Der Mond ist aufgegangen

Zu diesem Bild (auch wenn hier fast Vollmond ist) möchte ich gern Erwin Strittmatter (aus Schulzenhofer Kramkalender – Deshalb) zitieren:
„… Der Sichelmond und der Himmel in Rot, der Entenkeil über Tannen und Tau – vier DESHALBS, die ich entgegen setze, wenn sich das Leben mir widrig zeigt, wenn die WOZUS und WARUMS mich plagen.“

Mondgeschichte

Fast wolkenloser Himmel, schöne Abendfarben, als die Sonne untergeht, trocken (eigentlich schon wieder zu trocken) ist es auch und noch nicht gaaanz so kalt, so dass man eine Weile draußen aushalten kann.
Ja, eigentlich ist es egal, mit welchen Bildern man am Ende vom nächstgelegenen See (der mit der kürzesten Radanfahrt) zurück kommt, es geht vor allem ums Draußensein, um das Spüren der eigenartigen Atmosphäre, wenn der Tag zur Nacht wird, die Gänse rauschend auf dem Wasser des Sees zum Schlafen landen, um das Spüren des Windes, der den ganzen Tag recht ruppig von Südost wehte und nun ebenfalls zur Ruhe kommt.
Die Sinne schärfen sich mit zunehmender Dunkelheit, nehmen jedes Geräusch sehr aufmerksam auf. Die Augen gewöhnen sich an die Schwärze ringsum, im Westen erinnert nur noch ein kleiner Lichtschimmer an den Tag, dieser wird nachher auf den Bildern, die die Kamera aufzeichnet, wesentlich heller und farbig intensiver erscheinen.
Die Sterne, die immer klarer am Himmel sichtbar werden, formen sich zu den bekannten Mustern, Großer Wagen, Kassiopeia, Plejaden.
Es reicht (im Prinzip), einfach nur hier zu sein, zu schauen und das mit allen Sinnen aufzusaugen. Das, was geschieht, ohne dass wir einen Einfluss darauf hätten. Eigentlich tröstlich – egal, was wir tun, wie viel Dreck wir in die Atmosphäre blasen oder in den Flüssen und Meeren versenken, wie viel Wälder wir abbrennen, Tierarten ausrotten – die elementaren Dinge in der Natur werden uns Menschen mit absoluter Sicherheit überleben. Das heißt allerdings nicht, mit dieser Sicherheit im Hinterkopf, darauf zu verzichten, seinen, wenn auch nur unbedeutenden Teil beizutragen, das, was um uns herum ist und unser Leben erst ermöglicht, nach besten Kräften zu schützen und zu erhalten.
Ein hellerer Schein hinter den Bäumen am Nordost-Horizont – ist das schon der Mond? Nun könnte man ja schon einmal das große Rohr an die Kamera montieren.
Etwas höher am Ufer hinauf – oh – das da drüben ist keine Lampe, das ist schon der rote Mond, Noch-Fast-Vollmond, allerdings an einer anderen Stelle als vermutet.
Mit Zoom-Funktion 600 mm manuell scharf zu stellen ist im Dunklen recht schwierig, das wackelt und wackelt, die Luft flimmert. Na irgendwie geht es doch…
Im Höhersteigen entfaltet der liebe alte Mond allmählich seine Leuchtkraft und gibt der Landschaft unterm Sternenhimmel wieder einen ganz eigenen Reiz.
Schön ist das – Draußensein und das hier sehen und erleben – das ist es, was (auch) zählt.

Kleine Wunder

keine Sorge – mir gehen die Ideen noch nicht aus – aber diese Bilderserie ist seit dem Herbst liegen geblieben, die möchte ich Euch gern noch zeigen und damit gleich einen schönen 4. Advent wünschen… Viel Freude beim Anschauen

Die angenehmen Seiten…

des Herbstes – zumindest aus Sicht des Hobbyfotografen…

Es wird später hell – gaaanz frühes Aufstehen ist nicht mehr nötig. Es gibt genügend Kälte nach feuchten Tagen – so ist für reifbedeckte Wiesen und entsprechenden Nebel gesorgt. Klare Luft – der Dunst des Sommers ist Geschichte, der Sternenhimmel ist nun wieder schön klar erkennbar. Also, nichts wie hinaus… Schlafen kann man auch später noch.

