PBP 2015 – 2. Teil

Erster Tag

Es ist trübe, kühl, die Sonne hat derzeit keine Chance. Dazu ist die Landschaft mit ihren teilweise abgeernteten Feldern recht trist, so dass die Motivation beim Weiterfahren etwas leidet.

Auf den nächsten Kilometern rollen wir hügelauf und hügelab in einer losen Gruppe aus US-Ameri­kanern, Japanern und Brasilianern. Bemerkenswert finden wir vor allem den Fahrstil der jungen Brasilianerin, die mit ihrem Fixie mit voller Kraft in die Anstiege geht, dann oben etwas ausgepumpt wirkt und danach mit vollem Speed wieder abwärts rollt. Und wozu der andere junge Brasilianer ganze Wagenladungen mit Tempotaschentüchern mit sich führt, erschließt sich uns auch nicht so richtig. Na ja, er wird seine Gründe haben.
Langsam dringt die Sonne durch den Morgendunst. Es wird wärmer, wir können die Beinlinge und Ärmlinge in den Taschen verstauen.
Kurze Rast, ein Apfel tut gut, dann weiter…

Nach dem schleppenden Vorankommen über die zahllosen Anstiege in der Nacht hatte ich diverse Befürchtungen, ein Problem mit dem Zeitlimit zu bekommen, doch nun stellt sich langsam eine Art Routine ein.
Die Anstiege nehmen wir in kleinen Gängen, möglichst schonend, dafür können wir es ja auf den Abfahrten umso besser rollen lassen. Irgendwann bleibt unsere Gruppe zurück…
Wir fahren zu Zweit weiter und wenige Kilometer vor Fougeres kommt uns das Angebot einer gast­freundlichen einheimischen Familie wie gerufen, um eine Rast zu machen und statt dem Wasser aus den Plasteflaschen oder einem Ekel-Powerriegel mal etwas viel Besseres in den Magen zu bekom­men.
Es ist einfach unglaublich. Die Leute wollen auch kein Geld, es genügt ihnen eine Ansichtskarte, von da, wo wir herkommen. Schon etliche Male, wie uns der Familienvater erzählt und seine Bilder zeigt, hat er die PBP-Fahrer hier bewirtet.
Kuchen, geschälte Orangenstücken, Schokolade, Kaffee, frisches Wasser, Sirup…
Es ist zu schön – ganz schnell verliert man hier bei diesen Menschen die Lust am Weiterfahren. Aber es nützt nix… Die Zeit läuft gnadenlos. Wir müssen weiter.
Kurz vor Fougeres erspähe ich Dietmar, Randonneurdidier am Straßenrand. Er ge­nießt offensichtlich gerade die Atmosphäre dieses Tages an einem der zahlreich in den Ortschaften aufgestellten Schmuckfahrräder, mit denen die Franzosen dieses Ereignis PBP würdigen.
Fougeres ist ein größerer Ort, war auch in diesem Jahr Etappenort bei der Tour de France. Auf den Straßen herrscht recht dichter Verkehr, es geht in einigen Schleifen hin zum Gymnasium, wo wir nach 310 Kilometern kurz nach 11 Uhr den Kontrollpunkt erreichen und zügig unseren Stempel abholen. Das Zeitlimit liegt bei 15:04 Uhr, wir haben eine Stunde her­ausfahren können und nunmehr 4 Stunden Zeitpuffer. Aber auch hier halten wir uns nicht lange auf, wollen keine Zeit in der Schlange an den Versorgungsständen verlieren.

Tinteniac liegt „nur“ 50 Kilometer entfernt. Gegessen haben wir gerade bei den netten Franzosen an der Strecke, also kann es gleich weiter gehen.
Die Sonne scheint warm, ohne es direkt zu merken, hole ich mir einen leichten Sonnenbrand im Ge­sicht. Und es rollt. Die Endlosreihe hat sich in viele kleine und noch kleinere Grüppchen aufgelöst. Findet man jemand, der das eigene Tempo fährt, dann bleibt man ein Stück beisammen. Zumindest bis zur nächsten Rast in einem kleinen Dörfchen am kleinen Supermarkt. Im Schatten ist es dort sehr gut auszuhalten. Ein paar Pfirsiche, Bananen und Saft bringen die benötigten Energien zurück. Wir treffen hier auf einen Fahrer, der schon beim 600er in Bayern wortreich auffiel und damals nach 500 Kilometern ausstieg. Jetzt hat er uns eingeholt, ist in einer späteren Gruppe eine Stunde nach uns gestartet und wundert sich lauthals, dass wir erst hier sind.
Na ja…
Warum nicht? Wir liegen gut in der Zeit, warum sollen wir aus PBP ein Rennen machen?
Bis Tinteniac befinden wir uns einige Zeit in einer gleichmäßig vorankommenden Gruppe. Die Fahrt ist jedoch so gleichförmig, dass Thomas plötzlich feststellt, zu halluzinieren (???) und ich ge­rade von meiner längst verstorbenen Großmutter geträumt habe und nun mit ein wenig Schwierig­keiten in die Realität auf dem Rad zurückfinden muss.
Upps. Wir rollen ja immer noch!

