volles Tempo via Wurzen, auf dem Muldentalbahnradweg bis Golzern. Die führenden Leute vorn bolzen mit 35-40 km/h voran, kaum vorstellbar, wie die das durchhalten wollen.
Auf meine besorgte Frage an meinen Nebenmann meint der schmunzelnd, das sei immer so.
Dann der erste 15% – Bergstraße Golzern. Das ist heute das erste Mal, dass ich ins Keuchen komme. Vermutlich bin ich den auch zu schnell gefahren. Oben weiter im Auf und Ab bis ins Tal nach Tanndorf, dann geht es nach der Muldebrücke via Zschadrass erneut heftig hinauf und oben weiter bis Colditz. Dort rollen wir ganz hinunter zur Mulde, dann wieder hoch nach Lastau.
Diesen Anstieg, der, gerade von hier aus dem Tal gesehen, respekteinflößend wirkt, habe ich in den Jahren meiner Radfahrererei immer vermieden. Aber oben in Lastau muss mit Kontrollzange gestempelt werden.
Das Wetter ist immer noch trübe und kühl.
Danach erneute Abfahrt wieder ganz hinunter zur Mulde, in Kralapp müssen wir aber gleich wieder ganz hoch, nach einem bösen Stich ist da die nächste Kontrollzange. Anschließend rollt es in wildem Galopp, die Schnellsten sind schon weit weg, in Dreiergruppe über Geringswalde hinüber nach Kriebstein, dem ersten Kontrollpunkt.
Nach 67 km kommen wir 11 Uhr dort an.
Wir befinden uns deutlich im Zeitfenster. Kurze Pause, im Kassenraum holen wir den Stempel.
Dann geht es mit einer bergstarken Truppe über die Höhen im Auf und Ab nach Wechselburg. Dort müssen wir wieder ganz hinab, ehe es nach dem Viadukt in Göhren noch einmal ungemein steil mit vielen Prozenten zur Sache geht.
Obergräfenhain im Vorbeiflug, mittlerweile sind wir zu Zweit, das rollt ganz gut.
Zusammen fangen wir noch einen Anderen ein. Kurz vor Kohren-Sahlis, nach 103 km beschließen wir nun spontan, in einem wunderbaren Biergarten am See eine Rast einzulegen und genehmigen uns ein alkoholfreies Hefeweizen. Die Sonne bricht warm durch die Wolken, einfach genial. Indessen fahren oben auf der Straße andere Randonneure vorbei.
Nach der Pause lauert in Kohren-Sahlis der für heute letzte Stich über den Töpfermarkt hinauf, dann geht es durch den Streitwald, wir passieren Frohburg und rollen dann gen Westen, gegen den Wind ins Thüringische. Pahna, Treben, Regis-Breitingen, Lucka, es geht durch die Braunkohlenecke südlich von Leipzig. Inzwischen ist unsere Gruppe auf 4 Mann angewachsen. So erreichen wir, abwechselnd führend, das sonnige Pegau nach ca. 150 Kilometern gegen 15 Uhr.
Stempel und Rast an der Shell-Tanke (eine kleine Cola muss jetzt sein). Hier treffen wieder einige Gruppen zusammen, eigenartig, dass man sich immer wieder sieht und die Zeitunterschiede gar nicht so riesig sind.
Zu Viert machen wir uns dann mit Rückenwind auf die letzten 60 Kilometer. Am Tagebau Schleenhain führt uns der Track in die Irre, die Straße gibt es seit einem halben Jahr nicht mehr 🙂 Weggebaggert…
Im Galopp, fast immer steht eine „3“ an erster Stelle auf dem Tacho, weiter, Eula, Kitzscher, dann nordostwärts. Abschließend „erledigen“ wir noch die kleinen Hügel um Ammelshain, Leulitz.
Bennewitz, nun noch schnell die AGIP-Tanke aufsuchen, 17.28 Uhr der letzte Stempel und 5 Minuten später erreichen wir das Sportlerheim in Bennewitz. Ziel erreicht, Brevet bestanden 🙂
Der Erste. Danke Olaf fürs Organisieren.
Wir sitzen bei Soljanka und einem alkoholfreien Flensburger noch eine halbe Stunde in der Sporthalle, schwätzen ein wenig.

Und ich kurbele dann gemächlich über die Dörfer nach Hause zurück und genieße noch den warmen sonnigen Sonntagabend. Eigentlich war es schön 🙂
Nach meinem Navi waren es nun ca. 215 km mit ca. 1800 Höhenmetern. Gewaltig für den Saisonbeginn.