Brevet 600 km Nordbayern 2015

Karls Trumpfspiel oder die „Südbayern-Rundfahrt“

14.05./15.05.2015


Irgendwo, bilde ich mir ein, habe ich gelesen, dass die Brevets in Nordbayern die schönsten sein sollen.

Hmmm.

Stockfinster ist es, kalt ist es, wir sind irgendwo mitten in der bayrischen Provinz, der Hundhamer Berg liegt hinter uns und gerade auf dem Steilstück zum Haushamer hat meine Schaltung den Dienst verweigert, so dass ich den Rest hinauf schieben muss.
Was ist da schön dran???

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Klar, bisher hatten wir entgegen aller Prognosen ein fast unverschämtes Glück mit dem Wetter.

Schon gestern, als wir uns beim Italiener in Treuchtlingen noch eine ordentliche Portion Nudeln gegönnt hatten, konnte man in der warmen Abendluft angenehm draußen sitzen und dem A9-ähnlichen Verkehrsgetümmel zugucken.


Und nach dem üppigen Frühstück heute Morgen gab es 8 Uhr einen Start im Sonnenschein.


(an dieser Stelle schon einmal einen großen Dank an die Familie Weimann, die sich mit viel Herzblut und Energie um die Organisation der Brevets und das Wohlbefinden der Randonneure kümmert)


Karls ausgefeilter Tourenplan wies uns bei blauweißem bayrischen Himmel den Weg über die Hochebene oberhalb der Altmühl bis hinüber nach Hemau. Natürlich waren auch einige Quertäler mit entsprechenden Anstiegen und Höhenunterschieden inkludiert. Aber der Westwind schob uns selbst dort recht angenehm, wir waren flott unterwegs und konnten so ganz nebenbei auch noch die Schönheiten der Gegend genießen.
Nach 104 Kilometern war dann in der Tanke Hemau der erste Stempel fällig.


Kleine Info für Sachsen – hier gibt es keine BoWu. Und der „Leberkäs“ war ebenfalls gerade aus. Na ja, eine Schinkensemmel (!) tat es dann auch.


Um die Mittagszeit war es nun so warm, dass wir in kurzen Sachen weiterradeln konnten. Durch das wunderschöne Laabertal rollte es schnell hinab in Richtung Donau. Mit einem Storch im Flug und einer zünftigen Himmelfahrts-Schrammelkapelle in einem Gasthof am Weg zog Karl dann noch weitereTrümpfe aus dem Ärmel.
Jaaaaa, die Brevets in Nordbayern sind wirklich schön. Das ist nicht übertrieben.

Was sagt uns der Name „Bergmatting“?
Genau – Berg – hoch oben – und Matting – der Zustand des Radlers, wenn er den ersten Teil des Namens der Ortslage erreicht. Kleine Hürde vor der Donau.
Jenseits der Donau ging es wellig weiter – wobei wellig auch ein wenig verharmlosend für die bis nach  Wörth an der Isar lauernden weiteren „Bergmattings“ klingt.
Die Sonne heizte ein, ab und zu trafen wir auch unsere Leute auf der Piste und im Autobahnrestaurant in Wörth (Kontrollpunkt 2, km 195 – 16.25 Uhr) bei einem Teller Nudeln wieder.


Einigermaßen gestärkt nahmen wir danach die 50 Kilometer bis Waldkraiburg unter die Räder.
Dieser Kontrollpunkt (257 km – 19.35 Uhr) war ebenfalls recht schnell erreicht. Rast in der Tanke, eine kleine Krise schlich sich an, Grund genug, mal etwas Tempo heraus zu nehmen, um nicht einen Fehler des 300ers oder 400ers zu wiederholen. Glück gehabt – Einbruch erfolgreich verhindert.


Es dämmerte und es wurde nun auch spürbar kühler. Also warfen wir uns entsprechend in Schale und machten uns fein für die bevorstehende Nachtfahrt.
Der Inn wurde überquert, es ist immer wieder faszinierend, wie breit und mächtig sich hier die Wasser dahinwälzen, Kraiburg erfreute uns mit seiner netten feinen Altstadt und weiter kurbelten wir nun nach Süden.
Laut Wetterprognose sollte es abends im Raum Chiemsee bereits Schauer geben, und nachts sollte dann der große Regen beginnen, der uns bis zum Ziel zurück begleiten würde. Dieser befürchtete Regen war auch der Grund, weshalb 50 Teilnehmer schon vor dem Brevet abgesagt hatten. Aber bisher hatten die schon eine ganze Menge verpasst.
Vom Regen war weit und breit keine Spur.

Der Sonnenuntergang angesichts der vor uns liegenden Alpenkulisse – Karls nächster Trumpf im Ärmel – beeindruckte uns noch einmal entsprechend, ehe dann die Dunkelheit einfiel. Mit einer kleinen Gruppe ging es nun wieder recht rasch bis Prien.
Freie Kontrolle – im McDonalds (311 km, 22.30 Uhr) sahen wir demzufolge eine Menge Kollegen und Kolleginnen wieder.
Na bisher ging das ja richtig gut. Auch wenn der Hunger und Appetit gerade mal für eine Portion Pommes reichte.


Unsere Überlegung ging nun dahin, dass wir vor dem Regen die angesagten „Killerberge“ Hundham und Hausham vielleicht doch noch im Laufe der Nacht „erledigen“ könnten. Dieselbe Überlegung hatten natürlich auch alle Anderen und so sah man nun auf dem weiteren Weg hügelauf und hügelab über Frasdorf, den Inn und Bad Feilnbach immer mal wieder das eine oder andere rote hintere Ende eines Randonneursglühwürmchens. Mehr sah man nicht. Denn mittlerweile war es stockfinstere Nacht.
Am Hundhamer Berg (Alternativroute, weil auf der Originalroute gebaut wurde) zog Karl den nächsten Trumpf – einen schönen Blick auf die Lichter der unter uns liegenden Dörfer, der angenehm von der über uns im Wald aufblinkenden roten Glühwürmchenkette einer Gruppe von Randonneuren ablenkte. Bei solchen Bergen gucke ich doch lieber hinab auf das, was schon abgearbeitet wurde, als auf das, was noch vor mir liegt.
Na ja…
Hundham ist geschafft, Hausham folgte sogleich und nun schiebe ich ein wenig frustriert das Radl die paar Meter noch bergauf. Thomas wartet oben, die Gruppe hat es auch zersprengt.


Schön ist das n…
Moment mal – es war bisher einfach Klasse – UND – es regnet immer noch nicht.


Die Belohnung für die beiden Berge lösen wir unverzüglich ein, es folgt eine lange Abfahrt am Schliersee vorbei bis Gmund am Tegernsee. Leider nix zu sehen – ist ja mitten in der Nacht.
Und weil man vorher so maßlos geschwitzt hat – ist die kühlende Wirkung des Fahrtwinds bergab auch nicht so der Bringer. So kommt also ein klappernder Haufen müder Gestalten nach über 380 Kilometern gegen 3.15 Uhr endlich in Bad Tölz an. Das Bergfest, die Halbzeit ist lange vorbei.
Prima, bis hierher sind wir aber noch im Trockenen gekommen.
Und in der Tanke ist es so wunderschön warm, dass viele das freundliche Angebot des „Hoteliers“, sich in der mit Tischen und Stühlen präparierten Waschstraße breit zu machen, dankend ablehnen. Dort wird es um Einiges kühler sein.
Sitzend vor dem Zeitungsregal, fällt es schwer, sich überhaupt noch einmal zu erheben. Aber Schlafen ist auch nicht. Zu hell, zu unruhig, ein wenig Dösen, mal kurz die Augen schließen… Den eigenen strengen Randonneursgeruch inhalieren…
Es ist noch nicht hell draußen, als ein paar Typen in Reflexwesten herein kommen, die offensichtlich nix Besseres zu tun haben, als in der Nacht Rad zu fahren. Und die sehen ziemlich nass aus.
Schade, nun hat der große Regen wohl doch begonnen.
Nach einer heißen Schokolade müssen auch wir wohl oder übel weiter. Zwei Stunden Pause sind genug.
Draußen ist es immer noch dunkel, kalt und nun im kräftigen anhaltenden Regen auch noch ziemlich feucht.
Von Bad Tölz geht es in Richtung Starnberger See, natürlich nicht ganz eben, wäre ja auch langweilig.
Man muss viel Phantasie haben, um sich derzeit vorzustellen, wie das hier bei schönem Wetter aussehen könnte. Nur – selbst die Regensachen halten den Regen nicht ab, mein Navi gibt den Geist endgültig auf, so dass wir hoffen, dass Thomas‘ Navi uns zuverlässig weiter lotst – das schränkt die Freude, die Phantasie ein wenig spielen zu lassen, enorm ein.
Es wird nicht richtig hell, statt der gestrigen 25°C haben wir jetzt 8°C.
Anhalten ist nicht, wer anhält, friert.


