Im (tschechischen) Yellowstone

Denkt unsereiner an Yellowstone, sind da sofort die Bilder von bunten Mineralien in den dampfenden Wasserbecken, emporschießenden Geysiren, von Wölfen und unbegrenzter Wildnis vor Augen. Als Nächstes fallen mir „Magmablase“ und „Supervulkan“ ein, von dem man hofft, dass uns die Explosion nicht zu Lebzeiten ereilen möge, denn dann würden wohl vermutlich nach den gängigen Szenarien global die Lichter ausgehen. Und das nicht schnell, sondern mit mehrtägigem Verzug, je nachdem, wie sich die Druckwellen und Aschewolken über die Erde verteilen. Ja, gleich vor der Haustür sind da ja auch noch die Phlegräischen Felder bei Neapel, bzw. direkt unter den Vororten der Stadt. Der europäische Supervulkan, von dem es heißt, dass sich dort der Boden unter dem unterirdischen Druck bereits heben würde. Kann man denn da nicht irgendwie den Druck ablassen???

Aber es geht auch ein paar Nummern kleiner.

Wir sind im Moorgebiet von Soos. Noch nie gehört? Soos? Soos ist ein Moorgebiet auf dem Grund eines ehemaligen ausgetrockneten Sees im Ländereck zwischen Sachsen, Tschechien und Bayern, ganz in der Nähe der Stadt Cheb (früher Eger). Aber auch Soos ist nicht irgendein Moorgebiet, schließlich befinden wir uns hier in einer seismisch noch recht aktiven Gegend, vielleicht sind die vogtländischen Schwarmbeben ein Begriff. Das heißt, hier gibt es einige Bewegung und ganz tief im Untergrund schlummert, so vermutet man, ebenfalls Magma. Soos – Yellowstone, zu Geysiren reicht es nicht ganz, aber die CO2 ausgasenden sogenannten Mofetten, zahlreiche kleine eindrucksvolle Blubberquellen und die bunten von Mineralien besetzten Böden… Ganz so abwegig ist der Vergleich also nicht.

Die nahegelegenen Badorte Franzensbad, Marienbad und Karlsbad bedienen sich der Wässer auch aus solchen Blubberquellen.

Das Gefühl, wenn man dieses Gebiet auf Knüppeldämmen durchquert, dass da unmittelbar unter der ungewiss dünnen Kruste etwas Unbeherrschbares schlummert, ist schon etwas eigenartig gruselig.

Dass Soos doch nicht ganz unbekannt ist, beweisen übrigens die aus allen deutschen Regionen stammenden Nummernschilder der Autos auf dem Parkplatz.

Interessierte können hier Konkretes nachlesen.

Und interessante Infos finden sich auch hier.

29 Gedanken zu „Im (tschechischen) Yellowstone

  1. Die Phlegräischen Felder sollen schon am Aussterben des Neandertalers heftig beteiligt gewesen sein. Gruselig diese Supervulkane, aber vulkanische Phänomene im Kleinen sind sehr attraktiv …

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  2. Ein netter Vergleich. Wie alles – in den USA ist es größer 😉 Der Yellowstone ist so wunderbar, ich erinnere mich gerne an meine Reisen daort hin. Aber Dein kleiner Tipp hier ist sehr schön. Mir völlig unbekannt und daher sehr lesenswert. SChöne Bilder obendrein.
    LG
    MAren

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  3. Hallo Lutz, ich bin dort vor vielen Jahren gewesen, da gab es tatsächlich noch kleine Geisire, von vielleicht 70 oder 80 cm Höhe. Muss mal suchen, ob es da vielleicht noch Fotos gibt…
    Schöne Woche
    Hedwig

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    1. Hallo Reiner, Danke Dir 🙂 Coronabedingt gab es in den letzten Jahren etwas weniger Ausflüge. Berichte dazu findest Du auch hier im Blog unter den Kategorien „Wanderungen“ bzw. „Radtouren“. Ich hoffe, das wird künftig wieder besser 😉

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