Leider sind die drei Sternschnuppen, die in der Zwischenzeit niedergehen, immer gerade außerhalb des Bildausschnitts. Aber man kann nicht alles haben…

Viel Spaß beim Anschauen (ganz unter uns – es war ganz schön kalt – und es hat trotzdem wieder viel Freude bereitet 😉

Sterne über der Großstadt

Eine Bildidee
Sterne über der Großstadt – gibt es das?
Na klar gibt es die, keine Frage – aber gemeint ist in diesem Fall, ob es gelingt, diese über einer Großstadt auch sichtbar zu machen.
Die Bedingungen sind wieder ideal, (noch) fast wolkenloser Himmel, zeitiger Sonnenuntergang, trockene Straßen, so dass der Radelnde Uhu auch ohne Risiko auf dem Rad die Anfahrt zum geplanten Standort machen kann.
In der Dämmerung ist er dann am Berg. D.h. der Kohlenberg, eine lediglich 179 m hohe Granitporphyr-Erhebung südlich des Städtchens Brandis im Leipziger Umland. Am Berg selbst gibt es zwei ehemalige Steinbrüche, der trockene Ostbruch, in dem sich seit Jahren der Klettergarten des DAV Leipzig befindet und der Westbruch, der mit Wasser gefüllt, ein bekanntes Taucherrevier ist.
Das Rad ist sicher angeschlossen, nun geht es in wenigen Minuten auf steinigem Weg hinauf auf den Gipfel. Es sind noch Leute unterwegs und einige von ihnen genießen ebenfalls gerade noch den Blick über den Westbruch hinüber zur Skyline von Leipzig unter einem herbstlich intensiven Abendhimmel.
Stativ und Kamera sind schnell aufgebaut. Nun heißt es warten – und Schauen, Genießen der Szenerie, die immer dunkler wird. Viele viele Lichter sind ringsum zu sehen, Leipzig, die Randgemeinden, die Gewerbegebiete, die Autostraßen… Das hat auch einen großen Reiz.
Hier oben wird es indessen langsam stockfinster und still. Nur ein paar Gänse schnattern sich irgendwo im Wald noch in den Schlaf.
Über Leipzig im Westen sind lange die Lichter der untergegangenen Sonne zu sehen, eine Wolkenbank schiebt sich allmählich heran, diese fängt das Licht der Stadt ab, so dass der Himmel darüber etwas dunkler wirkt. Der Mond ist auch noch nicht augegangen – perfekt.
Und tatsächlich, ganz langsam flimmern sie auf – Sterne über der Großstadt.
Es gibt sie doch…
Zeit für Fotos

Eine Wanderung zum Kyffhäuser (2)

Ausreichend gesättigt fällt es sehr schwer, sich wieder in Bewegung zu setzen, aber es geht nur noch bergab in Richtung Roßla.
Als wir weit unten den Wald verlassen, bieten sich abschließend noch zwei Highlights.
Zum Einen der gespensterhaft aus den Nebelschwaden auftauchende gewaltige Turm des Denkmals auf dem Berg und zum Zweiten die zahlreichen Ketten der Kraniche, die über uns hinweg im Gegenlicht vermutlich zum Kelbra-Stausee fliegen.
Das ist einfach nur schön und rundet diesen perfekten Tag ab.

Ab Roßla geht es wieder mit dem Zug zurück, ganz einfach und entspannt und mit Sachsen-Ticket sehr preiswert, man kann das Gebirge im Vorbeifahren noch einmal genießen, ehe es dunkel wird.

