Fließen

Trotz der Kälte und des grauen Tages falle ich plötzlich in diesen Zustand, den ich schon seit Jahren beim Radeln nicht mehr erlebt habe.
Der Fachbegriff lautet Flow – wobei ich aber manches Mal so meine Probleme mit Anglizismen habe, wenn es in unserer Muttersprache eine Entsprechung gibt und diese nur aus einer Art Faulheit heraus, den richtigen Begriff in der eigenen Sprache zu finden oder um kuhl zu wirken -> wieder so ein Anglizismus 😉 verwendet wird.
Flow – grau ist es, wenig windig ist es, kalt ist es…
Die Piste verläuft leicht abfallend oder ansteigend, geradeaus oder etwas kurvig, der motorisierte Verkehr hält sich in Grenzen und kann ausgeblendet werden – völlig nebensächlich, egal.
Und so geschieht es, dass der Radelnde Uhu beim gleichförmigen entspannten Kurbeln – noch liegen 50 Kilometerchen vor ihm, also nicht überziehen und unnötig Kraft verschwenden – in eine Art Meditation versinkt.
Schön ist das, nichts lenkt ab, nichts strengt an, der Fahrtwind rauscht leise und einförmig an den Ohren vorbei, es rollt, die Füße bewegen sich im gleichmäßigen Ablauf auf den Pedalen.
Und hier folgt die diesem Moment entsprechende deutsche Version des Begriffes Flow – Fließen…
Ganz einfach, ein Fließen ist das, was man gerade hier auf dem Rad erlebt.
Ein wunderbarer Zustand …
Bebildern lässt sich das wohl am Ehesten mit diesem Foto.
Und so ist die erste 100 km-Feierabendrunde bald völlig entspannt absolviert und die Vorfreude groß, diesen Zustand demnächst wieder erleben zu dürfen.

Vom Glück – Kleine Bäckerrunde

Nun bin ich einmal wach, es ist hell und eine blasse Endloswinter-Aprilsonne schiebt sich gerade schüchtern über den Horizont. Also kann ich nun ebenso gut auch einmal wieder aufs Rad steigen und zum überüberübernächsten Bäcker fahren, Rückweg durch Wald inklusive.

Müde bin ich, die Tour von gestern steckt mir noch in den Knochen, kalt ist es, die Wiesen sind teilweise reifbedeckt und dieser blöde eisige Windzug von Nord kann mir gefälligst auch gestohlen bleiben – nun ja – alles Training – oder?

Woher bei diesen Temperaturen auch immer der grüne Schimmer an den Bäumen kommt, das Licht ist fantastisch. Am See ist es noch menschenleer – und aus dem Rucksack duftet es verführerisch nach frischen Brötchen.

Das nenne ich (manchmal muss man eben doch den inneren Schweinehund überwinden) einen gelungenen Samstagmorgen.

Und dieser Moment gehört damit auch zum Thema Glück.

Das Leben ist schön.

Nachfeierabend-Runde

Endlich mal kein Schnee, grandiose 13°C Lufttemperatur, das ist selten in diesem Frühjahr.

Und am Freitag nach Feierabend – ja, da gibt es doch schöne Erinnerungen an ausgedehnte Radrunden . könnte man glatt den Nach-Hause-Weg entsprechend ausdehnen.

Gedacht – getan, Blase mit 1,5 l Wasser in den Rucksack, Rucksack auf den Rücken und los…

Durch den Auwald an der Elster entlang südwärts zunächst zum heute recht bevölkerten Radweg am Cospudener See, dann Querung hinüber zum Markkleeberger See und nach dem Blick auf die Uhr und kurzem Entschluss nicht auf dem Hochufer entlang sondern in die entgegengesetzte Richtung, südlich um den See herum, denn der Störmthaler See mit seinem blaugrünen Wasser bei diesem Wetter lockt.

Der Weg an der Schleuse im Verbindungskanal zwischen den beiden Seen ist gesperrt, Baustelle – in den letzten Tagen war in der Lokalpresse zu lesen, dass Messungen ergeben hatten, dass das Gelände instabil sei und schlimmstenfalls ein Abrutschen in der Schleusenumgebung eine Flutwelle in Richtung Stadt auslösen könnte. Das klang dramatisch, ist es vermutlich auch, denn was sich in den Gesteinsschichten rund um die schnell gefluteten tiefen Tagebaulöcher mit tatsächlich abspielt, weiß kein Mensch. Vorstellbar wäre es schon, dass in den quer angeschnittenen Böden Wasser in instabile Schichten gepresst und unkontrollierbare Rutschungen auslösen könnte. Hoffen wir, dass man die Situation beherrscht.

Wegen der Baustelle gibt es auch eine unwesentliche Umleitung, doch dann endlich rollt es entsprechend gut bei ruppigem Südwest-Gegenwind am Seeufer entlang.

