Der erste 200er / von Schöneck nach Zweenfurth 2005

Mulderadtour 2005

Von Schöneck nach Zweenfurth

Samstag, 18.06.2005

Schon im Zug nach Schöneck hoch, Uwe ist in Zwickau zugestiegen, machen wir unsere Späßchen über Spannis Verfassung, der tatsächlich von Chemnitz mit dem Rad hier hoch ins Vogtland kommen will. Er hatte Uwe noch einmal gegen Mittag angerufen und wollte 14 Uhr abfahren.

Wir dagegen steigen erholt in Schöneck aus der Bahn und nachdem wir jemand nach dem Weg gefragt haben, finden wir ein ganzes Stück weiter bergab auch die Gaststätte „Zur alten Brauerei“. Der Wirt zeigt uns gleich die Ferienwohnung.

Und plötzlich kurz vor 19 Uhr steht plötzlich Spanni, etwas erschöpft und verschwitzt in der Tür. Er hat es tatsächlich geschafft, in fünf Stunden die 90 Kilometer bergauf (500 Meter Höhenunterschied) bei Gegenwind zurückzulegen.

Während er sich noch etwas erholt, schlendern wir anderen Drei über den Markt hinauf zu einem Aussichtspunkt, von dem wir einen hervorragenden Blick über das Vogtland bis hin zum Fichtelgebirge haben.

Im Anschluss sitzen wir dann im Garten der „Alten Brauerei“ ehe uns die Kühle ins Haus treibt.

Und bei ein paar Bierchen und einem hervorragenden Essen gibt es noch einigen Spaß.

Gegen viertel elf ist dann aber Nachtruhe angesagt.

Sonntag, 19.06.2005

Als wir uns nach dem reichlichen Frühstück vom Wirt verabschieden kann der gar nicht so recht verstehen, was uns dazu treibt, den ganzen Tag auf dem Fahrrad zu verbringen. „Da tut euch doch der Hintern weh.“ ist sein Kommentar, als er hört, dass wir bis Leipzig wollen.

Und insgeheim sortiert er uns vermutlich zu den anderen „Verrückten“, zum Beispiel dem, der, so erzählt er, zu Fuß von der Schweiz bis hier nach Schöneck gelaufen war…

Die Startfotos sind gemacht, es ist 7.50 Uhr, als wir abfahren. Es ist angenehm kühl, der folgende Anstieg hinauf zum IFA-Ferienpark, einem riesigen Ferien-Gebäudekomplex über der Stadt, lässt uns aber schnell ins Schwitzen und Keuchen kommen. Noch einmal ein wunderbarer Blick über das weite Land, dann geht es in den Wald. Wir sind ca. 780 Meter hoch. Nach ungefähr drei Kilometern erreichen wir mitten im Wald die Quelle der Roten Mulde.

Ein kleines Rinnsal fließt hier aus einem Rohr, daneben eine Tafel mit dem Flussverlauf.

Fotos sind jetzt Pflicht, es ist 8.05 Uhr.

Weiter geht es nun auf schönen Waldwegen hinüber zur Straße nach Morgenröthe-Rautenkranz. Und dann auf der Straße rollt und rollt es.

Es geht fast nur bergab, wir statten dem Sigmund-Jähn-Museum, d.h. der MIG 21 einen kurzen Besuch ab, dann wieder Schussfahrt Richtung Eibenstock, welches wir 9.10 Uhr, nach 31 Kilometern passieren. Zwischendurch ein schöner Blick auf die Eibenstock-Talsperre und auf den südlich gelegenen Auersberg.

Nach Aue fahren wir ebenfalls nur bergab, die Stadt erreichen wir 10.10 Uhr, km 48,59. Wir haben jetzt einen Schnitt von 24,55 km/h, das ist ganz ordentlich.

Aber schließlich ging es ja nur bergab. Nun ist aber auch das schöne Erzgebirgs-Muldetal zu Ende, nach einer Rast geht es durch Aue hindurch, an den Uranhalden vorbei. Wir nehmen, um den Anstieg über Schlema zu vermeiden, einen kleinen Trampelpfad oberhalb der Bahnlinie, müssen allerdings teilweise schieben, ehe wir dann Schlema erreichen und wieder etwas zügiger nun in Richtung Hartenstein, Zwickau vorankommen.

Die Halden sehen schrecklich aus, man hat damals die ganze Landschaft verwüstet. Nun wird mühsam wieder rekultiviert.

Weiter im wieder schöner werdenden Tal auf schönem Radweg, zwischendurch mal ein knackiger 14%-Anstieg, dann Wiesenburg, wieder ein heftiger Anstieg nach dem Queren der Bundesstraße ehe wir nach Wilkau Haßlau rollen, unter der großen Autobahnbrücke hindurch und nun an der Mulde entlang Zwickau erreichen.

