Spreewaldmarathon 2015

Spreewald-Marathon, 18.04.2015

Am schönsten sind die Momente, wenn die Sonne über dem Horizont erscheint, leichte Nebel über dem stillen Wasser der Spree und der Fließe aufsteigen und ein enormes Vogelkonzert den neuen Tag begrüßt.
Ohne Schmalz und Krümel… Es gibt wirklich (fast) nix Besseres.
Abgesehen von den zu Eisklumpen erstarrten Fingerspitzen, die kaum den Auslöser der Kamera betätigen können, ist das der perfekte Einstieg in diesen Tag.


Der Spreewald-Marathon und für mich die mittlerweile 8. Teilnahme an dieser von vielen ehrenamtlichen Helfern wunderbar organiserten Massenveranstaltung stellt immer wieder DEN ultimativen Start in den Radler-Frühling dar.
Sicher, der Startschuss in die Saison 2015 fiel bereits beim 200er-Brevet in Berlin, aber diese Runde durch und um den Spreewald mit allem Drumherum schafft das lange ersehnte Gefühl, dass sich nun die warme Jahreszeit nicht mehr aufhalten lässt.
Auch wenn der heutige Morgen frostig ist und selbst im weiteren Verlauf des Tages die Temperatur kaum über 12°C steigt…


Zusammen mit fast 1.000 anderen Radlern schickt uns das „Auf die Gurke – fertig los“ wieder einmal 7.30 Uhr von der Schloßinsel Lübben auf die 200 Kilometer lange Reise.
Wie immer sind die Schnellsten sofort weg, wir gehen das Ganze dagegen etwas gemütlicher an. Uns drängelt ja nix…
Und da die Frauen mit den Mädels erst 11.30 Uhr nach pompösen Frühstück im Hotel am Lübbener Hafen auf die 70er Runde starten, haben wir ebenfalls viel Zeit.


Im prallen Sonnenschein am Vormittag „arbeiten“ wir uns auf gewohnter Strecke zum ersten Kontrollpunkt in Krausnick durch.
Gruppenfahren ist zumindest für mich heute nicht so angesagt, das nervöse Hin- und Her, ruckhafte Beschleunigen und Bremsen von Leuten, die die Anderen und deren Fahrgewohnheiten nicht kennen, potenziert das Sturzrisiko. Und da es Spezialisten gibt, die mitten im Feld plötzlich verlangsamen, um einen Schluck aus der Pulle zu nehmen, dabei noch aus dem Gleichgewicht kommen, von rechts nach links und zurück pendeln und die Hintermänner in große Verlegenheit bringen, halten wir uns da doch sehr zurück.
Allein geht besser – oder eben gegebenenfalls selbst vorn im Wind arbeiten….


Krausnick, Groß-Leuthen, Straupitz, Lieberose, Burg, Lübbenau – die zahlreichen Helfer haben wieder für eine erstklassige Verpflegung gesorgt.
Auch wenn die Teilnahmeberechtigung anhand der Startnummer nicht kontrolliert wird, wäre es äußerst unfair, den Obolus in Höhe von 32,- EUR unterschlagen zu haben  und als „blinder Passagier“ an Bord zu sein. Denn die Mühe und Arbeit der Leute, die stundenlang bei diesen niedrigen Temperaturen ausharren, die üppige Palette an handgeschmierten Wurstbroten, Kuchenstückchen, Obst, Gurken, Gummibärchen (welche Kinder haben dieses Opfer gebracht ;-), Schokoladestückchen und – riegeln, Brühreis mit Hühnchen, Nudel- und Kartoffelsuppe, Bockwurst und nicht zuletzt den Plinsen in Straupitz ist das mindestens Wert.
Ganz abgesehen vom unerschöpflichen Getränkeangebot, das für uns bereit steht.


Also wirklich wieder einmal einen ganz großen Dank an die Veranstalter und alle Helfer und Unterstützer dieser tollen Veranstaltung.

Allmählich bewölkt es sich, wird spürbar kühler, als die Sonne verschwindet.
Und allmählich fressen und trinken wir uns bis Lieberose und Burg durch.


