Riesengebirge – Weiße Elbe

Tief im hinteren Gebirge befindet sich das Tal der Weißen Elbe. In zahllosen Kaskaden und schon vor langer Zeit entstandenen künstlichen Wasserfällen schäumt das Wasser dort bergab. Nur wenige Menschen, der Fußweg bis zur nächsten Baude ist recht weit, verirren sich in dieses abgeschiedene Tal.

Die Baude an der Weißen Elbe lockt mit einer urgemütlichen Atmosphäre und einem leckeren Essen. Und wer mag, kann danach gern den fast alpinen Steig hinauf zur Hochfläche und der Wiesenbaude weiter gehen.

Traumzeit

Das Essen in der Baude war richtig gut, nun ist es fast dunkel, als wir ausgeruht den Berg höher und höher steigen.
Auf die Stirnlampe können wir verzichten, vom mit dünnen Wolken bedeckten Himmel scheint der Mond ausreichend hell, so dass man gut auf dem steinigen Weg nach oben voran kommt.
Der Wind frischt allmählich etwas auf, kälter wird es, noch wenige hundert Meter, Knieholz ringsum, unvermittelt ein freier Blick auf die Lichtermeere im Norden, im polnischen Vorland.
Schwarz ragen sie dann vor uns auf, die Felsen der Mädelsteine, 1400 Meter sind wir jetzt hoch und die Lichter der Zivilisation weit unter uns.
Drüben im fahlen Mondlicht der Gipfel des Maly Sisak, des Kleinen Rads, dahinter die Kuppe der Schneekoppe, eigenartige Wolken darüber.
Sind wir höher als der Mond mit seinem Halokranz?
Fremd, unwirklich, surreal…

Kochelfall

Der Wodospad Szklarki / Kochelfall bei Szklarska Poreba / Schreiberhau ist einer der höchsten Wasserfälle im Gebirge. Der Legende nach sollen sich hier Rübezahls Schatzkammer und Grab befinden.

Riesengebirge

Eine ganze Weile habe ich überlegt, wie man sich diesem wunderbaren Landstrich auch in Worten annähern kann. Dieses Gebirge sozusagen fast vor der Haustür zählt zu den Gegenden, die ohne Bedenken als zweite Wunsch-Heimat bezeichnet werden können. Die Berge, die sich jäh als eine Mauer über dem Talkessel von Jelenia Gora (ehemals Hirschberg) erheben, die kalhlen Höhen und Kuppen mit ihren Blockfeldern über den dicht bewaldeten Hängen. Gerade im Herbst hat dieses Gebirge mit seiner Farbenpracht und den jähen Wetterwechseln einen ganz besonderen Reiz
Welche Assoziationen stellen sich beim Gedanken ans Riesengebirge zuerst her –
Zum Beispiel verbindet man es mit der Erinnerung an die urigen Bergbauden, dem Angebot an guter böhmischer Küche, in denen man gern etwas länger verweilen möchte, besonders, wenn draußen der Sturm ums Haus fegt und Schnee in dichten Flocken fällt, das wissen die Menschen schon seit langer Zeit zu schätzen.
Rübezahl, na selbstverständlich – die Legenden, die um den Berggeist mit seinen vielen, teils widersprüchlichen Eigenschaften entstanden sind.
Caspar David Friedrich und seine eindringlich wirkenden Gemälde, die nicht nur bloße Landschaftsabbildungen sind. Auch Carus war war hier…
Gerhard Hauptmann, der auf der jetzt polnischen Gebirgsseite in Agnetendorf Kindheit und Jugend verbrachte.
Die Fotografien von Karol Nienartowicz…

Wir haben den Kilimanjaro bestiegen, waren in Nepal, auf dem Toubkal in Marokko, auf dem Teide, dem Monte Rosa und hatten angesichts des Großen und Gewaltigen das Schöne in der Nähe fast vergessen.
Nun ist es seit Jahren immer wieder wie eine Art Heimkehr, wenn man an den Felsgruppen der Mädelsteine, über den Schneegruben oder auf der Schneekoppe steht.
Seltsam..

Birkenwälder

Nachdem wir uns einige Zeit durch den vom Sturm arg in Mitleidenschaft gezogenen Wald mit seinen gebrochenen und umgestürzten Bäumen gemüht haben, öffnet sich der Blick noch einmal und gibt einen vom milden Herbstsonnenlicht durchfluteten Birkenhain frei. Zeit zum Schwelgen in üppigen Farben und Lichtern…

Wellen

Weitere Bilder findet Ihr in dieser Galerie

Zeit haben wir, unsere Urlaubstage sind nicht davon bestimmt, das Eine oder Andere, jedes kulturelle oder landschaftliche Highlight „abarbeiten“ zu müssen.
Treiben lassen, langsam, die Augen und Sinne offen halten, für das, was zu sehen, zu hören und zu riechen ist. Das Rauschen der Wellen zum Beispiel.
Nimmt man sich die Zeit, Wellen zu beobachten, dann fällt heute auf, dass sich das Wasser zu langgezogenen Bergen bei diesen Windverhältnissen auftürmt. Sie wachsen, wachsen, dann ist plötzlich der kritische Punkt erreicht, an dem an einer Stelle die Welle bricht. Und wie eine Kette von fallenden Dominosteinen setzt sich das Brechen der Welle längs des ganzen Wellenberges fort, bis die Wasser auf den Strand prallen und scheinbar von der nächstfolgenden Welle zurück ins Meer aufgesogen werden.
Das menschliche Auge kann dem kaum folgen, aber die Kamera fängt es ein und je nach Belichtungszeit gelingt es, die Bewegung sichtbar zu machen, diese Linien, diese Farben des Wassers, dieses Auftürmen und Brechen.
Oder andere Betrachtungsweise, das Erfassen des 1000stel-Sekunden langen Moments, dieses Einfrieren der Woge zu einem Bild geschmolzenen Glases.

Im Mondlicht

Das Warten hat sich gelohnt, irgendwann machte sich der Schwan tatsächlich auf den Weg, zunächst schien er schon geschlafen zu haben, tut mir den Gefallen und schwimmt genau in die Mondlichtreflexe auf dem Achterwasser .

Zugegeben…

Es ist eine Möwe und keine Schneeammer, die hier gegen die Elemente kämpft. Und wir befinden uns auf Usedom und nicht auf der Snaefells-Halbinsel am Gletscher.
Aber der Gedanke an Laxness lag in diesem Moment recht nahe.

„Oft scheint mir, mit der Allmacht verhält es sich so wie mit einer Schneeammer, gegen die sich alle Wetter verschworen haben. So ein Vogel wiegt nicht mehr als eine Briefmarke. Dennoch wird er nicht hinweggefegt, wenn er bei schwerem Sturm auf freiem Felde steht. Haben Sie jemals den Kopf einer Schneeammer gesehen? Sie hält diesen zarten Kopf dem Unwetter entgegen, den Schnabel zur Erde, legt die Flügel fest an die Seiten, der Schwanz zeigt nach oben. Der Sturm kann den Vogel nicht packen, sondern er muß sich spalten. Selbst in den schlimmsten Böen schwankt der Vogel nicht. Wo er steht, ist Windstille. Nicht einmal eine Feder an seinem Körper bewegt sich.“

aus: Halldor Laxness: Am Gletscher (1968)

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