Ewigkeiten

Der Dolmen, ein Großsteingrab, welches hier schon seit 5000 Jahren, also seit menschlich gefühlten Ewigkeiten steht.
Da läuft einem glatt ein Schauer über den Rücken.
Es ist ein magischer Ort – das spürt man in diesem Moment und das klingt auch nicht zu pathetisch – was ist hier noch außer uns, was hat sich hier seit 5000 Jahren gesammelt, was geht hier um?
Und darüber der Sternenhimmel, die Milchstraße, MIllionen, Milliarden, Billionen glitzernder Gestirne, die unvorstellbar viel älter als dieses menschengemachte Bauwerk sind.
Man kann diese Ewigkeiten fast fühlen…

Dolmen (2)

Making-of
Als wir mit den Familien im Restaurant am Hafen essen, wird es rasch dunkel. Die Rucksäcke mit der Fotoausrüstung haben wir bereits mit, so dass wir im Anschluss keine Zeit verlieren und von dort sofort mit den Fahrrädern aufbrechen können.
Nach zehn Minuten ist am südöstlichen Ortsrand das Ziel erreicht.
Noch ist es nicht ganz dunkel, der zunehmende Mond steht noch tief im Südwesten und erhellt die eigenartige Szenerie.
Und passend dazu entsteht das erste Bild.
Mann in Betrachtung des Mondes – frei nach C.D.Friedrich.
Das Licht, welches die Kamera sammelt, ist dafür einfach fantastisch.

Als der Mond hinter dem Horizont verschwunden ist, wird der Blick auf den Sternenhimmel klarer und nun kann man in der Dunkelheit auch mit bloßem Auge an diesem wunderbaren Ort die Milchstraße erkennen.
Ganz ungestört verläuft die nächste Stunde jedoch nicht, von der Straße her erhellen immer wieder die Autoscheinwerfer die Szenerie, meist ungewollt, Mist, auch dieses Bild, die letzten 20 Sekunden sind wieder für den Papierkorb. Und als dann noch jemand mit flackernder Stirnlampe samt Hund über den Acker stiefelt, entfährt Freund U. ein etwas unwirsch laut geäußertes „Licht aus!!!“, dem sofort Folge geleistet wird.
Wie sich herausstellt, handelt es sich um eine nette Fotografin aus dem Rheinland, die just dieselbe Bildidee umsetzen möchte. Ehemann und Hund werden zurückgeschickt und nun kann es wieder ans Werk gehen.
Saturn und Jupiter über Dolmen, auch ganz nett…
Wenn man im Dunklen steht, bemerkt man kaum, dass es immer noch dunkler werden kann, aber auf den Aufnahmen wird es deutlich, wie sich immer besser die Milchstraße heraus kristallisiert.
Und dann ist es endlich im Kasten – das Bild – die Idee, ist damit wohl am anschaulichsten umgesetzt.

Dolmen (1)

Die Bildidee gab es schon eine ganze Weile.
Auch an der Ostseeküste gibt es zahlreiche Dolmen, vor allem auf Rügen, aber auch an der Küste westlich von Rostock. Als Dolmen werden Großsteingräber in verschiedenen Formen bezeichnet, der Begriff stammt aus dem Bretonischen und wurde von Théophile Malo Corret de la Tour d’Auvergne im 18. Jh. eingeführt.
In früheren Jahren waren mir diese Gräber, egal in welcher Form, lediglich als Hünengräber bekannt. Die Dolmen an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern entstanden vor allem in der Zeit von 3500 bis 2800 v. Chr.
Seitdem bekannt war, dass sich im Umkreis unseres Urlaubsortes mehrere Dolmen befinden, entstand augenblicklich vor dem inneren Auge ein Wunschbild. Auch der Titel stand sofort fest.
Nun musste nur ein geeigneter Standort gefunden werden und die Bedingungen für dieses Foto sollten stimmen.
Also ging es bei Tageslicht zunächst erst einmal auf eine ausgedehnte Dolmen-Rad-Runde, bei der wir die einschlägigen Lokalitäten in Augenschein nahmen.
Letztendlich fiel dann die Wahl auf ein für das Bildvorhaben ideal geeignetes Großsteingrab südöstlich unseres Dörfchens. Auf einer leichten Anhöhe stehend, von alten knorrigen Bäumen gesäumt, mit freiem Blick auf die Meeresbucht und nach Südwesten. Das passte hervorragend.