Blase

Boah, noch zwei oder gar drei Kilo mehr auf dem Buckel…
Irgendwie hatte man sich mit dem Gedanken, eine Trinkblase anzuschaffen, nie so ganz ernsthaft beschäftigt.
Nun also doch – der Plan, ein Comeback (im möglichen Rahmen) zu versuchen, steht – bleibt nun die Frage, wie sorgt man dafür, dass dabei die körperlichen Befindlichkeiten nicht aus der Balance geraten.

Erster Schritt – (behutsam) Ballast in Form von überflüssigen Pfunden abwerfen – jedes Kilogramm, welches weniger transportiert werden muss, macht das Kurbeln leichter.
Zweiter Schritt – (besser als früher) Dehydration vermeiden, nicht wie ein Kamel stunden- und tagelang in der Wüste ohne Nachschub von den Reserven zehren.
Handicap dabei – die Fummelei mit den Trinkflaschen am Rahmen, das ist nervig, das erhöht die Unfallgefahr beim Fahren, schreckt ab, hält vom ausreichenden Trinken ab.

Also doch – eine Blase muss her – gesagt getan, online bestellt ist die wenige Tage später schon da. Nun gibt es eigentlich keinen Hinderungsgrund am Fahren mehr – außer dem unwesentlichen Schnee da draußen.
Erster Test – eine 50-km-Runde – mit Blase (im Rucksack)- 2 Liter Wasser, die während des Fahrens wunderbar die Flüssigkeitsverluste ausgleichen. Abgesehen von den etwas schweren Beinchen danach, ja, obwohl der Memory-Effekt einsetzt und diese Belastung irgendwie bekannt vorkommt – auch die Erschöpfung danach – ist tatsächlich alles gut, der Körper bedankt sich für die Wasserzufuhr unterwegs in Form einer sehr schnellen Regeneration.
Also – nix wie aufs Rad…

Schnell werden wir nicht mehr – waren wir noch nie, muss auch nicht sein – aber ausdauernd.

Wie schön ist das denn?

Seit Jahren kennen wir uns, begegnen uns früh am Morgen, er fährt von der Stadt hinaus aufs Dorf, ich vom Dorf in die Stadt, des Nachmittags anders herum, mal mit mal ohne Maske, je nach Temperatur…
Ein freundliches Grinsen und Grüßen, ein Stück Normalität im Alltag.
Dann kam Corona, doch auch da mussten wir lange nicht auf dieses Stück Normalität verzichten, bis er dann wochenlang wegblieb…
Am Anfang nahm man das so gar nicht bewusst zu Kenntnis, doch mit der Zeit, begann man, sich Gedanken zu machen.
War mein Gegenüber krank, umgezogen, gab es nun für ihn einen anderen Arbeitsweg? Man grübelt dann doch so vor sich hin.

Bis er in diesen Tagen im Dunkel des frühen Morgens – irgendwie erkennt man sich sogar schon am Licht und der Einstellung des Fahrradscheinwerfers – plötzlich wieder entgegen kam.
Ein freundliches „Guten Morgen“, ein Handheben als Gruß.. Rückkehr in die Normalität.

Und dann, am Freitagnachmittag schallte unverhofft ein zufriedenes „Schönes Wochenende“ entgegen.
Ja, vielen Dank – das kommt von Herzen – schönes Wochenende, es wird wieder – wie schön ist das denn.

Und vielleicht findet sich mal ein Tag, an dem genug Zeit zum Anhalten und für eine Unterhaltung bleibt und man sogar mal über ne gemeinsame Radrunde redet…

Mein See…

Wie leergefegt sind die Wege an den Süd-Seen.

Soeben ist an diesem sehr windigen Nachmitttag ein heftiger Regenschauer niedergegangen, ein wunderbarer Regenbogen in Neonfarben spannt sich über dem gegenüberliegenden Ufer, von allem unbeeindruckt grasen die mächtigen Bisons in ihrem weitläufigen Gehege und der Radler hat den See nun ganz für sich.
Nass wars, keine Frage, kalt ist es auch, unter den düsteren Wolken im Wind zumindest – doch dann bricht die Sonne durch, blauer Himmel, eine große Lücke, in den nächsten ein, zwei Stunden wird es trocken bleiben – und es wird angenehm mild.