So geht es im gemäßigten Tempo durch das verkehrschaotische Weilheim (kennen wir noch von unserer D N-S-Tour 2014) über den nächsten Berg zum Lech.
Und wir schaffen es schließlich, Landsberg (Kontrollpunkt bei km 465) zu erreichen.
Die Pfützen, die wir hier in der Tanke hinterlassen, erinnern uns ein weiteres mal an die D N-S-Tour im letzten Jahr.
Und der eine Kollege am Nachbartisch schlottert leise vor sich hin… Das steckt an. Warmzittern… Wo gießt man sich die heiße Schokolade jetzt am Besten hin, über die Hände, die Füße oder doch besser in den Hals?


Täuschen wir uns? Oder lässt der Regen nach der Pause wirklich nach?! Tatsache, es pieselt  nur noch leise vor sich hin.
Das Lechfeld wirkt nach den Eindrücken der bisherigen Tour nahezu öde und trist, so flach ist es hier.
Doch keine Sorge, so platt geht dat nicht weiter.

Selbstverständlich hat Karl auch hier noch einen 13%er gefunden, den er einbauen konnte. Danke – jetzt ist uns wieder warm.


Wertingen bei km 550 ist der letzte Kontrollpunkt.
Allerdings nimmt die Müdigkeit auf dem Weg dahin enorm zu, die Augen brennen, die zieht es fast zu. Nur nicht einschlafen auf dem Rad. In einem kleinen Ort gibt es zum Glück eine Tanke mit einem prima starken Kaffee!
Der hilft ausgezeichnet, um schließlich gut bis Wertingen zu kommen.
Von dort ab rollt es zusammen mit zwei Triathleten aus dem Rheinischen ganz entspannt.

UND – ganz wichtig, es ist trocken – das Grau wird heller.


Donauwörth, Überquerung der Donau, weiter auf kleiner Straße bis Marxheim und da isser. Endlich! Der erste „Schweinebuckel“.
Dummerweise kommt es mir auf diesem und den nächsten Anstiegen immer wieder so vor, als sei ich zu leicht und nicht mal mehr in der Lage, die Pedale nach unten zu drücken.


Das Gehirn wird plötzlich hellwach und beginnt zu rechnen, zu zählen, noch 25 Kilometer, noch 20, noch 18…. Prima, die Abfahrt war jetzt gut, ein schneller Kilometer…
Wieder mal oben, die Wolken reißen auf, die Sonne lacht…


Ein Schild nach Pappenheim – 5 Kilometer! Pappenheim – Treuchtlingen? Das waren doch nur noch 6 Kilometer – oder so ähnlich.
Der Fahrradcomputer zeigt auch bereits seit einer Weile eine Zahl jenseits der 600 an.
Und dann die Abfahrt! DIE Abfahrt. Wir lieben unsere Pappenheimer – weil die so schön im Tal wohnen.

Karls letzter Trumpf – die Pappenheimer mit ihrer Abfahrt.


Wie er dann vor dem Vereinsheim bemerkt, dass wir ankommen, ist ein Rätsel. Auf jeden Fall lässt er es sich nicht nehmen, jeden Einzelnen mit Handschlag zur bestandenen „Prüfung“ zu beglückwünschen.
Danke, das nenne ich Ankommen!


Heidi sorgt drinnen seit Stunden fleißig mit reichlich Spaghetti dafür, dass die Kohlenhydratzufuhr wieder stimmt, und wir alle wieder schnell zu Kräften kommen. Den Rest besorgen dann die Hefeweiße…


Ursprünglich wollten wir ja vielleicht noch am Abend zurück fahren.
Aber dann wird es urgemütlich und so ist es  nach ein Uhr, ehe es mal kurz in die Koje geht.
Immer noch sind Leute von uns draußen auf der Strecke. Karl wird bis drei Uhr warten und auch von ihnen jeden mit Glückwünschen empfangen.

Es ist egal, ob der Brevet 4000, 5000 oder 6000 Höhenmeter hat, ob Du das Ding in 35 oder 39 Stunden fährst.
Nimm Dir die Zeit, die Tour nicht als Rennen zu fahren, sondern die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Genieße diese Stunden…


Karls Philosophie kann ich mich nur anschließen.


Und wenn dann auch das Drumherum um diese Tour von viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft bestimmt ist, dann kommt man immer wieder.

Brevet 400 km Sachsen 2015

02.05./03.05.2015

Wer wollte, konnte sich dank Olafs Einladung am 02.05.2015 auf den Sachsen-400er wagen.
Die Teilnehmerschar im Vergleich zu den beiden vorhergehenden Brevets war allerdings dieses Mal recht überschaubar.
12 Uhr, ja Olaf meinte es gut mit uns, er wollte uns eine volle Nachtfahrt gönnen, ist endlich Start.
Und dieses Mal bei Sonne satt!

Es rollt zunächst zügig durch das südöstliche Leipziger Umland, dann in Markkleeberg schwenkt die Route nach Süden. Bis Profen beteiligen wir uns schließlich auf der B2 am Treiben der motorisierten Verkehrsteilnehmer. Leider sind nicht alle von denen nervenstark genug und fallen durch aggressives Fahrverhalten ein wenig aus der Rolle.

Weshalb gibt es diese Gelassenheit hier in Deutschland einfach nicht. Es ist so, als ob man als Radler den Autofahrern auf einer Bundesstraße geradezu ein Teil des existenziellen Minimums rauben wollte, so extrem wird da um jedes Stück „Freiheit“ gekämpft.
Leben und leben… Nein fahren und fahren lassen – das geht offensichtlich nur in anderen Ländern.

Toleranz und Gelassenheit im Umgang miteinander…


Na gut, genug über dieses Thema geschwafelt.

Ab Profen zwischen den Tagebauen hindurch gen Weißenfels bieten alte Förderbücken imposante Einblicke in die mitteldeutsche Braunkohlenabbau-Geschichte. Das ist mindestens ein Foto wert.
Und in der Tanke am Ortseingang von Weißenfels ist für diese Tour der erste Kontrollpunkt angesetzt, wo man die anderen Randonneurskollegen wieder zu Gesicht bekommt.
Via Markröhlitz rollen wir dann flugs hinüber nach Naumburg. Von der Höhe bietet sich ein bei diesem Wetter wunderschöner Blick hinüber ins Saaletal. Schulpforte, Bad Kösen, Burg Saaleck, Rudelsburg, eine tolle Gegend ist das hier, man müsste viel öfter mal…
Dann haben wir tatsächlich schon Bad Sulza erreicht und zwischen all den kaffeetrinkenden und Eis schleckenden Gästen bekommen wir problemlos den „Durchfahrtsbeglaubigungsstempel“ an der Kureinrichtung.
Der erste Stich lauert anschließend auf der Straße nach Auerstedt.

Richtig – Auerstedt – da sorgte Napoleons Armee  1806 für eine größere preußische Niederlage. Deswegen gibt es hier auch ein (Napoleon)-Museum und eine Napoleonstraße.
Die Sonne scheint, die Rapsfelder blühen unter einem blau-weißen Wolkenhimmel, der Wind weht milde, und weit ist das frühlingshafte Land der Apachen.

Was kann es also an solch einem Tag Schöneres geben, als Rad zu fahren.
Als wir einigermaßen euphorisch beim ersten Bäcker in Buttstädt keinen Stempel bekommen und deswegen nochmals beim nächsten Bäcker halten, ist die Stimmung einfach super.

Nur mal so vorweg erwähnt… Man soll einfach den Moment genießen!


Denn als es nach Apolda hinüber etwas intensiver über die Hügel gen Magdala geht, fällt es in dieser Laune ziemlich schwer, zu akzeptieren, dass es nicht so weiter gehen wird.
Wo es rauf geht, geht es (meistens) auch wieder runter. Doch das Runter hält sich mittlerweile in Grenzen, und ehe der Höhenzug zum Saale-Seitental überquert ist und wir es wieder bergab nach Kahla rollen lassen können, ist einige Anstrengung gefragt.

Zumindest bei mir – Thomas steckt die Anstiege offensichtlich wieder etwas entspannter weg.
Hmmm – dass dann auch allmählich der Widerwillen gegen feste Nahrung zunimmt, war fast klar…
Ein Riegel geht gerade mal so. Aber das reicht nicht so richtig, um bis Pößneck hinauf gut weiter zu fahren. Nach Kahla hinab und im dämmrigen Saaletal, langsam wird es dunkler, ist alles so weit noch ok. Und auch das wunderbare kleine Tal hinauf nach Hütten lässt sich in der Abendstimmung noch gut genießen.

