Acht-Tausender-Tour

Die Route auf gpsies.com

Sonntag, 18.08.2013
„Na heute sieht er wieder besser aus – gestern hatte ich schon einen kleinen Schreck bekommen…“
Hmmm… Was soll ich da sagen?
Recht hat die Nachbarin meiner Schwiegermutter, die mich gestern Abend nach der Tour ins Haus ließ.
Trotz der 6 Liter, die ich am Samstag getrunken hatte, war mein Gewicht 3 Kilo weniger als am Vortag. Und das sieht man wohl zuerst im Gesicht.
Aber nach dem Brunch, bei dem ich heute so richtig nach Herzenslust fressen konnte, sehe ich wohl wieder aus wie immer 🙂
Abgesehen von den müden Beinen, Armen und leicht schmerzenden Händen, was vom Festkrallen am Lenker herrührt, geht es mir erstaunlicherweise wirklich super.
Aber von vorn…

Samstag, 17.08.2013
Halb vier aufzustehen fällt eigentlich nicht schwer, wenn man die Aussicht auf einen langen schönen Tag vor sich hat.
Es ist zwar noch stockfinster, alles schläft ringsum und es gibt offensichtlich nur einen Blöden, den es nicht mehr in der Horizontalen hält. Aber na ja…
Da alles am Abend zuvor gründlich vorbereitet wurde, gibt es keinen großen Aufwand mehr. Frühstück, danach noch alles gut am Rad verpacken und dann kann es 4.15 Uhr aufTour gehen.
Der Himmel – wolkenlos – sternenklar, es ist noch etwas kühl, aber mit Beinlingen und winddichter Regenhaut ist es gut auszuhalten.
Am südöstlichen Himmel ist der Orion zu entdecken – ein ziemlich deutliches Indiz darauf, dass sich der Sommer leider allmählich verabschiedet und sich der Herbst allmählich in Stellung bringt.
Mein Respekt vor dieser Tour hat in der vergangenen Woche, als ich versuchte, mich mental schon ein wenig darauf vorzubereiten, enorm zugenommen. Aus der Erfahrung von 2006 erwartet mich mit großer Sicherheit etwas grundsätzlich Anderes und auch Anstrengenderes als bei einer Ostsee-Tour.
Nach einem Tourbericht aus dem Internet (ruessel-in-Chemnitz.de – Zwölf Tausender des Erzgebirges), dessen Idee ich modifiziert habe, sollen es heute 8 Tausender im Erzgebirge werden.
Eine Acht-Tausender-Tour sozusagen, einmal im Leben muss man das eben gemacht haben 😉
Zunächst war angedacht, mit einem sehr frühen Zug bis Altenburg zu fahren und dort zu starten. Aber in den vergangenen Tagen und insbesondere unter dem positiven Eindruck des letzten Zweihunderter-Wochenendes erschien es mir „ehrlicher“, das Ding komplett per Fahrrad zu machen. Dadurch kamen allerdings noch einmal 50 Kilometer hinzu – in Summe also 260 km und 3.200 Höhenmeter.
Im Gegensatz zu 2006 wollte ich zwar auch heute den Auersberg zuerst anfahren, dann aber auf die Abfahrt nach Johanngeorgenstadt hinunter verzichten, sondern oben auf Kammhöhe zu bleiben und auf der böhmischen Seite noch einige Tausender-Gipfel „mitnehmen“.
Höhepunkt sollte dann das Fichtelberg-Keilberg-Massiv sein. Auch die Anfahrt zum Erzgebirge sollte möglichst wenig mit Anstiegen belastet sein, um nicht von vornherein (Erfahrung von 2006) alle Körner zu verschießen und möglichst wohlbehalten im Gebirge anzukommen. Deswegen wählte ich die Route übers Pleißetal, seit der Himmelfahrtstour bekannt, auf der man sich quasi „hintenherum“ übers Vogtland „anschleichen“ könnte. Und erst nach über 90 Kilometern würde es dann richtig aufwärts gehen.
Welches Rezept habe ich nun eigentlich für heute, um den Plan zu einem guten Ende zu bringen?
Im Prinzip ganz einfach. Bei einer angesagten Windstärke von 2-3 aus Südwest, also leichtem Gegenwind, den ich über 100 Kilometer aushalten müsste, bleibt nichts anderes übrig, als im untersten Bereich zu fahren. Ressourcenschonend bis ins Gebirge kommen, dann würde sich sowieso alles ganz anders entwickeln. Und von Gipfel zu Gipfel hatte ich dann sehr großzügig (wie ich meinte) einen Schnitt von 9 – 10 km/h eingeplant, da es dort nach Routenbeschreibung zum großen Teil über Waldwege gehen sollte, so dass ich gegen 21 Uhr in Chemnitz eintreffen könnte.
Rennrad fiel aus den genannten Gründen aus, ich fahre also mit dem Speeder T3 und hatte dafür vor zwei Tagen noch die „Berg-Ritzelkassette“ montiert.
Die Gipfel sollten sein
– Auersberg
– Zaječi Hora
– Blatenský vrch
– Plešivec
– Božídarský Špičák
– Neklid
– Fichtelberg
– Hinterer Fichtelberg,
– Keilberg (Klínovec) und
– Meluzína (Wirbelstein).
Wenn man nachzählt, sind das ja nun eigentlich zehn Gipfel – wobei der Neklid nur den höchsten Punkt des Skiareals bei Bozi Dar auf dem Keilbergausläufer darstellt. Und den Zaječi Hora nahm ich, ehrlich gesagt, auch nicht so für voll.
Naunhof, Großsteinberg, Pomßen, es rollt. Aus der Gegenrichtung ist nur ein leichter Luftzug zu spüren – das ist gut auszuhalten. Man könnte eigentlich auch schneller…
Aber besser nicht – Zeit ist reichlich eingeplant – also nur nicht frühzeitig fertig machen.
Otterwisch, Bad Lausick, die erste Baustelle lauert an der Straße nach Prießnitz, dort kann man aber mit dem Rad ganz gut durch. Es dämmert allmählich und der rote Lichtschein im Osten verstärkt sich. Im Maisfeld neben mir raschelt es plötzlich ziemlich laut – nix wie weg hier. Vor einem Wildschwein flüchten will ich jetzt nicht.
