Das Polarlicht-Ereignis vom 19.01.2026 (2)

Das Ereignis

Der Abend des 19.01.2026 ist ein Abend wie jeder andere, abgesehen von der inneren Aufregung, den bereit gelegten warmen Sachen und dem dicken Fotorucksack. Man möchte ja dann schnell reagieren können, wenn es los geht.

Im Polarlicht-Forum wird um 15.16 Uhr entgegen der Computer-Modelle eine andere Vermutung geäußert.
Sollte das zutreffen, wäre das natürlich sehr arbeitnehmerfreundlich. Aber wie gesagt, es ist zunächst nur eine Vermutung. Und die Wahrscheinlichkeit scheint hoch, dass der Treffer erst am frühen Morgen des 20.01. erfolgen wird.

Also verläuft der Abend auch wie jeder andere und gegen 21 Uhr wird erneut ins Forum und auf die Aurora-Warn-App geschaut.

Uiii, der Kp-Index ist bereits bei 5,67, der war vorhin noch bei 2.
Und im Forum werden seit 20 Uhr bereits erste Webcam-Aufnahmen mit diffusem roten Schimmer am Nordhorizont gepostet. Auch aus anderen Gegenden Deutschlands (Webcam Kap Arkona, Region Dresden) werden erste rote Lichter am Nordhorizont gesichtet.

Nun gibt es kein Halten mehr. „Ich fahre nochmal auf die Wiesen und gucke mal.“

Man kann es ja wenigstens schon einmal versuchen, jetzt schon jede mögliche Chance zu nutzen, als zu spät zu reagieren. Schnell in die warmen Klamotten rein, den Rucksack auf den Rücken und raus aufs Fahrrad. Vielleicht trifft ja die Vermutung aus dem Forum doch zu.
Kurz darauf stehe ich auf den Wiesen, es ist die Nacht nach Neumond, also angenehm dunkel, die Bedingungen sind ideal. Der Wind vom Tag ist eingeschlafen, es ist nicht zu kalt, keine Wolke ist am sternenübersäten Nachthimmel zu sehen. Die Luft ist vollkommen klar, kein Dunst, kein Nebel. Perfekt.
Oben der Jupiter bei den Zwillingen, südlich der Orion, südwestlich die Plejaden und Hyaden, nordwestlich die Kassiopeia, nordöstlich der Große Wagen, ein Augenschmaus.

Die Sony A7S ist schnell aufgebaut, der Fernauslöser ist eingestellt, erste Probeaufnahmen zeigen einen zarten rötlichen Schimmer in nördlicher Richtung. Und es scheint tatsächlich etwas zu passieren. Das ist doch schon einmal etwas. Also ganz umsonst bin ich nicht hier.
Dann stelle ich die A7S mit dem 20 mm-Tokina nun schon einmal auf Dauerbetrieb, die soll die Timelapse-Aufnahmen liefern. Parallel dazu kommt das zweite Stativ mit der Canon 6D, dort ist das 21 mm-Sigma-Art f1.4 drauf. Die will ich manuell bedienen.

Der rote Schimmer wird immer kräftiger und breitet sich zunehmend am Nordhorizont aus. Zudem scheint er höher und höher zu steigen. Nun ist er auch so hell, dass man das Rot mit bloßem Auge sehen kann. Die Kamera-Aufnahmen verraten einige Bewegung, wehende Schleier, Beamer.
Das ist schon jetzt sehr schön, ins Frieren kommt man bei dem Hantieren mit der Technik nicht.
Schnell eine Info per Handy an die Familie, das muss doch auch aus der Stadt zu sehen sein.
Etwas später glimmt es grün am Horizont, das wird schnell stärker, das Band breitet sich aus, darüber leuchtet es rot, mittlerweile bis weit nach Nordost hinüber.
Plötzlich erscheint von West nach Ost ein zweites grünes Band, das bewegt sich schnell, so schnell, dass die Panoramaaufnahmen beschleunigt werden müssen. Immer mehr Grün ist zu sehen, hellleuchtend, dann plötzlich über dem Rot, sehr hoch ist ein weiterer grüner Bogen zu erkennen, der von Nordwest nach Nordost verläuft.

Und dann scheint etwas zu explodieren.

Unversehens flackert es westlich auf, rot, grün, nach oben in Richtung Zenit, das verändert sich in Sekunden rapide, dann direkt über mir ein sehr helles Grün, das ist zeitweise so hell, dass ich denke, es käme jemand mit einer Taschenlampe auf die Wiesen. Jetzt verlischt das, leuchtet neu auf hinüber in Richtung Osten zur Kirche. Das geschieht alles so unfassbar schnell, dass man mit der Kamera kaum noch hinterher kommt. An der A7S muss ich auf das 10mm Fisheye umstellen und selbst das reicht nicht mehr. Der ganze nördliche Himmel bis hoch zum Zenit und in Richtung Süden zum Orion ist voller Licht. Selbst vor den Plejaden und dem Orion sind jetzt Polarlichter zu erkennen.