Die Temperaturen steigen, es wird sehr warm, man merkt, dass der größte Kampf der gegen die Müdigkeit ist (Lutz landet in Träumen, ich halluziniere)
Aber Muskeln, Sehnen, Hintern und Nacken alles ist super, wir ernähren uns so, dass es nie zu ei­nem Defizit an irgendetwas kommt

Tinteniac – besser wir halten nun doch einmal etwas länger.
14:30 Uhr, 364 km. (18:56 Zeitlimit) Das sieht gut aus.
Da an den Versorgungsständen nur Wenige anstehen, leisten wir uns hier einen Kaffee, herrlich!!! und ein Baguette Jambon. Erstaunlich, das ist recht frisch, knackig und schmeckt.
Der anschließende längere Anstieg nach Becherel hinauf zusammen mit einer französischen Alther­ren-Gruppe auf Rennrädern, die NICHT an PBP teilnimmt, fällt uns danach nicht schwer und in zü­giger Fahrt sammeln wir nach und nach zahlreiche Randonneure wieder auf.
Mist!
Thomas, warte mal bitte!
Das weiche Holpern unter mir ist sehr verdächtig.
Tatsache – ein Schleicher. Aber weit und breit waren nirgendwo Glas oder scharfe Steinchen zu sehen. Zudem habe ich ja auch Antiplattband ein­gezogen – WO kommt jetzt ausgerechnet dieser Schleicher her?!
Der erste Reserveschlauch muss jetzt geopfert werden. Auf der Straße passieren uns alle Randon­neure, die wir gerade überholten, während wir nach der Ursache dieses Platten suchen. Und Thomas mit seiner Fachkenntnis erkennt die Situation. Das Antiplattband in den schmalen Rennradreifen hat eine ganz entgegengesetzte Wirkung entfaltet. Durch den Druck hat es vermut­lich die scharfen Kanten in den Schlauch gedrückt und diesen an der Naht reißen lassen.
Also raus mit dem Ding, dann mit der Handpumpe für den maximal möglichen Luftdruck gesorgt und weiter.
Zum Glück ist Quedillac, der nächste Versorgungspunkt ganz in der Nähe und hier stehen Me­chaniker, die mit einer großen Standpumpe noch einmal ordentlich nachpumpen können.
Auch auf dem weiteren Weg lernen wir erneut die große Gastfreundschaft der Franzosen ken­nen.
Ob das hier französischer Landadel ist? Zumindest die ältere Dame, die uns hier mit Kaffee, Wasser, Obst und Kuchen versorgt, macht einen sehr angenehm vornehmen, aber auch sympathi­schen Eindruck. Und der Mann erzählt von den Bioäpfeln, die er hier auf diesem riesigen Grund­stück züchtet.

Loudeac, 19:20 Uhr, 449 Kilometer. (01:00 Uhr Zeitlimit) Schneller als gedacht neigt sich dieser Tag schon wieder dem Ende entgegen.
Hier ist Volksfest, jeder Fahrer wird mit Applaus empfangen. Eine tolle Atmosphäre!
Da wir annehmen, dass auf der weiteren Strecke infolge der einbrechenden Nacht die Versorgungs­möglichkeiten etwas eingeschränkt sind, beschließen wir, uns hier etwas zum Essen zu leisten. Das Menü ist jedoch etwas übertrieben, der Preis für die mickrigen Portionen auch. Aber zumindest gibt es hier auch Mangos, Grapefruit, Mischobstschälchen und Baguette jambon. Was ganz Neues – aber das schmeckt ja auch. Hier in Loudeac gibt es auch die Möglichkeit zum Schlafen. Am Rande liegen aufgereiht die De­ckenpäckchen für die Fahrer. Aber dafür ist es jetzt noch zu früh. Wir wollen noch ein Stück in Richtung Carhaix vorankommen, um nicht zu viel Zeit zu verlieren.
Allerdings werden wir auch kein Risiko wegen Übermüdung eingehen. Da wir bereits die Erfahrung machen konnten, wie ein Kurzschlaf zur Regeneration beitragen kann, wollen wir, falls sich eine gute Gelegenheit ergibt, gegen 22 oder 23 Uhr eine Runde schlafen und dann spätestens 1 Uhr wei­ter fahren.

Die Dunkelheit kommt schnell, nachdem wir das kleine Dörfchen St. Martin des Pres mit seinem Volksfest unter uns zurückgelassen haben, erspähen wir im letzten Tageslicht einen Getreidespeicher. Der ist zum Glück leer, bietet Schutz gegen den kalten Wind, auch wenn uns nichts Anderes übrig bleibt, mit dem blanken Betonfußboden vorlieb zu nehmen.
Na besser als gar nichts… Schnell die Biwaksäcke raus und in der Folie eingerollt. Drüben auf der Straße schwanken die Scheinwerfer der bergwärts fahrenden Randonneure vorbei. Aber genug, in maximal zweieinhalb Stunden soll es weiter gehen.

