Polarlichter über Deutschland – 12.11.2025

So ein bisschen ist es schon wie ein Baden in der Glückseligkeit. Na zumindest ansatzweise…

01.50 Uhr brummt das Handy.
Was denn?
Ein verschlafener Blick, die letzte Nachricht ist von der Jüngsten… Aber 1.50 Uhr! In der Woche…
Oder? Nein, das ist die Aurora-App, die hat es brummen lassen.

Gestern Nachmittag verriet ein neugieriger Blick ins Polarlicht-Forum, dass es am Tag zuvor Sonneneruptionen der Stärke X1 gab. Das ist ganz schön heftig und genau diese Plasmaauswürfe sollten in dieser Nacht auch die Erde treffen.
Tja, nur die prognostizierte Zeit, ab ca. 3 Uhr ist schon etwas nutzerunfreundlich. Sollte man sich das tatsächlich antun?

Aber nun brummte eben das Handy, erstaunlich wach ist man nun schon einmal, da kann man auch aufstehen, mal die Kamera für eine Testaufnahme kurz hinaushalten. Sternklar, bis auf dünne Nebelschleier. Schleierwolken…
Das Thema Schleierwolken und Polarlichter hatten wir letztens. Aber das war weit oben im Norden, hier sollte das im Zenit wohl eher kaum in Erscheinung treten.

Der KP-Index von 7 ist auf 7,67 hochgeschnellt.
Uiiii, das geht schnell.
Also flugs in die Sachen gesprungen, das Notfall-Pack, also den vorbereiteten Rucksack mit Kamera Stativ, Fernbedienung und Akkus geschnappt und ab aufs Fahrrad.
Binnen weniger Minuten steht der uHu auf den Wiesen am Flüsschen. Nebelschwaden ringsumher, langgezogene dünne Wolken am Himmel, Sterne, Mond und nur wenig Lichter ringsum. Die Welt schläft.
Erste Aufnahmen in Richtung Nord-Nordost, hinüber zum Großen Wagen, der gerade auf der Deichsel balanciert…
Ein rötlicher Schimmer… Mit viel gutem Willen könnte man das als ein dünnes kleines Polarlichtchen deuten.
Der KP-Index ist mittlerweile bei 8, dann 8,33.
Bemerkenswert, das hatten wir seit Mai 2024 nicht. Aber dieses Schimmerchen? Das kanns doch nicht gewesen sein.

Abwarten, ein wenig noch.
Infolge der Aufregung friert man auch bei 3°C nicht.
Der Nebel ist übrigens auch schön, die Wolkenstreifen ebenso…
Dann wieder ein roter Schimmer in nördlicher Richtung. Es wird gegen 2.30 sein. Der Schimmer wird stärker, heller. Er wird zum Bogen, jetzt ist auch mit bloßem Auge dieses Licht dort genau zwischen den Bäumen mit einer rötlichen Färbung zu erkennen.
Immer stärker wird das, das Kameradisplay zeigt Strukturen, einen Beamer…
Ach – das ist schön.
Das Licht verändert sich, die Form, die Helligkeit, die Strukturen, lässt man die Aufnahmenserie durchlaufen, sieht man, wie es sich bewegt.
Stille ringsum, Nebelbänke, Sterne, Mond – und dieses Licht da im Norden.
Würde man nicht gerade die kalten Finger spüren, könnte das auch ein Traum sein.

Und was für ein schöner Traum das wäre – ist.

Später, als man sich noch ein, zwei Stündchen Schlaf gönnt, ist man erstaunt, dass wir für dieses Wunder über 2500 Kilometer in den Norden reisten. Und dabei kann man es doch auch vor der Haustür haben.
In den Foren wird zuerst darüber berichtet, später macht die Information die Medien-Runde, am 11.11. gab es eine Eruption der Stärke X5 und auch diese ist in Erdrichtung unterwegs und soll uns ab dem Nachmittag des 12.11.2025 erreichen.
Schauen wir, was der folgende Abend für uns bereit hält. Die Wetterbedingungen werden wohl noch einmal stimmen.

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