Brevet 600 km Nordbayern 2015

Karls Trumpfspiel oder die „Südbayern-Rundfahrt“

14.05./15.05.2015


Irgendwo, bilde ich mir ein, habe ich gelesen, dass die Brevets in Nordbayern die schönsten sein sollen.

Hmmm.

Stockfinster ist es, kalt ist es, wir sind irgendwo mitten in der bayrischen Provinz, der Hundhamer Berg liegt hinter uns und gerade auf dem Steilstück zum Haushamer hat meine Schaltung den Dienst verweigert, so dass ich den Rest hinauf schieben muss.
Was ist da schön dran???

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Klar, bisher hatten wir entgegen aller Prognosen ein fast unverschämtes Glück mit dem Wetter.

Schon gestern, als wir uns beim Italiener in Treuchtlingen noch eine ordentliche Portion Nudeln gegönnt hatten, konnte man in der warmen Abendluft angenehm draußen sitzen und dem A9-ähnlichen Verkehrsgetümmel zugucken.


Und nach dem üppigen Frühstück heute Morgen gab es 8 Uhr einen Start im Sonnenschein.


(an dieser Stelle schon einmal einen großen Dank an die Familie Weimann, die sich mit viel Herzblut und Energie um die Organisation der Brevets und das Wohlbefinden der Randonneure kümmert)


Karls ausgefeilter Tourenplan wies uns bei blauweißem bayrischen Himmel den Weg über die Hochebene oberhalb der Altmühl bis hinüber nach Hemau. Natürlich waren auch einige Quertäler mit entsprechenden Anstiegen und Höhenunterschieden inkludiert. Aber der Westwind schob uns selbst dort recht angenehm, wir waren flott unterwegs und konnten so ganz nebenbei auch noch die Schönheiten der Gegend genießen.
Nach 104 Kilometern war dann in der Tanke Hemau der erste Stempel fällig.


Kleine Info für Sachsen – hier gibt es keine BoWu. Und der „Leberkäs“ war ebenfalls gerade aus. Na ja, eine Schinkensemmel (!) tat es dann auch.


Um die Mittagszeit war es nun so warm, dass wir in kurzen Sachen weiterradeln konnten. Durch das wunderschöne Laabertal rollte es schnell hinab in Richtung Donau. Mit einem Storch im Flug und einer zünftigen Himmelfahrts-Schrammelkapelle in einem Gasthof am Weg zog Karl dann noch weitereTrümpfe aus dem Ärmel.
Jaaaaa, die Brevets in Nordbayern sind wirklich schön. Das ist nicht übertrieben.

Was sagt uns der Name „Bergmatting“?
Genau – Berg – hoch oben – und Matting – der Zustand des Radlers, wenn er den ersten Teil des Namens der Ortslage erreicht. Kleine Hürde vor der Donau.
Jenseits der Donau ging es wellig weiter – wobei wellig auch ein wenig verharmlosend für die bis nach  Wörth an der Isar lauernden weiteren „Bergmattings“ klingt.
Die Sonne heizte ein, ab und zu trafen wir auch unsere Leute auf der Piste und im Autobahnrestaurant in Wörth (Kontrollpunkt 2, km 195 – 16.25 Uhr) bei einem Teller Nudeln wieder.


Einigermaßen gestärkt nahmen wir danach die 50 Kilometer bis Waldkraiburg unter die Räder.
Dieser Kontrollpunkt (257 km – 19.35 Uhr) war ebenfalls recht schnell erreicht. Rast in der Tanke, eine kleine Krise schlich sich an, Grund genug, mal etwas Tempo heraus zu nehmen, um nicht einen Fehler des 300ers oder 400ers zu wiederholen. Glück gehabt – Einbruch erfolgreich verhindert.


