Lichtpünktchen-Knipserei

Paaah, das sind doch wieder nur ein paar schnöde Lichtpünktchen auf den Bildern. Viel Dunkel, dazu noch ein wenig verrauscht und verstreut ein paar weiße Punkte…

Der Himmel ist klar, zu weiten Ausflügen reicht die Lust dann allerdings doch nicht, also geht es nur in früher Morgenstunde hinaus in den Garten. Die Müdigkeit ist nach der Woche noch groß, aber die Chance, den Mars UND dann noch die Venus auffällig hell am Morgenhimmel zu erleben, ist die Mühe wert.
Und es wurde nicht zuviel versprochen, rötlich hebt sich der helle Punkt des Mars am Südwesthimmel deutlich von den anderen Pünktchen ab. Auf Grund seiner Farbe wurde der rote Planet wohl durch frühere Generationen als bedrohlich empfunden und nach dem Kriegsgott Mars bezeichnet. Na das ist doch schon etwas… Die Kälte dieses Septembermorgens ist schon (fast) vergessen. Klappern und Zittern kann man später nachholen.

Und dann die Venus, südöstlich am Himmel, wo sich schon erste Lichter des neuen Tages zeigen, in strahlend weißem Glanz – das ist schon schön 🙂 Eine Pracht für das (verschlafene) Auge – wenn man geflissentlich vergisst, welche Gifthölle sich unter den dichten Wolken dieses Planeten befindet.

Auf den Aufnahmen ist später am Mond deutlich der graue Teil zu erkennen, der vom Erdschein, also dem Sonnenlicht, welches von der Erde reflektiert wird, beleuchtet wird. Kuhl – um es kurz zu sagen…

Auch die weißen Spritzerchen im Sternbild Krebs östlich der Venus – das ist kein Objektivfehler oder eine ungewollte Lichtreflektion, das ist ein sogenannter offener Sternhaufen, der M44 – Praesepe, in einer Entfernung von ca. 600 Lichtjahren und einem geschätzten Alter von 600 -700 Mio. Jahren, also nach universellen Maßstäben noch blutjung. Auf Grund seiner recht guten Sichtbarkeit ist der schon seit der Antike bekannt. Wieder was gelernt… Es hört eben nicht auf 😉

683.995.000 (und 1.400.881.000)

Nein, keine Sorge, das sind nicht meine Kontoverbindungen oder die neuen Lottozahlen…
Es sind die ungefähren Entfernungen der Riesenplaneten Jupiter und Saturn mit Stand 10.09.2020 um 21 Uhr von der Erde.
Aus astronomischer Sichtweise ist das nur ein Katzensprung, aber Sechshundertdreiundachtzig-millionenneunhundertfünfundneunzigtausend Kilometer weit weg – mit menschlichen Maßstäben ist das schon fast unvorstellbar. Und erst der Saturn, der ist mehr als doppelt so weit von uns entfernt.
Vergleicht man die Entfernungen mit denen vom 08.09.2020, dann stellt man fest, dass sich in nur zwei Tagen diese beiden Planeten über 3.900.000 Kilometer noch weiter weg von uns bewegt haben. Eine kaum fassbare Geschwindigkeit – und wenn man versucht, sich vorzustellen, dass wir auf unserer Erde sicher ähnlich schnell durch die Weiten des Alls unterwegs sind…
Faszinierend…
Trotzdem kann man die Beiden abends ab der Blauen Stunde am Südwesthimmel mit bloßem Auge gut erkennen. Das ist eigentlich noch erstaunlicher, wenn man überlegt, dass Jupiter und Saturn zwar im Vergleich zur Erde riesig sind, aber mit 139.2820 km bzw. 116.460 km Durchmesser nicht wirkliche Übergrößen besitzen. Trotzdem reicht das bisschen Sonnenlicht, welches sie erreicht, immer noch gut aus, um sie uns als hellleuchtende „Sterne“ zu präsentieren.
Mit den normalen „Hausmitteln“ ist es sogar möglich, sie gut erkennbar abzulichten. D.h., mit nur einer 200er Brennweite sind zum Einen diese Beiden und dann sogar noch Weiteres gut zu erkennen.
Vergleicht man unsere recht fortgeschrittene technische Ausstattung mit der von Galileo Galilei vor ca. 450 Jahren, empfindet man den allergrößten Respekt vor diesem Mann, der nicht nur das bisherige Weltbild gründlich verändert, sondern nebenbei auch noch auf die 4 Lichtpunkte neben dem Jupiter aufmerksam wurde und richtig erkannte, dass die täglich ihren Standort veränderten und sich zu allem Überfluss nicht um die Erde drehten, sondern ihre Bahnen offensichtlich um den Jupiter zogen.
Richtig – gemeint sind die Galileischen Monde – erkennbar auf den nachfolgenden (stark gecroppten) Fotos, deren Qualität mir die richtigen Astronomen und Astrofotografen bitte verzeiehn mögen. (vielleicht ist ja mal noch ne bezahlbare Nachführung mit drin)
Eindrucksvoll, welche enormen Entfernungen diese Trabanten ebenfalls in nur wenigen Tagen um ihren Planeten zurücklegen.

In diesem Sinne kann Euch der immer noch staunende uHu wirklich nur empfehlen, einmal (gern auch mehrmals) den Blick abends gelegentlich zum Südhimmel zu richten und sich an diesem recht seltenen Anblick zu erfreuen. Mit einem normalen Feldstecher könnten sogar die Galileischen Monde erkennbar sein.
Freuen wir uns ebenfalls auf die „dunkle“ Jahreszeit, die uns an den langen Abenden noch manches überirdische Schauspiel bieten wird.