Zweiter Tag

Thomas Wecker weckt uns eine halbe Stunde zu früh… Na ja, Wecken – so richtig geschlafen haben wir Beide nicht. Eineinhalb Stunden Halbschlaf oder Dösen sind auch etwas wert. Sehr bequem war es nicht, doch immerhin besser, als wie etliche Ande­re im feuchten Gras der Straßengräben neben dem beleuchteten Rad zu liegen.
Es ist wohl kurz nach halb eins, als wir wieder auf den Rädern sitzen und die Strecke nach Carhaix in Angriff nehmen.
Im Wald holen wir einen anderen Randonneur ein, der sich angesichts unseres Leipziger Dialekts als der Markus outet, mit dem wir kurz nach dem Start die ersten Kilometer zusammen fuhren. Der hatte ein arges Missgeschick erlitten, war mit seiner Frau im Pariser Hotel überfallen und mit einer Stange am Bein verletzt worden. Respekt – er hat es trotz allem bis hierher über fast 480 Kilometer schon geschafft, ist jedoch arg übermüdet, während wir quasi nach der Pause vor Tatendrang nur so sprühen.
So begleitet er uns nun durch die Dunkelheit. Und dann ist da plötzlich ein Licht.
Wie im Märchen!
Es ist kaum zu glauben, aber ein paar junge Französinnen betreiben hier einen kleinen Stand und bie­ten den müden Randonneuren Kaffee, Kekse, Schokoriegel usw. an.
Markus legt sich auf die Straße, 5 Minuten Powernap…
Wir genießen dieses unerwartete Wunder und stimmen dem Amerikaner zu.

„That’s PBP!“

Wo gibt es sonst noch solche Überraschungen?
Gestärkt rollt es nun umso besser weiter, abwärts durch schlafende Dörfer. Die Geheimkontrolle, „Controle Secret“ klingt irgendwie merkwürdig, in St. Nicolas du Pelem absolvieren wir in kürzes­ter Zeit, denn wir wollen schnellstmöglich Carhaix erreichen. Und das gelingt uns auch ganz gut.
3:40 Uhr kommen wir nach 526 Kilometern dort an. (7:03 Uhr Zeitlimit) Trotz Schlafpause liegen wir gut im Plan.
Bis Brest sind es nun ca. 90 Kilometer. Ohne uns etwas vorzumachen, wir werden wohl nicht vor dem frühen Vormittag dort ankommen.
Na ja – es ist kein Rennen. Und ich bin Thomas sehr dankbar, dass er, den der sportliche Ehrgeiz noch etwas mehr als mich treibt, sich auf diesen gemächlichen Reisestil eingelassen hat und wir das Ding zusammen absolvieren.
Überall liegen vor dem Versorgungspunkt Randonneure in Rettungsdecken gewickelt herum. Auch drin­nen vor dem WC oder im Restaurant sieht man Schlafende, die gerade dort liegengeblieben sind, wo die Müdigkeit sie dahin gerafft hat.
Ein Kaffee und etwas zu essen (???) muss noch sein, dann fahren wir weiter.
Im Dunkeln kaum zu spüren, aber wir ahnen bald, dass nun auch der lange Anstieg zum höchsten Punkt, dem „Dach“ von PBP, dem Roc Trevezel mit etwa 350 m Höhe, begonnen hat. Zwischenzeitlich beginnen wir wieder zu träumen und zu halluzinieren, es gibt keine Diskussion, ehe wir einen Unfall riskieren, schieben wir rasch noch einen 5-Minuten-Schlaf am Straßenrand sit­zend ein.
Das zweite Wunder in dieser Nacht erleben wir einige Kilometer vor dem Gipfel des Roc Trevezel.
Seit 48 Stunden stehen hier eine Familie und deren Nachbarn unverdrossen bereit, um müde Fahrer aufzupäppeln. Wie schön das ist und wie das hilft. Selbst gebackener Pflaumenkuchen, Kaffee, der Gastgeber, der uns stolz sein Bild mit einem bretonischen Radprofi zeigt… Er gesteht uns aber auch, dass er nun langsam mal ins Bett müsse, er sei Fleischer und muss am Morgen wieder arbeiten.
Kurz vor dem Gipfel wird es etwas steiler, die Müdigkeit schlägt, bevor es hell wird, noch einmal erbarmungslos zu, so dass wir notgedrungen noch eine 15-minütige Schlummerpause am Straßen­rand machen müssen. Während ich ums Gleichgewicht kämpfe und zur Belustigung des neben mir sitzenden und essen­den Inders zwischendurch im Sitzen mal umkippe, rollen zahllose Fahrer an uns vorbei gen Brest. Und auf der anderen Straßenseite kommen sie entgegen.
Die waren schon dort, sind auf dem Rückweg.
Die Pause hilft, inzwischen dämmert es, es wird hell und mit einem herrlichen Blick auf die Nebel in den Talsenken schießen wir nun talwärts.
Kurze Rast, Fotos von der Kirche und der aufgehenden Sonne in Sizun, das Schild „Brest 36 km“ spornt an.
„Keine Atempause, Geschichte wird gemacht…“
Es geht voran.