Es dämmerte und es wurde nun auch spürbar kühler. Also warfen wir uns entsprechend in Schale und machten uns fein für die bevorstehende Nachtfahrt.
Der Inn wurde überquert, es ist immer wieder faszinierend, wie breit und mächtig sich hier die Wasser dahinwälzen, Kraiburg erfreute uns mit seiner netten feinen Altstadt und weiter kurbelten wir nun nach Süden.
Laut Wetterprognose sollte es abends im Raum Chiemsee bereits Schauer geben, und nachts sollte dann der große Regen beginnen, der uns bis zum Ziel zurück begleiten würde. Dieser befürchtete Regen war auch der Grund, weshalb 50 Teilnehmer schon vor dem Brevet abgesagt hatten. Aber bisher hatten die schon eine ganze Menge verpasst.
Vom Regen war weit und breit keine Spur.

Der Sonnenuntergang angesichts der vor uns liegenden Alpenkulisse – Karls nächster Trumpf im Ärmel – beeindruckte uns noch einmal entsprechend, ehe dann die Dunkelheit einfiel. Mit einer kleinen Gruppe ging es nun wieder recht rasch bis Prien.
Freie Kontrolle – im McDonalds (311 km, 22.30 Uhr) sahen wir demzufolge eine Menge Kollegen und Kolleginnen wieder.
Na bisher ging das ja richtig gut. Auch wenn der Hunger und Appetit gerade mal für eine Portion Pommes reichte.


Unsere Überlegung ging nun dahin, dass wir vor dem Regen die angesagten „Killerberge“ Hundham und Hausham vielleicht doch noch im Laufe der Nacht „erledigen“ könnten. Dieselbe Überlegung hatten natürlich auch alle Anderen und so sah man nun auf dem weiteren Weg hügelauf und hügelab über Frasdorf, den Inn und Bad Feilnbach immer mal wieder das eine oder andere rote hintere Ende eines Randonneursglühwürmchens. Mehr sah man nicht. Denn mittlerweile war es stockfinstere Nacht.
Am Hundhamer Berg (Alternativroute, weil auf der Originalroute gebaut wurde) zog Karl den nächsten Trumpf – einen schönen Blick auf die Lichter der unter uns liegenden Dörfer, der angenehm von der über uns im Wald aufblinkenden roten Glühwürmchenkette einer Gruppe von Randonneuren ablenkte. Bei solchen Bergen gucke ich doch lieber hinab auf das, was schon abgearbeitet wurde, als auf das, was noch vor mir liegt.
Na ja…
Hundham ist geschafft, Hausham folgte sogleich und nun schiebe ich ein wenig frustriert das Radl die paar Meter noch bergauf. Thomas wartet oben, die Gruppe hat es auch zersprengt.


Schön ist das n…
Moment mal – es war bisher einfach Klasse – UND – es regnet immer noch nicht.