Auch die Abkürzung nach Frohburg ist wegen dem am letzten Freitag neu freigegebenen Autobahnabschnitt Chemnitz -Leipzig ein gewisses Risiko. Ich habe keine Ahnung, ob es hier eine Brücke gibt – oder ob ich dann ein paar Kilometer zurück muss. Aber es klappt!
Mittlerweile ist es ziemlich hell. Als ich Frohburg hinter mir lasse und gen Windischleuba ins Pleißetal rolle, geht grandios die Sonne auf.
Einige Kilometern weiter ist in Paditz an der Pleiße im schönsten Morgensonnenlicht die erste Pause angesagt. (54,59 km, 2:17:30 Std., 06:40 – 06:50)
Ein halbes Steineckchen, kurz die Beine lang machen, dann geht es an der Pleiße weiter.
Gößnitz ist rasch erreicht, dann Crimmitschau, die Stadtdurchfahrten sind unspektakulär, nur auf dem Profil von „Armin“ sieht man, dass es ganz sacht aufwärts geht. Werdau, der Straßenverkehr wird langsam etwas intensiver, soo schön ist das hier nicht mehr, doch kurz darauf in Steinpleiß kann ich die Haupt-Talstraße verlassen. Es geht nun, nach 95 Kilometern, endlich aufwärts.
Kurze Rast – Trinken.
Und dann klickert der Höhenmeterzähler. In kürzester Zeit kommt man aus dem Pleißetal hinauf auf die Höhe. Es ist nicht unmäßig steil, aber in Aussicht auf das Kommende ist es angebracht, auch hier nicht gleich zu Anfang zu überziehen.
Langsam langsam – lieber einen noch kleineren Gang fahren.
Die Burg über dem Dörfchen Schönfels sieht eindrucksvoll aus, das muss fotografiert werden. Dann ist Ebersbrunn erreicht, es gibt sogar einen Radweg. Hier auf über 450 Metern Höhe befindet man sich etwas oberhalb der Pleißequelle. Dann wird die A4 unterquert, ehe man es nach Irfersgrün wieder ein Stück abwärts rollen lassen kann.
Diese Straße von Zwickau nach Rodewisch ist allerdings recht stark befahren.
Irfersgrün – Vogtland – nächste Pause. (103,41 km, 4:35:36 Std., 09:09 – 09:25)
Danach geht es weiter bergauf auf kleinen ruhigen Straßen. Die Gegend wird immer schöner, sanft gerundete Höhen, Wiesen, Felder, Wälder wechseln einander ab. Irgendwie kommt mir das auch bekannt vor – möglich, dass wir in der Gruppe und mit den Kindern mal Pfingsten hier gewandert sind.
Hinter Obercrinitz am Ende der Welt lauert im Wald der erste heftige Anstieg auf über 600 Meter. Und dann ist Schönheide nicht mehr weit. Es gibt zwar wieder eine Baustelle an der Straße von Rothenkirchen nach Schönheide, doch die Bauarbeiter lassen mich mit dem Rad freundlicherweise durch. Der nächste Anstieg und dann genieße ich den ersten Blick von der Höhe auf den Auersberg. Ob ich aber wie geplant 11 Uhr dort oben stehen werde, bezweifle ich.
Schönheide liegt 100 Höhenmeter weiter unten, das gibt zwar eine herrliche zügige Abfahrt, doch als ich an der Talsperre vorbei bin, müssen diese Höhenmeter nach und in Eibenstock hinauf wieder rein geholt werden. Das heißt Stress und Schweiß.
Eibenstock – dass die Straße hier in der Stadt sooo steil war, hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung. Auch aus der Stadt hinaus geht es so weiter, dann ist man wieder auf über 700 Metern, doch unvermittelt flacht das Ganze ab und man kommt relativ sanft und entspannt bis Wildenthal.
Was weniger entspannend ist, ist der starke PKW und LKW-Verkehr hier oben. Östlich steht nun ganz nahe der Auersberg, dann ist Wildenthal mitten in den großen Wäldern des Westerzgebirges erreicht.
Ohne den Verkehr wäre das hier heute einfach nur idyllisch. Schade…
Noch ein Foto von der Hammerschänke – das war damals schön hier – dann weiter hinauf nach Oberwildenthal. Es ist schon nach elf Uhr, aber um diese Zeit war ich 2006 noch nicht einmal in Aue. Und vor allem fiel mir das Stück von Aue zum Auersberg wesentlich schwerer als heute. Die steilen Serpentinen bis zum Gasthaus Sauschwemme schaffe ich ohne Pause – jaaaa, zugegeben – die Rennradler, die mir entgegen rasen, sehen frischer aus. Sauschwemme – und nun folgt der letzte Abschnitt zum Auersberg. Die kleine Straße beginnt harmlos – man ahnt nichts Böses – kommt um ein paar Kurven und sieht dann plötzlich diese Himmelsleiter vor sich.
Bis auf 900 Meter Höhe schaffe ich es mühevoll auf dem Rad, dann fürchte ich um meine Gangschaltung und steige lieber ab, um ein Stück zu schieben. Erst ein paar hundert Meter weiter, als die Steigung nachlässt, kann ich wieder aufsteigen und bis nach oben fahren.
Irgendjemand in einem Radlerforum stellte fest, dass es hier oben immer noch wie auf der Ansichtskarte von 1970 aussehen würde.
Hmmm, Schrums- und Imbissbude weggedacht, keine Autos…
Stimmt, das Türmchen und das Berghotel sehen immer noch aus wie damals.
Auersberg 1018 m (140,90 km, 6:45:54 Std., 11:40 – 12:00)
Am Imbiss gibt es ein herrlich kühles (alkoholfreies) Hefeweizen und eine Cola. Das ist genau das Richtige jetzt. Mein Appetit auf Essen ist jedoch bei Null – ich mache den Fehler und esse wirklich nichts, will mich nur ausruhen und dann eventuell unten im Wald etwas zu mir nehmen. (was ich dann später auch noch vergesse)
Noch ein kurzer Rundgang, Fotos vom Gipfel und der Aussicht, dann krabbele ich wieder aufs Rad und es geht weiter.