Kontrollfrage – was steht auf der Fahne an der Jugendeinrichtung?

Zum Glück gibt es hier nur eine Fahne… Hell genug zum Lesen ist es gerade noch.


Aber in Pößneck selbst, gelingt es doch nicht mehr, die Bockwurst komplett zu verspeisen. Das übliche Dilemma – Anstrengung – Essen geht nicht – wo soll also die nötige Energie herkommen…
Das rächt sich nun am nächsten Anstieg. Wie weit geht es denn diesen dämlichen Berg hier im nächtlichen Dunkel noch hoch?! In mir sträuben sich alle Sinne gegen diese merkwürdige Art von Beschäftigung, sich mitten in der Nacht irgendwelche Berge hinauf zu schinden.

Kontrollfrage: wer ist hier wirklich dämlich – der Berg oder…???


Spaß macht das zur Zeit überhaupt nicht, zumal es nun auch immer kälter wird.


Irgendwann ist es trotzdem überstanden. Die Gegend bis Auma ist wieder bekannt, nur war es im letzten Jahr an dieser Stelle etwas heller, so dass man die Landschaft wirklich genießen konnte.
Ab und zu nähern sich von hinten gespenstische Grüppchen von außergewöhnlich großen Glühwürmchen, ziehen an uns vorbei und entschwinden gaaanz langsam mit ihren roten Hinterteilen wieder in der Nacht.

Ach nein, das waren die Randonneurskollegen…

Einige deftige Anstiege, Flüche und eine Schiebeeinlage weiter, laut Thomas ist es schon halb drei, haben wir das Gefühl, dass die Müdigkeit zu groß wird.
Aber wie für uns gemacht, hat da mitten in der Pampa an der Strecke ein EC-Hotel nur für uns geöffnet. Und da drinnen ist es auf jeden Fall viel wärmer als hier draußen.

Also ist Ruhepause angesagt.

Besser mal ne 3/4-Stunde die Augen zumachen und aufwärmen, als draußen weiter herumzueiern und einen Unfall zu riskieren.

Man sollte es nicht glauben – so ein Päuschen ist tatsächlich Gold wert. Man friert nicht mehr, man ist wieder wach (!!!) und konzentriert. Topp.
Einigermaßen gut gelaunt kurbeln wir nun weiter durch Werdau, Crimmitzschau aus dem Pleißetal hinüber ins Muldetal.
Es hat etwas Belebendes, aus dem Nachtdunkel in einen erwachenden Tag hinein zu fahren, es ist immer wieder faszinierend, wenn sich am östlichen Nachthimmel erste Lichter zeigen und in Kürze die Sonne und ihre Wärme zu erwarten ist.
Zunächst spendet uns aber die Tanke in Glauchau ihre Wärme. Eine Büchse Mischobst und heiße Schokolade sind jetzt die Rettung. Etwas in den Magen bekommen. Und der scheint hocherfreut über den Nachschub und bedankt sich mit einem Form- und Motivationsschub.
Was denn, sooo schlimm war es doch gar nicht.


Wir freuen uns über das Wiedersehen mit den Randonneurskollegen, u.a. auch den Radlausickern (sehr lesenswerter Blog) die auch zum Teil irgendwo mal ne Schlummereinheit eingelegt haben und nun pünktlich hier am Treffpunkt erscheinen oder hier unter dem Tisch noch ein Nickerchen machen. Ein angenehmer Tagesbeginn.


Derartig gut gelaunt sollten die letzten hundert Kilometer auch noch zu schaffen sein. Zumal jetzt auch die aufgehende Sonne dafür sorgt, diesen Tag zum einem schönen zu machen.
Mit frischen Kräften geht es nun wieder auf die Piste, Rochlitz, Colditz, es rollt, den verbliebenen Kräften angemessen, ganz gut.
Colditz – Leisnig – Mist, da hat der Routenplaner noch ein paar Hügel eingebaut… Aber warum nur einfach und die Talstraße nutzen, wenn es auch anspruchsvoller geht.


Mügeln… Blick zum Collmberg – nein, der muss heute nicht mehr sein.
Oschatz.
Die Endkontrolle ist erreicht. 10.42 Uhr – vier Stunden vor dem Zeitlimit.


Der Sachsen-400er ist Geschichte.


In Bennewitz müssen wir nun nur noch die Brevet-Karten einwerfen.
Und es gibt noch ein Flens (ohne) zum Abschied.


Mit Rückenwind :-)) wird dann ganz genießerisch bis nach Hause das erste Brevet-Teilstück von gestern Mittag „nachgearbeitet“ (inkl. Ausblicken auf unsere schöne Umgebung im Osten der großen Stadt).

Das dritte (vierte – mit dem 600er vom Vorjahr) Bausteinchen für eine mögliche Teilnahme an PBP 2015 ist gesetzt.

War es schön?


Die Mischung macht den Reiz – schöne Momente gab es genug – gerade, wenn man es nicht nur ausschließlich unter dem sportlichen Aspekt sieht, sondern sich auch mal zehn Minuten Zeit nimmt, die Landschaft und Natur, durch die man reist, zu bewundern. Oder die Treffen mit den Randonneuren in den einschlägigen Tankstellen Mitteldeutschlands…
Und es gab, war zu erwarten, auch wieder mal Momente, in denen man das Rad am liebsten im nächsten Container entsorgt und sich unter eine warme Bettdecke verkrochen hätte.


Wir sind gespannt auf den nächsten Brevet 🙂

Brevet 300 km Sachsen 2015

Samstag, 11.04.2015

Na das war mal wieder eine Erfahrung.
Es ist lange her, dass es mir nach einer Tour dermaßen mies ging.
Aber woran liegt’s?

„Das Können bestimmt das Dürfen.“ – so oder ähnlich hat den Spruch wohl der große Reinhold Messner geprägt. Und damit hat er fatalerweise Recht.

Können – der Radelnde Uhu ist nun mal kein besonders schneller Renner.

Und wenn er wie ein Anfänger dann mit leichten Kopfschmerzen und einem leichten Ziehen in den Oberschenkeln schon auf den ersten 40 Kilometern nach dem Start vergisst, dass da noch 270 weitere Kilometerchen lauern, und versucht, es den Jungen, Starken, Schnellen nachzumachen und in der Anfangseuphorie kräftig mit in die Pedale tritt, dann muss er sich nicht wundern, dass er schon auf dem ersten Berg, dem Collm, ziemlich außer Puste ist.
Ein Brevet ist kein Rennen. Und wie es der Radelnde Uhu schon „weise“ in seinen Betrachtungen feststellte, mit dem Bestreben, möglichst schnell die Tour „abzureißen“ und „abzuhaken“, bringt er sich selbst möglicherweise um die schönsten Erlebnisse, den Genuss und dümmstenfalls in die Bredouille, dass der Körper irgendwann keine Lust mehr hat und den Dienst aufkündigt.


Das Wetter ist schön, mild, sonnig, der Wind weht mäßig von West, das ist vom Collm über die Hügel bis Colditz etwas lästig. Dazu funktioniert aber die kleine Gruppe mit Thomas und einem sympathischen PBP-2011-Veteran sehr gut und so kündigt sich der Einbruch nur zögerlich an.
Zwischenzeitlich „ballert“ Olaf an uns vorbei, unglaublich, er ist 20 Minuten später gestartet und hat uns schon nach 50 km überholt. Wie macht er das nur?


Schön im Sonnenlicht liegt das Tal der Freiberger Mulde, die Kontrollfrage kurz vor dem ersten Stempel haben wir rasch beantwortet, dann ist kurze Rast in der Tanke bei Colditz angesagt.
Der Radelnde Uhu hätte es nun aber auch wissen müssen und sich entsprechend darauf einstellen können. Das Streckenprofil war klar und deutlich, auf den ersten 170 Kilometern musste der Großteil der über 2700 Höhenmeter eingefahren werden. Heißt im Klartext, der Organisator (vielen Dank Olaf  😉 ließ es sich nicht nehmen, den am heutigen Sachsen-300er beteiligten 70 Randonneuren jeden möglichen Hügel an der Strecke zu gönnen.
So huppelt es sich im stetigen Auf und Ab hinüber nach Geithain, von dort geht es wellig weiter nach Südwesten und dann auf der B95 (auf der man vor der Neueröffnung der A72 als Radler keine Chance hatte) zunächst ganz runter zur Zwickauer Mulde und gleich darauf wieder hinauf zur Kreuzung, wo die Shell-Tanke von Penig eine leckere BoWu und eine Cola für uns bereit hält. Nebst Stempel natürlich.
Bis hierhin also ganz gut, auch wenn die Beinchen nach 100 km nun etwas schwer geworden sind. Irgendwie fühlt man sich leicht angeknackst, etwas müde, fröstelig… Also besser die Jacke anlassen – totgeschwitzt hat sich vermutlich noch niemand. Zumal es nach der Pause erst einmal wieder rasch bergab zur Mulde geht, um die folgenden Anhöhen nach Lunzenau, Cossen und Wechselburg in voller Schönheit genießen zu können.


