Sauna-Rad-Runde

Die Wetterprognosen sind unsicher, es ist sehr schwül und ab Nachmittag sind schwere Gewitter angesagt. Also verzichten wir auf eine Tour, zu der wir erst ein ganzes Stück mit dem Zug anreisen müssten und planen eine ausgedehnte Runde in unserer Gegend, bei der es etliche Möglichkeiten für einen plötzlichen Rückzug gibt.
So rollen wir bei zunehmender Hitze – das Schöne am Radeln ist, dass man diese beim leichten Fahrt- oder Gegenwind nicht so extrem empfindet (nur stehenbleiben darf man nicht) – gen Osten, an die Mulde. Diese Landschaft ist immer wieder erlebenswert, der wilde, jetzt relativ wenig Wasser führende Fluss, die Wald und Wiesenhänge zu beiden Seiten, die Dörfchen, die alte Klosterruine Nimbschen und das schöne Städtchen Grimma.
Ein gutes Mittagessen gibt es an der Klosterruine in der „Klosterschänke“, nach der ausgiebigen Pause fahren wir flussabwärts weiter in Richtung Wurzen.
Auch den Wechsel der Landschaft vom Hügelland zur flachen Ebene bei Trebsen, den Blick auf das sich in der Ferne verlierende glitzernde Band des Flusses, empfinden wir, so oft wir hier auch schon waren, immer wieder als traumhaft.
Die Gewitterzellen bilden sich mittlerweile überall, in unserem Rücken donnert es bereits, die Sonne zaubert hinter schwarzen Wolken noch fantastische Lichter auf die Muldenaue, von Osten her drängt eine Bilderbuchunwetterwolke herein, die könnte uns erwischen.
Also machen wir auf dem guten Radweg ein wenig mehr Tempo.
Die Wolken ziehen sehr langsam, die Zelle hinter uns fällt mit einigen Regenschleiern allmählich schon wieder in sich zusammen. Dennoch brechen wir die Runde nun bei Wurzen quasi ab und nehmen den kürzesten Weg zurück.
Reichlich 70 kmchen bei dieser Sauna-Atmosphäre genügen auch.

Fließen

Trotz der Kälte und des grauen Tages falle ich plötzlich in diesen Zustand, den ich schon seit Jahren beim Radeln nicht mehr erlebt habe.
Der Fachbegriff lautet Flow – wobei ich aber manches Mal so meine Probleme mit Anglizismen habe, wenn es in unserer Muttersprache eine Entsprechung gibt und diese nur aus einer Art Faulheit heraus, den richtigen Begriff in der eigenen Sprache zu finden oder um kuhl zu wirken -> wieder so ein Anglizismus 😉 verwendet wird.
Flow – grau ist es, wenig windig ist es, kalt ist es…
Die Piste verläuft leicht abfallend oder ansteigend, geradeaus oder etwas kurvig, der motorisierte Verkehr hält sich in Grenzen und kann ausgeblendet werden – völlig nebensächlich, egal.
Und so geschieht es, dass der Radelnde Uhu beim gleichförmigen entspannten Kurbeln – noch liegen 50 Kilometerchen vor ihm, also nicht überziehen und unnötig Kraft verschwenden – in eine Art Meditation versinkt.
Schön ist das, nichts lenkt ab, nichts strengt an, der Fahrtwind rauscht leise und einförmig an den Ohren vorbei, es rollt, die Füße bewegen sich im gleichmäßigen Ablauf auf den Pedalen.
Und hier folgt die diesem Moment entsprechende deutsche Version des Begriffes Flow – Fließen…
Ganz einfach, ein Fließen ist das, was man gerade hier auf dem Rad erlebt.
Ein wunderbarer Zustand …
Bebildern lässt sich das wohl am Ehesten mit diesem Foto.
Und so ist die erste 100 km-Feierabendrunde bald völlig entspannt absolviert und die Vorfreude groß, diesen Zustand demnächst wieder erleben zu dürfen.

Vom Glück – Kleine Bäckerrunde

Nun bin ich einmal wach, es ist hell und eine blasse Endloswinter-Aprilsonne schiebt sich gerade schüchtern über den Horizont. Also kann ich nun ebenso gut auch einmal wieder aufs Rad steigen und zum überüberübernächsten Bäcker fahren, Rückweg durch Wald inklusive.