Eine kleine Euphorie macht sich breit, kein Mensch ist zu sehen – mein See…

Solche Trainingsrunden lob‘ ich mir.

Der Freilauf schnurrt, der stürmische Wind schiebt nun angenehm und lässt ganz entspannt eine 3 als erste Ziffer auf der Geschwindigkeitsanzeige des Fahrradcomputers zu. Das hat man sich nach den heftigen Gegenwind-Kilometer auch verdient…

Ein Deja Vu

Ein Deja Vu, das gab es doch schon mal, vor 10 oder 15 Jahren…
Und nun wieder.
Auf 50 oder 60 Tageskilometer rollt es schon recht gut…
Erfahrungsgemäß, ja das war zu erwarten, hat man im Augenblick dabei (noch) nicht die Zeit und Geduld, Fotos zu machen – man will erst einmal wieder rollen…
Und das möglichst entspannt.

Nun beginnt die Suche nach dem in den letzten Jahren verloren gegangenen Selbstbewusstsein, auch längere Strecken fahren zu können, den Radius zu erweitern – das Mal-Sehen-Wo-Schluss-Ist-Gefühl wieder zu bekommen. Ohne Stress und Zeitdruck die Hundert oder auch sogar mal Zweihundert fahren, dann abends müde und zufrieden noch einen Blick auf den Fahrradcomputer zu tun und sich an dieser Zahl erfreuen – ja, das macht Spaß – kaum zu glauben 😉
Es wird dauern, lange dauern, vielleicht wird es, vielleicht auch nicht – langsames, geduldiges Herantasten ist gefragt.
Körper und Kopf behutsam daran gewöhnen. Das Entscheidende spielt sich dabei im Kopf ab – Kopfsache.
Kilometer für Kilometer für etwas Grundlagenausdauer abspulen, nicht schnell, egal ob es kalt, nass, stürmisch, trocken oder warm ist, ganz früh aufstehen, zum (überüberüberüber-) nächsten Bäcker zu fahren, weil das ein paar Kilometerchen bringt und wunderschön ist, durch den morgendlichen Wald zu radeln – einfach nur geduldig und kontinuierlich kurbeln, den Flow wiederfinden…
Den inneren Schweinehund überwinden, den Punkt zu erreichen, an dem man ein schlechtes Gewissen hat, wenn man die tägliche Einheit einmal ausließ.
So kann es wieder gelingen.

Wichtig dabei bleibt immer, zu lernen, beim hoffentlich entspannten Dahinrollen auch die Augen für die Landschaften und deren Geschichten und Geschichtchen, die man durchquert, offen halten zu können.

Sonnenuntergänge

Sonnenuntergänge finden bekanntlicherweise jeden Tag statt.
Trotzdem sind sie immer wieder von Neuem faszinierend.

Das stille Wasser des Sees, tiefziehende Wolken, die vom letzten Sonnenlicht angestrahlt werden, stille und klare kalte Luft…
Mit der einsetzenden Dämmerung verflüchtigt sich die letzte Wärme.
Die Füße in den Radschuhen werden unangenehm kalt.
Bisher ist es mir leider noch nie gelungen, den Farbenzauber und die besondere Stimmung dieser Minuten mit dem Fotoapparat einzufangen und auf einem Bild nachfühlbar zu machen.

Also werde ich wohl morgen um fast die gleiche Zeit wieder hier entlang fahren und diese Momente erneut in mich aufnehmen.
Der Tag soll noch einmal sonnig werden.

Kalte Füße? 
Die sind der Preis und gehören in dieser Jahreszeit dazu.

Wie soll es hier nun weitergehen?

Wenn sich die Themen, die Serien, die Bilder zu wiederholen beginnen, dann ist es Zeit, neue, andere Wege zu finden.