Zwischenzeitlich haben wir einen etwas älteren „Hinterradlutscher“ im Huckepack, der sich konsequent der Führungsarbeit verweigert und dessen größtes Problem die jungen Mädels sind, die das Ganze so locker fahren und dabei noch quatschen können. Na ja 😉
Wenn es weiter nix gibt…
Aber bei einer von Uwe geschickt gesetzten Pause will unser „Windschattenfahrer“ nicht abwarten, sondern gondelt allein weiter und wird flugs von einer anderern Gruppe geschluckt und mitgezogen.

Burg – ca. 160 Kilometer – schade, schon fast vorbei. Große Stimmung hier im Ort, der Moderator sorgt für volksfestähnliche Unterhaltung.
Nun wird der Verkehr etwas „dicker“, die 70er, 110er und 150er kommen noch mit dazu.
Aber es rollt.

Im ehemaligen Tagebau Vetschau und anschließend in Lübbenau bei ein, zwei Bierchen „ohne“  und Kartoffelsuppe treffen wir auf unsere Frauen.
Danach folgt schon wieder die Kür, leider auf der Bundesstraße, sehr zum Leidwesen des motorisierten Kraftverkehrs, die sich heute ihr ureigenstes Medium mit richtigen KRAFT-Fahrern teilen müssen. Und die kämpfen sich alle eisern beim noch einmal aufdrehenden Gegenwind bis Lübben durch.
Kurz vor 16 Uhr sind wir im Ziel.


Es waren 202 Kilometer.


Das reicht auch, um noch in guter entspannter Stimmung und Laune, von den Cheerleadern und den Trommlern begrüßt, die goldene Gurke abzuholen.


Die Sonne zeigt sich auch wieder, so dass wir nur wenig frieren müssen, bis unsere Frauen eintreffen.
Schade – schon vorbei.


Es folgt der Epilog – das gemütliche Ausrollen im Abendsonnenschein auf dem Spreedamm zurück zur Unterkunft.

Schön war es.

Wir kommen wieder!

Brevet 300 km Sachsen 2015

Samstag, 11.04.2015

Na das war mal wieder eine Erfahrung.
Es ist lange her, dass es mir nach einer Tour dermaßen mies ging.
Aber woran liegt’s?

„Das Können bestimmt das Dürfen.“ – so oder ähnlich hat den Spruch wohl der große Reinhold Messner geprägt. Und damit hat er fatalerweise Recht.

Können – der Radelnde Uhu ist nun mal kein besonders schneller Renner.

Und wenn er wie ein Anfänger dann mit leichten Kopfschmerzen und einem leichten Ziehen in den Oberschenkeln schon auf den ersten 40 Kilometern nach dem Start vergisst, dass da noch 270 weitere Kilometerchen lauern, und versucht, es den Jungen, Starken, Schnellen nachzumachen und in der Anfangseuphorie kräftig mit in die Pedale tritt, dann muss er sich nicht wundern, dass er schon auf dem ersten Berg, dem Collm, ziemlich außer Puste ist.
Ein Brevet ist kein Rennen. Und wie es der Radelnde Uhu schon „weise“ in seinen Betrachtungen feststellte, mit dem Bestreben, möglichst schnell die Tour „abzureißen“ und „abzuhaken“, bringt er sich selbst möglicherweise um die schönsten Erlebnisse, den Genuss und dümmstenfalls in die Bredouille, dass der Körper irgendwann keine Lust mehr hat und den Dienst aufkündigt.


Das Wetter ist schön, mild, sonnig, der Wind weht mäßig von West, das ist vom Collm über die Hügel bis Colditz etwas lästig. Dazu funktioniert aber die kleine Gruppe mit Thomas und einem sympathischen PBP-2011-Veteran sehr gut und so kündigt sich der Einbruch nur zögerlich an.
Zwischenzeitlich „ballert“ Olaf an uns vorbei, unglaublich, er ist 20 Minuten später gestartet und hat uns schon nach 50 km überholt. Wie macht er das nur?