Mit einem erstaunlich guten Tempo rollen wir zum großen Teil sanft abwärts und dann sehen wir nach ein, zwei kleinen Rampen plötzlich vor uns die Pylone der Brücke nach Brest hinüber.
Ein fantastischer Anblick ist das. Der zweite Pylon ragt aus einer Nebelbank. Und gegenüber vor uns liegt auf dem anderen Ufer der Atlantikbucht Brest.
Ja, wir sind hier – wir sind tatsächlich am Atlantik!!! Die Fotos auf der Brücke müssen jetzt sein!
Und mit der aufsteigenden Euphorie, den Wendepunkt erreicht zu haben, halten uns jetzt auch die fiesen Anstiege in der Stadt nicht mehr auf.

Brest, Brest, Brest…

Die Sonne scheint, hier wachsen Pflanzen, die ich bei dem rauen Klima hier nie vermutet hätte. Und mit dem Wetter haben wir auch unverschämtes Glück, denn Einer der Entgegenkommenden erzähl­te, dass es gestern Gegenwind gegeben hatte. Im Gymnasium, dem Kontrollbereich selbst wird uns eher ein nüchterner Empfang zuteil, sicher gibt es auch hier ein vielfältiges Bonne Route mit auf den Weg, aber aus den Dörfern bisher sind wir eine ganz andere Begeisterung gewöhnt.

Brest – 615 km, 9:42 Uhr (Zeitlimit: 13:53 Uhr)

Gut – wir haben schon wieder einen entsprechenden Zeitpuffer und fühlen uns einfach topp.
„Bergfest“
Allerdings verleitet die Atmosphäre hier nicht zu einem längeren Aufenthalt, so dass wir nach ein paar Riegeln aufbrechen und auf den langen Rückweg nach Paris starten. Durch die Stadt müssen wir uns ein wenig an den Autoverkehr anpassen, das wird aber nachher hof­fentlich rasch wieder ruhiger.
Bis Sizun hinauf folgt nun ein langer, mehr oder weniger steiler Anstieg, den wir aber in moderatem Tempo gut befahren kön­nen. In Sizun, einem netten kleinen bretonischen Städtchen mit einem sehenswerten Ortskern selbst ist dann erst einmal eine ausgiebige Pause angesagt. Immer noch sind viele auf dem Weg nach Brest – bei Manchen mit einem H-, G-, K- oder L-Schild haben wir so unsere Zweifel, ob sie es schaffen, in der Zeit zu bleiben. Es wird auf jeden Fall knapp.
Die Rast tut gut, ein Engländer, der gezwungenermaßen ein 4er-Pack Eis kaufen musste, resigniert nach dem zweiten Eis und gibt uns netterweise den Rest ab.

Thats PBP!

Dass Claus Czycholl, der indessen an uns vorbei eilt und scharf auf Eis ist, für sein 4er-Pack auch noch Restabnehmer finden wird, steht außer Zweifel.
Die Auffahrt zum Roc Trevezel ist Anschluss kein Problem, im Gegenteil, mit diesem gleichmäßi­gen Fahrstil kommen wir sogar noch bergauf in den Genuss, der sich zunehmend unter uns weiten­den Landschaft. Herrlich ist es hier.
Dann geht es wieder viel schneller, bis Carhaix bleiben wir nun leider auf einer stark vom Kraftver­kehr frequentierten Straße. Vor allem die LKW-Fahrer sind sehr aggressiv unterwegs und überholen trotz Gegenverkehr, und nehmen ganz offensichtlich das Risiko, ab und zu mal einen Radler von der Straße zu drängen, in Kauf. Sehr unangenehm.

Thomas – warte bitte mal!
Mein Rad zieht so merkwürdig nach links. Was ist denn da schon wieder? Oder träume ich das nur?
Nö, das ist ganz real. Mist – der zweite Schleicher!!!
Anhalten am Straßenrand – Schlauchwechseln, Antiplattband in die Tonne hauen. Gleiche Ursache, gleiche Wirkung – ärgerlich – zumal ich jetzt auch keinen Ersatzschlauch mehr habe. Na, wird schon gehen.
Als wir Carhaix wieder erreichen, ist es schon Nachmittag.

Carhaix – 703 km, 15:36 Uhr (Zeitlimit: 20:19 Uhr)

Als ich am Kontrollpunkt auf Thomas warte, gesellt sich ein älterer Teilnehmer zu mir. Wir schwätzen ein wenig über dies und das, er kommt mir bekannt vor…
Klar, das ist Friedhelm Lixenfeld, mit 84 Jahren der älteste Teilnehmer hier. Was für ein Kerl, hat schon 4mal PBP gemeistert, ist dieses Jahr zum 5ten Mal dabei. Er ist gut drauf, auch wenn er zugibt, dass er mittlerweile einen kleinen Hänger hat. Seinen Spaß mit Leipzigeinundleipzig, den er los lässt, als Thomas dazu kommt, muss ich bei Gelegenheit noch einmal überdenken.