Erst einmal steil bergab, sind die beiden Rennradler nonstop hier herauf gekommen? Aber die sahen auch nicht mehr so fit aus. Das tröstet…
Vorbei an der Sauschwemme fahre ich nun auf der gegenüberliegenden Seite aufwärts in den Wald, Richtung Kammweg, vorbei am Kranichsee, dem Hochmoor. Kurzer Stopp, ich sende Dagi eine SMS und lese, dass Uwe gerade auf dem Fichtelberg war und mir mitteilt, dass die Bahnhofsgaststätte in Wolkenstein auf hat 🙂
So ein Zufall. Aber ein Treffen ist unmöglich – so lange, bis ich dort bin, kann er nicht warten. Das wird erst am Abend sein und soooo viel Bier kann er unmöglich trinken.
Der Fußgänger- und Radler-Grenzübergang ist nach einigen Bergauf-Minuten erreicht, dann rolle ich nach Jeleni auf schadhaftem Asphalt abwärts.
Doch nichts ist so schlimm, dass es nicht noch schlimmer kommen könnte…
Der Weg zum Zaječi Hora, der an der Straße abzweigt, ist ausgespült, steinig, rutschig. Und sausteil!
Aber darauf bin ich mittlerweile eingestellt und so geht es recht gut, langsam am Zajeci Hora hinauf.
Der Gipfel des Zaječi Hora (1 006 m) selbst ist noch zehn Meter höher links im Wald, ich begnüge mich damit, nur die Schutzhütte hier am Weg zu fotografieren.
Nun wieder hinab, behutsam, der Weg ist schlecht und auch die folgende Straße ist voller Löcher. Nur keine Panne jetzt.
Plötzlich weitet sich der Blick auf Horni Blatna – Bergstadt Platten, eine fast 900 m hochgelegene Gemeinde inmitten einer wiesenbestandenen Hochfläche.
Darüber erhebt sich der massige Plattenberg, mein nächstes Ziel. Nach Horni Blatna rollt es zunächst wieder einmal ein ganzes Stück abwärts, ehe man sich auf enorm steiler gerader Straße hinauf zum Sattel unterhalb des Gipfels schinden muss.
Die in der Kneipe am Straßenrand sitzenden Radler (die Meisten mit MTB) haben ihren Spaß – die haben es vermutlich schon hinter sich und können ihr Bierchen genießen.
Vom Sattel an sind es nur noch ein paar hundert Meter, recht sanft ansteigend bis ganz nach oben.
Zum Glück gibt es hier auf dem Gipfel außer einem baufälligen Aussichtsturm auch einen Imbiss, wo ich mir eine große Kofola (! ! ) gönne.
Und hier schiebe ich mir auch noch ein halbes Steineckchen hinein. Nur das Kauen und Schlucken fällt schon a weng schwer.
Blatenský vrch – Plattenberg 1043 m (160,34 km, 08:07:06 Std., 13:35 – 13:55)
Einige Leute sind hier, auch ein älteres deutsches Ehepaar ganz in weiß…
Als ich abfahre, kommt mir sogar Einer im Cabrio entgegen. Na der kann hier viel Dreck schlucken 🙂
Mittlerweile bewölkt es sich zusehends von Westen her. Es ist noch sehr warm, aber das wird die angesagte Wetterfront sein. Na Hauptsache, es gibt kein Gewitter.
Weiter nun zum nächsten Tausender.
Das Rollen auf der Straße ist eine richtige Erholung, doch ab Bludna, der Routenbeschreibung folgend, nehme ich den roten Wanderweg.
Und bin nebst einigen Wanderern plötzlich der einzige Radler hier.
Klasse, trotz herrlichem Blick auf Auersberg und kurz darauf zum Plešivec hinüber ist es nicht nur für mich sondern auch für das Rad eine Zumutung, auf diesem Wanderweg dahin zu holpern.
Allmählich dämmert es mir, dass sich langsam meine Planung hier in Schall und Rauch auflöst.
Großzügigerweise hatte ich für diese 9 Kilometer eine Stunde eingeplant, aber ich habe bereits Zeitverzug – will ich wie angesagt, gegen 21 Uhr in Chemnitz sein, dann werde ich wohl oder übel auf ein oder zwei Gipfel verzichten müssen. Spätestens, als ich auf auf dieser Rumpelpiste abwärts nach Abertamy eiere, wird mir das eindrücklich klar.
Es fährt sich zwar zum Ort runter und zur Plešivec-Auffahrt wieder besser – aber angesichts meiner angeschlagenen Konstitution und der noch zu erwartenden Wege nach Bozi Dar hinüber ist es wohl vernünftiger…
Hinauf zum Plešivec geht es dann auch ganz gut, mit entsprechendem Gang ist das auch mit dem Speeder T3 kein Problem, bis zum Gipfel hoch zu strampeln.
Hier oben tanzt der Bär. Autos, Menschenmassen, Klettergarten, Ziegen-Streichelzoo… Skihang, Liftanlagen…
Und es bietet sich ein schöner Blick zum gewaltigen Keilberg hinüber.
Plešivec 1028 m (170,96 km, 8:54:21 Std., 14:45 – 15:00)
Ich habe keine Stunde bis hier hinauf gebraucht, bin aber trotzdem fast eine Stunde über den Plan hinaus. Das hole ich auch nicht mehr rein.
Pause – Trinken, Traubenzucker…
Wieder folge ich der Routenbeschreibung, um nun zum Božídarský Špičák zu kommen.
Laut Karte sind das auch nur 9 Kilometer, aber als ich an der Švýcarská bouda vorbei bin, hört die Straße auf und ich rumpele wieder auf einem steinigen und wurzelreichen Wanderweg ohne große Höhenverluste durch den Wald.
Aber – es wird noch schlimmer – die steinige ausgespülte Piste nach der Schranke an der Hauptstraße, der ich nun zwei bis drei Kilometer ansteigend folgen muss, ist kaum noch zu toppen.
Auch das tschechische Ehepaar, das mir entgegen kommt, fragt mich, wie lange denn dieser „shit“ noch dauert. Na ich kann denen keine großen Hoffnungen machen.
Aber irgendwann ist auch das vorbei. Am Božídarský Špičák stehen Schilder, dass man hier, so wie ich das verstehe, mit EU-Geldern etwas für die Touris getan hat und tatsächlich wird aus dem nur MTBtauglichen „shit“ plötzlich ein fein geschotterter fast glatter Weg.