Müde bin ich, die Tour von gestern steckt mir noch in den Knochen, kalt ist es, die Wiesen sind teilweise reifbedeckt und dieser blöde eisige Windzug von Nord kann mir gefälligst auch gestohlen bleiben – nun ja – alles Training – oder?

Woher bei diesen Temperaturen auch immer der grüne Schimmer an den Bäumen kommt, das Licht ist fantastisch. Am See ist es noch menschenleer – und aus dem Rucksack duftet es verführerisch nach frischen Brötchen.

Das nenne ich (manchmal muss man eben doch den inneren Schweinehund überwinden) einen gelungenen Samstagmorgen.

Und dieser Moment gehört damit auch zum Thema Glück.

Das Leben ist schön.

Nachfeierabend-Runde

Endlich mal kein Schnee, grandiose 13°C Lufttemperatur, das ist selten in diesem Frühjahr.

Und am Freitag nach Feierabend – ja, da gibt es doch schöne Erinnerungen an ausgedehnte Radrunden . könnte man glatt den Nach-Hause-Weg entsprechend ausdehnen.

Gedacht – getan, Blase mit 1,5 l Wasser in den Rucksack, Rucksack auf den Rücken und los…

Durch den Auwald an der Elster entlang südwärts zunächst zum heute recht bevölkerten Radweg am Cospudener See, dann Querung hinüber zum Markkleeberger See und nach dem Blick auf die Uhr und kurzem Entschluss nicht auf dem Hochufer entlang sondern in die entgegengesetzte Richtung, südlich um den See herum, denn der Störmthaler See mit seinem blaugrünen Wasser bei diesem Wetter lockt.

Der Weg an der Schleuse im Verbindungskanal zwischen den beiden Seen ist gesperrt, Baustelle – in den letzten Tagen war in der Lokalpresse zu lesen, dass Messungen ergeben hatten, dass das Gelände instabil sei und schlimmstenfalls ein Abrutschen in der Schleusenumgebung eine Flutwelle in Richtung Stadt auslösen könnte. Das klang dramatisch, ist es vermutlich auch, denn was sich in den Gesteinsschichten rund um die schnell gefluteten tiefen Tagebaulöcher mit tatsächlich abspielt, weiß kein Mensch. Vorstellbar wäre es schon, dass in den quer angeschnittenen Böden Wasser in instabile Schichten gepresst und unkontrollierbare Rutschungen auslösen könnte. Hoffen wir, dass man die Situation beherrscht.

Wegen der Baustelle gibt es auch eine unwesentliche Umleitung, doch dann endlich rollt es entsprechend gut bei ruppigem Südwest-Gegenwind am Seeufer entlang.

Ein angenehmes Gefühl ist das, auf den Spuren früherer Touren entlang zu fahren, da kommen tatsächlich Erinnerungen an die Intensiv-Radfahr-Jahre hoch, damals gehörte diese Gegend zum Standard-Trainingstouren-Revier, in dem man auch gern mal mit Freunden unterwegs war.

Kurz vor Espenhain beginnt der große Rückenwind-Genuss, auf dem Tacho steht häufig die 3 an erster Stelle, so schön fährt es sich jetzt durch die schmucken Dörfer. Vor der Wende war das hier eine der dreckigsten Gegenden, Mölbis, Espenhain, Dreiskau-Muckern waren Inbegriff der Umweltsünden bei der Braunkohleförderung, heute erkennt man die idyllische Landschaft nicht wieder.

Auf der Höhe oberhalb von Köhra bietet sich der erwartet schöne Blick über die weite Senke, die unser Flüsschen durchfließt, kurz darauf taucht der Radelnde Uhu in den großen Wald um Naunhof ein, den er erst kurz vor dem Heimatdörfchen wieder verlassen wird.

Reichlich 75 Kilometer sind es am Ende, gut, der Körper reagiert noch etwas befremdet auf die Anstrengung, es ist noch ein weiter Weg bis zur Gewöhnung und Steigerung. Aber es ist ein Anfang und die 1,5 Liter Trinkwasser sind getrunken und haben erfolgreich dazu beigetragen, frühere Fehler in Bezug auf Dehydrierung zu vermeiden.