Die Einbruch sendet die nächsten Signale aus… Soll ja niemand behaupten können, der Radelnde Uhu wäre nicht vorgewarnt gewesen.
Hmmm… Das übliche Leiden – der Radelnde Uhu schwitzt wie ein Wilder, trinkt zu wenig und die Mineralien verflüchtigen sich ersatzlos aus dem Körper und hinterlassen lediglich schöne Ornamente im Gesicht oder auf der blauen Jacke.
Aber Thomas erfreut sich zwischenzeitlich immer mal wieder an den schönen weißen kristallinen Mustern.


Dann gesellen sich oberhalb von Wechselburg noch zwei andere Randonneurskollegen zu uns, die dem radelnden Uhu leider doch etwas zu schnell sind. Zudem ist der Weg zwischen den beiden Kontrollpunkten Penig und Meißen mit 99 Kilometern sehr lang.
Schade – es nützt nix. Auch wenn der Wind von hinten kräftig über die Höhen nach Waldheim schiebt, kurz vor Etzdorf im schönen Striegistal ist „Pumpe“.
Es folgt die überfällige Zwangspause – mindestens eine Banane muss sein.
Die Anderen sind entfleucht – Thomas wartet und zusammen nehmen wir nun die letzten Hügel bis Nossen unter die Räder.
Erst dann können wir es zügig im Triebischtal bis Meißen abwärts rollen lassen. Das kraftsparende Vorankommen in diesem herrlichen Tal täuscht ein wenig darüber hinweg, dass der Körper nur noch reduziert funktioniert.

Meißen nach 195 km ist also bald erreicht, dort wühlen wir uns durch das Autochaos, die Kontroll-Tanke bietet eine (salzige – genau das Richtige) Bockwurst und Getränke. Und dort treffen wir auch unsere Begleiter wieder. „Unser“ dritter Mann wartet auf uns.
Da der Radelnde Uhu etwas von Kräften ist, spannen sich nun die Beiden vorne dran und so ist trotzdem ein gutes Vorankommen möglich.
Bis Diesbar bieten die Weinberge und die villenartigen Häuschen am Elbufer und in den Hängen immer wieder sehr idyllische Bilder. Erst ab Nünchritz wird die Landschaft eintöniger. Ein kurzer Blick zum Collm im Westen, dort waren wir heute Morgen. Darüber eine dunkle Wolkenwand mit Regenschleiern. Aber mit etwas Glück könnten wir diese auf unserer Route umfahren. Dann ein kurzes Stück auf der 4-spurigen Schnellstraße in Richtung Gröditz, es sind allerdings nur wenige Autos am Samstagabend unterwegs. Und bis Bad Liebenwerda rollte es dann noch ruhiger und entspannter.
Nun erwischen uns doch ein paar Tropfen, die Abendluft wird auch spürbar kühler.

In Falkenberg sind wir gegen 19.45 Uhr.

Freie Kontrolle, der REWE-Markt hat noch geöffnet. Wenigstens eine Banane und etwas Trinken.

Aber der Einbruch ist nun da. Der Magen reagiert etwas genervt und unwillig auf die zugemutete Anstrengung, Essen geht nicht mehr, die kalten Getränke will er auch nicht so Recht.
Und das zeigt nun auf dem folgenden Abschnitt gegen den Wind nach Torgau seine Wirkung.
Thomas‘ Kreuz ist breit genug, dass sich der Radelnde Uhu dahinter verstecken kann, auch wenn der dabei ein ganz schlechtes Gewissen hat.
Die Beiden machen vorn die Arbeit und schleppen den auch noch ab!
Ihm geht indessen das böse Wort vom „Hinterrad-Lutscher“ durch den Kopf. Aber es ist nicht zu ändern. Die Kraft, vorn im Wind zu fahren, ist einfach nicht mehr da.

21.10 Uhr kurze Stempel- und Trinkpause in Torgau, dann weiter in Richtung Ziel.
An sich sind 35 Kilometer nun keine Entfernung mehr. Aber nicht zuletzt wegen dem Radelnden Uhu ist nur noch ein Schleichen durch die Dunkelheit möglich. Schildau – Baustelle, querdurch, die Reifen haben es gut überstanden.

Falkenhain, jeder Huckel ist jetzt ein Berg. Und in ganz traumatischer Erinnerung bleibt der letzte Anstieg vor Wurzen. Dunkel, kalt, windig, ein gebannter Blick auf das Rücklicht vom Vordermann… Und der „Berg“ nimmt kein Ende.


Doch… Es ist zu Ende.
Plötzlich rollt es wieder – nach Wurzen hinein. Durch die Stadt, über die Mulde – Bennewitz -das Ziel aller Träume 🙂
Wir haben von Torgau bis hierher fast 2 Stunden benötigt. Trotzdem überholte uns eigenartigerweise niemand.
Klar, die Schnellen sind schon lange vor uns hier gewesen. Olaf ist schon gar nicht mehr da, als wir in der Turnhalle 23.25 Uhr das Beweis-Zielfoto an der Uhr mit Porträt und Brevetkarte machen.
Und Einige werden noch viel später als wir ankommen.

Danke Jungs fürs „Abschleppen“!!!

Das wars.
Es war heftig, grenzwertig… Es sollte so nicht wieder passieren.
Der Radelnde Uhu muss sich ernsthaft Gedanken machen, wie er dieses Malheur beim 400er, an den er jetzt lieber nicht denkt, vermeiden kann. So gesehen sind plötzlich auch Zweifel da, ob PBP 2015 nicht doch ’ne Nummer zu groß ist. Muss man sich das wirklich antun?
Während die Anderen heißhungrig noch leckere Soljanka oder Kuchen spachteln, geht hier nix mehr.  Mist!
Na gut, wenigstens ein Bierchen „ohne“ ist noch möglich…

Und warum schreibt der Kerl seinen Bericht heute in der dritten Person?
Vermutlich steht er immer noch ein wenig neben sich und beobachtet sich ein wenig  verwundert, weil er seine eigenen Erfahrungen mal wieder nicht beachtet hat.


„Das Können bestimmt das Dürfen.“
Und wer nicht kann, darf nicht (zu schnell fahren z.B.).

Besser – immer behutsam, immer auf Low-Level. Geschwindigkeit zählt nicht – das Ankommen ist wichtiger.
Und es soll Spaß machen.

310 km in 12.46 Std. (netto) oder 15:25 Std. (brutto)