Auf den kegelförmigen Gipfel selbst kann man nicht hinauf, der ist aus Naturschutzgründen vollkommen gesperrt, auf einer Höhe von ca. 1050 Metern ist also Schluss.
Božídarský Špičák 1115 m (178,42 km, 9:33:27 Std., 15:39)
Schön ist der Blick von hier über die Wiesen und Wälder des Erzgebirgskammes hinüber zum Auersberg.
Ohne Pause rolle ich nun weiter, treffe einige Zeit später bei Myslivny auf die Straße, die von Potučky hinauf nach Boži Dar führt und erreiche Boži Dar ebenfalls wenige Minuten später.
Spätestens hier steht mein Entschluss fest, als ich mich zum Grenzübergang hinauf schinde, dass ich auf den Fichtelberg heute verzichten werde. Der liegt etwas abseits der Route, hat noch einmal eine Menge Höhenmeter zu bieten und ich bin mir nicht sicher, ob ich es danach noch auf den Keilberg schaffen würde. Dann lieber Neklid, Keilberg und Meluzína, da gibt es keine großen Umwege mehr und ich gewinne etwas Zeit, die ich vielleicht später noch nötig brauchen könnte.
Keilbergauffahrt…
Die Auffahrt wirkt elend lang, mein Rücken wird über dem Lenker immer krummer, und ich schleiche in kleinsten Gängen die gar nicht einmal so steile Straße bis zum Neklid aufwärts. Dann halte ich für ein Foto kurz an…
Neklid 1 099 m, ein großer Parkplatz Skiliftanlagen – gruslig.
Nichts wie weiter hinauf, der Keilberg – höchster Punkt der heutigen Fahrt – ist nahe.
Dann nervt weiter oben auf der kleinen Stichstraße zum Gipfel, die neu asphaltiert werden soll, noch extrem der Staub, den die entgegen kommenden Fahrzeuge aufwirbeln.
So richtig Spaß macht das jetzt gerade nicht. Die Fliegen schikanieren mich auch, bei meinem langsamen Tempo kann ich denen aber leider nicht entkommen.
Doch oben ist eine Pause in Aussicht, endlich…
Ein Stück weiter sehe ich die kleine Fahrstraße, auf der es nachher zur Meluzína geht.
Kurz vor dem Gipfel bauen gerade Sachsen ihre Mountain Bikes zusammen, so ein Teil wäre heute gut gewesen. Zumindest hier auf der böhmischen Seite des Gebirges.
Und dann plötzlich bin ich wirklich oben.
Es hat ein wenig gedauert – aber nun ist es vorbei.
Der höchste Punkt heute ist erreicht.
Keilberg – 1 244 m. (187,68 km, 10:21 Std., 16:39 – 16:55)
Auch hier ist Einiges im Bau, das Türmchen wurde bereits restauriert, in kurzer Zeit wird das wieder richtig schön sein. Im Gras mit Blick auf das Erzgebirge erhole ich mich nun ein paar Minuten lang. Man kann heute sogar bis zum Boren gucken.
Auf Brötchen habe ich derzeit absolut keinen Appetit, aber Essen ist dringend nötig. Also zwinge ich mir einen ekligen klebrigen Powerbar-Pappe-Riegel (geht nur mit viel Flüssigkeit) hinein.
Und der bringt die Lebensgeister wirklich wieder etwas auf Trab. Danach rolle ich vorsichtig, nur keinen Sturz in den Dreck riskieren, zurück zum Abzweig der kleinen Fahrstraße und von dort ebenfalls mit etwas Vorsicht weiter bergab.
Faszinierend sind die Ausblicke von hier aus dem Nordhang des Keilbergs über den Erzgebirgskamm. Dort der Jeleni Hora – das war auch ne Klasse-Radtour mit Uwe und Spanni, nördlich der Bärenstein, Pöhlberg.
Wie gerufen plätschert am Wegrand eine kleine Quelle, an der ich meine Trinkflasche auffüllen kann. Sieht sogar recht sauber aus – und ist herrlich frisch.
Nach kurzem Anstieg ist dann die Meluzína erreicht. Der letzte Tausender heute!
Meluzína, 1094 m, ca. 17:30 Uhr.
Mit Rad ist auch dieser Gipfel nicht erreichbar, die Zeit, auf diese sehenswerten Felsen zu Fuß zu steigen, habe ich jetzt ebenfalls nicht. Das muss bis später warten. So ist also auf ca. 1040 Metern Schluss, danach ist es nicht mehr weit zur Straße und dann rollt und rollt und rollt und rollt es….
Noch einmal der Blick auf den südlich gelegenen Keilberg, vor mir Fichtelberg, der muss ebenfalls bis zum nächsten Mal warten.
Wie schon vor Jahren nehme ich nun auch heute wieder die ruhige Straße parallel zur Grenze auf der böhmischen Seite nach Vejprty hinab.
Herrlich sind die Wolken- und Sonnenspiele auf den Wiesenhöhen, Zeit zum Genießen…
Sehr schnell bin ich nun in Vejprty, wechsele auf die deutsche Seite, durchquere Bärenstein und dann geht es fast ebenso schnell immer weiter durch das Pöhlbachtal bis Thermalbad Wiesenbad an der Zschopau hinab.
Doch so locker es nun auch bergab rollt – im Augenblick geht es mir wirklich nicht toll, von Euphorie keine Spur. Feste Nahrung geht nicht, die Apfelschorle widert mich an und eigentlich wäre es im Moment das Beste, sich hinzusetzen, die Beine lang zu machen oder sich bequem im Auto zum Ziel chauffieren zu lassen. Die Stimme bleibt weg, das zeigt eindeutig, dass mein Flüssigkeitshaushalt nicht mehr ganz stimmt. Aus bisherigen Erfahrungen bin ich sicher, auch diese Krise überwinden zu können. Aber bis Wolkenstein habe ich ganz schön daran zu knabbern. Fünf Kilometer fahre ich dann auf dem Wanderweg an der Zschopau entlang, viel geht selbst bei kleinen Anstiegen nicht mehr, es dämmert im Wald schon. Dann endlich sehe ich die Wolkensteiner Burg hoch auf dem Felsen…
Wolkenstein, 232,50 km, 12:1 5, Std., 19:00 – 19:25
Am Bahnhofsrestaurant sitzen Leute, am Imbiss steht ein Biker-Pärchen.
