Böhmische Idylle

Die Gegend südlich des Vogtlandes in Tschechien besticht durch seine sanften geschwungenen Wald- und Wiesenlandschaften, das milde Egertal und die sich allmählich in der Ferne verlierenden blauen Bergketten. Zwischendrin gibt es pompöse Kurorte, winzige, verlassene Dörfer, schmucke alte Städtchen und Burgen, welche so ganz anders aussehen, als die, die wir aus unserer Region kennen.

Nicht vergessen sollte natürlich auch man eine Einkehr in einer der Gaststätten zu lecker-deftiger böhmischer Küche und einem guten böhmischen Bier vom Fass.

Cheb – Eger

Eger – Ernst Mosch und die Egerländer Musikanten? Auch die…

Cheb, Eger, eine sehenswerte Kleinstadt kurz vor der bayrischen Grenze, am gleichnamigen Fluss gelegen, ist ein äußerst geschichtsträchtiger Boden.

Nicht erst seit Golo Mann weiß man, dass Wallenstein hier in dieser Stadt im Dreißigjährigen Krieg ermordet wurde. Wie auch in manch anderen Fällen fragt man sich ab und zu, wäre wohl die Geschichte weiter verlaufen, wenn er am Leben geblieben wäre…

Eger, Braunkohle, Dreck, Ruß, sterbende Wälder, verfallende Häuser, Dörfer, Städte, wir sind hier am Rand des nordböhmischen Braunkohlereviers, aber in der Stadt selbst ist davon nichts mehr zu spüren oder zu sehen. Nach der Wende hat man es, wie auch in zahlreichen anderen tschechischen Städten, verstanden, aus der Altstadt ein wahres Schmuckstück zu machen. Cheb – Eger, unweit vom Kurort Frantiskovy Lazne – Franzensbad, ist auf jeden Fall einen Ausflug wert.

Soos

Vielleicht wird mit diesen Fotos der (etwas schräg erscheinende) Vergleich zum Yellowstone etwas berechtigter 🙂

Interessierte können hier Konkretes nachlesen und eine Übersichtskarte gibt es hier https://www.info-marienbad-tschechien.de/naturlehrpfad-soos-torfmoor/

Im (tschechischen) Yellowstone

Denkt unsereiner an Yellowstone, sind da sofort die Bilder von bunten Mineralien in den dampfenden Wasserbecken, emporschießenden Geysiren, von Wölfen und unbegrenzter Wildnis vor Augen. Als Nächstes fallen mir „Magmablase“ und „Supervulkan“ ein, von dem man hofft, dass uns die Explosion nicht zu Lebzeiten ereilen möge, denn dann würden wohl vermutlich nach den gängigen Szenarien global die Lichter ausgehen. Und das nicht schnell, sondern mit mehrtägigem Verzug, je nachdem, wie sich die Druckwellen und Aschewolken über die Erde verteilen. Ja, gleich vor der Haustür sind da ja auch noch die Phlegräischen Felder bei Neapel, bzw. direkt unter den Vororten der Stadt. Der europäische Supervulkan, von dem es heißt, dass sich dort der Boden unter dem unterirdischen Druck bereits heben würde. Kann man denn da nicht irgendwie den Druck ablassen???

Aber es geht auch ein paar Nummern kleiner.

Wir sind im Moorgebiet von Soos. Noch nie gehört? Soos? Soos ist ein Moorgebiet auf dem Grund eines ehemaligen ausgetrockneten Sees im Ländereck zwischen Sachsen, Tschechien und Bayern, ganz in der Nähe der Stadt Cheb (früher Eger). Aber auch Soos ist nicht irgendein Moorgebiet, schließlich befinden wir uns hier in einer seismisch noch recht aktiven Gegend, vielleicht sind die vogtländischen Schwarmbeben ein Begriff. Das heißt, hier gibt es einige Bewegung und ganz tief im Untergrund schlummert, so vermutet man, ebenfalls Magma. Soos – Yellowstone, zu Geysiren reicht es nicht ganz, aber die CO2 ausgasenden sogenannten Mofetten, zahlreiche kleine eindrucksvolle Blubberquellen und die bunten von Mineralien besetzten Böden… Ganz so abwegig ist der Vergleich also nicht.

Die nahegelegenen Badorte Franzensbad, Marienbad und Karlsbad bedienen sich der Wässer auch aus solchen Blubberquellen.

Das Gefühl, wenn man dieses Gebiet auf Knüppeldämmen durchquert, dass da unmittelbar unter der ungewiss dünnen Kruste etwas Unbeherrschbares schlummert, ist schon etwas eigenartig gruselig.

Dass Soos doch nicht ganz unbekannt ist, beweisen übrigens die aus allen deutschen Regionen stammenden Nummernschilder der Autos auf dem Parkplatz.

Interessierte können hier Konkretes nachlesen.

Und interessante Infos finden sich auch hier.

Wanderung im Böhmischen (4) – das Wunder der 15 Minuten

Schon der Aufstieg zur ehemaligen Burg Schaunstein (Saunstejn) ist über steile Treppen, Leitern und durch enge Schluchten ein Erlebnis. Diese Burg wurde im 14. Jh. zum Schutze der Handelsstraße Böhmen – Lausitz in den Sandstein gehauen. Im 15. Jh. diente sie Raubrittern als Stützpunkt.
Als wir oben ankommen, bietet sich uns ein unvergessliches Schauspiel- die Landschaft im Licht der untergehenden Sonne – einfach nur märchenhaft – und es stellt sich die ernste Frage – Knipsen oder Schauen und ganz tief aufnehmen – am Besten Beides…
C.D. Friedrich hätte seine Freude daran.
Das Wunder der 15 Minuten – zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und über Glück haben wir ja schon mal philosophiert – hier stellt es sich sofort ein.

Wanderung im Böhmischen (3) – bei Vysoka Lipa

Es ist zu schön, nach gemütlicher Einkehr zum Essen, jaaa – auch die Cesnecka, die Knoblauchsuppe muss sein und böhmischen Bierchen geht es zur Felsenburg Saunstejn (Schaunstein). Dabei öffnen sich immer wieder Ausblicke hinüber zu den Bergen, wo wir Ende September schon das Wunder des Nebels in den Gebirgstälern bestaunen konnten.
So schließt sich wieder ein Kreis – und irgendwie ist jede Wanderung hier wie ein Nach-Hause-Kommen.