Eine Wanderung zum Kyffhäuser (1)

Mittlerweile ist es eine kleine Tradition – die jährliche Wanderung zum Kyffhäuser.
In erster Linie geht es uns hierbei nicht um das Verfolgen historischer Spuren, auch wenn diese Gegend Einiges aus 1000 Jahren deutscher Geschichte aufzuweisen hat, sondern um die Landschaft, die Natur und – die ordentliche Belohnung für den Aufstieg – eine halbe Ente oben im Kyffhäuser-Restaurant.
In diesem Jahr starten wir in Wallhausen, einem eher unscheinbaren Ort, welcher mit Bahn gut erreichbar ist.
Dass dieser Ort schon über 1000 Jahre alt ist und im 10. Jahrhundert eine große Rolle als Kaiserpfalz spielte, wussten wir bis dahin nicht.
Kaiserpfalz – zu jener Zeit zeigten die Kaiser und Könige Präsenz, indem sie permanent mit ihrem Hofstaat im Reich umherzogen, sich auf Zeit in wichtigen Orten niederließen, und demzufolge überall präsent waren. Das zeigte die Macht und verfehlte wohl auch einen gewissen Eindruck auf die Untertanen nicht.
In Wallhausen, in ebendiesem Ort wurde wahrscheinlich 912 Otto I. geboren. Man erinnere sich – Geschichtsunterricht (vermutlich Klasse 6. – ja, das ist lange her) – Otto I. war der erste deutsche König, Sohn des ostfränkischen Königspaares Heinrich I. und Mathilde.
Auch Friedrich I., genannt Barbarossa, hielt sich hier häufig auf.
Von dieser Bedeutung ist heutzutage leider hier nichts mehr zu spüren, schade, es gibt nicht einmal ein Museum, lediglich drei wunderbar geschnitzte lebensgroße Holzskulpturen und eine Schautafel im Ortszentrum erinnern daran.
Nun geht es über die Helme, ein kleines Flüsschen, hinüber nach Brücken und von dort über den dem Kyffhäuser vorgelagerten Höhenzug. Während nördlich, an den Südharzhängen die Sonne scheint, ist es hier (wie auch im letzten Jahr) sehr neblig. das verstärkt enorm die mystische Atmosphäre dieser Landschaft. Alte Wäldchen, alte Bäume im Nebel…
Es würde uns kaum wundern, wenn jetzt aus dem endlosen Grau plötzlich der Königszug auftauchen würde… Nun ja.
Stattdessen aber zieht, nur diffus im Nebel erkennbar, trompetend eine Kette Kraniche ganz nah über uns hinweg. Und der Bauer mit seinem kleinen Traktor wird sich über die hier sehr seltenen Touris wohl wundern.
Tilleda ist erreicht, das streifen wir nur, dann geht es durch Streuobstwiesen und alte Plantagen auf dem stillen Schlangenweg richtig bergauf. Weiter oben ist wieder ein dichter Wald erreicht, Nebel zieht um die haushohen Baumstämme und es herrscht eine märchenhafte Atmosphäre. Das ist der Stoff, aus dem Legenden entstehen. Oben sitzt schon seit Jahrhunderten Barbarossa am Steintisch, sein Bart ist der Sage nach schon durch den Tisch gewachsen, möglicherweise fehlt nicht mehr viel, bis er um diesen herum gewachsen ist. Raben kollern über uns im Nebelgrau, der mächtige Adler, der sich aufschwingt und sie verjagt, ist auch nicht in Sicht, also wird Barbarossa wohl noch eine Weile schlafen und nicht ausziehen müssen, um die Welt wieder in Ordnung zu bringen. Da müssen wir uns also selbst helfen…
Ein Parkplatz, das große Restaurant, der Burghof Kyffhäuser tauchen aus dem Grau vor uns auf. Zahlreiche Menschen sind zu sehen…
Und in seiner Höhle schläft Barbarossa und lässt sich für einige Euros von Neugierigen bestaunen.
Apropos Höhle – abgesehen von Geschichte und Legenden, der Kyffhäuser ist ein einzigartiges kleines Mittelgebirge südlich des Harzes, welches im Kulpenberg 474 m Höhe erreicht. Während der Norden dicht bewaldet ist, gibt es auf seiner Südseite balkanartig anmutende, fast baumlose Karstgegenden.
Die halbe Ente in Form zweier gewaltiger Keulen wartet schon auf uns 😉 Lecker…
Dazu gibt es kurze musikalische Kostproben der Barbarossa Pipes and Drums, zum Glück sind wir rechtzeitig da, denn ab 14 Uhr ist hier geschlossene (Musik)-Veranstaltung.