Aber – die Bude hat schon geschlossen. Ärgerlich!
Doch der Wirt ist Spitze, eine große Cola schenkt er mir trotzdem noch aus. Klasse…
Einigermaßen geschafft sitze ich eine ganze Weile am Tisch, schicke Dagi noch eine SMS und überlege, wie ich es heute noch über den „Killerberg“ ins Zwönitztal hinüber schaffen soll.
Die Banane, die ich noch esse, bringt dann aber plötzlich die Wende.
Hatte ich bis eben sogar noch den Gedanken, Ulli anzurufen und mich von ihr bis Chemnitz im Auto mitnehmen zu lassen, so ist davon plötzlich keine Spur mehr.
Ich stecke die Lampen wieder ans Rad, das ist sicherer im dämmrigen Tal und als ich weiter fahre, spüre ich, wie leicht mir das auf einmal fällt.
Mit einem Schlag ist auch meine Stimmung wie ausgewechselt, alles ist schön – wie beschreibt es doch Walter Jungwirth in seinem viavelo-Blog so schön? Ich bin verschwitzt und müde, die Beine sind schwer, tun aber immer noch zuverlässig ihren Dienst und ich bin gerade „mutmaßlich der glücklichste Mensch auf derWelt“.
Wohin könnte man denn demnächst mal fahren???
„Killerberg“? – keine Frage, den schaffe ich nun auch noch locker…
Wunderbar präsentiert sich indessen die Burg Scharfenstein im Abendsonnenlicht auf dem Hügel, während im Dorf unten am Fluss schon die dunklen Schatten immer länger werden – und dann der Abzweig in Wilischthal.
Ein geeigneter Gang ist schnell gefunden und nun kurbele ich gleichmäßig, ziemlich entspannt (ehrlich!!! ) und ohne Pause noch einmal den 5 Kilometer langen Berg durch Weißbach hinauf auf 470 Meter.
Bei Unebenheiten machen sich nur etwas deutlicher kleine Sitzbeschwerden bemerkbar. Der Sattel scheint wohl doch nicht ganz langstreckentauglich zu sein.
Im Westen belohnen mich schöne Wolkengebilde in kräftigsten Farben, als ich oben bin und sofort hinab nach Einsiedel rolle.
Einsiedel, Erfenschlag im Zwönitztal, ich fahre die letzten 10 Kilometer sehr zügig, meine Krise ist vollkommen überwunden. Es ist schon fast dunkel, aber mit dem Busch & Müller-Scheinwerfer ist das kein Problem.
Chemnitz!
Auf gewohnter Strecke geht es in die Stadt, nun nur noch der Anstieg vom Stadtpark hinauf über die Stolberger Straße, dann die Zwickauer Straße, ein wenig dämlich ist meine riskante Straßenüberquerung bei roter Ampel (! ) – geistig habe ich wohl doch ein wenig abgebaut – und dann versuche ich einfach noch den Ulmenstraßen-10%er zum Schluss. So als kleine Bestätigung zum Schluss. Und wirklich – der geht noch!
Fast punktgenau 21 Uhr bin ich am Ziel.

265,76 km, 13:45 Std. und lt. gpsies fast 3.300 Höhenmeter – so weit zur Statistik.
Meine Mädels sind allerdings noch nicht da – so klingele ich bei der Nachbarin, die mir öffnet, sich aber nicht anmerken lässt, dass sie einen kleinen Schreck bekommen hat, als sie mich sieht und hört.
Na ja – alles ist schön.

Und es fällt nicht schwer, diese Tour mit einem breiten und zufriedenen Grinsen und nach dem Duschen mit einem schönen Gläschen Wein abzuschließen.
Toll war es!

Berlin-Tour 2013

Samstag, 10.08.2013
Halb fünf klingelt der Wecker.
Und es ist wieder einmal faszinierend und erstaunlich, wie ausgeruht und gut ich mich trotz des gestrigen 200ers fühle. Tatsächlich hat sich in den vergangenen Stunden Ruhe der Körper so weit regeneriert, dass es viertel sechs nach dem Frühstück kein Problem ist, wieder aufs Rad zu steigen. Die kritischen Stellen im Sitzbereich habe ich gestern Abend schon mit Panthenol und heute Morgen mit Sitzcreme versorgt, auch da ist derzeit Ruhe.
Draußen ist es noch dunkel, heute brauche ich wirklich Licht.
Der Himmel ist nur leicht bewölkt, deswegen ist es jedoch auch wesentlich kühler als gestern früh. Aber zumindest wird nachher die Sonne schnell für Helligkeit und Wärme sorgen.
Die ersten Kilometer fahre ich nun mit Beinlingen und in Regenhaut, die auch hervorragend die Morgenkühle und den Fahrtwind abschirmt.
Brandis, Zeititz, im Osten wird es hell, die Wolken färben sich rötlich, orange.
In Wurzen an der Mulde nach einer dreiviertel Stunde halte ich dann kurz, um ein Foto zu machen.
Es ist noch wenig Verkehr auf den Straßen, so dass die ungeliebte Stadtdurchfahrt entspannt vonstatten geht. Auch diese Route bis Dahlen bin ich häufig gefahren, aber heute rolle ich direkt in die rote Morgensonne hinein. Und das sorgt für eine ungemeine Euphorie, dieses Gefühl kann man nur schwer beschreiben, das Ganze läuft wie in einem schönen Film ab.
On the Road again – das muss ich mal hier loswerden – so isses jetzt!
Dazu der weiße Nebel auf den Wiesen, die Silhouetten der Baumgruppen und Wäldchen, die stillen Dörfer, rote Dächer, spitze Kirchtürme – was für ein Kitsch (?) – und trotzdem einfach schön, weil es eben kein Kitsch sondern die Realität in diesen Momenten ist.
Entsprechend beflügelt rolle ich nach Osten, allerdings spüre ich bei den kleinen und giftigen Anstiegen schon die schweren Beine. Ein wenig steckt mir der gestrige Tag noch in den Knochen. Aber es rollt, der auflebende Wind weht von Südwest, besser geht es nicht. Auch die Strecke entlang der Dahlener Heide ist bei diesen Bedingungen einfach nicht zu toppen. Abwechselnde Abschnitte in Wald und über die Hügel, von denen man einen traumhaften Blick übers Land genießen kann.
