Der Chef

Ups, da platschte doch etwas ins schlammige Restpfützenwasser unseres fast versiegten Flüsschens. Tolpatschig und ahnungslos, wie der Hobyfotograf nun manchmal ist, hat er es doch geschafft, die hier noch existierende Froschpopulation in die Flucht zu schlagen.
Er ist sich sicher, nun wird er aus sicherer Position von zig Glubschaugen scheel und seehr aufmerksam beobachtet.
Aber dort sitzt doch tatsächlich noch Einer!
Schläft der?
Hat er es verpasst, den Anderen zu folgen?
Der uHu wird das Gefühl nicht ganz los, dass das prächtige Exemplar, dem er sich nun gaaanz vorsichtig bis auf Fotografierweite nähert und sich dann ebenso gaaanz behutsam ins Gras setzt, wohl nicht verschlafen, sondern eher ausgesprochen mutig und verantwortungsvoll wirkt.
Mit starrem Blick nimmt er den Eindringling ins Visier und macht keine Anstalten, sich aus dem Staub zu machen.
Ist ja ok, ich schäme mich ja, Euch Ungelegenheiten zu machen – aber wenn doch noch ein Foto gestattet wäre…
Danke.
Mit einem Bückling tritt unsereiner nun den Rückzug an.
Platsch – der Chef hat sein Ziel erreicht, springt nun auch ins Wasser, um den Seinen das Signal zu geben, dass der große dunkle Typ da oben endlich verschwunden und die Luft wieder rein ist.

Korrektur zum Beitrag: Der Vorbote – für Interessierte

Die Anfrage im Lepiforum hat ergeben, dass es sich um einen Kaisermantel und nicht um einen Kardinal handelt. Die Zeichnung der Unterseite sei da eindeutig.

Sooo weit nördlich ist dieser offenbar doch noch nicht anzutreffen.

Der Vorbote

Hmmm, das ist kein gewöhnlicher Bräunling. Dieser hier ist größer und um Einiges schneller dreht er seine Runden um die Blüten und Sträucher.
Aber auch jetzt hilft das Lockmittel Sommerflieder – Erfolg, Volltreffer, Punktlandung.
Kann das ein Perlmutterfalter sein? Nein, dafür ist er zu groß. Ein prunkvoller Kaisermantel? Könnte sein, aber die Zeichnung auf der Flügeloberseite – nein, eindeutig nicht.

Also muss schlussendlich wieder einmal der Schmetterlingsführer – nein der nicht – merkwürdig, unter den einheimischen Faltern ist er nicht zu finden – das findet zumindest der glückliche Fotograf angesichts der Fotos sehr eigenartig.
Aber ein Bestimmungsbuch, welches auch Arten aus südlicheren Regionen beinhaltet, gibt Aufschluss.
Tatsächlich ist hier ein Grüner Silberstrich, auch Kardinal genannt, unsereinem vor die Linse geraten.
Lt. Wikipedia ist er ursprünglich auf der Iberischen Halbinsel oder auf den Kanaren beheimatet, im Mittelmeerraum, Vorderasien bis Nordwestindien verbreitet, zugewanderte Exemplare wurden auch in der Südschweiz, im Wallis gesichtet.
Aber bei uns, so weit im Norden?!
Die Begeisterung über den Fund ist groß – aber – so recht froh werde ich nun doch nicht ganz.

Ein gutes Zeichen ist es wohl eher nicht, dass sich die Gäste aus dem „tiefen“ Süden mittlerweile bis zu uns verirren – ist er ein weiterer Vorbote?
Erste Störche haben schließlich auch schon den letzten Winter bei uns verbracht und Nattern aus dem warmen Kalifornien fühlen sich offenbar mittlerweile auch in Deutschland wohl und sind ein konkurrenzloses Risiko für die einheimische Eidechsenwelt.
Aber – nun erfreuen wir uns trotzdem erst einmal an dieser ausgesuchten Schönheit.