Die langen Tage dieser Saison liegen vor uns, der Winter gibt nun hoffentlich auf und es werden sich genug Gelegenheiten bieten, um zu sehen, was alles noch so geht.

Blase

Boah, noch zwei oder gar drei Kilo mehr auf dem Buckel…
Irgendwie hatte man sich mit dem Gedanken, eine Trinkblase anzuschaffen, nie so ganz ernsthaft beschäftigt.
Nun also doch – der Plan, ein Comeback (im möglichen Rahmen) zu versuchen, steht – bleibt nun die Frage, wie sorgt man dafür, dass dabei die körperlichen Befindlichkeiten nicht aus der Balance geraten.

Erster Schritt – (behutsam) Ballast in Form von überflüssigen Pfunden abwerfen – jedes Kilogramm, welches weniger transportiert werden muss, macht das Kurbeln leichter.
Zweiter Schritt – (besser als früher) Dehydration vermeiden, nicht wie ein Kamel stunden- und tagelang in der Wüste ohne Nachschub von den Reserven zehren.
Handicap dabei – die Fummelei mit den Trinkflaschen am Rahmen, das ist nervig, das erhöht die Unfallgefahr beim Fahren, schreckt ab, hält vom ausreichenden Trinken ab.

Also doch – eine Blase muss her – gesagt getan, online bestellt ist die wenige Tage später schon da. Nun gibt es eigentlich keinen Hinderungsgrund am Fahren mehr – außer dem unwesentlichen Schnee da draußen.
Erster Test – eine 50-km-Runde – mit Blase (im Rucksack)- 2 Liter Wasser, die während des Fahrens wunderbar die Flüssigkeitsverluste ausgleichen. Abgesehen von den etwas schweren Beinchen danach, ja, obwohl der Memory-Effekt einsetzt und diese Belastung irgendwie bekannt vorkommt – auch die Erschöpfung danach – ist tatsächlich alles gut, der Körper bedankt sich für die Wasserzufuhr unterwegs in Form einer sehr schnellen Regeneration.
Also – nix wie aufs Rad…

Schnell werden wir nicht mehr – waren wir noch nie, muss auch nicht sein – aber ausdauernd.

Vorfrühlings-Rundfahrt

Eisig weht immer noch der Nordwind, angesagt waren heute schon mehr als 10C, im Wind sind es gefühlt 5°C. Aber als wir dann auf holprigem Feldweg gen Osten rumpeln, die Wolken sich auflockern und sich sehenswert auf den grünenden Saaten Sonnenlichter zeigen, ist es doch ganz angenehm und auszuhalten, weil der Wind nun von der Seite weht und das Rumpeln leichter macht. Nördlich unserer Wohngegend gibt es außer Bundesstraßen leider keine gut ausgebaute Fahrradinfrastruktur, nur weite, fast baumlose, Felder und Feldwege, die zudem (nach drei Dürrejahren endlich einmal wieder) schlammig sind.
Erst bei Lübschütz, als wir beschließen, uns nun an der Mulde entlang vom Wind treiben zu lassen, werden die Bodenbeläge radelfreundlicher.
Bei Grubnitz durchqueren wir die schöne und weite Auenlandschaft am Fluss, den wir dann auf der kleinen Brücke (2002, nach der großen Flut rollte hier der gesamte Fernverkehr hinüber, weil bei der großen Brücke etwas südlicher plötzlich – und erst nach Tagen festgestellt – ein Mittelpfeiler fehlte) überqueren.
Trotz kahler Bäume, es ist schön hier und der Fluss führt endlich wieder einmal ausreichend Wasser.
Ringelnatzstadt Wurzen – spontaner Abstecher zum Bäcker in der kleinen feinen Altstadt -es ist Mittagszeit, den leckeren Kuchen und die herzhaften Käsebrötchen lassen wir uns eine halbe Stunde später auf einer Anhöhe über der sonnigen Muldeaue mit Blick auf die nähere und fernere Umgebung munden.
In der Sonne ist es nun gut auszuhalten, ein Hauch von Frühling liegt in der Luft.


