Was ist das?

Unsere Vorfahren, so weit ich aus Erzählungen kenne, stammen aus Thüringen, Pommern, Niederschlesien… Sind es also die Gene, die niederschlesischen, die da durchdringen? Das Riesengebirge war schließlich einmal Teil der schlesischen Grenze.
Oder ist es unbewusst die Erinnerung an den ersten Zelturlaub 1982, den wir Jugendlichen in dieser Gegend verbrachten? Dieses Gefühl von unbeschreiblicher Freiheit, Ungebundenheit, des Plötzlich-Alles-Tun-Könnens. Und ist es ganz einfach nur der Drang, hierher zurück zu kehren, um diese Eindrücke wieder zu finden, das noch einmal zu erleben…
Warum fühlt man sich so, als ob man nach Hause kommt, wenn man hier in diese Landschaft eintaucht, man an den schönen Umgebindehäusern vorbei läuft und die Blicke über die Höhen hinüber nach Südosten zum Iser- und Riesengebirge schweifen und die hektische Hyperaktivität der alltäglichen Umgebung mit einem Male abfällt.
Die Antwort wird sich nicht finden lassen – also belassen wir es bei der Feststellung, dass es so ist. Und das ist nicht unangenehm.
„Oak ne jechn“ – Immer mit der Ruhe

Sterne über der Lausche

Die von unten angestrahlte Rauchwolke des polnischen Kohlekraftwerks bei Hirschfelde ähnelt einer gewaltigen Explosion – unheimlich.
Aber irgendwann lenken die allmählich aufglimmenden Sterne von diesem Spektakel ab. Noch nicht ganz dunkel, im Westen ist noch das letzte Tageslicht zu sehen, kann man nun schon ganz deutlich den Großen Wagen, den Orion, den Sirius oder die Kassiopeia erspähen.
(ganz ehrlich – ohne den mitgebrachten Glühwein in der Thermoskanne ist es kaum auszuhalten hier oben – doch zu viel vom wärmenden Getränk geht auch nicht – schließelich müssen wir den steilen Weg im Dunkeln wieder heil herunter kommen)
Ein klein wenig genießen (und zittern) müssen wir aber noch.
PS: und mit den guten hellen Stirnlampen kommen wir schließlich auch wieder wohlbehalten unten im Wanderhotel an.

Lauschiger Frostabend

Lausche – das klingt harmlos, fast ein wenig lieblich, huschlig.
Ein lauschiges Plätzchen eben…
Nun, davon ist im Augenblick nix zu spüren. Der Südwest pfeift in diesen Abendstunden eisig über den fast kahlen Gipfel, die Temperatur hat sich in den Keller verabschiedet und die erstarrten Finger schaffen es kaum noch, die Tasten an der Kamera zu unterscheiden oder zu betätigen. Die Sonne gibt den Kampf gegen die Wolken auf und entschwindet in diffusem Dunst, nicht ohne noch einmal den Abschluss dieses Tages mit mildwarmen (wie sehr das täuschen kann) Lichtern über den Grenzgebirgen zu feiern.
Drüben die Silhouette des Tannenbergs, heute mal von der östlichen Seite, südlich der steile Kegel des Klic/ Kleis, südwestlich der Doppelgipfel des Bezdez/ Bösig bei Doksy und des Ralsko/ Rollig in der blauer werdenden Frostluft.
Und im Norden die Lichterketten und -meere der Dörfer und Städtchen der Oberlausitz.

Ausblicke vom Hochwald

Der Doppelgipfel des Hochwald mit seinen gerade einmal 750 Metern ist einer der höchsten Gipfel des Lausitzer Gebirges. Die recht geringe Höhe sichert aber einen raschen Aufstieg und einen wunderbaren Aus- und Rundblick über die Region.

In früheren Jahren wurde einmal jemand aus der Region befragt, wie man so viel Schönheit aushalte. „Man gewöhnt sich daran“ lautete die lapidare Antwort.

Wir aber wollen uns nicht gewöhnen, sondern diese kleinen und großen Naturwunder einfach immer wieder von Neuem bestaunen und genießen.

Und da sind sie wieder

Diese einzigartigen kleinen Momente, die das Leben u.a. lebenswert machen.
Nach einem Aufstieg durch einen märchenhaften Winterwald – wer hätte gedacht, dass man diesen in diesem Winter tatsächlich noch erleben kann, einer Einkehr in der urigen Hochwaldbaude, mit Hilfe derer man das zwischenzeitliche deftige Schneegestöber aussitzen kann, stehen wir nun im frostig-eisigen Wind hoch oben auf dieser weißen Insel inmitten des braungrüngelben Meeres der umgebenden niedrigeren Gipfel, Täler und Ebenen und schauen, schauen, schauen, schauen…
Und die Frage, weshalb es uns wieder einmal in diese „zweite Heimat“ gezogen hat, beantwortet sich von selbst. Dieses kleine Gebirge im äußersten Zipfel Deutschlands, im Dreiländereck, hat im Prinzip alles, was man auch in größeren Gebirgen vorfindet. Exponierte Gipfel hoch über tiefen Tälern, Steinblockhalden, Hochebenen, endlose Wälder, idyllische Dörfchen und Weitblicke sondersgleichen. Aber es ist alles eben ein bisschen kleiner, weniger gewaltig, erdrückend – eher lieblicher, harmonischer… Und die Anfahrt ist wesentlich kürzer.
Im günstigen Fall reicht der Blick übers Isergebirge und den Jeschken weit nach Osten bis zum Riesengebirge mit der Schneekoppe. Nun gut, heute nicht, dafür verleiten die Sonnenflecken und eindrucksvollen Wolken zwischen den Schneeschauern zur Fotografier-Orgie…
Und dazwischen steht man nur und schaut und staunt und freut sich, dass man das erleben darf.
Ein wirklich schöner Tag.

Lausitzer-Gebirge-Bilderbogen

Das Wetter ist miserabel, die Temperatur sackt auf unserer Fahrt nach Südosten gegen den Nullpunkt ab, aus dem Regen wird Schneeregen, heftig spritzt der Dreck der endlosen Lasterkolonnen auf der rechten Spur, die Berge verschwinden im grauen trüben Wolken-Nebel-Einerlei… Trostlos.
Aber wir wollen mal die Hoffnung nicht aufgeben, laut dem Regenradar soll (wird) es voraussichtlich besser werden. Und man hat ja auch bei Schnee/Schneeregen schon schöne Wandertouren unternommen, die sich dann umso internsiver in die Erinnerung eingegraben haben.
Kurz vor dem Ziel sind dann tatsächlich zwischen Wolkenlücken die Mittelgebirgsgipfel – in Weiß – zu erkennen.
Also auf und los… Wird schon.
Was wir nun in den folgenden beiden Spätwintertagen erlebt haben, möchte ich Euch in den nächsten Beiträgen in einem bunten Lausitzer-Gebirge-Bilderbogen zeigen.