Brevet 200 km Berlin 2015

Meine Schuhe quietschen! – oder – Regen-Brevet durchs Ruppiner Land

21.03.2015


Dabei war es gestern noch so schön – wolkenloser blauer Himmel, mild, der Sonnenuntergang auf der abendlichen Fahrt nach Berlin war auch nicht von schlechten Eltern.
Der Wetterbericht hatte zwar vorgewarnt, punktgenau sollte es an diesem Samstag Regen und Kälte geben, vorher und danach würde es selbstverständlich schön sein.
Doch die Meteorologen waren der Meinung, dass der Regen erst am Nachmittag einsetzen sollte, da wollten wir ja bereits wieder auf dem Rückweg sein und Regen von hinten ist ja nun auch halb so wild.
Das Aufstehen halb sechs fällt ziemlich schwer. Liegt es an den Bierchen und dem leckeren Schlehe, die wir nach dem Nudelessen gestern Abend im Auto noch vertilgt haben, dass man die Augen nicht aufbekommt? Im Schlafsack ist es mollig warm, so ein „Tourbus“ ist ne feine Sache, und draußen ist der Himmel trübe. Aber die Randonneure warten nicht. 6 Uhr ist drüben im Amstel House Startunterlagenausgabe und 7 Uhr soll es zum ersten Mal in diesem Jahr auf die 200er-Piste gehen.
Als wir dort eintreffen, ist schon großes Tohuwabohu. Wohl auch auf Grund des anstehenden Jahreshöhepunkts Paris-Brest-Paris haben 90 Radler heute ihre Teilnahme angemeldet. Das ist für die Berliner Organisatoren das Limit, mehr geht nicht. Aber auch wir wollen mit dem ersten Brevet 2015 hier  und heute den ersten, na gut, nach dem 600er vom letzten Jahr den zweiten Schritt in Richtung PBP gehen. Vielleicht klappt es ja sogar mit einer Teilnahme an diesem großen Ereignis. Wäre toll…
Ingo, Ralf und Klaus haben alles gut im Griff, so dass Punkt 7 Uhr nach kurzer Ansprache die erste 30-Mann-Gruppe starten kann. Im moderaten Tempo werden wir an Tegel vorbei nach Nordwesten aus der Stadt hinaus geführt. Das ist für uns „Landeier“ lebensnotwendig, vermutlich würden wir sonst ein paar Stunden länger in der Großstadt umherirren…
Über Hennigsdorf geht es nach Kremmen, das Grau wird etwas düsterer.
Die Schnellen sind schon weg. Irgendwann an einer roten Ampel haben wir den Kontakt verloren, also fahren wir nun in 5er-Gruppe bis zum ersten Kontrollpunkt nach 53 km, den wir 9 Uhr erreichen. Den ersten Stempel gibt es drinnen im Vereinsgebäude des Golfplatzes.
Pünktlich zur Pause beginnt nun auch der Regen, leider wesentlich zeitiger als erwartet… Und kalt ist es geworden, der mäßige Westwind sorgt dafür, dass die gefühlte Körpertemperatur in den immer feuchter werdenden Klamotten auf <30°C sinkt. Nix wie weiter.
Im leisen Pieseln wirkt die flache Landschaft ziemlich trostlos, selbst der Ruppiner See ist derzeit kein Anreiz für die Sinne. Und natürlich fehlen auch heute die Berliner Spezialitäten nicht – die beliebten Kopfsteinpflasterpassagen in Dörfern am Ende der bewohnten Welt sind wieder ein bewährtes Mittel gegen Sekundenschlaf.
Wir kurbeln weiter bis Walsleben (86 km), hinter der Kirche lauert der gelbe Straßenwegweiser nach links, auf dem die Antwort für die Kontrollfrage steht. „Dabergotz 6 km“ – woher ausgerechnet beziehe ich jetzt die Assoziation zu „Aitersteinering“.
Die Handschuhe sind angenehm vollgesogen, setzt man sie einmal ab, benötigt man eine ganze Weile, ehe man sie wieder angezogen hat. Totzdem, wenn man Minuten nach dem Stopp wieder das Gefühl hat, sich ein wenig warm gefahren zu haben, ist es trotz deren Nässe immer noch besser als ohne. Dazu quietscht es in den wasserabweisend geglaubten Winterschuhen verdächtig. Mist – meine Schuhe sind durch. Doch wenigstens ist die Jacke dicht. So kann der Schweiß von innen nicht nach außen – das garantiert eine gleichmäßig über den Körper verteilte Feuchtigkeit.
Wusterhausen, nach 103 Kilometern, freie Kontrolle – die beste Wahl ist der Bäcker neben Netto – das haben auch alle anderen Randonneure, die wir hier sehen, übereinstimmend festgestellt. Einige klammern sich an die heiße Kaffeetasse, Andere schieben sich den fälligen Nahrungsnachschub in  Form von Kuchen hinein.
Wir haben übrigens einen Riesenrespekt vor Klaus, dem ein ganzes Stück weit über 70jährigen Senior, der mit geschienter rechter Hand den Brevet quasi mit Links absolviert und dabei genauso schnell, wenn nicht noch schneller als wir ist. Kaum auszudenken, wo er jetzt schon wäre, wenn er in bester Verfassung ist.
Nachdem Thomas seinen Kuchen verspeist hat und die Brevetkarte gestempelt ist, geht es schnell weiter. Nur keine langen Pausen jetzt, trocken werden wir sowieso nicht mehr, und wenn man in den nassen Klamotten weiter auskühlt… Na ja.
Das nächste Stück führt entlang der Dosse nach Neustadt, das ist ein kleiner feiner Radweg auf einem kleinen Damm am Flussufer. Wunderschön… Man könnte diese Landschaft glatt genießen, wenn da heute nicht jemand den Graufilter vor das Objektiv geschraubt hätte.
Neustadt, weiter nach Süden, sogar Kraniche sind zu sehen und etwas später rast ein Fuchs im Galopp übers Feld.
Stölln bei Rhinow ist nicht lange danach erreicht. Lilienthal unternahm hier seine Flugversuche und am ältesten Flugplatz der Welt, neben dem eine alte Iljuschin 62 steht, ist das „Schwalbennest“ unser nächster und letzter Kontrollpunkt bei 125 km.
Na gut, für uns Ortsunkundige stehen noch 2 kmchen mehr auf dem Tacho, weil wir erst ahnungslos vorbei fuhren, ehe wir unseren Fehler bemerkten.
Drinnen wärmen sich einige Randonneure auf. Wir Beide wollen aber nur noch zurück, nicht noch weiter auskühlen, müde werden, schwere Beine bekommen.
Dank des immer noch wehenden Westwinds rollen wir nun durchs sicher sehr idyllische Havelländische Luch wesentlich besser und zügiger. Die Kilometer purzeln, bis Nauen gibt es noch eine super Fahrradstraße, vermutlich auf einer alten Bahntrasse angelegt. So wird die Stadtdurchfahrt vermieden und schnell befinden wir uns auf dem Weg nach Falkensee.
Dummerweise habe ich wieder mal zu wenig gegessen. Das rächt sich gerade heute bei diesen Bedingungen. Erst mache ich mir ganz besorgt Gedanken, warum es mir immer schwerer fällt, vorwärts zu kommen… Das sollte bei längeren Strecken nicht passieren. So nützt es nichts, wir müssen kurz halten.

Aber ein Schoko- und ein Energieriegel wirken Wunder und liefern fast sofort die abhanden gekommene Energie, so dass es relativ entspannt und rasch weiter gehen kann.
Die Zahl der aggressiv fahrenden Autos nimmt nun enorm zu, wir nähern uns Berlin. Irgendwie ist diese Stadt einfach zu groß. Die Menschenmassen, der Verkehr, chaotisch, kaum zu fassen.
Spandau im Nieselregen, die petrochemische Werksanlage und das Müllverbrennungskraftwerk wirken bei diesen Lichtverhältnissen wie alptraumhafte futuristische Visionen.
Angesichts der Verkehrslage benutzen wir vernünftigerweise die teilweise unbenutzbaren Radwege und kommen langsam, aber wenigstens sicher dem Ziel näher.
Und endlich, 16.12 Uhr, drücken wir uns den letzten Stempel im Amstel House in die Brevet-Karte.
215 km in 9:12 Stunden Brutto… Bei diesen Wetterbedingungen und der Berlin-Durchfahrt ist das trotzdem ganz gut. Besser ging es heute nicht.
Bislang waren wir der Meinung, die zwei Regen- und Sturmtage bei der letztjährigen Deutschlandtour wären nicht mehr zu toppen gewesen – aber Murphy hatte wieder mal Recht.
Wenn Du denkst, es kann nicht mehr schlimmer kommen, kommt es schlimmer.


Trotzdem – geschafft.


Es gibt noch prima Lasagne, Salat, Joghurt – die Wärme im Raum weckt die eingefrorenen Lebensgeister, auch wenn ein Schüttelkasper nicht zu vermeiden ist…


Na Hauptsache, wir werden nicht krank und sind spätestens zum 11.4. für den Sachsen-300er wieder fit.

Danke

Vielen Dank an:

  • Freiherrn von Drais – der diese tolle Art der Fortbewegung erfunden hat
  • die Macher von „Le Petit Journal“ – denn diese haben 1891 PBP ins Leben gerufen
  • Roland Adam – er vermittelte auf der Lecos-Tour im Herbst 2011 den Kontakt zwischen Thomas und mir
  • die Organisatoren der Brevets – ihrer Arbeit verdanken wir schöne und spannende Touren durch Deutschland und die Qualifizierung für PBP
  • die Organisatoren und zahllosen ehrenamtlichen Helfer sowie die vielen vielen gastfreundlichen Franzosen bei PBP – sie hielten wegen UNS Tage und Nächte eisern durch und machten diese Fahrt zu einem wunderbaren unvergesslichen Erlebnis
  • Thomas‘ Eltern und speziell seinem Vater – sie stellten uns ihr Reisemobil für die Brevets und PBP zur Verfügung, Thomas Vater begleitete uns sogar – ohne dieses wäre die Logistik wesentlich schwieriger geworden
  • Freunde, Bekannte, Kollegen – denn sie brachten das nötige Interesse für unser merkwürdiges Hobby auf, bewunderten uns gebührend 😉 und fieberten ausdauernd in den Tagen der Tour mit
  • unsere Familien – sie mussten schließlich monatelang unser Gebrabbel von PBP aushalten und duldeten mit großer Toleranz unser Tunnelblickverhalten

PBP 2015 – 2. Teil

Erster Tag

Es ist trübe, kühl, die Sonne hat derzeit keine Chance. Dazu ist die Landschaft mit ihren teilweise abgeernteten Feldern recht trist, so dass die Motivation beim Weiterfahren etwas leidet.

