Am Meer

Wie ein Zeichen der Hoffnung wirkt die Möwe, die im wieder aufleuchtenden Sonnenlicht elegant über das Wasser schwebt. Der gewaltige Cumulus-Turm, der sich aufgebaut hatte, fällt fast ebenso schnell wieder in sich zusammen, ohne sich vom Ort bewegt zu haben.

Mit diesem Bild möchte ich auch die kleine Alpe-Adria-Reihe beenden.
Ich hoffe, es hat Euch ein wenig gefallen.

Am Meer

Auf einmal ist minutenlang die Promenade völlig menschenleer und eine Familie, die wohl gerade hier angekommen ist, steht an der Kante und schaut auf das stille Meer und die düsteren Wolken im Süden.
Sie haben sich sicher sehr gefreut, endlich am Meer angekommen zu sein und wollten Baden gehen.
Und plötzlich hat für mich die Szene etwas von dem, wie ich manchmal Hopper-Gemälde interpretiere.
Sie stehen still, ganz allein, eingekapselt in sich selbst, reglos in einer gläsern und merkwürdig aufgeräumt, klarlinig aufgeräumt aussehenden Umwelt, schauen, warten auf etwas von außen her, dem Beobachter unsichtbar Einwirkenden.
Endlich werden die Kinder ungeduldig und ziehen die Eltern aus der Starre zurück in die Stadt, ins Leben.

Am Meer

Es ist merkwürdig mit uns Menschen.
Mit einer gewissen Sensationslust lauern wir auf das sich bedrohlich Nähernde – macht ja nichts, wird uns schon nicht erwischen, ist ja noch ein ganzes Stück weit weg. Und wenn doch? Erleichtert nimmt man schließlich wahr, dass auch dieses Gewitter wieder vorbei gezogen ist.
Nach einer Zeit des Wartens stumpfen wir ab, schauen dem Geschehen nur noch zu, recht unbeeindruckt mittlerweile.
Und dann sind wir doch froh, als in der Nacht der Regen endlich kommt – die unbewusste Spannung über allem löst sich – es geschieht – hoffentlich wird es nicht so schlimm.

Am Meer

Eben war man noch sorglos baden. Was mich immer wieder beeindruckt, ist, dass die Menschen offenbar lange nicht zu bemerken scheinen, wie sich etwas Drohendes aufbaut, direkt über ihren Köpfen. Die Sonne scheint ja schließlich noch.
Erst als diese nicht mehr durch die dunklen Wolken dringt, wird man wach und ergreift die Flucht.

Am Meer

Die Frau schaut gebannt den sich an den Küstenbergen gefährlich auftürmenden Gewitterwolken zu.
Eine ganze Weile steht sie so.
Und sie scheint nicht zu bemerken, dass über und hinter ihr dasselbe geschieht…

Am Meer

Die Kamera sieht mehr als das Auge. Es herrscht fast völlige Finsternis, die nur von den Lichtern an den Küsten durchdrungen wird. Laut rauscht die Brandung, weiß sind die Schaumkämme der Wellen zu erahnen, dann erhellt plötzlich ein Blitz des nächtlichen Gewitters über Triest und den Julischen Alpen einen gespenstisch wirkenden Wolkenhorizont.
Still blinken die Sterne ganz weit darüber.

Am Meer

Der Akkordeonspieler
Für wen spielt der Mann mit großer Fingerfertigkeit da auf der fast menschenleeren anbendlichen Promenade seine monotonen Melodien?
Die wenigen, gleichgültig Vorbeieilenden haben anderes im Sinn, mag sein, die Sorge, noch rechtzeitig einen Platz in der nächsten Trattoria zu ergattern.
Und im Osten, am Küstengebirge über den Lichtern der großen Stadt, die wir von hier aus gut erkennen können, blitzt und leuchtet es bleich in den gewaltigen finsteren Wolken.

Am Meer

Die nachfolgenden Beiträge mit Einzelbildern sind der eigentümlichen Stimmungslage im Küstenort Grado gewidmet, die sich bei unserem Aufenthalt dort bot.
Nach unserer Alpe-Adria-Tour blieben wir noch zwei Tage in Grado, um ein wenig Adria-Luft zu schnuppern. Allerdings waren ausgerechnet für diese Tage schwere Unwetter vorausgesagt.
Unwetter in Form einer massiven Kaltfront, die die Alpen von Norden her treffen sollte und einer Tiefdruckgemengelage, die über dem überwarmen Mittelmeer entstand und sich über der nördlichen Adria, sprich in unserer Gegend an den Julischen Alpen treffen sollten.
Als Folge sollte es katastrophale Niederschläge, Gewitter, Stürme geben.
Durch einen wohl aus unserer Sicht glücklichen Umstand aber blieben Grado und Umland verschont.
Während es über den Alpen ersten Schnee gab, nördlich und südlich gewaltige Gewitterzellen reihenweise vorüber zogen und an den Julischen Alpen drüben in Triest zum Beispiel für endlose Unwetter und Regen sorgten, während Katastrophenmeldungen von zahlreichen zu beklagenden Überschwemmungs-Todesopfern aus Ancona, südlich von uns eintrafen, blieben wir durch Zufall Zaungäste.
Dieses drückende Gefühl von Bangigkeit und Sorge vor den Unwettermassen, die sichtbar vorbei zogen, das eigenartige Licht, die Winzigkeit der Menschen, die endlich, endlich am Meer, am Strand sind und hier dem Bedrohlichen gegenüber stehen, das alles spiegelt sich auch in den Bildern versteckt oder offensichtlich wieder.