Neben uns kann man noch die Reste der Fundamentmauern der ehemaligen Kirche, dem letzten Rest des Dörfchens Sellnitz erkennen, welches vermutlich 1429/30 durch die Hussiten zerstört wurde.
Frühling, nach den langen kalten und oftmals trüben Wochen ist das wie Balsam auf der Seele.
Genussvoll rollen wir dann bis Trebsen, überqueren hier die Mulde wieder westwärts und pirschen uns am Schloss vorbei durch den Park möglichst windgeschützt bis hinauf zum großen Wald, der uns dann schließlich das Gegenwind-Kurbeln wesentlich erleichtern soll.
Aber, um die Hügel heimwärts zu umgehen, wählen wir den etwas längeren Weg, der dann auch nicht allererste Wahl ist. Rumpeln nur unwesentlich schneller als im Schritttempo durch Schlamm und Pfützen ist angesagt.
Kurz vor Altenhain liegt der sogenannte Schwarze Bruch in wunderbar idyllischer Umgebung mitten im Wald. Nur intensiv nach Benzin stinkt es und auf dem dunklen Wasser treibt ein Ölfilm. Und das ist nicht zum ersten Mal so, es wird spekuliert, dass es sich hier um entsorgte Altlasten der sowjetischen Truppen handelt. Der Name des ehemaligen Steinbruchs stammt aus den letzten Kriegstagen. Man vermutet, dass 1945 amerikanische Soldaten vor der Übernahme des Geländes durch die Russen Handgranaten in den mit Rückständen aus der Treibstoffversorgung gefüllten Steinbruch warfen und so eine gewaltige Explosion und ein tagelanges Feuer verursachten, in dessen Folge die Felswände schwarz wurden.
Wenig später rollen wir am Gelände (mittlerweile seit der Wende vom Wald überwuchert) des ehemaligen Munitionslagers, der Muna vorbei. Ich kann mich aus Kinderzeiten noch an die streng bewachte drahtzaunbewehrte Anlage mit ihren Scheinwerfern erinnern.
Von Altenhain bis Ammelshain rollt es nun auf Asphalt wieder hervorragend, noch die Autobahnbrücke über die A14, dann zum See.
Knirsch – bei der lieben Reisegefährtin hat es laut geknirscht.
Wieder ein Deja Vu, denn auf ähnliche Weise hatte sich vor fast einem Jahr mein altes Fahrrad aus dem Dienstbetrieb verabschiedet. Das Schaltauge ist gebrochen. Ausbauen und kette kürzen – da fehlt jetzt der Elan – das heißt, dass der Radelnde Uhu nun die letzten 10 Kilometer im Eiltempo durch den Wald nach Hause rast, um das Auto zu holen.
Nun ja, positiv gesehen – ein guter Trainingseffekt, schade trotzdem, dass eine schöne Radtour so ein Ende finden musste.

PS: ein neues Schaltauge ist bereits bestellt, in Kürze kann es hoffentlich wieder auf Tour gehen.

Wie schön ist das denn?

Seit Jahren kennen wir uns, begegnen uns früh am Morgen, er fährt von der Stadt hinaus aufs Dorf, ich vom Dorf in die Stadt, des Nachmittags anders herum, mal mit mal ohne Maske, je nach Temperatur…
Ein freundliches Grinsen und Grüßen, ein Stück Normalität im Alltag.
Dann kam Corona, doch auch da mussten wir lange nicht auf dieses Stück Normalität verzichten, bis er dann wochenlang wegblieb…
Am Anfang nahm man das so gar nicht bewusst zu Kenntnis, doch mit der Zeit, begann man, sich Gedanken zu machen.
War mein Gegenüber krank, umgezogen, gab es nun für ihn einen anderen Arbeitsweg? Man grübelt dann doch so vor sich hin.

Bis er in diesen Tagen im Dunkel des frühen Morgens – irgendwie erkennt man sich sogar schon am Licht und der Einstellung des Fahrradscheinwerfers – plötzlich wieder entgegen kam.
Ein freundliches „Guten Morgen“, ein Handheben als Gruß.. Rückkehr in die Normalität.

Und dann, am Freitagnachmittag schallte unverhofft ein zufriedenes „Schönes Wochenende“ entgegen.
Ja, vielen Dank – das kommt von Herzen – schönes Wochenende, es wird wieder – wie schön ist das denn.

Und vielleicht findet sich mal ein Tag, an dem genug Zeit zum Anhalten und für eine Unterhaltung bleibt und man sogar mal über ne gemeinsame Radrunde redet…