Sommerlichter

Aus dem Uttewalder Grund geht es hinauf auf die Höhen rund um den Hohburkersdorfer Rundblick. Eine völlig andere Landschaft, ein ganz anderes Licht und beinahe grenzenlose Aussichten in alle Himmelsrichtungen.

Grüner Sommer

Liegt es an diesem wechselhaft feucht-warm-sonnig-trüben Schaukelsommer, dass es uns so vorkommt, als sei es in den Schluchten der Sächsischen Schweiz besonders grün. Nichtsdestrotrotz sind die im Winter wasserführenden Bachläufe ausgetrocknet, aber das Grün ist allgegenwärtig und üppig wie lange nicht mehr.

Hier gesehen und fotografiert im wunderbaren Uttewalder Grund

Grüner Sommer

Eine Wanderung führte uns letztens von Wehlen durch den Wehlener und Uttewalder Grund hinauf zum Hohburkersdorfer Rundblick bei Rathewalde und von da an wieder bergab nach Rathen.

Das Sonnenlicht hat es schwer, durch die dichten Baumkronen bis zu uns auf dem Grund der Schlucht vorzudringen.

Noch nie erlebt…

Der völlig ahnungslose uHu radelt aus dem Dorf heraus, die Bedingungen sind wieder ideal, Dauerregen gestern, klare Nacht und nun 6°C. Und so steht nun auch der erwartete Nebel über den Wiesen und die aufgehende Sonne liefert die schönsten Lichteffekte.

Aber nicht das nimmt die Aufmerksamkeit in Anspruch, sondern diese eigenartigen weißen Flecke da drüben.

Silberreiher? Nein, Störche…

Aber so viele auf einen Haufen, noch nie gesehn, nie erlebt. Liegt es am Wasser, welches infolge des gestrigen Regens in den Wiesen steht, das Kleingetier heraus getrieben hat – und somit die Störche einen reich gedeckten Frühstückstisch vorfinden?
Ein Blick ins Internet bringt Aufklärung, die Störche sammeln sich Ende August, um in größeren Gruppen den Rückflug nach Süden anzutreten.

Dass sie dabei ausgerechnet auch hier bei uns Rast machten, ist umso faszinierender.

Ein Freitagnachmittag im Garten

Die Sonne scheint warm vom nur leicht bewölkten Himmel, auf den zahlreichen roten und gelben Blüten des Sonnenhutes sumst es in allen möglichen Tonlagen – Fliegen, Bienen, Wespen, Hummeln – dazwischen eine majestätische und beeindruckend friedliche Blaue Holzbiene – einschläfernd…

Er soll gesehen worden sein, vor Tagen wurde er schon im Nachbarort in einem Garten gesichtet, das sorgte bereits für eine gewisse innere Unruhe und Spannung, nun gab es eben die Information, dass er sich am Vormittag auch im eigenen Garten am Schmetterlingsflieder zu schaffen machte…

Ein großer blaßgelber Falter mit schwarzen Streifen wäre das gewesen. Kein Zweifel, er ist offenbar wirklich nun auch in unseren Breiten unterwegs.

Erstmalig gesichtet hatte der uHu ihn vor über 30 Jahren in Bulgarien auf einem überwucherten Ödland, dann in Griechenland und jetzt sollte er schon bis hierher vorgedrungen sein???

Einen Zusammenhang mit dem Klimawandel zu vermuten wäre da (vielleicht) noch etwas gewagt. Oder doch nicht.

Und was ist das da für eine dicke Hummel, die um die weißen Blüten des Schmetterlingsflieders schwebt, die ist ziemlich groß, brummt auch nicht so laut, eigentlich gar nicht? In Sekundenbruchteilen wechselt das Tier die Blüte, schwebt dann ausdauernd davor und fährt den Rüssel aus.

Ein Taubenschwänzchen… Ein weit gereister Gast aus dem Mittelmeerraum, der auch in unseren Breiten zunehmend zu überwintern scheint. Der Kolibri unter den Schmetterlingen – wunderschön ist es, zu beobachten, wie er vogelgleich über den Blüten schwebt und den Nektar saugt. Man kann sich daran nicht satt sehen.

Dann hat es genug, verschwindet nach werweißwohin, nur um nach einigen Minuten wieder vor Ort aufzutauchen.

Ein C-Falter gibt sich die Ehre, auch er verweilt ausdauernd (fotografengerecht) auf den weißen Blüten, klappt die Flügel auf und zu und präsentiert sich im Gegenlicht als ein schönes Motiv.

Von den farbenprächtigen Admiralen ganz zu schweigen, die sich durch den großen, langsam heranpirschenden uHu nicht beunruhigen lassen.

Drüben an der Hecke mit dem wilden Wein flattert plötzlich ein kleinerer Falter, ein Bläuling? Denen scheint der Schmetterlingsflieder nicht so sehr zu liegen, er verschwindet in der nahen Eiche. Dem sollte man aber mal nachgehen. Nein, ein Bläuling ist es nicht, ein Eichenzipfelfalter ist tatsächlich hier und heute bei seiner Namensgeberin anzutreffen.

Die Zeit verstreicht, die Sonne wandert, der uHu lauert. Auf den Gräsern die taumelnden Schatten der Kohlweißlinge, der dunkle Blitz der Admirale in der Luft, aber dann ein größerer Schatten. Das ist kein Gaukeln, das ist ein elegant schnelles Dahingleiten, wie man es seit Jahren schon nicht mehr gesehen hat, der Verursacher scheint wesentlich größer als die Anderen zu sein.

Plötzlich schwebt er ein, der König.

Lässt sich direkt vor der Nase des uHus auf einer Blüte nieder und beginnt völlig unbeeindruckt vom völlig aus dem Häuschen geratenden Amateurfotografen mit seiner Nahrungsaufnahme.

Die Serienbildaufnahme und AI Servo ist eingeschaltet, irgendein Bild wird schon gelingen und ausreichend scharf sein. Klickerdiklick, die Kamera läuft heiß, der König gibt sich vornehm geduldig die Ehre und gönnt dem Betrachter den Genuss der großen Show. Und das so ausgiebig, dass der uHu am Ende sogar noch mit dem Experimentieren beginnt und ihn im Gegenlicht ablichtet. Dass der eine Hinterflügelfortsatz fehlt, zeigt, dass auch Könige verletzlich sein können, tut aber dem Schauspiel keinen Abbruch.

Genießen wir es.