Auf den nächsten Kilometern rollen wir hügelauf und hügelab in einer losen Gruppe aus US-Ameri­kanern, Japanern und Brasilianern. Bemerkenswert finden wir vor allem den Fahrstil der jungen Brasilianerin, die mit ihrem Fixie mit voller Kraft in die Anstiege geht, dann oben etwas ausgepumpt wirkt und danach mit vollem Speed wieder abwärts rollt. Und wozu der andere junge Brasilianer ganze Wagenladungen mit Tempotaschentüchern mit sich führt, erschließt sich uns auch nicht so richtig. Na ja, er wird seine Gründe haben.
Langsam dringt die Sonne durch den Morgendunst. Es wird wärmer, wir können die Beinlinge und Ärmlinge in den Taschen verstauen.
Kurze Rast, ein Apfel tut gut, dann weiter…

Nach dem schleppenden Vorankommen über die zahllosen Anstiege in der Nacht hatte ich diverse Befürchtungen, ein Problem mit dem Zeitlimit zu bekommen, doch nun stellt sich langsam eine Art Routine ein.
Die Anstiege nehmen wir in kleinen Gängen, möglichst schonend, dafür können wir es ja auf den Abfahrten umso besser rollen lassen. Irgendwann bleibt unsere Gruppe zurück…
Wir fahren zu Zweit weiter und wenige Kilometer vor Fougeres kommt uns das Angebot einer gast­freundlichen einheimischen Familie wie gerufen, um eine Rast zu machen und statt dem Wasser aus den Plasteflaschen oder einem Ekel-Powerriegel mal etwas viel Besseres in den Magen zu bekom­men.
Es ist einfach unglaublich. Die Leute wollen auch kein Geld, es genügt ihnen eine Ansichtskarte, von da, wo wir herkommen. Schon etliche Male, wie uns der Familienvater erzählt und seine Bilder zeigt, hat er die PBP-Fahrer hier bewirtet.
Kuchen, geschälte Orangenstücken, Schokolade, Kaffee, frisches Wasser, Sirup…
Es ist zu schön – ganz schnell verliert man hier bei diesen Menschen die Lust am Weiterfahren. Aber es nützt nix… Die Zeit läuft gnadenlos. Wir müssen weiter.
Kurz vor Fougeres erspähe ich Dietmar, Randonneurdidier am Straßenrand. Er ge­nießt offensichtlich gerade die Atmosphäre dieses Tages an einem der zahlreich in den Ortschaften aufgestellten Schmuckfahrräder, mit denen die Franzosen dieses Ereignis PBP würdigen.
Fougeres ist ein größerer Ort, war auch in diesem Jahr Etappenort bei der Tour de France. Auf den Straßen herrscht recht dichter Verkehr, es geht in einigen Schleifen hin zum Gymnasium, wo wir nach 310 Kilometern kurz nach 11 Uhr den Kontrollpunkt erreichen und zügig unseren Stempel abholen. Das Zeitlimit liegt bei 15:04 Uhr, wir haben eine Stunde her­ausfahren können und nunmehr 4 Stunden Zeitpuffer. Aber auch hier halten wir uns nicht lange auf, wollen keine Zeit in der Schlange an den Versorgungsständen verlieren.

Tinteniac liegt „nur“ 50 Kilometer entfernt. Gegessen haben wir gerade bei den netten Franzosen an der Strecke, also kann es gleich weiter gehen.
Die Sonne scheint warm, ohne es direkt zu merken, hole ich mir einen leichten Sonnenbrand im Ge­sicht. Und es rollt. Die Endlosreihe hat sich in viele kleine und noch kleinere Grüppchen aufgelöst. Findet man jemand, der das eigene Tempo fährt, dann bleibt man ein Stück beisammen. Zumindest bis zur nächsten Rast in einem kleinen Dörfchen am kleinen Supermarkt. Im Schatten ist es dort sehr gut auszuhalten. Ein paar Pfirsiche, Bananen und Saft bringen die benötigten Energien zurück. Wir treffen hier auf einen Fahrer, der schon beim 600er in Bayern wortreich auffiel und damals nach 500 Kilometern ausstieg. Jetzt hat er uns eingeholt, ist in einer späteren Gruppe eine Stunde nach uns gestartet und wundert sich lauthals, dass wir erst hier sind.
Na ja…
Warum nicht? Wir liegen gut in der Zeit, warum sollen wir aus PBP ein Rennen machen?
Bis Tinteniac befinden wir uns einige Zeit in einer gleichmäßig vorankommenden Gruppe. Die Fahrt ist jedoch so gleichförmig, dass Thomas plötzlich feststellt, zu halluzinieren (???) und ich ge­rade von meiner längst verstorbenen Großmutter geträumt habe und nun mit ein wenig Schwierig­keiten in die Realität auf dem Rad zurückfinden muss.
Upps. Wir rollen ja immer noch!

Die Temperaturen steigen, es wird sehr warm, man merkt, dass der größte Kampf der gegen die Müdigkeit ist (Lutz landet in Träumen, ich halluziniere)
Aber Muskeln, Sehnen, Hintern und Nacken alles ist super, wir ernähren uns so, dass es nie zu ei­nem Defizit an irgendetwas kommt

Tinteniac – besser wir halten nun doch einmal etwas länger.
14:30 Uhr, 364 km. (18:56 Zeitlimit) Das sieht gut aus.
Da an den Versorgungsständen nur Wenige anstehen, leisten wir uns hier einen Kaffee, herrlich!!! und ein Baguette Jambon. Erstaunlich, das ist recht frisch, knackig und schmeckt.
Der anschließende längere Anstieg nach Becherel hinauf zusammen mit einer französischen Alther­ren-Gruppe auf Rennrädern, die NICHT an PBP teilnimmt, fällt uns danach nicht schwer und in zü­giger Fahrt sammeln wir nach und nach zahlreiche Randonneure wieder auf.
Mist!
Thomas, warte mal bitte!
Das weiche Holpern unter mir ist sehr verdächtig.
Tatsache – ein Schleicher. Aber weit und breit waren nirgendwo Glas oder scharfe Steinchen zu sehen. Zudem habe ich ja auch Antiplattband ein­gezogen – WO kommt jetzt ausgerechnet dieser Schleicher her?!
Der erste Reserveschlauch muss jetzt geopfert werden. Auf der Straße passieren uns alle Randon­neure, die wir gerade überholten, während wir nach der Ursache dieses Platten suchen. Und Thomas mit seiner Fachkenntnis erkennt die Situation. Das Antiplattband in den schmalen Rennradreifen hat eine ganz entgegengesetzte Wirkung entfaltet. Durch den Druck hat es vermut­lich die scharfen Kanten in den Schlauch gedrückt und diesen an der Naht reißen lassen.
Also raus mit dem Ding, dann mit der Handpumpe für den maximal möglichen Luftdruck gesorgt und weiter.
Zum Glück ist Quedillac, der nächste Versorgungspunkt ganz in der Nähe und hier stehen Me­chaniker, die mit einer großen Standpumpe noch einmal ordentlich nachpumpen können.
Auch auf dem weiteren Weg lernen wir erneut die große Gastfreundschaft der Franzosen ken­nen.
Ob das hier französischer Landadel ist? Zumindest die ältere Dame, die uns hier mit Kaffee, Wasser, Obst und Kuchen versorgt, macht einen sehr angenehm vornehmen, aber auch sympathi­schen Eindruck. Und der Mann erzählt von den Bioäpfeln, die er hier auf diesem riesigen Grund­stück züchtet.

