Sauna-Rad-Runde

Die Wetterprognosen sind unsicher, es ist sehr schwül und ab Nachmittag sind schwere Gewitter angesagt. Also verzichten wir auf eine Tour, zu der wir erst ein ganzes Stück mit dem Zug anreisen müssten und planen eine ausgedehnte Runde in unserer Gegend, bei der es etliche Möglichkeiten für einen plötzlichen Rückzug gibt.
So rollen wir bei zunehmender Hitze – das Schöne am Radeln ist, dass man diese beim leichten Fahrt- oder Gegenwind nicht so extrem empfindet (nur stehenbleiben darf man nicht) – gen Osten, an die Mulde. Diese Landschaft ist immer wieder erlebenswert, der wilde, jetzt relativ wenig Wasser führende Fluss, die Wald und Wiesenhänge zu beiden Seiten, die Dörfchen, die alte Klosterruine Nimbschen und das schöne Städtchen Grimma.
Ein gutes Mittagessen gibt es an der Klosterruine in der „Klosterschänke“, nach der ausgiebigen Pause fahren wir flussabwärts weiter in Richtung Wurzen.
Auch den Wechsel der Landschaft vom Hügelland zur flachen Ebene bei Trebsen, den Blick auf das sich in der Ferne verlierende glitzernde Band des Flusses, empfinden wir, so oft wir hier auch schon waren, immer wieder als traumhaft.
Die Gewitterzellen bilden sich mittlerweile überall, in unserem Rücken donnert es bereits, die Sonne zaubert hinter schwarzen Wolken noch fantastische Lichter auf die Muldenaue, von Osten her drängt eine Bilderbuchunwetterwolke herein, die könnte uns erwischen.
Also machen wir auf dem guten Radweg ein wenig mehr Tempo.
Die Wolken ziehen sehr langsam, die Zelle hinter uns fällt mit einigen Regenschleiern allmählich schon wieder in sich zusammen. Dennoch brechen wir die Runde nun bei Wurzen quasi ab und nehmen den kürzesten Weg zurück.
Reichlich 70 kmchen bei dieser Sauna-Atmosphäre genügen auch.

Vorfrühlings-Rundfahrt

Eisig weht immer noch der Nordwind, angesagt waren heute schon mehr als 10C, im Wind sind es gefühlt 5°C. Aber als wir dann auf holprigem Feldweg gen Osten rumpeln, die Wolken sich auflockern und sich sehenswert auf den grünenden Saaten Sonnenlichter zeigen, ist es doch ganz angenehm und auszuhalten, weil der Wind nun von der Seite weht und das Rumpeln leichter macht. Nördlich unserer Wohngegend gibt es außer Bundesstraßen leider keine gut ausgebaute Fahrradinfrastruktur, nur weite, fast baumlose, Felder und Feldwege, die zudem (nach drei Dürrejahren endlich einmal wieder) schlammig sind.
Erst bei Lübschütz, als wir beschließen, uns nun an der Mulde entlang vom Wind treiben zu lassen, werden die Bodenbeläge radelfreundlicher.
Bei Grubnitz durchqueren wir die schöne und weite Auenlandschaft am Fluss, den wir dann auf der kleinen Brücke (2002, nach der großen Flut rollte hier der gesamte Fernverkehr hinüber, weil bei der großen Brücke etwas südlicher plötzlich – und erst nach Tagen festgestellt – ein Mittelpfeiler fehlte) überqueren.
Trotz kahler Bäume, es ist schön hier und der Fluss führt endlich wieder einmal ausreichend Wasser.
Ringelnatzstadt Wurzen – spontaner Abstecher zum Bäcker in der kleinen feinen Altstadt -es ist Mittagszeit, den leckeren Kuchen und die herzhaften Käsebrötchen lassen wir uns eine halbe Stunde später auf einer Anhöhe über der sonnigen Muldeaue mit Blick auf die nähere und fernere Umgebung munden.
In der Sonne ist es nun gut auszuhalten, ein Hauch von Frühling liegt in der Luft.