Wir fühlen uns nach wir vor ausgezeichnet und können glatt noch eine Schippe drauflegen, als es nach Carhaix wieder hügelwärts gen Loudeac geht.
Wenige Kilometer später stellt sich jedoch ein unerwartetes Hindernis in den Weg, welches wir mit vereinter Kraft erst ausräumen müssen. Aber zu verlockend war der lokale Bäcker hier mit seinem leckeren Kuchen, dem Kaffee und der Cola. Dafür hören wir uns auch das ausschweifende Gerede eines deutschen Teilnehmers an.
Gesättigt und zufrieden absolvieren wir rasch noch die Geheimkontrolle Minuten später.
Es hügelt fleißig weiter, wir werden wieder müde, suchen uns ohne Diskussionen flugs eine ruhige Wiese und schlafen eine halbe Stunde. Das ist bei unserem Zeitpuffer ganz gut drin. Umso besser geht es danach weiter.
Und dann fahren wir in einer Gruppe relativ rasch über die nächsten Anhöhen in Richtung Loudeac. Es rollt gut. Aber diese Hindernisse immer!

Als wir in St. Martin des Pres einrollen, sitzen und stehen da in der Kurve ganz unvermittelt Leute mit Akkordeon und Flöte und machen Musik. Tatsache, das ist keine Halluzination. Wir haben ja auch gerade erst geschlafen!
Zu schade wäre es jetzt, an denen und den daneben stehenden Festzelten vorbei zu brausen und sich lediglich auf ein kleines „Bonjour“ zu beschränken.
Nö, das machen wir nicht – der Cidre lockt, die Grillwurst und Pommes auch, der Zeitpuffer lässt es zu und so finden wir uns alsbald in trauter Eintracht im Gespräch mit den Einheimischen wieder.
Wobei ich hier wieder einmal gestehen muss, dass Thomas Nachwende-Französisch/Englisch we­sentlich flüssiger als das meine ist. Gut, dass wir zusammen fahren. Ich könnte denen ja vielleicht mal was vom Klassenkampf der französischen Arbeiter erzählen. Na besser nicht…
Habt vielen, vielen Dank ihr lieben Leute. Das vergessen wir Euch nie!

That’s PBP!!!
Und das finden auch die Kanadier am Tisch, die sich ebenfalls nur schwer lösen können.
Warum müssen wir eigentlich unbedingt weiter fahren? Hier isses doch so schön! Im wunderbaren Abendsonnenlicht genießen wir die schöne Strecke bis Loudeac, wo wieder der Bär tanzt. Auch schön – wir stellen fest, dass nur sehr wenige Franzosen Rad fahren. Aber um so radsportbe­geisterter sind sie und wissen die Leistung auf dieser „Monstretour“ wohl zu schätzen.
Für die sind wir so etwas wie die „Helden der Landstraße“. Ein Gefühl wie ein Schaumbad, so umjubelt zu werden.

Loudeac – 782 km, 21:50 Uhr, Zeitlimit: 02:39 Uhr

Übrigens dürfen wir auch die Kinder an den Straßenrändern nicht vergessen, die sich so gern ab­klatschen lassen. Das führt zwar manches mal zu halsbrecherischen Manövern, macht aber beider­seits sehr viel Spaß. Wir halten uns auch hier nicht lang auf und sind kurz darauf schon wieder auf der Piste, auf dem Weg in die dritte Nacht. Wie machen wir es nun dieses Mal?

Zunächst wollen wir bis Tinteniac kommen, das sollte zu schaffen sein. Und dann sehen wir weiter.
Die Fahrt durch die Nacht wird glücklicherweise auch wieder wesentlich entspannter, als wir unter­wegs ein paar gastfreundlichen Franzosen begegnen. Der Sohn des Hauses dreht ununterbrochen mit einem Keksteller seine Runden, so dass wir bald ausreichend gesättigt sind.
Vielen Dank.
Da man jedoch nachts sehr schlecht einschätzen kann, wie schnell man wirklich vorwärts kommt, entsteht bald der Eindruck, man fahre endlos im Kreis. Ringsum Finsternis, nur wenige weit ver­streute Dörfer bringen ein wenig Abwechslung.
Eine knappe Stunde gönnen wir uns dann auf einem Seitenweg, nur mit der Aludecke zugedeckt und schla­fen ein wenig. Das hilft.
Bei der nächsten kurzen Rast sehen wir wieder dahin geraffte Randonneure schlafend liegen. Aber wir wollen noch ein Stück weiter. Kurz vor Quedillac begegnen wir Frank Weise mit seinem Liegerad. Für einige Zeit wird es etwas unterhaltsamer, dann kehren wir in Quedillac kurz auf Kaffee und Suppe ein, ehe Frank allein wei­ter rollt. Das hier lodernde Feuerchen ist gar zu warm und verlockend. Drinnen die vielen Schläfer… Die stärker werdende Müdigkeit…

Wie lange ist es noch bis Tinteniac? Wie spät ist es? Immer noch Finsternis.
Dann ein auf der Gegenspur Schlängellinien fahrender Japaner. Na hoffentlich passiert dem nix.
Dann fahre ich Schlängellinien und fange an zu träumen…
Tinteniac. Wie weit noch? Wie spät ist es? Halten wir doch besser an und schlafen eine Runde?
Lichter, eine Stadt. Ein Schild – Tinteniac! Wie groß ist denn dieses Nest?
Schlafen, endlich schlafen…
Nein erst die Stempel holen, dann schlafen!
Wir haben die Stempel,