Nach 47 Kilometern mache ich dann bei Olganitz gegen 7.15 Uhr die erste kurze Pause. Überziehen darf ich im Überschwang der Gefühle jetzt auch nicht. Und wenn das mit den Hügeln so weiter geht, bekomme ich doch kleine Zweifel, ob ich die heute durchhalte.
Die Elbe wird 7.50 Uhr nach 60 Kilometern erreicht, über die moderne neue Brücke kommt man gut nach Mühlberg ins Brandenburgische hinüber. Die Radwegführung ist hier nicht ganz nachvollziehbar, über einen unsinnigen Bogen auf Schotterwegen komme ich nur wenige Meter von der Stelle entfernt auf die gleiche Straße in Richtung Bad Liebenwerda zurück. Der Verkehrsplaner war mit Sicherheit kein Radfahrer.
Nun sorgt endlich auch die Sonne für Wärme, so dass ich Jacke und Beinlinge ausziehen kann.
Trotzdem wird man irgendwie den Eindruck nicht los, dass der Sommer seinen Höhepunkt überschritten hat und dem Ende zugeht. Die Straßen sind jetzt völlig flach, es fährt sich leicht, entspannt und zügig. Vor Bad Liebenwerda lauert eine kleine Umleitung von 3 Kilometern, na gut, die stecke ich im Augenblick noch locker weg.
Bad Liebenwerda, ca. 80 Kilometer.
„Armin“ lotst mich sicher auf Schleichwegen am Zentrum vorbei und nachdem die Schwarze Elster überquert ist, befinde ich mich, noch ehe ich michs versehe, schon wieder am Stadtrand und fahre weiter gen Doberlug-Kirchhain.
Es geht nun auf kleiner Straße kilometerweit durch Heidewälder, die Route ist wirklich gut, die müsste ich mir für eine neue Cottbus-Ausroll-Tour merken.
Drohende Warnschilder in Tröbitz, die Durchfahrt durch Schönborn soll gesperrt sein, ich riskiere es trotzdem, denn eine Umleitung wäre hier zu weit und langwierig.
Aber halb so wild, dieses Mal komme ich mit dem Rad dort gut durch – die Baustelle ist für den Linienverkehr frei gegeben – da bin ich doch heute gern einmal Linienbus 😉
Etwas später wird Doberlug-Kirchhain erreicht – die Radwegepflicht in Deutschland ist gerade hier, als ich hinter den etwas langsameren Radlern herbummeln muss, sehr lästig. Na mäg…
Das Schild „Luckau – 29 km“ bessert die Stimmung aber rasch wieder auf.
Am Rand der kleinen Stadt mache ich bei Kilometer 102 die nächste Pause. Es ist gegen 9:30 Uhr, ich liege gut im Rennen, die Bedingungen sind aber auch ideal. Es ist nicht zu heiß, es weht ein leichter, unterstützender Wind… Wie ich bei Gegenwind heute aussehen würde, wage ich jetzt nicht zu beurteilen. Weiter geht es.
Nun schwenkt die Route auf winzigen Landstraßen, ungefähr parallel zur Bundesstraße 96 verlaufend, nach Norden ein. Es gibt ein paar Schlenker und Kurven mehr, aber dafür ist es hier wesentlich ruhiger und angenehmer zu fahren. Wald, Wiesen, Felder, Pferdekoppeln, idyllisch… Man kann den Spreewald fast schon riechen.
Ein Stück vor Luckau geht es plötzlich steil abwärts. Es scheint hier wie eine gewaltige Kante zu sein, über die das Heideplateau sich in die Spreewaldniederung absenkt.
Und durch Luckau selbst oder verkehrsberuhigt daran vorbei lotst mich nun wieder zuverlässig der liebe „Armin“.
Auf dem Sträßchen nach Kasel-Golzig überlege ich nun, ob ich Günter anrufe. Jedoch traue ich mich nicht so recht abzuschätzen, wie lange ich noch bis Krausnick benötige.
Es kann nicht mehr weit sein, 130 Kilometer sind gefahren, laut Planer sind 160 veranschlagt – doch es können auch 170 werden – das ist im Augenblick nicht so richtig klar. Also abwarten, weiter fahren.
Ein wenig müde werde ich nun aber. Auch die endlos scheinende geradeaus führende Straße macht nicht unbedingt munterer.
Die Landschaft ist idyllisch – immer noch – sehr flach, sehr wald- und wiesenreich.
Und dann ist Kasel-Golzig schneller erreicht als gedacht, es war gar nicht mehr soo weit. Kasel-Golzig – das liegt auf der Route des Spreewaldmarathons, bis hierher brauchen wir im April in der Gruppe in entgegengesetzter Richtung aus Lübben vielleicht eine halbe Stunde.
Im Prinzip kann ich mir nun Zeit lassen, es ist noch nicht einmal Mittag. Die Dörfchen bis Lubolz inkl. Kopfsteinpflastereinlage sind mir aus den Spreewaldmarathon-Teilnahmen bestens bekannt. Mit dem Speeder T3 und den 32er-Reifen lässt sich das Pflaster jedoch wesentlich besser als mit dem Rennrad befahren. Lubolz – was für ein Gefühl.
Vor einer Woche noch bin ich hier auf einer Morgen-Rad-Runde im Urlaub durchgefahren. Und nun sitze ich hier auf dem Dorfplatz, pausiere, esse, trinke und rufe Günter an. Mich erwarten noch 8,5 km schönsten Radwegs bis Krausnick durch den Wald.
Günter ist aber noch ein ganzes Stück entfernt, ich kann nun wirklich bummeln.
Kraniche sehe ich heute kurz vor Krausnick zwar keine, aber der Blick auf den stattlichen, über dem Ort thronenden Wehlaberg ist auch schön.
Krausnick – es ist ein tolles Gefühl, hier wieder auf der Straße durch das Dorf zu rollen, es ist wie eine Verlängerung des Urlaubs. Die schönen Erinnerungen sind noch sehr frisch.
Dann warte ich im Ort unter der Dorflinde.