Unglaublich und wunderschön ist das, schnell eine Info an die Anderen, dann wieder an die Kameras.
Und mit einem Mal erlischt das grüne Flackern über und hinter mir wieder und „nur“ der Nordhimmel leuchtet noch.
Was war das jetzt eben?

Nun ist wieder etwas mehr Ruhe beim Fotografieren möglich. Noch ein paar Panoramen und Aufnahmen mit ausgesuchtem Vordergrund und ein stilles Genießen des Geschehens da oben.

Sind das Schritte?
Kommt da noch jemand? Tatsächlich, im Dunklen nähert sich jemand. Die Größe und Statur, das könnte…
„Hallo?“
Klar, das ist meine Frau, die tatsächlich auch noch einmal herausgekommen ist.
Sie erzählt, dass sie nach den ersten Statusmeldungen aus aller Welt zunächst vor dem Haus nachgesehen hat, das schon dort beeindruckend zu erkennen war und angesichts der hellen Polarlichter noch einmal bis auf die Wiesen geht.

Gegen 23.30 endlich, als sich das Polarlicht deutlich abschwächt, beenden wir den Beobachtungsabend und packen zusammen.

28 Kommentare zu „Das Polarlicht-Ereignis vom 19.01.2026 (2)

  1. Incredible shots, Lutz. I love the silhouetted trees against that spectacular sky.

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    1. Thank you, Jane. The tree was the only worthwhile subject in the foreground, so I wanted to stage the event a bit ;-)

      But it really is incredibly mystical when the sky glows (even in our latitudes).

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  2. Wow! Breathtaking! ✨

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    1. Thank you, It was an incredible experience.

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  3. Scarily beautiful.

    Gwen.

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    1. It was an incredible and magical event that filled one with awe.

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  4. Ganz fantastische Aufnahmen konntest du von diesen Polarlichtern machen, Chapeau!
    Liebe Grüße, Hanne

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    1. Danke Dir Hanne :-)
      Das war wieder einmal ein unvergessliches und märchenhaftes Erlebnis.
      Liebe Grüße
      Lutz

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  5. C’est incroyable!

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    1. Oui, c’était un événement inoubliable et incroyable.

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  6. Wow, was für tolle Bilder!!! Danke fürs Teilen.
    Liebe Grüße, Roland

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    1. Danke Dir Roland :-)
      Liebe Grüße
      Lutz

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    1. Thanks. Who knows if we will ever experience such an event again.

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  7. Very impressive photos

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    1. Thank you. These events in the sky are difficult to comprehend and are always like a miracle.

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  8. Wonderful pictures!

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  9. Beautiful! Here in south Finland it was overcast and snowy.

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    1. Thanks :-) We were lucky; this time the conditions for observing the event were ideal.

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  10. Wunderschön. Beeindruckend.

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    1. Danke. In dieser Intensität und so hell war das wirklich absolut außergewöhnlich.

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  11. Ich hab’s nicht mal gewusst. Zufällig als wir auf dem Balkon waren hat sich das gerade vor uns aufgetan. :-)

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    1. So ging es mir im Mai 2024, ich hatte das vollkommen verpasst und dann zuerst befürchtet, der Sensor sei kaputt. ;-) Zum Glück gab es dieses Mal die Chance, bei bestem Wetter das Ereignis von Anfang bis Ende zu erleben. :-)
      LG Lutz

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  12. Guten Morgen Lutz, Danke für Deinen Bericht und die tollen Fotos. Viel weiter südlich, bei uns in Oberösterreich, ähnlicher Verlauf. Auch um 23:30 Uhr kaum mehr Bewegung. Derzeit dürften die Sonneneruptionen wieder stark sein. Bleiben wir auf der Lauer. LG Gerald

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    1. Hallo Gerald, vielen Dank. Das Ereignis war wirklich außerordentlich stark, schön, dass Ihr das auch im Süden gut erleben konntet. Die Bedingungen waren aber auch ideal. Du hast Recht, derzeit ist wieder Einiges los auf der Sonne, ob dann aber die Bedingungen wieder in der Komplexität so perfekt sein werden… Hoffen wir es und warten wir ab.
      Liebe Grüße
      Lutz

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  13. Lieber Lutz,

    was fällt einem dazu ein? Glückwunsch! Einfach genial!

    Viele Grüße Horst

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    1. Lieber Horst, danke Dir, dieses Mal ließ sich das Ereignis von der Entstehung bis zum Eintreffen wunderbar erleben. Ich glaube, dafür hätte ich auch wieder eine Nacht im Dunklen draußen geopfert. ;-) Welch ein Glück, dass das aber schon abends geschah.
      Liebe Grüße
      Lutz

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Kommentare sind geschlossen.

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