Tinteniac, 867 km, 05:10 Uhr – ist es wirklich schon nach 5 Uhr? (Zeitlimit: 09:12)
Nur vier Stunden Reserve. Das ist nicht so toll. Aber wir müssen unbedingt schlafen. Irgendwo in einer Ecke setzen wir uns hin und schlummern sofort ein. Schlafen…

Dritter Tag

Blick auf die Uhr – Beruhigend, wir sind noch ganz gut im Zeitlimit. Ein Baguette Jambon und ein Kaffee we­cken rasch die Lebensgeister. Dazu wird es allmählich hell.
Abgesehen von einer durch die zusätzliche Radunterhose verursachte Reibestelle, die ich kurz nach Tinteniac mit Sitzcreme erfolgreich behandeln kann, geht es den Umständen entsprechend recht ent­spannt nach Fougeres.
Zunächst versuchen wir in einer Gruppe Engländer mitzufahren, doch deren stetige Tempowechsel und sich verlangsamende Fahrt veranlassen uns, ein wenig mehr Gas zu geben. Und siehe da, es geht wieder. Die Nacht und die Müdigkeit sind vergessen.
Es rollt und die Sonne scheint.
Bald ist Fougeres erreicht.

Fougeres – 921 km, 09:47 Uhr, Zeitlimit: 13:23 Uhr – na passt doch fast wieder.

Ohne Aufenthalt weiter, langgezogene Hügel auf und ab.
So in der Gegenrichtung sieht das alles ganz anders aus. Sind wir hier vorgestern wirklich lang gefahren? Etwas essen könnte man auch schon wieder.
Ein paar junge Mädchen, die das quasi als Ferienvergnügen betreiben, sind die Rettung. Sie standen mit ihren Eltern schon vor Jahren als Kleinkinder mit an der Strecke, wie sie uns im Album zeigen.
Es gibt Pizza! Klasse – und etwas Sirup zum Trinken. Lecker!

Kilometer später die nächste Pause, die Sonne heizt ganz schön ein, man muss es ja nicht übertrei­ben. Also kurzer Genuss im Schatten eines Baumes und den Vorbeifahrenden zuschauen. Das hat auch was!
Bis Villaines ist es dann auch nicht mehr sehr weit. Aber die Luft ist drückend, schwül, es bewölkt sich zunehmend, es tröpfelt ein wenig, man hat das Gefühl, sich mühsam durch eine dicke klebrige Masse zu bewegen. Droht ein Gewitter?
Irgendwie kommen wir nur schleppend vorwärts. Aber auch die Anderen sind nicht schneller. Was tun?
Klar – da gibt es noch unser bewährtes Rezept, der Zeitplan gestattet das auch – eine halbstündige Schlafpause im Schatten auf der Wiese. Danach geht alles gleich viel lockerer.
Und die Einfahrt in Villaines la Juhel wird schon fast zu einer Art Triumphzug.
Was hier los ist! Wahnsinn!
Hier ist ein Getöse wie bei der Tour de France.
Jeder, aber auch wirklich jeder Fahrer bekommt hier seinen persönlichen Applaus. Möööönsch und das alles wegen uns. Kaum zu fassen.

Thomas hat seit einiger Zeit Probleme mit seinem Freilauf und der Kette. Er verschwindet bei den Mechanikern, die aber auch nix weiter tun können, als die Kette zu kürzen, ich schaue mir indessen das Volksfest hier an. Die Krönung ist dann noch der Kinderumzug, der für zusätzliche Stimmung sorgt.
Villaines und deine Einwohner – ein unvergesslich bleibender Eindruck.

1009 km, 16:06 Uhr, Zeitlimit: 20:14 – sieht wieder ganz gut aus.

Deswegen halten wir auch noch einmal beim Bäcker von der Hinfahrt, die junge Verkäuferin ist sehr nett und stellt äußerst interessierte Fragen. Und das Baguette-Brot schmeckt vorzüglich. Vive la France 🙂

Wesentlich schneller geht es nun weiter.
Wir haben unseren Familien ca. 10 Uhr morgen als Ankunftszeit verkündet.
Tatsächlich sind es aber „nur“ noch 220 Kilometer. Werden wir wirklich noch so lange brauchen?
Und so schnell, wie wir jetzt sind, können wir uns das gar nicht so richtig vorstellen. Na gut, dann schlafen wir eben noch eine Runde in der Nacht und kommen dann recht ausgeruht in Paris an. Es rollt und rollt…
Es rollt gut, es rollt Klasse – auch wenn die Luft eigenartig drückend und schwer ist.
Und der Wind weht leise von hinten. Besser geht nicht.
Merkwürdig nur, dass ich ein eigenartiges Gefühl beim Sitzen habe.
Mein Kopf ist ziemlich schwer geworden, der hängt allmählich so tief zwischen den Schultern, ich muss mich zunehmend überwinden und zwingen, den zu heben, um die Gegend an­gucken zu können.