Neben uns kann man noch die Reste der Fundamentmauern der ehemaligen Kirche, dem letzten Rest des Dörfchens Sellnitz erkennen, welches vermutlich 1429/30 durch die Hussiten zerstört wurde.
Frühling, nach den langen kalten und oftmals trüben Wochen ist das wie Balsam auf der Seele.
Genussvoll rollen wir dann bis Trebsen, überqueren hier die Mulde wieder westwärts und pirschen uns am Schloss vorbei durch den Park möglichst windgeschützt bis hinauf zum großen Wald, der uns dann schließlich das Gegenwind-Kurbeln wesentlich erleichtern soll.
Aber, um die Hügel heimwärts zu umgehen, wählen wir den etwas längeren Weg, der dann auch nicht allererste Wahl ist. Rumpeln nur unwesentlich schneller als im Schritttempo durch Schlamm und Pfützen ist angesagt.
Kurz vor Altenhain liegt der sogenannte Schwarze Bruch in wunderbar idyllischer Umgebung mitten im Wald. Nur intensiv nach Benzin stinkt es und auf dem dunklen Wasser treibt ein Ölfilm. Und das ist nicht zum ersten Mal so, es wird spekuliert, dass es sich hier um entsorgte Altlasten der sowjetischen Truppen handelt. Der Name des ehemaligen Steinbruchs stammt aus den letzten Kriegstagen. Man vermutet, dass 1945 amerikanische Soldaten vor der Übernahme des Geländes durch die Russen Handgranaten in den mit Rückständen aus der Treibstoffversorgung gefüllten Steinbruch warfen und so eine gewaltige Explosion und ein tagelanges Feuer verursachten, in dessen Folge die Felswände schwarz wurden.
Wenig später rollen wir am Gelände (mittlerweile seit der Wende vom Wald überwuchert) des ehemaligen Munitionslagers, der Muna vorbei. Ich kann mich aus Kinderzeiten noch an die streng bewachte drahtzaunbewehrte Anlage mit ihren Scheinwerfern erinnern.
Von Altenhain bis Ammelshain rollt es nun auf Asphalt wieder hervorragend, noch die Autobahnbrücke über die A14, dann zum See.
Knirsch – bei der lieben Reisegefährtin hat es laut geknirscht.
Wieder ein Deja Vu, denn auf ähnliche Weise hatte sich vor fast einem Jahr mein altes Fahrrad aus dem Dienstbetrieb verabschiedet. Das Schaltauge ist gebrochen. Ausbauen und kette kürzen – da fehlt jetzt der Elan – das heißt, dass der Radelnde Uhu nun die letzten 10 Kilometer im Eiltempo durch den Wald nach Hause rast, um das Auto zu holen.
Nun ja, positiv gesehen – ein guter Trainingseffekt, schade trotzdem, dass eine schöne Radtour so ein Ende finden musste.

PS: ein neues Schaltauge ist bereits bestellt, in Kürze kann es hoffentlich wieder auf Tour gehen.

Wenn die äußeren Bedingungen…

keine großen Reisen zulassen, besinnt man sich auch gern einmal wieder auf die nächste Umgebung, Manchmal ist es unfassbar, was man da in den letzten Jahren „übersehen“ hat. Statt der zur kleinen Tradition gewordenen Novemberwanderung zum Kyffhäuser geht es also in diesem Jahr in die Hohburger Berge. Ja, trotz der nur maximal 240 m hohen Hügel, die vor über 250 Mio. Jahren einen vulkanischen Ursprung hatten, bekommt man beim Wandern durch diese unweit der großen Stadt gelegenen Landschaft das Gefühl, sich mitten im Erzgebirge oder Thüringen zu befinden. Auf unserer Tour bieten sich ebenso vielfältige Eindrücke, Einblicke, Ausblicke wie in weiter entfernten Weltgegenden und das milde warme Herbstlicht in den noch teilweise belaubten Bäumen setzt allem die Krone auf.

An der Mulde

wir haben uns auf diese Flussseite seit vielen Jahren nicht mehr hin gewagt. Zu viele Leute, zuviel Trubel an der Riesengaststätte, zu viele Autos und und und… Aber – Corona machts möglich – plötzlich geht es doch. Viele Leute (auf Distanz natürlich), freundlich entspannt, die Riesengaststätte und Parkplatz geschlossen – nun ja, ein kleines Picknick aus dem Mitgebrachten tut es ja auch – so halten es etliche der Wanderer hier – und KEINE Autos. Zumindest auf den nächsten Kilometern nicht.

Und dazu Landschaft, Luft und Licht pur… Was kann schöner sein…