Schön im Sonnenlicht liegt das Tal der Freiberger Mulde, die Kontrollfrage kurz vor dem ersten Stempel haben wir rasch beantwortet, dann ist kurze Rast in der Tanke bei Colditz angesagt.
Der Radelnde Uhu hätte es nun aber auch wissen müssen und sich entsprechend darauf einstellen können. Das Streckenprofil war klar und deutlich, auf den ersten 170 Kilometern musste der Großteil der über 2700 Höhenmeter eingefahren werden. Heißt im Klartext, der Organisator (vielen Dank Olaf  😉 ließ es sich nicht nehmen, den am heutigen Sachsen-300er beteiligten 70 Randonneuren jeden möglichen Hügel an der Strecke zu gönnen.
So huppelt es sich im stetigen Auf und Ab hinüber nach Geithain, von dort geht es wellig weiter nach Südwesten und dann auf der B95 (auf der man vor der Neueröffnung der A72 als Radler keine Chance hatte) zunächst ganz runter zur Zwickauer Mulde und gleich darauf wieder hinauf zur Kreuzung, wo die Shell-Tanke von Penig eine leckere BoWu und eine Cola für uns bereit hält. Nebst Stempel natürlich.
Bis hierhin also ganz gut, auch wenn die Beinchen nach 100 km nun etwas schwer geworden sind. Irgendwie fühlt man sich leicht angeknackst, etwas müde, fröstelig… Also besser die Jacke anlassen – totgeschwitzt hat sich vermutlich noch niemand. Zumal es nach der Pause erst einmal wieder rasch bergab zur Mulde geht, um die folgenden Anhöhen nach Lunzenau, Cossen und Wechselburg in voller Schönheit genießen zu können.


Die Einbruch sendet die nächsten Signale aus… Soll ja niemand behaupten können, der Radelnde Uhu wäre nicht vorgewarnt gewesen.
Hmmm… Das übliche Leiden – der Radelnde Uhu schwitzt wie ein Wilder, trinkt zu wenig und die Mineralien verflüchtigen sich ersatzlos aus dem Körper und hinterlassen lediglich schöne Ornamente im Gesicht oder auf der blauen Jacke.
Aber Thomas erfreut sich zwischenzeitlich immer mal wieder an den schönen weißen kristallinen Mustern.


Dann gesellen sich oberhalb von Wechselburg noch zwei andere Randonneurskollegen zu uns, die dem radelnden Uhu leider doch etwas zu schnell sind. Zudem ist der Weg zwischen den beiden Kontrollpunkten Penig und Meißen mit 99 Kilometern sehr lang.
Schade – es nützt nix. Auch wenn der Wind von hinten kräftig über die Höhen nach Waldheim schiebt, kurz vor Etzdorf im schönen Striegistal ist „Pumpe“.
Es folgt die überfällige Zwangspause – mindestens eine Banane muss sein.
Die Anderen sind entfleucht – Thomas wartet und zusammen nehmen wir nun die letzten Hügel bis Nossen unter die Räder.
Erst dann können wir es zügig im Triebischtal bis Meißen abwärts rollen lassen. Das kraftsparende Vorankommen in diesem herrlichen Tal täuscht ein wenig darüber hinweg, dass der Körper nur noch reduziert funktioniert.

Meißen nach 195 km ist also bald erreicht, dort wühlen wir uns durch das Autochaos, die Kontroll-Tanke bietet eine (salzige – genau das Richtige) Bockwurst und Getränke. Und dort treffen wir auch unsere Begleiter wieder. „Unser“ dritter Mann wartet auf uns.
Da der Radelnde Uhu etwas von Kräften ist, spannen sich nun die Beiden vorne dran und so ist trotzdem ein gutes Vorankommen möglich.
Bis Diesbar bieten die Weinberge und die villenartigen Häuschen am Elbufer und in den Hängen immer wieder sehr idyllische Bilder. Erst ab Nünchritz wird die Landschaft eintöniger. Ein kurzer Blick zum Collm im Westen, dort waren wir heute Morgen. Darüber eine dunkle Wolkenwand mit Regenschleiern. Aber mit etwas Glück könnten wir diese auf unserer Route umfahren. Dann ein kurzes Stück auf der 4-spurigen Schnellstraße in Richtung Gröditz, es sind allerdings nur wenige Autos am Samstagabend unterwegs. Und bis Bad Liebenwerda rollte es dann noch ruhiger und entspannter.
Nun erwischen uns doch ein paar Tropfen, die Abendluft wird auch spürbar kühler.