Mortagne au Perche, 1090 km, 21:13 Uhr, Zeitlimit: 02:08 Uhr

Irgendwie wird der Kopf-Nacken zum Problem. Eine Pause wäre gut. Es sind nur noch 140 Kilometer und wir haben eine Menge Zeit. Leider hat mein Wunschverpflegungskandidat, der Kebap-Stand geschlossen. Ärgerlich!
Noch einmal den Berg hinauf zum Verpflegungspunkt wollen wir auch nicht. Also weiter. Weiter, möglichst weit an Paris heran kommen. Aber ärgerlich ist jetzt das mit dem entstehenden Hungergefühl, denn Power-Riegel sind keine wirkliche Alternative.
Ärgerlich auch das jetzt mit dem Kopf – „Shermers Neck“ – ausgerechnet. Die Nackenmuskulatur streikt, ist nicht mehr imstande, den Kopf aufrecht zu halten. Es geht zwar noch – irgendwie – aber wie!
Im Gegensatz zu den schon gefahrenen 1000er-Touren in den letzten Jahren habe ich in diesem Jahr den Lenker nicht höher als den Sattel gestellt. Das rächt sich nun heftig, damals saß ich ein ganzes Stück aufrechter, die Nackenmuskulatur wurde nicht so überlastet.
Wir werden langsamer, ich muss die Hand unters Kinn drücken, um den Kopf aufrecht zu halten. Kurze Pause, kleine Bewegungsübungen – jetzt geht es wieder. Ein Stück wenigstens.
Tut mir Leid Thomas, aber das Problem nimmt mich jetzt völlig in Anspruch. Stück für Stück arbeiten wir uns nun durch die Nacht.
Ein Ort – schade, das Restaurant hat schon geschlossen. Wieder ein Ort, eine Bar, Randonneure davor, es gibt Kaffee und Schokoriegel. Der Nacken entspannt sich.
Thomas schwätzt ein wenig mit den Security-Leuten, die mit den Motorrädern pausenlos an uns vorbei pendeln. Sie achten darauf, dass niemand unfreiwillig im Straßengraben liegt.
Über 30 Mann sind dafür rund um die Uhr auf Achse. Ich hänge müde auf meinem Stuhl herum und versuche mich im Kopf-Auf- und -Nieder-Schwenken. Weiter!
Wieder ein Ort, eine Truppe von Franzosen – es gibt ein paar Tassen dicker Suppe und Kaffee. Wie gut das tut! Danke – Merci beaucoup! Ohne Euch wären wir aufgeschmissen.
Daneben ein Randonneur in Rettungsdecken gewickelt. Als man versucht, ihn zu wecken, verleiert er die Augen, wirkt stark abwesend, weggetreten.
Die nächsten Kilometer – es rollt wieder ein Stück nach der Rast.

Fast über den gesamten Horizont ist ein heller, roter Lichtschein zu erkennen. Ist das schon Paris?
Weiter, der Nacken, die Müdigkeit – ätzend…
Schluss – die Wiese an einer kleinen Plantage sieht gut aus. Bis Dreux ist es nicht mehr sehr weit – das ist nachher zu schaffen. Also Biwaksack raus, gleich so, wie wir sind, ins Gras und schlafen. Der zwischenzeitlich einsetzende Regen stört nur wenig.

Letzter Tag

Als wir wieder wach werden, sehen wir immer noch die endlose Lichterkette, die an uns vorbeizieht.
Shermers Neck ist im Augenblick ganz ruhig. Also rauf aufs Rad, Kilometer machen, ehe der wieder zuschlägt. Erstaunlich schnell geht es weiter. Wir überholen viele übermüdete Gestalten.
Dreux, wir kommen.
Aber wo bleibt Thomas, der war doch gerade hinter mir?!
Ein vorbeifahrender Amerikaner murmelt etwas von friend und chain.
Autsch – die Kette. Also zurück, Thomas ist nicht zu übersehen. Als er nun an der gerissenen Kette werkelt und sich bemüht, das Kettenschloss einzusetzen, hält noch ein Mechaniker auf dem Motor­rad. Der kann zwar nicht helfen, aber wenigstens die Lampe halten.
Alles gut. Problem gelöst. Weiter.

Nach wenigen Minuten reißt meine Kette- wir schauen auf die Uhr und stellen fest, dass wir nur 1,5 Stunden bis zum Kontrollpunkt haben – die Kette ist aber schnell geflickt, ein Geheimkontrolleur hält an und leuchtet unsere Feldwerkstatt aus.

Shermers Neck? Noch ruhig. Schnell schnell. Wir fahren jetzt wirklich ein überraschendes Tempo. Und dann ist im leichten Regen endlich Dreux erreicht.

Dreux, 06:08 Uhr, 1165 Kilometer, Zeitlimit: 07:44 Uhr

Hat geklappt, wir sind noch gut im Zeitfenster und bis Paris sollte nun nichts mehr anbrennen. Nur „Shermers Neck“ meldet sich nach der Pause wieder. Sehr unangenehm, im strömenden Regen durch die graue kalte Pampa zu rollern und nur 2 Meter vor dem Vorderrad weit gucken zu können.
Thomas dirigiert mich, so weit es geht, ab und zu nehme ich die Hand, um den Kopf anzuheben und das Sichtfeld zu erweitern. Aber alles grau, nur ne Menge Randonneure vor und hinter uns. Nichts Neues, haben wir alles schon mal gesehen.
Die letzten Kilometer werden endlos…
Regen, kein Regen, grau ringsum, ach nein, das ist nur der Asphalt, außer dem sehe ich im Augen­blick nicht viel… Trotzdem, ein Trost, langsamer als die Truppe ringsum sind wir auch nicht.