Dort, im Schatten eines Sonnenschirmes, machen wir an einem Imbiss, 12.10 bis 12.45 Uhr Pause. (80,88 km, 22,57 km/h)

Zwei Radler, ein gegrillter Leberkäse, die Bedienung ist so nett und macht noch ein Foto von uns. Angenehm, solch eine Pause. Und uns geht es noch recht gut.

Nur Spanni, der ja schon die gestrige Tour in den Knochen hat, verabschiedet sich schließlich in Zwickau und fährt auf der Bundesstraße 173 direkt nach Chemnitz. Er ist knülle.

Wir radeln durch Zwickau weiter, die Beschilderung ist manchmal etwas lückenhaft und unlogisch, der Radweg allerdings asphaltiert und recht eben.

Glauchau, die ganze Umgebung macht einen öden Eindruck, doch Waldenburg ist bald erreicht, nun wir es wieder schöner.

Bald wird das Tal enger und enger, links und rechts erheben sich bewaldete Hänge, der Fluss strömt breit und ruhig, Grün ist die dominierende Farbe. Wir haben die Straße wieder verlassen, es geht nun auf holprigen, steinigen Wegen über Wurzeln…

Aber obwohl die Räder leiden müssen, ist doch die Landschaft sehr schön.

Bei Penig unterqueren wir die B95 Leipzig – Chemnitz, dann ist Rochsburg erreicht. Hier machen wir hier an der Hängebrücke endlich wieder eine große Rast, sitzen angenehm im Schatten am leise rauschenden Fluss, trinken zwei Radler, essen eine Bockwurst und verabschieden uns dann auch von Uwe. (129,53 km, 21,49 km/h, 15.35 bis 15.55 Uhr)

Wir haben nun auch einmal die Familien angerufen, uns für 19.00 bis 19.30 angekündigt.

Aber jetzt heißt es erst einmal schieben, steil bergauf, aus dem Tal heraus, ehe wir dann wieder fahren können, schön bergab nach Lunzenau.

Lunzenau, Mulderadweg nach Göhren, dort unterqueren wir den mächtigen Viadukt und kommen schließlich nach Wechselburg.

Hier wollen wir auch den Anstieg gen Rochlitz umgehen und nehmen den Weg durch den Klostergarten und an der Mulde entlang, den wir vor vielen Jahren einmal entlang gewandert sind.

Und der ist landschaftlich sehr schön, aber schlecht zum Radfahren.

So geht es nur im Schritt vorwärts Nun wird es aber auch so immer mühseliger, Rochlitz, weiter über Penna, die Strecke ist vertraut, dann der Anstieg bei Lastau, kurz vor Colditz überholt mich, als ich geschafft den Hügel hinauf schnaufe, fröhlich grüßend ein älterer Herr auf einem alten Radl. Das ist schon ein wenig deprimierend. Durch Colditz hindurch, und dann muss ich am heftigen Anstieg kurz vor Sermuth absteigen und schieben. Es geht einfach nichts mehr. Die Kraft ist alle.

Doch wir lassen es uns trotzdem nicht nehmen, noch einmal zum Zusammenfluss von Zwickauer und Freiberger Mulde hinüber zu fahren. Das gehört heute einfach dazu.

Dort machen wir Rast, es ist 17.46, 163,22 km haben wir in den Beinen. 19 Uhr zu Hause zu sein wird nicht mehr zu schaffen sein.

Kössern, Großbothen, nun, nach ca. 175 Kilometern verlassen wir die Mulde, deren Weg wir nun so weit begleitet haben. Es war schön.

Großbardau, bergauf, doch nach der Rast geht es jetzt mit 24 –25 km/h stellenweise recht zügig, Grethen, Großsteinberg.

Hier bekomme ich urplötzlich einen solchen Hungerast, so dass ich anhalten und noch einmal etwas essen muss, ich schiebe schnell noch zwei Bananen und zwei Fruchtschnitten ein.

Holger ist noch ganz gut beisammen, er fährt schon immer vornweg, muss auf mich dann warten.

Nun der letzte Höhepunkt, 19.16 Uhr gibt es in Eicha bei Naunhof am Softeisautomaten noch ein herrliches Eis. Das haben wir uns verdient.

Und sofort geht es wieder besser, Albrechtshain, Autobahnbrücke, Wolfshain.

Ich habe 195,5 km auf dem Kilometerzähler stehen, nun drehe ich also noch eine Ehrenrunde, um wenigstens auf 200 km zu kommen.

Wir verabschieden uns an der Kreuzung bei Hirschfeld, er rollt nun etwas zügiger nach Leipzig, ich fahre über Althen, dann an der Bahn entlang durch Borsdorf und bin schließlich 19.50 Uhr zu Hause.

Es ist geschafft!

201,28 Kilometer an einem Tag

Die Familie freut sich, als ich vor der Tür stehe und ich mich auch.