Traumzeit

Zum Ende der kleinen Riesengebirgsserie möchte ich Euch noch ein Bild der unvergesslichen Nachtwanderung hinauf zu den Mädelsteinen nicht vorenthalten.

Traumzeit

Das Essen in der Baude war richtig gut, nun ist es fast dunkel, als wir ausgeruht den Berg höher und höher steigen.
Auf die Stirnlampe können wir verzichten, vom mit dünnen Wolken bedeckten Himmel scheint der Mond ausreichend hell, so dass man gut auf dem steinigen Weg nach oben voran kommt.
Der Wind frischt allmählich etwas auf, kälter wird es, noch wenige hundert Meter, Knieholz ringsum, unvermittelt ein freier Blick auf die Lichtermeere im Norden, im polnischen Vorland.
Schwarz ragen sie dann vor uns auf, die Felsen der Mädelsteine, 1400 Meter sind wir jetzt hoch und die Lichter der Zivilisation weit unter uns.
Drüben im fahlen Mondlicht der Gipfel des Maly Sisak, des Kleinen Rads, dahinter die Kuppe der Schneekoppe, eigenartige Wolken darüber.
Sind wir höher als der Mond mit seinem Halokranz?
Fremd, unwirklich, surreal…

Erscheinung(en)

Und dann verfehlt auf dem Rückweg auch auf unsereinen die im Nebel wie eine Erscheinung auftauchende Kirche ihre Wirkung nicht.

Mystisch

Man könnte jetzt chronologisch über den Ablauf dieses Fotoausflugs schreiben,
der uHu ging in die Wiesen, der Nebel verdichtete sich, er machte seine Aufnahmen und ging zurück…

Oder – man könnte auch etwas weiter ausholen und den Versuch unternehmen, das subjektive Empfinden dieser besonderen kleinen Tour nicht nur in Bilder sondern auch in Worte zu fassen.
Also so z.B.

Kinderstimmen… Kinderstimmen? Wo kommen die hier, abseits der Siedlung im immer dichter werdenden Nebel her?
Ein Knacken im nahen Schilf, ein Tier…
Kinderstimmen hier in der immer undurchdringlicheren Finsternis?
Man muss nicht gerade ein Angsthase sein, um jetzt ein merkwürdig leicht angespanntes Gefühl zu spüren.
Ach – Unsinn – Kinderstimmen – drüben, dort wo die Lampen im Dorf leuchten, da werden die Eltern sich und ihren Kindern nach dem langen Corona-Lockdown-Tag wenigstens auf kurze Zeit mal ein wenig Auslauf im Freien gönnen, der Nebel verwischt alles, Licht, Geräusche, Entfernungen…
Dunkel stehen die Silhouetten der Baumgruppen, der Restschnee, der nicht nur langsam unbemerkt verdunstet, sondern verdampft und diese Waschküche entstehen lässt, glänzt fahl auf den Wiesen. Morgen wird er verschwunden sein.
Nass und schwer ist die Luft, drückt hernieder, doch die eigene Stimmung ist eher entspannt und locker – jetzt nachdem das Rätsel der Kinderstimmen solch eine natürliche Erklärung fand – froh, dass sich ein trister Arbeitstag so eindrucksvoll schön wieder einmal in den Nebelwiesen beenden lässt.
Fotografieren ist doch ein wunderbares Hobby, um diese Momente aufzuspüren, einzufangen, zu bewahren und weiter zu geben.

Abend am See (3)

Den ersten Versuch eines zweizeiligen Panoramas möchte ich nicht vorenthalten. Lange mangels entsprechend schneller Technik und der nötigen Software nicht möglich, lassen sich nun die ersten Gehversuche auf diesem Terrain unternehmen. Mehrzeilige Panoramen haben den Charme, einen wesentlich größeren Bildausschnitt zu erfassen – vielleicht ist das Wissen später mal ganz günstig für Aufnahmen der Milchstraße.

Dieses Pano entstand aus 2 x 6 Hochformataufnahmen mit jeweils einer Brennweite von 24 mm. Vorbereitet wurden die Bilder mit Lightroom, zusammengefügt schließlich mit der Freeware Hugin, ehe dann in Lightroom der Feinschliff erfolgte.

Abend am See (2)

Etwas weiter stehen Jupiter und Saturn ganz dicht beisammen über den Bäumen gegenüber und spiegeln sich im See.
Wunderschön.
Also bauen wir nochmal auf und konservieren es damit…
Mit den gelungenen Wunsch-Aufnahmen im Gepäck rollt es nun ganz entspannt durch die Dunkelheit wieder zurück nach Hause.

Schön wars.


Abend am See (1)

Nach der „Pleite“ von letztens lauerte der Radelnde uHu natürlich auf die nächste Chance.
Und die ergab sich doch tatsächlich nach einem gar nicht mal so wolkenlosen Tag eine reichliche Woche später. Hin und her, fahren oder nicht fahren, kühl ist es, dunkel wirds auch, nach dem Arbeitstag hält sich die Lust auf einen neuerlichen Ausflug ins Ungemütliche angesichts der Vorweihnachtsstimmung im Haus doch sehr in Grenzen – aber endlich siegte dann doch die Einsicht in die Notwendigkeit 😉 (um an dieser Stelle mal noch ein Zitat vom Herrn Friedrich Engels in anderem Zusammenhang zu bemühen) – kurz gesagt, nach x-maligem Prüfen des Fotozubehörs im Rucksack (sicher ist sicher) geht es wieder auf Tour zum See. Noch ist es nicht ganz dunkel, im Westen strahlen noch die schönen Dämmerungsfarben der untergegangenen Sonne, die schmale Mondsichel und in unmittelbarer Nähe Jupiter und Saturn um die Wette. Ein Platz am Ufer wurde schon vor Tagen ausgeguckt, zum Glück ist es noch ausreichend hell, mit dem Rad am Ufer entlang zu krabbeln, ohne ins Wasser zu fallen und Stativ nebst Kamera aufzubauen. Nicht zu vergessen, den Weichzeichner-Steckfilter, der für die Farbechtheit und Verdeutlichung der helleren Sterne dienen soll und den Anschluss des neuen Funkfernauslösers. Und dann kann es losgehen. Ein wunderbares Bild, das stille Wasser, die Bäume und das Ende der Blauen Stunde, die allmählich erkennbaren Sterne da oben, der Mars ganz hell, im Osten Fuhrmann mit Capella, die Edelsteine der Plejaden und die Hyaden mit dem Aldebaran. Einfach schön…
Stille herrscht, nur unterbrochen vom Verkehrsrauschen der nahen Autobahn und dem Klicken des Auslösers.
Ziel der heutigen Übung soll aber auch mal wieder die Panorama-Fotografie sein, als kleiner Knüller gestaltet sich der Versuch, ein zweireihiges Panorama anzufertigen, um einen größeren Ausschnitt zu erfassen. Ein Experiment, man will sich ja schließlich weiter entwickeln 😉
Die Spannung ist groß, ob das am Ende mit Hilfe der passenden Software am Rechner auch funktioniert.
Nachdem alles im Kasten und die Ausrüstung wieder sicher im Rucksack verstaut ist, radelt der zufriedene uHu noch ein Stück weiter.
Aaah, welch ein Motiv…

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