Ein angenehmes Gefühl ist das, auf den Spuren früherer Touren entlang zu fahren, da kommen tatsächlich Erinnerungen an die Intensiv-Radfahr-Jahre hoch, damals gehörte diese Gegend zum Standard-Trainingstouren-Revier, in dem man auch gern mal mit Freunden unterwegs war.

Kurz vor Espenhain beginnt der große Rückenwind-Genuss, auf dem Tacho steht häufig die 3 an erster Stelle, so schön fährt es sich jetzt durch die schmucken Dörfer. Vor der Wende war das hier eine der dreckigsten Gegenden, Mölbis, Espenhain, Dreiskau-Muckern waren Inbegriff der Umweltsünden bei der Braunkohleförderung, heute erkennt man die idyllische Landschaft nicht wieder.

Auf der Höhe oberhalb von Köhra bietet sich der erwartet schöne Blick über die weite Senke, die unser Flüsschen durchfließt, kurz darauf taucht der Radelnde Uhu in den großen Wald um Naunhof ein, den er erst kurz vor dem Heimatdörfchen wieder verlassen wird.

Reichlich 75 Kilometer sind es am Ende, gut, der Körper reagiert noch etwas befremdet auf die Anstrengung, es ist noch ein weiter Weg bis zur Gewöhnung und Steigerung. Aber es ist ein Anfang und die 1,5 Liter Trinkwasser sind getrunken und haben erfolgreich dazu beigetragen, frühere Fehler in Bezug auf Dehydrierung zu vermeiden.

Die langen Tage dieser Saison liegen vor uns, der Winter gibt nun hoffentlich auf und es werden sich genug Gelegenheiten bieten, um zu sehen, was alles noch so geht.

Blase

Boah, noch zwei oder gar drei Kilo mehr auf dem Buckel…
Irgendwie hatte man sich mit dem Gedanken, eine Trinkblase anzuschaffen, nie so ganz ernsthaft beschäftigt.
Nun also doch – der Plan, ein Comeback (im möglichen Rahmen) zu versuchen, steht – bleibt nun die Frage, wie sorgt man dafür, dass dabei die körperlichen Befindlichkeiten nicht aus der Balance geraten.

Erster Schritt – (behutsam) Ballast in Form von überflüssigen Pfunden abwerfen – jedes Kilogramm, welches weniger transportiert werden muss, macht das Kurbeln leichter.
Zweiter Schritt – (besser als früher) Dehydration vermeiden, nicht wie ein Kamel stunden- und tagelang in der Wüste ohne Nachschub von den Reserven zehren.
Handicap dabei – die Fummelei mit den Trinkflaschen am Rahmen, das ist nervig, das erhöht die Unfallgefahr beim Fahren, schreckt ab, hält vom ausreichenden Trinken ab.

Also doch – eine Blase muss her – gesagt getan, online bestellt ist die wenige Tage später schon da. Nun gibt es eigentlich keinen Hinderungsgrund am Fahren mehr – außer dem unwesentlichen Schnee da draußen.
Erster Test – eine 50-km-Runde – mit Blase (im Rucksack)- 2 Liter Wasser, die während des Fahrens wunderbar die Flüssigkeitsverluste ausgleichen. Abgesehen von den etwas schweren Beinchen danach, ja, obwohl der Memory-Effekt einsetzt und diese Belastung irgendwie bekannt vorkommt – auch die Erschöpfung danach – ist tatsächlich alles gut, der Körper bedankt sich für die Wasserzufuhr unterwegs in Form einer sehr schnellen Regeneration.
Also – nix wie aufs Rad…

Schnell werden wir nicht mehr – waren wir noch nie, muss auch nicht sein – aber ausdauernd.

Wie schön ist das denn?

Seit Jahren kennen wir uns, begegnen uns früh am Morgen, er fährt von der Stadt hinaus aufs Dorf, ich vom Dorf in die Stadt, des Nachmittags anders herum, mal mit mal ohne Maske, je nach Temperatur…
Ein freundliches Grinsen und Grüßen, ein Stück Normalität im Alltag.
Dann kam Corona, doch auch da mussten wir lange nicht auf dieses Stück Normalität verzichten, bis er dann wochenlang wegblieb…
Am Anfang nahm man das so gar nicht bewusst zu Kenntnis, doch mit der Zeit, begann man, sich Gedanken zu machen.
War mein Gegenüber krank, umgezogen, gab es nun für ihn einen anderen Arbeitsweg? Man grübelt dann doch so vor sich hin.

Bis er in diesen Tagen im Dunkel des frühen Morgens – irgendwie erkennt man sich sogar schon am Licht und der Einstellung des Fahrradscheinwerfers – plötzlich wieder entgegen kam.
Ein freundliches „Guten Morgen“, ein Handheben als Gruß.. Rückkehr in die Normalität.