Die Belohnung für die beiden Berge lösen wir unverzüglich ein, es folgt eine lange Abfahrt am Schliersee vorbei bis Gmund am Tegernsee. Leider nix zu sehen – ist ja mitten in der Nacht.
Und weil man vorher so maßlos geschwitzt hat – ist die kühlende Wirkung des Fahrtwinds bergab auch nicht so der Bringer. So kommt also ein klappernder Haufen müder Gestalten nach über 380 Kilometern gegen 3.15 Uhr endlich in Bad Tölz an. Das Bergfest, die Halbzeit ist lange vorbei.
Prima, bis hierher sind wir aber noch im Trockenen gekommen.
Und in der Tanke ist es so wunderschön warm, dass viele das freundliche Angebot des „Hoteliers“, sich in der mit Tischen und Stühlen präparierten Waschstraße breit zu machen, dankend ablehnen. Dort wird es um Einiges kühler sein.
Sitzend vor dem Zeitungsregal, fällt es schwer, sich überhaupt noch einmal zu erheben. Aber Schlafen ist auch nicht. Zu hell, zu unruhig, ein wenig Dösen, mal kurz die Augen schließen… Den eigenen strengen Randonneursgeruch inhalieren…
Es ist noch nicht hell draußen, als ein paar Typen in Reflexwesten herein kommen, die offensichtlich nix Besseres zu tun haben, als in der Nacht Rad zu fahren. Und die sehen ziemlich nass aus.
Schade, nun hat der große Regen wohl doch begonnen.
Nach einer heißen Schokolade müssen auch wir wohl oder übel weiter. Zwei Stunden Pause sind genug.
Draußen ist es immer noch dunkel, kalt und nun im kräftigen anhaltenden Regen auch noch ziemlich feucht.
Von Bad Tölz geht es in Richtung Starnberger See, natürlich nicht ganz eben, wäre ja auch langweilig.
Man muss viel Phantasie haben, um sich derzeit vorzustellen, wie das hier bei schönem Wetter aussehen könnte. Nur – selbst die Regensachen halten den Regen nicht ab, mein Navi gibt den Geist endgültig auf, so dass wir hoffen, dass Thomas‘ Navi uns zuverlässig weiter lotst – das schränkt die Freude, die Phantasie ein wenig spielen zu lassen, enorm ein.
Es wird nicht richtig hell, statt der gestrigen 25°C haben wir jetzt 8°C.
Anhalten ist nicht, wer anhält, friert.


So geht es im gemäßigten Tempo durch das verkehrschaotische Weilheim (kennen wir noch von unserer D N-S-Tour 2014) über den nächsten Berg zum Lech.
Und wir schaffen es schließlich, Landsberg (Kontrollpunkt bei km 465) zu erreichen.
Die Pfützen, die wir hier in der Tanke hinterlassen, erinnern uns ein weiteres mal an die D N-S-Tour im letzten Jahr.
Und der eine Kollege am Nachbartisch schlottert leise vor sich hin… Das steckt an. Warmzittern… Wo gießt man sich die heiße Schokolade jetzt am Besten hin, über die Hände, die Füße oder doch besser in den Hals?


Täuschen wir uns? Oder lässt der Regen nach der Pause wirklich nach?! Tatsache, es pieselt  nur noch leise vor sich hin.
Das Lechfeld wirkt nach den Eindrücken der bisherigen Tour nahezu öde und trist, so flach ist es hier.
Doch keine Sorge, so platt geht dat nicht weiter.

Selbstverständlich hat Karl auch hier noch einen 13%er gefunden, den er einbauen konnte. Danke – jetzt ist uns wieder warm.


Wertingen bei km 550 ist der letzte Kontrollpunkt.
Allerdings nimmt die Müdigkeit auf dem Weg dahin enorm zu, die Augen brennen, die zieht es fast zu. Nur nicht einschlafen auf dem Rad. In einem kleinen Ort gibt es zum Glück eine Tanke mit einem prima starken Kaffee!
Der hilft ausgezeichnet, um schließlich gut bis Wertingen zu kommen.
Von dort ab rollt es zusammen mit zwei Triathleten aus dem Rheinischen ganz entspannt.

UND – ganz wichtig, es ist trocken – das Grau wird heller.


Donauwörth, Überquerung der Donau, weiter auf kleiner Straße bis Marxheim und da isser. Endlich! Der erste „Schweinebuckel“.
Dummerweise kommt es mir auf diesem und den nächsten Anstiegen immer wieder so vor, als sei ich zu leicht und nicht mal mehr in der Lage, die Pedale nach unten zu drücken.


Das Gehirn wird plötzlich hellwach und beginnt zu rechnen, zu zählen, noch 25 Kilometer, noch 20, noch 18…. Prima, die Abfahrt war jetzt gut, ein schneller Kilometer…
Wieder mal oben, die Wolken reißen auf, die Sonne lacht…


Ein Schild nach Pappenheim – 5 Kilometer! Pappenheim – Treuchtlingen? Das waren doch nur noch 6 Kilometer – oder so ähnlich.
Der Fahrradcomputer zeigt auch bereits seit einer Weile eine Zahl jenseits der 600 an.
Und dann die Abfahrt! DIE Abfahrt. Wir lieben unsere Pappenheimer – weil die so schön im Tal wohnen.