Wir rollen im Regen bis ins Ziel, Lutz muss seinen Kopf per Hand anheben, damit er noch etwas se­hen kann, sein Nacken hat der tagelangen Überstreckung nicht stand gehalten, sobald er los lässt sieht er nur noch den Asphalt zwei Meter vor seinem vorderen Laufrad. Zum Glück ist das Problem erst am letzten Abend entstanden.

Kopf hoch – den Rest schaffen wir auch noch. Leicht gesagt, Kopf hoch geht nur mit Handunterstützung…
Die Pariser Vororte, ein paar letzte Hügel, Wald und Parklandschaften, dann sind wir auf einer Art Autobahn und wenige Minuten später schwenken wir auf die schmale Straße ein, die am See in der Nähe des Velodroms vorbei führt.
Oh, da sind schon die Absperrungen, es regnet, nur Wenige haben sich hierher verirrt.
Die letzte Matte, es piept ein letztes Mal beim Einlesen des Transponders.

War es das schon?
Nö?
Ehrlich?
Wir sind da?

PARIS – 10:15 Uhr, 1230 km, Zeitlimit: 12:30 Uhr

Es ist vorbei.
Wir strömen mit den Anderen ins Velodrome – dort ist Tohuwabohu.
Der letzte Stempel – die Dame, die unser Brevetheft einsammelt, erwähnt kurz, dass sie lediglich einen deutschen Satz beherrschen würde…
Na – und der wäre?

„Das is mir Wurscht!!!“

Frank ist da, er ist kurz vor uns rein, hat ebenfalls erfolgreich gefinisht.
Glückwünsche.
Gegen einen drohenden Shermers Neck weiß er ein gutes Gegenmittel.
Jaaaaaa – aber ich werde trotzdem nicht zum Liegeradler – nicht mehr in diesem Leben 😉
Wir holen die Räder und wandern zum Camp hinüber, wo Thomas‘ Vater und meine Familie wartet.
Wiedersehensfreude. Ein paar Finisher-Fotos…
Während meine Frauen nun noch einmal nach Versailles wollen, packen wir alles zusammen und fahren ins Hotel.
Duschen…
Ein Bierchen…
Und Schlafen…

Paris-Brest-Paris 2015

Es war ein wunderbares Erlebnis. Weniger des Radfahrens wegen, das kann man schließlich (fast) überall, sondern der unvergesslichen Eindrücke, die uns dieses bunte Gemisch von Fahrern aus weltweit über 60 Nationen und die umwerfende Gastfreundlichkeit der radsportbegeisterten Franzo­sen entlang der ganzen Strecke vermittelten. Und wir sind Beide froh, alles heil und gesund überstanden zu haben und keinerlei negative Nach­wirkungen zu haben. Auch das Problem Shermers Neck ist bereits am nächsten Tag fast vergessen.

Sollte man PBP wiederholen?

Thomas:

Eine gewisse Leere beschleicht mich in diesem Moment. Der Gedanke PBP hat uns jetzt fast 2 Jah­re begleitet und auf einmal ist alles schon wieder vorüber

Jetzt, ein paar Tage nach PBP2015 realisiert man immer mehr, dass dieser Traum in Erfüllung ge­gangen ist, wir es tatsächlich geschafft haben. Man läßt die vielen schönen Szenen revue passieren und ist immer noch hin und weg, sprachlos, beeindruckt, ja manchmal wortlos, fast ohnmächtig – vor Glück!

Was kommt jetzt?

Diese Frage stelle ich mir immer wieder – vor Paris war immer das Ziel klar vor Augen – jetzt ist die Ziellinie überschritten, liegt hinter uns und die Schreie und der Applaus der Menschen verhal­len nach und nach – auch wenn sie unvergessen bleiben werden.

Was kommt jetzt? Was kommt als nächstes?

Es ist im Moment egal – wir genießen einfach mal das Erreichte und denken nicht schon wieder an das nächste Ziel, das nächste Projekt.

Lutz:

Ich werde PBP wohl persönlich in dieser wunderbaren Erinnerung behalten wollen und nicht noch einmal fahren. Eine Wiederholung würde diese Erfahrungen eher abschwächen.

Ich spüre nach wie vor keinerlei Euphorie. Es ist eher eine sehr ruhige angenehme, entspannte und gelassene Stimmung in mir. Es war toll, es war wunderbar, es war einfacher, als ich im Vorfeld be­fürchtet hatte. Und wir sind voller Eindrücke gesund und munter (lässt man Shermers Neck mal bei­seite) zurück gekehrt.

Nun freue ich mich, ehrlich gesagt, auch auf die Zeit danach.

Auf das noch einmal gedankliche Nachfahren dieser Tour, das Sortieren und Strukturieren der Ge­danken und Erinnerungen…

Das Aufschreiben…

Und ich freue mich auf die schönen Herbsttouren und das, was die nächste Saison so bringen wird.