In Falkenberg sind wir gegen 19.45 Uhr.

Freie Kontrolle, der REWE-Markt hat noch geöffnet. Wenigstens eine Banane und etwas Trinken.

Aber der Einbruch ist nun da. Der Magen reagiert etwas genervt und unwillig auf die zugemutete Anstrengung, Essen geht nicht mehr, die kalten Getränke will er auch nicht so Recht.
Und das zeigt nun auf dem folgenden Abschnitt gegen den Wind nach Torgau seine Wirkung.
Thomas‘ Kreuz ist breit genug, dass sich der Radelnde Uhu dahinter verstecken kann, auch wenn der dabei ein ganz schlechtes Gewissen hat.
Die Beiden machen vorn die Arbeit und schleppen den auch noch ab!
Ihm geht indessen das böse Wort vom „Hinterrad-Lutscher“ durch den Kopf. Aber es ist nicht zu ändern. Die Kraft, vorn im Wind zu fahren, ist einfach nicht mehr da.

21.10 Uhr kurze Stempel- und Trinkpause in Torgau, dann weiter in Richtung Ziel.
An sich sind 35 Kilometer nun keine Entfernung mehr. Aber nicht zuletzt wegen dem Radelnden Uhu ist nur noch ein Schleichen durch die Dunkelheit möglich. Schildau – Baustelle, querdurch, die Reifen haben es gut überstanden.

Falkenhain, jeder Huckel ist jetzt ein Berg. Und in ganz traumatischer Erinnerung bleibt der letzte Anstieg vor Wurzen. Dunkel, kalt, windig, ein gebannter Blick auf das Rücklicht vom Vordermann… Und der „Berg“ nimmt kein Ende.


Doch… Es ist zu Ende.
Plötzlich rollt es wieder – nach Wurzen hinein. Durch die Stadt, über die Mulde – Bennewitz -das Ziel aller Träume 🙂
Wir haben von Torgau bis hierher fast 2 Stunden benötigt. Trotzdem überholte uns eigenartigerweise niemand.
Klar, die Schnellen sind schon lange vor uns hier gewesen. Olaf ist schon gar nicht mehr da, als wir in der Turnhalle 23.25 Uhr das Beweis-Zielfoto an der Uhr mit Porträt und Brevetkarte machen.
Und Einige werden noch viel später als wir ankommen.

Danke Jungs fürs „Abschleppen“!!!

Das wars.
Es war heftig, grenzwertig… Es sollte so nicht wieder passieren.
Der Radelnde Uhu muss sich ernsthaft Gedanken machen, wie er dieses Malheur beim 400er, an den er jetzt lieber nicht denkt, vermeiden kann. So gesehen sind plötzlich auch Zweifel da, ob PBP 2015 nicht doch ’ne Nummer zu groß ist. Muss man sich das wirklich antun?
Während die Anderen heißhungrig noch leckere Soljanka oder Kuchen spachteln, geht hier nix mehr.  Mist!
Na gut, wenigstens ein Bierchen „ohne“ ist noch möglich…

Und warum schreibt der Kerl seinen Bericht heute in der dritten Person?
Vermutlich steht er immer noch ein wenig neben sich und beobachtet sich ein wenig  verwundert, weil er seine eigenen Erfahrungen mal wieder nicht beachtet hat.


„Das Können bestimmt das Dürfen.“
Und wer nicht kann, darf nicht (zu schnell fahren z.B.).

Besser – immer behutsam, immer auf Low-Level. Geschwindigkeit zählt nicht – das Ankommen ist wichtiger.
Und es soll Spaß machen.

310 km in 12.46 Std. (netto) oder 15:25 Std. (brutto)