Günter trifft eine halbe Stunde später gegen 12:50 Uhr ein. Er ist schnell gefahren, ist noch auf Hochtouren…
Und auf meinem Fahrradcomputer stehen, als wir auf der Terrasse des Landhotels am Wehlaberg die Hefeweizen und das gute Essen genießen, 168 Kilometer.
Halb zwei dann Aufbruch, nun hat sich doch Müdigkeit breit gemacht, schön wäre es, hier jetzt bleiben zu können.
Auf Sandwegen geht es nun am Wehlaberg vorbei – Günter mit dem Mountain Bike donnert die Sandspur entlang nach Groß Wasserburg hinüber und dort auf kleiner Straße durch Köthen nach Märkisch Buchholz. Ich spüre schnell, wie fit er ist, er ist mir zu schnell, selbst auf den Treckerreifen rast er vornweg und muss ab und zu abbremsen, damit ich wieder heran komme.
Dazu die kleinen Anstiege hier im Wald – na da! Märkisch Buchholz – zum Glück gibt es hier eine Eisdiele – auf Grund seiner großen Schwäche für Eis bekomme ich hier eine Gratispause 🙂 ehe es im tollen Tempo weiter geht.
Wir fahren nun eine wunderschöne Strecke durch die ausgedehnten Wälder im Südosten von Berlin, immer auf dem Dahme-Radweg entlang – doch ich habe kaum Augen dafür, weil ich an Günter dranbleiben muss und selbst schon eine ganze Weile lang die Übersicht verloren habe. Zudem muss ich mit den schmalen Reifen des Speeders doch darauf achten, nicht zu stürzen.
In Prieros gibt es aber zu meiner großen Erleichterung wieder eine Eisdiele :-)) Pause, Verschnaufen, Eis genießen! Weiter im rasanten Galopp durch die Wälder…
Allmählich melden sich nun auch meine kritischen Zonen im Sitzbereich…
Als wir dann gen Königs Wusterhausen rollen, sehen wir im Westen eine tiefschwarze Wolkenwand aufziehen.
Ich habe den Eindruck, Günter wird noch ein wenig schneller, er will vermutlich dem Unwetter entkommen. Doch wir sind zunächst gezwungen, diesem kilometerweit entgegen zu fahren, ehe wir in KW wieder nach Norden abschwenken.
Und auf dem Funkerberg erwischt es uns dann dicke. Glücklicherweise gibt es hier oben am Sendemast einen verfallenen Schuppen, wo schon Andere stehen und den folgenden Regenguss abwarten. Einen theatralischen Blitz und einen Donner gibt es auch, doch das Gewitter(chen) ist rasch nach Osten abgezogen.
Und uns sitzt ein wenig die Zeit im Nacken – Grillen ist ja auch noch angesagt – also fahren wir, als der Regen nachlässt weiter. Es ist kalt und nass – ungemütlich – geworden.
Der Berliner Ring, Walthersdorf, der Rand von Berlin…
Stark befahrene Straßen, Kopfsteinpflaster, sandige Radspuren am Straßenrand – es ist alles dabei.
Und auf diesem Abschnitt werde ich den Eindruck nicht los, dass mir Radfahren in Berlin nicht so den rechten Spaß machen würde. Zu lang sind die Wege aus der Stadt heraus und zurück, zu schlecht sind die Bedingungen für die Radler hier.
Ziemlich nass erreichen wir dann schließlich gegen halb sechs unser Ziel.

237,61 km in 9:36:08 Std. Nettofahrtzeit, 830 Höhenmeter.

Soviel zur Statistik.
Es ist mehr geworden als erwartet, aber – es gibt keinerlei unangenehme Nachwirkungen…
Hunger und Durst sind groß – das erste Bierchen verdampft quasi und bei den Original Thüringer Rostbratwürsten und Steaks können wir nun auch ordentlich zulangen.
Toll… Zweihunderter im Doppelpack…
Fortsetzung folgt… (?)

Die Route auf gpsies.com

Saale-Elster-Tour 2013

Freitag, 09.08.2013

In der Nacht habe ich erst spät und dann ziemlich mies geschlafen. So bin ich am Morgen ein wenig wie gerädert, als ich mich halb sechs aus den Federn quäle. Meine Mädels können noch ein wenig schlafen, sie wollen heute nach Babelsberg. Abends fahren sie dann hinüber nach Berlin, wohin ich dann morgen per Rad folgen werde.
Frühstück, alles ist vorbereitet, dann kann es losgehen.
Ein Blick nach draußen, trübe bedeckter Himmel – aber es regnet nicht. Nur etwas dämmrig ist es.
Doch bei der Abfahrt 6.17 Uhr genügt die vorhandene Helligkeit, um ohne Licht zu starten.
Bis zum Cospudener See, an der Elsterbrücke Ritter-Pflugk-Strasse, wo wir uns 7 Uhr treffen wollen, muss ich mich nun gewaltig sputen, Steffen wird schon warten. Und es ist doch etwas spät geworden. Auf dem neuen Merida Speeder T3 rollt es fast wie auf dem Rennrad, auch hier ist ab und zu ein recht entspannter 30er-Schnitt drin. Trotzdem ist es zehn nach sieben (ca. 24 km), als ich am Treffpunkt ankomme.
Steffen ist bereits da, aber er wartet zum Glück noch nicht lange. Na dann auf…
Er gibt zu Anfang mächtig Gas, ich will da lieber nicht bremsen und ihm meinen langsameren Stil aufdrücken. Wir rollen also zügig in Richtung Westen – auf gewohnter Strecke über Knauthain, Starsiedel bis Weißenfels.
Steffen kennt den Saaleradweg ganz gut, so fädeln wir uns also in Weißenfels darauf ein und dann radeln wir lange Zeit direkt am Fluss entlang. Da es hier keine nennenswerten Steigungen gibt, kommen wir auch hier gut voran. Und der Weg ist sehr schön, ich war hier noch nie, fuhr bisher immer Straße, und muss sagen, ich bin begeistert von der schönen Landschaft.
Kurz vor Naumburg ist die erste Pause angesagt, wir haben ca. 70 schnelle Kilometer in den Beinen – doch alles ist im grünen Bereich.
Der Saaleradweg ist nicht durchgehend asphaltiert, gut, dass wir auf den „normalen“ Rädern unterwegs sind, das geht auch auf Sand und Schotter. Doch vom Juni-Hochwasser, welches gerade hier extrem schlimm war, sind keine Spuren mehr zu sehen.