Loudeac, 19:20 Uhr, 449 Kilometer. (01:00 Uhr Zeitlimit) Schneller als gedacht neigt sich dieser Tag schon wieder dem Ende entgegen.
Hier ist Volksfest, jeder Fahrer wird mit Applaus empfangen. Eine tolle Atmosphäre!
Da wir annehmen, dass auf der weiteren Strecke infolge der einbrechenden Nacht die Versorgungs­möglichkeiten etwas eingeschränkt sind, beschließen wir, uns hier etwas zum Essen zu leisten. Das Menü ist jedoch etwas übertrieben, der Preis für die mickrigen Portionen auch. Aber zumindest gibt es hier auch Mangos, Grapefruit, Mischobstschälchen und Baguette jambon. Was ganz Neues – aber das schmeckt ja auch. Hier in Loudeac gibt es auch die Möglichkeit zum Schlafen. Am Rande liegen aufgereiht die De­ckenpäckchen für die Fahrer. Aber dafür ist es jetzt noch zu früh. Wir wollen noch ein Stück in Richtung Carhaix vorankommen, um nicht zu viel Zeit zu verlieren.
Allerdings werden wir auch kein Risiko wegen Übermüdung eingehen. Da wir bereits die Erfahrung machen konnten, wie ein Kurzschlaf zur Regeneration beitragen kann, wollen wir, falls sich eine gute Gelegenheit ergibt, gegen 22 oder 23 Uhr eine Runde schlafen und dann spätestens 1 Uhr wei­ter fahren.

Die Dunkelheit kommt schnell, nachdem wir das kleine Dörfchen St. Martin des Pres mit seinem Volksfest unter uns zurückgelassen haben, erspähen wir im letzten Tageslicht einen Getreidespeicher. Der ist zum Glück leer, bietet Schutz gegen den kalten Wind, auch wenn uns nichts Anderes übrig bleibt, mit dem blanken Betonfußboden vorlieb zu nehmen.
Na besser als gar nichts… Schnell die Biwaksäcke raus und in der Folie eingerollt. Drüben auf der Straße schwanken die Scheinwerfer der bergwärts fahrenden Randonneure vorbei. Aber genug, in maximal zweieinhalb Stunden soll es weiter gehen.

Zweiter Tag

Thomas Wecker weckt uns eine halbe Stunde zu früh… Na ja, Wecken – so richtig geschlafen haben wir Beide nicht. Eineinhalb Stunden Halbschlaf oder Dösen sind auch etwas wert. Sehr bequem war es nicht, doch immerhin besser, als wie etliche Ande­re im feuchten Gras der Straßengräben neben dem beleuchteten Rad zu liegen.
Es ist wohl kurz nach halb eins, als wir wieder auf den Rädern sitzen und die Strecke nach Carhaix in Angriff nehmen.
Im Wald holen wir einen anderen Randonneur ein, der sich angesichts unseres Leipziger Dialekts als der Markus outet, mit dem wir kurz nach dem Start die ersten Kilometer zusammen fuhren. Der hatte ein arges Missgeschick erlitten, war mit seiner Frau im Pariser Hotel überfallen und mit einer Stange am Bein verletzt worden. Respekt – er hat es trotz allem bis hierher über fast 480 Kilometer schon geschafft, ist jedoch arg übermüdet, während wir quasi nach der Pause vor Tatendrang nur so sprühen.
So begleitet er uns nun durch die Dunkelheit. Und dann ist da plötzlich ein Licht.
Wie im Märchen!
Es ist kaum zu glauben, aber ein paar junge Französinnen betreiben hier einen kleinen Stand und bie­ten den müden Randonneuren Kaffee, Kekse, Schokoriegel usw. an.
Markus legt sich auf die Straße, 5 Minuten Powernap…
Wir genießen dieses unerwartete Wunder und stimmen dem Amerikaner zu.

„That’s PBP!“

Wo gibt es sonst noch solche Überraschungen?
Gestärkt rollt es nun umso besser weiter, abwärts durch schlafende Dörfer. Die Geheimkontrolle, „Controle Secret“ klingt irgendwie merkwürdig, in St. Nicolas du Pelem absolvieren wir in kürzes­ter Zeit, denn wir wollen schnellstmöglich Carhaix erreichen. Und das gelingt uns auch ganz gut.
3:40 Uhr kommen wir nach 526 Kilometern dort an. (7:03 Uhr Zeitlimit) Trotz Schlafpause liegen wir gut im Plan.
Bis Brest sind es nun ca. 90 Kilometer. Ohne uns etwas vorzumachen, wir werden wohl nicht vor dem frühen Vormittag dort ankommen.
Na ja – es ist kein Rennen. Und ich bin Thomas sehr dankbar, dass er, den der sportliche Ehrgeiz noch etwas mehr als mich treibt, sich auf diesen gemächlichen Reisestil eingelassen hat und wir das Ding zusammen absolvieren.
Überall liegen vor dem Versorgungspunkt Randonneure in Rettungsdecken gewickelt herum. Auch drin­nen vor dem WC oder im Restaurant sieht man Schlafende, die gerade dort liegengeblieben sind, wo die Müdigkeit sie dahin gerafft hat.
Ein Kaffee und etwas zu essen (???) muss noch sein, dann fahren wir weiter.
Im Dunkeln kaum zu spüren, aber wir ahnen bald, dass nun auch der lange Anstieg zum höchsten Punkt, dem „Dach“ von PBP, dem Roc Trevezel mit etwa 350 m Höhe, begonnen hat. Zwischenzeitlich beginnen wir wieder zu träumen und zu halluzinieren, es gibt keine Diskussion, ehe wir einen Unfall riskieren, schieben wir rasch noch einen 5-Minuten-Schlaf am Straßenrand sit­zend ein.
Das zweite Wunder in dieser Nacht erleben wir einige Kilometer vor dem Gipfel des Roc Trevezel.
Seit 48 Stunden stehen hier eine Familie und deren Nachbarn unverdrossen bereit, um müde Fahrer aufzupäppeln. Wie schön das ist und wie das hilft. Selbst gebackener Pflaumenkuchen, Kaffee, der Gastgeber, der uns stolz sein Bild mit einem bretonischen Radprofi zeigt… Er gesteht uns aber auch, dass er nun langsam mal ins Bett müsse, er sei Fleischer und muss am Morgen wieder arbeiten.
Kurz vor dem Gipfel wird es etwas steiler, die Müdigkeit schlägt, bevor es hell wird, noch einmal erbarmungslos zu, so dass wir notgedrungen noch eine 15-minütige Schlummerpause am Straßen­rand machen müssen. Während ich ums Gleichgewicht kämpfe und zur Belustigung des neben mir sitzenden und essen­den Inders zwischendurch im Sitzen mal umkippe, rollen zahllose Fahrer an uns vorbei gen Brest. Und auf der anderen Straßenseite kommen sie entgegen.
Die waren schon dort, sind auf dem Rückweg.
Die Pause hilft, inzwischen dämmert es, es wird hell und mit einem herrlichen Blick auf die Nebel in den Talsenken schießen wir nun talwärts.
Kurze Rast, Fotos von der Kirche und der aufgehenden Sonne in Sizun, das Schild „Brest 36 km“ spornt an.
„Keine Atempause, Geschichte wird gemacht…“
Es geht voran.

Mit einem erstaunlich guten Tempo rollen wir zum großen Teil sanft abwärts und dann sehen wir nach ein, zwei kleinen Rampen plötzlich vor uns die Pylone der Brücke nach Brest hinüber.
Ein fantastischer Anblick ist das. Der zweite Pylon ragt aus einer Nebelbank. Und gegenüber vor uns liegt auf dem anderen Ufer der Atlantikbucht Brest.
Ja, wir sind hier – wir sind tatsächlich am Atlantik!!! Die Fotos auf der Brücke müssen jetzt sein!
Und mit der aufsteigenden Euphorie, den Wendepunkt erreicht zu haben, halten uns jetzt auch die fiesen Anstiege in der Stadt nicht mehr auf.

Brest, Brest, Brest…

Die Sonne scheint, hier wachsen Pflanzen, die ich bei dem rauen Klima hier nie vermutet hätte. Und mit dem Wetter haben wir auch unverschämtes Glück, denn Einer der Entgegenkommenden erzähl­te, dass es gestern Gegenwind gegeben hatte. Im Gymnasium, dem Kontrollbereich selbst wird uns eher ein nüchterner Empfang zuteil, sicher gibt es auch hier ein vielfältiges Bonne Route mit auf den Weg, aber aus den Dörfern bisher sind wir eine ganz andere Begeisterung gewöhnt.

Brest – 615 km, 9:42 Uhr (Zeitlimit: 13:53 Uhr)

Gut – wir haben schon wieder einen entsprechenden Zeitpuffer und fühlen uns einfach topp.
„Bergfest“
Allerdings verleitet die Atmosphäre hier nicht zu einem längeren Aufenthalt, so dass wir nach ein paar Riegeln aufbrechen und auf den langen Rückweg nach Paris starten. Durch die Stadt müssen wir uns ein wenig an den Autoverkehr anpassen, das wird aber nachher hof­fentlich rasch wieder ruhiger.
Bis Sizun hinauf folgt nun ein langer, mehr oder weniger steiler Anstieg, den wir aber in moderatem Tempo gut befahren kön­nen. In Sizun, einem netten kleinen bretonischen Städtchen mit einem sehenswerten Ortskern selbst ist dann erst einmal eine ausgiebige Pause angesagt. Immer noch sind viele auf dem Weg nach Brest – bei Manchen mit einem H-, G-, K- oder L-Schild haben wir so unsere Zweifel, ob sie es schaffen, in der Zeit zu bleiben. Es wird auf jeden Fall knapp.
Die Rast tut gut, ein Engländer, der gezwungenermaßen ein 4er-Pack Eis kaufen musste, resigniert nach dem zweiten Eis und gibt uns netterweise den Rest ab.