Karls letzter Trumpf – die Pappenheimer mit ihrer Abfahrt.


Wie er dann vor dem Vereinsheim bemerkt, dass wir ankommen, ist ein Rätsel. Auf jeden Fall lässt er es sich nicht nehmen, jeden Einzelnen mit Handschlag zur bestandenen „Prüfung“ zu beglückwünschen.
Danke, das nenne ich Ankommen!


Heidi sorgt drinnen seit Stunden fleißig mit reichlich Spaghetti dafür, dass die Kohlenhydratzufuhr wieder stimmt, und wir alle wieder schnell zu Kräften kommen. Den Rest besorgen dann die Hefeweiße…


Ursprünglich wollten wir ja vielleicht noch am Abend zurück fahren.
Aber dann wird es urgemütlich und so ist es  nach ein Uhr, ehe es mal kurz in die Koje geht.
Immer noch sind Leute von uns draußen auf der Strecke. Karl wird bis drei Uhr warten und auch von ihnen jeden mit Glückwünschen empfangen.

Es ist egal, ob der Brevet 4000, 5000 oder 6000 Höhenmeter hat, ob Du das Ding in 35 oder 39 Stunden fährst.
Nimm Dir die Zeit, die Tour nicht als Rennen zu fahren, sondern die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Genieße diese Stunden…


Karls Philosophie kann ich mich nur anschließen.


Und wenn dann auch das Drumherum um diese Tour von viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft bestimmt ist, dann kommt man immer wieder.

Brevet 400 km Sachsen 2015

02.05./03.05.2015

Wer wollte, konnte sich dank Olafs Einladung am 02.05.2015 auf den Sachsen-400er wagen.
Die Teilnehmerschar im Vergleich zu den beiden vorhergehenden Brevets war allerdings dieses Mal recht überschaubar.
12 Uhr, ja Olaf meinte es gut mit uns, er wollte uns eine volle Nachtfahrt gönnen, ist endlich Start.
Und dieses Mal bei Sonne satt!

Es rollt zunächst zügig durch das südöstliche Leipziger Umland, dann in Markkleeberg schwenkt die Route nach Süden. Bis Profen beteiligen wir uns schließlich auf der B2 am Treiben der motorisierten Verkehrsteilnehmer. Leider sind nicht alle von denen nervenstark genug und fallen durch aggressives Fahrverhalten ein wenig aus der Rolle.

Weshalb gibt es diese Gelassenheit hier in Deutschland einfach nicht. Es ist so, als ob man als Radler den Autofahrern auf einer Bundesstraße geradezu ein Teil des existenziellen Minimums rauben wollte, so extrem wird da um jedes Stück „Freiheit“ gekämpft.
Leben und leben… Nein fahren und fahren lassen – das geht offensichtlich nur in anderen Ländern.

Toleranz und Gelassenheit im Umgang miteinander…


Na gut, genug über dieses Thema geschwafelt.

Ab Profen zwischen den Tagebauen hindurch gen Weißenfels bieten alte Förderbücken imposante Einblicke in die mitteldeutsche Braunkohlenabbau-Geschichte. Das ist mindestens ein Foto wert.
Und in der Tanke am Ortseingang von Weißenfels ist für diese Tour der erste Kontrollpunkt angesetzt, wo man die anderen Randonneurskollegen wieder zu Gesicht bekommt.
Via Markröhlitz rollen wir dann flugs hinüber nach Naumburg. Von der Höhe bietet sich ein bei diesem Wetter wunderschöner Blick hinüber ins Saaletal. Schulpforte, Bad Kösen, Burg Saaleck, Rudelsburg, eine tolle Gegend ist das hier, man müsste viel öfter mal…
Dann haben wir tatsächlich schon Bad Sulza erreicht und zwischen all den kaffeetrinkenden und Eis schleckenden Gästen bekommen wir problemlos den „Durchfahrtsbeglaubigungsstempel“ an der Kureinrichtung.
Der erste Stich lauert anschließend auf der Straße nach Auerstedt.