Der Blütengrund, die Unstrut-Mündung, am anderen Flussufer Weinhänge, durchsetzt von Muschelkalkfelsen. Das ist einfach schön und sehenswert.
Bad Kösen, dann drüben die Rudelsburg und Burg Saaleck, das letzte Mal war ich auf dem Vorbereitungs-300er für die Ostseetour 2008 hier. Nun weiter auf der Straße bis Großheringen, von wo wir der Ilm im idyllischen Tal bis Bad Sulza und weiter bis Obertrebra, kurz vor Apolda, folgen.
Es trübt sich leider immer mehr ein, ein wenig Sonne wäre schön.
Aber na ja… Die letzten Hitzetage waren auch nicht besonders gut zum Langstreckenradfahren.
Die Gegend hier ist mir noch bekannt vom Hochzeitstagswochenende 2006, welches wir in Bad Sulza verbrachten. Damals fuhren wir zu Viert fast die gleiche Strecke.
Am Ortsausgang von Obertrebra ist kurze Pause angesagt, Steffen muss an der Tanke Wassernachschub kaufen.
Dann geht es nach 95 Kilometern endlich bergauf. Und das richtig.
Das Sträßchen bringt uns auf den nächsten zwei Kilometern schnurgerade von ca. 150 Metern auf 350 Meter Höhe. Aber mit dem richtigen Gang und der richtigen Frequenz stellt das an sich kein Problem dar. Steffen hat jedoch massive Probleme mit dem linken Knie, er muss sich viel Zeit lassen. Doch was solls – Zeit haben wir genug – nur keinen sinnlosen Stress.
Während ich oben warte, kann ich im trüben Dunst kann bis zum Ettersberg gucken.
Oben auf der Saaleplatte angekommen, geht es nun wellig über die Höhe und durch verschlafene thüringische Dörfer hinüber nach Dornburg.
Dort, direkt an der Abbruchkante zur Saale hinab, an einem der kleinen feinen Schlösser, machen wir die nächste Rast. Wir haben nun ca. 110 km zurückgelegt, es ist frühe Mittagszeit.
Um uns herum ist Einiges los, im Schlossgarten lässt sich gerade ein Brautpaar fotografieren und dann spricht uns noch ein älterer Herr an, von dem wir in wenigen Minuten auch eine Menge Dinge aus seinem Leben erfahren. Seine Frau hat sich heimlich zurück gezogen und lässt ihn schwätzen. Na ja…
Nach der Pause folgt eine rasante Schussfahrt sehr steil hinab ins Saaletal, die die Bremsen stark fordert, denn mir sitzt schon ein wenig Angst vor einem erneuten Sturz im Nacken. Riskieren will ich lieber nix. Also muss dieses Mal Steffen unten auf mich warten.
Dorndorf, ein paar Kilometer nordwärts auf stark befahrener Bundesstraße und dann sind wir froh, endlich wieder auf die Nebenstraßen zu können.
Der folgende Anstieg führt aus dem Saaletal von 150 Meter zunächst recht seicht, dann aber zunehmend steiler werdend durch ein schönes bewaldetes Tal bis Wetzdorf, wo wir wieder 350 Meter Höhe erreichen.
Weiter geht es dann auf einer leider wieder recht stark befahrenen Straße im permanenten Auf und Ab in Richtung Hermsdorf. Etwas entfernt kann man östlich die A9 erblicken, einige Zeit später
nach einem noch einmal sehr heftigen Stich wechseln wir auf einen Fahrweg im Wald und queren die Autobahn kurz vor Bad Klosterlausnitz.
Leider bricht hier die Lenkerbefestigung meiner Kamera. Aber es hat zu regnen begonnen, also nicht schade, dass ich nun mit dem Filmen aufhören muss.
Bad Klosterlausnitz, der letzte (?) Anstieg, dann ist das Mühltal gut ausgeschildert und wenige Minuten später sitzen wir auf der mit einer Plane überdachten Terrasse an einer Mühle und gönnen uns ein Hefeweizen. Kühl ist es hier oben, zudem regnet es ab und zu recht heftig.
Schade…
Es ist ca. 14 Uhr, ungefähr 135 Kilometer sind absolviert.
Durch das Mühltal und auf dem Radweg bis Hartmannsdorf rollen wir im Anschluss sehr zügig, Steffen kennt auch den Elsterradweg, den wir kurz darauf nehmen und damit die Bundesstraße vermeiden können.
Allerdings hat es dieser Weg auch in sich, der führt nicht direkt am Flüsschen entlang, sondern nimmt jeden kleinen Querkamm mit. Die Gegend ist sehr schön, bei Sonne sicher noch viel schöner, aber nach über 150 Kilometern reicht es heute langsam.
Zeitz, eine offensichtlich sterbende Stadt – Ruinen, trostlose Straßenzüge… Oder sieht das in anderen Stadtvierteln besser aus.
Kurzer Getränkekauf vom Steffen am Stadtrand, dann fahren wir in Richtung Groitzsch weiter. Und in Könderitz trennen wir uns schließlich gegen halb vier bei Kilometer 173.
Steffen radelt via Groitzsch und Pegau an der Elster weiter, ich fahre über Lucka, Ramsdorf, Deutzen.
Die Gegend ist hier trostlos, grau, trübe, schmutzig, ebenso nagt das nieselige Wetter an meiner Laune. Außerdem bin ich die Strecke oft gefahren, es gibt keine Ablenkungen oder Überraschungen, sondern nur noch den zunehmenden Kampf und Krampf, das Ding zum Ende zu bringen.
Physisch geht es mir gut, aber die Motivation leidet enorm.
Und morgen die Berlin-Tour! Was soll das werden?! Habe ich mich da ein wenig überschätzt?!
Lobstädt, Eula – kurze Rast im Bushäuschen, Thierbach, Oelzschau – es riecht nach Heimat. Der Regen hat zum Glück aufgehört.
18.05 stehe ich schließlich wieder vor der Haustür, hier hat es scheinbar gar nicht geregnet.
Auf dem Fahrradcomputer stehen 239,17 km in 9:48:30 Std. Nettofahrtzeit.
Das ist inkl. der Bergeinlage für meine Verhältnisse ganz ordentlich auf dem „Normal“-Rad.