D N-S 2014 / Flensburg – Walsrode

Montag, 18.08.2014
Eigentlich war nun für den Montag Wetterbesserung angesagt. Es sollte nur Schauer geben, dazu Wind von SW in Stärke 5, in Böen 8! Vor dem hatte ich den größten Respekt. Denn der würde uns ja nun fast den ganzen Tag lang entgegen wehen. Zum Glück haben wir am Abend vorher in einer schönen Flensburger Szenekneipe noch ordentlich Reserven aufgefüllt, so dass wir ziemlich rund gefressen in der Morgendämmerung um 6.20 Uhr, von meinen Mädels verabschiedet, starten können.
Die Dämmerung hält an, aber das ist nicht mehr die Nacht sondern tiefschwarze Regenwolken, die uns nun lange begleiten werden.
So sind wir in Flensburg schon erfolgreich durchgeweicht, gönnen uns nur einen kurzen Stopp für Fotos in einer kurzen Regenpause. Dann schnell raus aus der Stadt und weiter geht das zweifelhafte Duschvergnügen. Auch der Wind ist, wie angesagt, ordentlich unterwegs und bremst uns angenehm aus. Und bei einer Wohlfühltemperatur von 11°C +/- 2°C kommen wir gar nicht erst ins Schwitzen. Nicht übel…
Dass die heftigen Schauer etwas länger währen und zum Dauerregen mutieren, was solls… Die ersten beiden Tourtage lassen sich also schon jetzt in wenigen Worten zusammenfassen.
Nass, kalt, stürmisch, endlos, gefroren und nix gesehen.
Die Perspektive ist für heute klar, wir müssen diesen Tag überstehen, die 70 km südwärts bis auf die Höhe von Kiel sollten genügen, um uns zumindest aus dem Regenband heraus zu bringen. Aber die werden lang bei dem Wind. Nass und durchgefroren wollen wir uns gegen halb neun an einem Supermarkt ein halbes Brathähnchen gönnen, doch der Mann ist noch nicht so weit. Na gut – die Pommes tun es auch.
Nord-Ostsee-Kanal bei Oldenbüttel, Querung per kostenloser Fähre nach 95 km, es ist endlich trocken – aber stürmisch.
14 Uhr nach ca. 150 Kilometern haben wir dann die Elbe bei Glückstadt erreicht. Der Sturm macht zu schaffen, die Bänder und Muskeln in der Gegend meines linken Knies signalisieren, dass ich sie ein wenig schonen solle. Die Gelegenheit bekommen sie dann auf der halbstündigen Überfahrt über die kilometerbreite Elbe. Und in der mollig warmen Fährkantine im Schiffsbauch unten gibt es Bockwurst und Kaffee. Das hilft. Thomas geht es noch sehr gut, aber das Wetter knabbert auch an seiner Stimmung.
Gegen 15 Uhr setzen wir unsere Fahrt schließlich fort. Der Wind kommt jetzt von der Kante, das ist auszuhalten. Zudem hat der Dauerregen aufgehört, Wolkenlücken sind zu sehen, als wir durch Niedersachsen rollen. Schließlich scheint sogar mal die Sonne über den weiten tellerflachen Moorgegenden südlich von Stade.
Aber kalt ist es. Ist die Sonne weg, sinkt die Temperatur sofort auf 11°C.
Langsam wird uns bewusst, dass wir das Tagesziel Garbsen heute nicht erreichen werden. Da unser erstes Ziel heißt, gesund bleiben und erst in zweiter Linie das Ankommen zählt, wollen wir heute, am ersten Tourtag, besser auf die fällige Nachtschicht verzichten. Auch Dagis Nachrichten aus Garbsen klingen nicht gut. Der Bungalow dort ist eine Hundehütte mit Autobahnanbindung, schlimmer als in Krusa. Da würden wir nur stören, wenn wir nachts dort ankämen und meine Frauen könnten wieder nicht richtig schlafen.
Bis Walsrode rollt es dann plötzlich sehr zügig und gut. Schön finde ich den Bahndammradweg, Thomas wird jedoch beim gleichmäßigen, zügigen Rollen eher schläfrig. Die Abendsonne scheint, aber kalt ist es, ein Freibiwak muss nicht sein. Also erkundigt sich Thomas im nächsten Restaurant wegen einer Übernachtung. Besser ist, er macht das, weil er von Natur aus viel freundlicher als ich gucken kann – das erhöht die Erfolgsschancen besonders bei weiblichem Personal und so werden wir tatsächlich an die „Stadtschenke“ in Walsrode verwiesen.
Gegen 20.45 treffen wir nach 276 Tageskilometern dort ein. Und es klappt tatsächlich.
Wir bekommen ein Doppelzimmer, bezahlbar ist das auch, können die Räder diebstahlsicher unterstellen und gönnen uns als Highlight eine tolle (dieses Mal heiße) Dusche. Das anschließende Bauernfrühstück, welches wieder mal trotz riesigem Appetit kaum, Thomas kaut eisern darauf herum, bis der Teller leer ist, oder gar nicht zu schaffen ist, ich muss das entscheidende Stück wieder mal liegenlassen (wie peinlich) und die alkoholfreien Hefeweizen liefern rasch wieder die verlorenen Körner, so dass wir einigermaßen optimistisch den Tag beschließen können.
Dass wir morgen erst gegen 8 Uhr hier herauskommen…
Na ja, was solls, dann fahren wir eben etwas schneller und länger als heute, das holen wir schon wieder raus.
Alles ist gut und morgen wird alles besser!!!
Auch wenn es in meinen Knien zieht und schmerzt.