Und dann, am Freitagnachmittag schallte unverhofft ein zufriedenes „Schönes Wochenende“ entgegen.
Ja, vielen Dank – das kommt von Herzen – schönes Wochenende, es wird wieder – wie schön ist das denn.

Und vielleicht findet sich mal ein Tag, an dem genug Zeit zum Anhalten und für eine Unterhaltung bleibt und man sogar mal über ne gemeinsame Radrunde redet…

Mein See…

Wie leergefegt sind die Wege an den Süd-Seen.

Soeben ist an diesem sehr windigen Nachmitttag ein heftiger Regenschauer niedergegangen, ein wunderbarer Regenbogen in Neonfarben spannt sich über dem gegenüberliegenden Ufer, von allem unbeeindruckt grasen die mächtigen Bisons in ihrem weitläufigen Gehege und der Radler hat den See nun ganz für sich.
Nass wars, keine Frage, kalt ist es auch, unter den düsteren Wolken im Wind zumindest – doch dann bricht die Sonne durch, blauer Himmel, eine große Lücke, in den nächsten ein, zwei Stunden wird es trocken bleiben – und es wird angenehm mild.

Eine kleine Euphorie macht sich breit, kein Mensch ist zu sehen – mein See…

Solche Trainingsrunden lob‘ ich mir.

Der Freilauf schnurrt, der stürmische Wind schiebt nun angenehm und lässt ganz entspannt eine 3 als erste Ziffer auf der Geschwindigkeitsanzeige des Fahrradcomputers zu. Das hat man sich nach den heftigen Gegenwind-Kilometer auch verdient…

Ein Deja Vu

Ein Deja Vu, das gab es doch schon mal, vor 10 oder 15 Jahren…
Und nun wieder.
Auf 50 oder 60 Tageskilometer rollt es schon recht gut…
Erfahrungsgemäß, ja das war zu erwarten, hat man im Augenblick dabei (noch) nicht die Zeit und Geduld, Fotos zu machen – man will erst einmal wieder rollen…
Und das möglichst entspannt.

Nun beginnt die Suche nach dem in den letzten Jahren verloren gegangenen Selbstbewusstsein, auch längere Strecken fahren zu können, den Radius zu erweitern – das Mal-Sehen-Wo-Schluss-Ist-Gefühl wieder zu bekommen. Ohne Stress und Zeitdruck die Hundert oder auch sogar mal Zweihundert fahren, dann abends müde und zufrieden noch einen Blick auf den Fahrradcomputer zu tun und sich an dieser Zahl erfreuen – ja, das macht Spaß – kaum zu glauben 😉
Es wird dauern, lange dauern, vielleicht wird es, vielleicht auch nicht – langsames, geduldiges Herantasten ist gefragt.
Körper und Kopf behutsam daran gewöhnen. Das Entscheidende spielt sich dabei im Kopf ab – Kopfsache.
Kilometer für Kilometer für etwas Grundlagenausdauer abspulen, nicht schnell, egal ob es kalt, nass, stürmisch, trocken oder warm ist, ganz früh aufstehen, zum (überüberüberüber-) nächsten Bäcker zu fahren, weil das ein paar Kilometerchen bringt und wunderschön ist, durch den morgendlichen Wald zu radeln – einfach nur geduldig und kontinuierlich kurbeln, den Flow wiederfinden…
Den inneren Schweinehund überwinden, den Punkt zu erreichen, an dem man ein schlechtes Gewissen hat, wenn man die tägliche Einheit einmal ausließ.
So kann es wieder gelingen.

Wichtig dabei bleibt immer, zu lernen, beim hoffentlich entspannten Dahinrollen auch die Augen für die Landschaften und deren Geschichten und Geschichtchen, die man durchquert, offen halten zu können.

Sonnenuntergänge

Sonnenuntergänge finden bekanntlicherweise jeden Tag statt.
Trotzdem sind sie immer wieder von Neuem faszinierend.

Das stille Wasser des Sees, tiefziehende Wolken, die vom letzten Sonnenlicht angestrahlt werden, stille und klare kalte Luft…
Mit der einsetzenden Dämmerung verflüchtigt sich die letzte Wärme.
Die Füße in den Radschuhen werden unangenehm kalt.
Bisher ist es mir leider noch nie gelungen, den Farbenzauber und die besondere Stimmung dieser Minuten mit dem Fotoapparat einzufangen und auf einem Bild nachfühlbar zu machen.

Also werde ich wohl morgen um fast die gleiche Zeit wieder hier entlang fahren und diese Momente erneut in mich aufnehmen.
Der Tag soll noch einmal sonnig werden.

Kalte Füße? 
Die sind der Preis und gehören in dieser Jahreszeit dazu.