Über fünf Jahre hat es gedauert seit diesem Einschnitt, ab dem das, was man glaubte, ein Leben lang tun zu können, nämlich das Radfahren auf langen Strecken, plötzlich nur noch eingeschränkt möglich war.
Die Angst fuhr (und fährt immer noch) bei jeder Tour mit, dass sich das wiederholen könne. Jedes Kribbeln im Kopf, jeder Liter Schweiß, der ohne Ausgleich zu viel vergossen wird, sorgen für Unruhe und Befürchtungen…
Deshalb neue, alternative Wege finden – das war das Motto der letzten Jahre, Fotografieren als ein sehr willkommenes und wunderschönes „Hintertürchen“, Erfüllung zu finden, die Augen zu öffnen für die großen und kleinen und noch kleineren Dinge. Sich-Wundern- und Sich-freuen-Lernen über das Alltägliche….
Tja und nun ist es doch wieder einmal so weit.
Es lässt den Radelnden uHu nicht los, die Erinnerungen, die gerade in der dunklen Jahreszeit Hochkonjunktur haben, kommen immer wieder hoch, es gibt Vorbilder, die es nach gesundheitlichen Einbrüchen auch wieder geschafft haben, auf die Beine, bzw. Räder zu kommen.
Warum also nicht einen neuen Versuch wagen, zurück aufs Rad, behutsam, bewusst anfangen und den Weg zurück finden, sofern es möglich ist.
Nicht zu schnell, nicht zu hektisch und ehrgeizig, sondern langsam, langsam, immer weiter und noch weiter…
Erforschen, wo die Grenze liegt, Grenzen (wieder) verschieben…
Der 15-km-Radius, der uns zu Zeit noch auferlegt ist, erlaubt trotz allem ausreichend lange Gelegenheiten zum Trainieren und Genießen, die Ernährungs-Problematik und die Kilos zuviel sollten doch zu lösen sein – Ziele als Motivationshilfe gibt es genug. Und die letzten Vorfrühlingstage mitten im Februar waren ein guter Zeitpunkt, um das Vorhaben praktisch zu starten und die ersten Runden zu fahren.
Klar, dieser Blog wird in erster Linie ein Bilderblog bleiben, es gibt zu viele Dinge, die es links und rechts des Weges oder vor der Haustür zu entdecken und zu zeigen gibt.
Aber parallel dazu wird der Blog (vielleicht) mit dem Schildern von Fortschritten (und ja – auch ganz ehrlich von Rückschlägen) etwas Rad-lastiger.
Betrachtungen, Gedanken zum Fahren, Berichte zu Touren, aber keine technischen Fachsimpeleien, soll es künftig hier ebenfalls geben.
Es wird zu zeigen sein, dass sich Radsport UND Fotografieren keinesfalls ausschließen, es gilt, einen Kompromiss zu finden, der beiden Hobbies gerecht wird.

Wer weiß, wo es endet – das ist sehr spannend.
Ist schon im Frühjahr damit wieder Schluss – weil es eben doch nicht geht und der Körper sein Veto einlegt – oder bleibt alles völlig offen und gut, weil die Dinge, die dazu gehören, sich alle zum Besten fügen.

Auf jeden Fall soll es ein Mutmacher oder Ansporn werden für alle, die mit ähnlichen Problemen aus welchen Gründen auch immer, zu kämpfen hatten und haben, die Flinte (oder in meinem Fall das Rad) nicht ins Korn zu werfen, sondern es einfach immer und immer wieder zu versuchen, weitermachen, weiter, weiter…

Es geht immer weiter.

Bilder, Berichte, Betrachtungen findet Ihr also künftig im Blog und/oder im Menü unter „Radeln…“ .

PS:

kleine Randbemerkung -ich möchte eigene Erlebnisse hier nicht selbstdarstellerisch in der Öffentlichkeit breit tragen, sondern ähnlich Betroffenen zeigen, es gibt immer mindestens einen Weg aus scheinbar unlösbaren Situationen- sofern man den Willen hat, diesen von sich aus zu finden und offen für (auch völlig andere) Alternativen ist.

Hier zeigen möchte ich also nur (m)einen Weg.

Zweitens wünsche ich nicht, dass dieser Blog als Diskussionsplattform genutzt wird, es gibt auch in dieser Hinsicht so viele Meinungen, wie es Menschen gibt, die natürlich auch sehr konträr sein können – aber für Diskussionen und Auseinandersetzungen – die leider nur zu leicht gerade auf diesem Medium eskalieren, nicht mehr zu beherrschen und einzufangen sind – gibt es wesentlich besser geeignete Plattformen – bitte habt Verständnis, dass ich zu diesem Thema also hier keine Kommentare freigeben oder beantworten werde)