Richtig – Auerstedt – da sorgte Napoleons Armee  1806 für eine größere preußische Niederlage. Deswegen gibt es hier auch ein (Napoleon)-Museum und eine Napoleonstraße.
Die Sonne scheint, die Rapsfelder blühen unter einem blau-weißen Wolkenhimmel, der Wind weht milde, und weit ist das frühlingshafte Land der Apachen.

Was kann es also an solch einem Tag Schöneres geben, als Rad zu fahren.
Als wir einigermaßen euphorisch beim ersten Bäcker in Buttstädt keinen Stempel bekommen und deswegen nochmals beim nächsten Bäcker halten, ist die Stimmung einfach super.

Nur mal so vorweg erwähnt… Man soll einfach den Moment genießen!


Denn als es nach Apolda hinüber etwas intensiver über die Hügel gen Magdala geht, fällt es in dieser Laune ziemlich schwer, zu akzeptieren, dass es nicht so weiter gehen wird.
Wo es rauf geht, geht es (meistens) auch wieder runter. Doch das Runter hält sich mittlerweile in Grenzen, und ehe der Höhenzug zum Saale-Seitental überquert ist und wir es wieder bergab nach Kahla rollen lassen können, ist einige Anstrengung gefragt.

Zumindest bei mir – Thomas steckt die Anstiege offensichtlich wieder etwas entspannter weg.
Hmmm – dass dann auch allmählich der Widerwillen gegen feste Nahrung zunimmt, war fast klar…
Ein Riegel geht gerade mal so. Aber das reicht nicht so richtig, um bis Pößneck hinauf gut weiter zu fahren. Nach Kahla hinab und im dämmrigen Saaletal, langsam wird es dunkler, ist alles so weit noch ok. Und auch das wunderbare kleine Tal hinauf nach Hütten lässt sich in der Abendstimmung noch gut genießen.

Kontrollfrage – was steht auf der Fahne an der Jugendeinrichtung?

Zum Glück gibt es hier nur eine Fahne… Hell genug zum Lesen ist es gerade noch.


Aber in Pößneck selbst, gelingt es doch nicht mehr, die Bockwurst komplett zu verspeisen. Das übliche Dilemma – Anstrengung – Essen geht nicht – wo soll also die nötige Energie herkommen…
Das rächt sich nun am nächsten Anstieg. Wie weit geht es denn diesen dämlichen Berg hier im nächtlichen Dunkel noch hoch?! In mir sträuben sich alle Sinne gegen diese merkwürdige Art von Beschäftigung, sich mitten in der Nacht irgendwelche Berge hinauf zu schinden.

Kontrollfrage: wer ist hier wirklich dämlich – der Berg oder…???


Spaß macht das zur Zeit überhaupt nicht, zumal es nun auch immer kälter wird.


Irgendwann ist es trotzdem überstanden. Die Gegend bis Auma ist wieder bekannt, nur war es im letzten Jahr an dieser Stelle etwas heller, so dass man die Landschaft wirklich genießen konnte.
Ab und zu nähern sich von hinten gespenstische Grüppchen von außergewöhnlich großen Glühwürmchen, ziehen an uns vorbei und entschwinden gaaanz langsam mit ihren roten Hinterteilen wieder in der Nacht.

Ach nein, das waren die Randonneurskollegen…

Einige deftige Anstiege, Flüche und eine Schiebeeinlage weiter, laut Thomas ist es schon halb drei, haben wir das Gefühl, dass die Müdigkeit zu groß wird.
Aber wie für uns gemacht, hat da mitten in der Pampa an der Strecke ein EC-Hotel nur für uns geöffnet. Und da drinnen ist es auf jeden Fall viel wärmer als hier draußen.

Also ist Ruhepause angesagt.

Besser mal ne 3/4-Stunde die Augen zumachen und aufwärmen, als draußen weiter herumzueiern und einen Unfall zu riskieren.

Man sollte es nicht glauben – so ein Päuschen ist tatsächlich Gold wert. Man friert nicht mehr, man ist wieder wach (!!!) und konzentriert. Topp.
Einigermaßen gut gelaunt kurbeln wir nun weiter durch Werdau, Crimmitzschau aus dem Pleißetal hinüber ins Muldetal.
Es hat etwas Belebendes, aus dem Nachtdunkel in einen erwachenden Tag hinein zu fahren, es ist immer wieder faszinierend, wenn sich am östlichen Nachthimmel erste Lichter zeigen und in Kürze die Sonne und ihre Wärme zu erwarten ist.
Zunächst spendet uns aber die Tanke in Glauchau ihre Wärme. Eine Büchse Mischobst und heiße Schokolade sind jetzt die Rettung. Etwas in den Magen bekommen. Und der scheint hocherfreut über den Nachschub und bedankt sich mit einem Form- und Motivationsschub.
Was denn, sooo schlimm war es doch gar nicht.


Wir freuen uns über das Wiedersehen mit den Randonneurskollegen, u.a. auch den Radlausickern (sehr lesenswerter Blog) die auch zum Teil irgendwo mal ne Schlummereinheit eingelegt haben und nun pünktlich hier am Treffpunkt erscheinen oder hier unter dem Tisch noch ein Nickerchen machen. Ein angenehmer Tagesbeginn.


Derartig gut gelaunt sollten die letzten hundert Kilometer auch noch zu schaffen sein. Zumal jetzt auch die aufgehende Sonne dafür sorgt, diesen Tag zum einem schönen zu machen.
Mit frischen Kräften geht es nun wieder auf die Piste, Rochlitz, Colditz, es rollt, den verbliebenen Kräften angemessen, ganz gut.
Colditz – Leisnig – Mist, da hat der Routenplaner noch ein paar Hügel eingebaut… Aber warum nur einfach und die Talstraße nutzen, wenn es auch anspruchsvoller geht.


Mügeln… Blick zum Collmberg – nein, der muss heute nicht mehr sein.
Oschatz.
Die Endkontrolle ist erreicht. 10.42 Uhr – vier Stunden vor dem Zeitlimit.


Der Sachsen-400er ist Geschichte.


In Bennewitz müssen wir nun nur noch die Brevet-Karten einwerfen.
Und es gibt noch ein Flens (ohne) zum Abschied.


Mit Rückenwind :-)) wird dann ganz genießerisch bis nach Hause das erste Brevet-Teilstück von gestern Mittag „nachgearbeitet“ (inkl. Ausblicken auf unsere schöne Umgebung im Osten der großen Stadt).

Das dritte (vierte – mit dem 600er vom Vorjahr) Bausteinchen für eine mögliche Teilnahme an PBP 2015 ist gesetzt.

War es schön?


Die Mischung macht den Reiz – schöne Momente gab es genug – gerade, wenn man es nicht nur ausschließlich unter dem sportlichen Aspekt sieht, sondern sich auch mal zehn Minuten Zeit nimmt, die Landschaft und Natur, durch die man reist, zu bewundern. Oder die Treffen mit den Randonneuren in den einschlägigen Tankstellen Mitteldeutschlands…
Und es gab, war zu erwarten, auch wieder mal Momente, in denen man das Rad am liebsten im nächsten Container entsorgt und sich unter eine warme Bettdecke verkrochen hätte.


Wir sind gespannt auf den nächsten Brevet 🙂