Thats PBP!

Dass Claus Czycholl, der indessen an uns vorbei eilt und scharf auf Eis ist, für sein 4er-Pack auch noch Restabnehmer finden wird, steht außer Zweifel.
Die Auffahrt zum Roc Trevezel ist Anschluss kein Problem, im Gegenteil, mit diesem gleichmäßi­gen Fahrstil kommen wir sogar noch bergauf in den Genuss, der sich zunehmend unter uns weiten­den Landschaft. Herrlich ist es hier.
Dann geht es wieder viel schneller, bis Carhaix bleiben wir nun leider auf einer stark vom Kraftver­kehr frequentierten Straße. Vor allem die LKW-Fahrer sind sehr aggressiv unterwegs und überholen trotz Gegenverkehr, und nehmen ganz offensichtlich das Risiko, ab und zu mal einen Radler von der Straße zu drängen, in Kauf. Sehr unangenehm.

Thomas – warte bitte mal!
Mein Rad zieht so merkwürdig nach links. Was ist denn da schon wieder? Oder träume ich das nur?
Nö, das ist ganz real. Mist – der zweite Schleicher!!!
Anhalten am Straßenrand – Schlauchwechseln, Antiplattband in die Tonne hauen. Gleiche Ursache, gleiche Wirkung – ärgerlich – zumal ich jetzt auch keinen Ersatzschlauch mehr habe. Na, wird schon gehen.
Als wir Carhaix wieder erreichen, ist es schon Nachmittag.

Carhaix – 703 km, 15:36 Uhr (Zeitlimit: 20:19 Uhr)

Als ich am Kontrollpunkt auf Thomas warte, gesellt sich ein älterer Teilnehmer zu mir. Wir schwätzen ein wenig über dies und das, er kommt mir bekannt vor…
Klar, das ist Friedhelm Lixenfeld, mit 84 Jahren der älteste Teilnehmer hier. Was für ein Kerl, hat schon 4mal PBP gemeistert, ist dieses Jahr zum 5ten Mal dabei. Er ist gut drauf, auch wenn er zugibt, dass er mittlerweile einen kleinen Hänger hat. Seinen Spaß mit Leipzigeinundleipzig, den er los lässt, als Thomas dazu kommt, muss ich bei Gelegenheit noch einmal überdenken.

Wir fühlen uns nach wir vor ausgezeichnet und können glatt noch eine Schippe drauflegen, als es nach Carhaix wieder hügelwärts gen Loudeac geht.
Wenige Kilometer später stellt sich jedoch ein unerwartetes Hindernis in den Weg, welches wir mit vereinter Kraft erst ausräumen müssen. Aber zu verlockend war der lokale Bäcker hier mit seinem leckeren Kuchen, dem Kaffee und der Cola. Dafür hören wir uns auch das ausschweifende Gerede eines deutschen Teilnehmers an.
Gesättigt und zufrieden absolvieren wir rasch noch die Geheimkontrolle Minuten später.
Es hügelt fleißig weiter, wir werden wieder müde, suchen uns ohne Diskussionen flugs eine ruhige Wiese und schlafen eine halbe Stunde. Das ist bei unserem Zeitpuffer ganz gut drin. Umso besser geht es danach weiter.
Und dann fahren wir in einer Gruppe relativ rasch über die nächsten Anhöhen in Richtung Loudeac. Es rollt gut. Aber diese Hindernisse immer!

Als wir in St. Martin des Pres einrollen, sitzen und stehen da in der Kurve ganz unvermittelt Leute mit Akkordeon und Flöte und machen Musik. Tatsache, das ist keine Halluzination. Wir haben ja auch gerade erst geschlafen!
Zu schade wäre es jetzt, an denen und den daneben stehenden Festzelten vorbei zu brausen und sich lediglich auf ein kleines „Bonjour“ zu beschränken.
Nö, das machen wir nicht – der Cidre lockt, die Grillwurst und Pommes auch, der Zeitpuffer lässt es zu und so finden wir uns alsbald in trauter Eintracht im Gespräch mit den Einheimischen wieder.
Wobei ich hier wieder einmal gestehen muss, dass Thomas Nachwende-Französisch/Englisch we­sentlich flüssiger als das meine ist. Gut, dass wir zusammen fahren. Ich könnte denen ja vielleicht mal was vom Klassenkampf der französischen Arbeiter erzählen. Na besser nicht…
Habt vielen, vielen Dank ihr lieben Leute. Das vergessen wir Euch nie!

That’s PBP!!!
Und das finden auch die Kanadier am Tisch, die sich ebenfalls nur schwer lösen können.
Warum müssen wir eigentlich unbedingt weiter fahren? Hier isses doch so schön! Im wunderbaren Abendsonnenlicht genießen wir die schöne Strecke bis Loudeac, wo wieder der Bär tanzt. Auch schön – wir stellen fest, dass nur sehr wenige Franzosen Rad fahren. Aber um so radsportbe­geisterter sind sie und wissen die Leistung auf dieser „Monstretour“ wohl zu schätzen.
Für die sind wir so etwas wie die „Helden der Landstraße“. Ein Gefühl wie ein Schaumbad, so umjubelt zu werden.

Loudeac – 782 km, 21:50 Uhr, Zeitlimit: 02:39 Uhr

Übrigens dürfen wir auch die Kinder an den Straßenrändern nicht vergessen, die sich so gern ab­klatschen lassen. Das führt zwar manches mal zu halsbrecherischen Manövern, macht aber beider­seits sehr viel Spaß. Wir halten uns auch hier nicht lang auf und sind kurz darauf schon wieder auf der Piste, auf dem Weg in die dritte Nacht. Wie machen wir es nun dieses Mal?

Zunächst wollen wir bis Tinteniac kommen, das sollte zu schaffen sein. Und dann sehen wir weiter.
Die Fahrt durch die Nacht wird glücklicherweise auch wieder wesentlich entspannter, als wir unter­wegs ein paar gastfreundlichen Franzosen begegnen. Der Sohn des Hauses dreht ununterbrochen mit einem Keksteller seine Runden, so dass wir bald ausreichend gesättigt sind.
Vielen Dank.
Da man jedoch nachts sehr schlecht einschätzen kann, wie schnell man wirklich vorwärts kommt, entsteht bald der Eindruck, man fahre endlos im Kreis. Ringsum Finsternis, nur wenige weit ver­streute Dörfer bringen ein wenig Abwechslung.
Eine knappe Stunde gönnen wir uns dann auf einem Seitenweg, nur mit der Aludecke zugedeckt und schla­fen ein wenig. Das hilft.
Bei der nächsten kurzen Rast sehen wir wieder dahin geraffte Randonneure schlafend liegen. Aber wir wollen noch ein Stück weiter. Kurz vor Quedillac begegnen wir Frank Weise mit seinem Liegerad. Für einige Zeit wird es etwas unterhaltsamer, dann kehren wir in Quedillac kurz auf Kaffee und Suppe ein, ehe Frank allein wei­ter rollt. Das hier lodernde Feuerchen ist gar zu warm und verlockend. Drinnen die vielen Schläfer… Die stärker werdende Müdigkeit…

Wie lange ist es noch bis Tinteniac? Wie spät ist es? Immer noch Finsternis.
Dann ein auf der Gegenspur Schlängellinien fahrender Japaner. Na hoffentlich passiert dem nix.
Dann fahre ich Schlängellinien und fange an zu träumen…
Tinteniac. Wie weit noch? Wie spät ist es? Halten wir doch besser an und schlafen eine Runde?
Lichter, eine Stadt. Ein Schild – Tinteniac! Wie groß ist denn dieses Nest?
Schlafen, endlich schlafen…
Nein erst die Stempel holen, dann schlafen!
Wir haben die Stempel,

Tinteniac, 867 km, 05:10 Uhr – ist es wirklich schon nach 5 Uhr? (Zeitlimit: 09:12)
Nur vier Stunden Reserve. Das ist nicht so toll. Aber wir müssen unbedingt schlafen. Irgendwo in einer Ecke setzen wir uns hin und schlummern sofort ein. Schlafen…

Dritter Tag

Blick auf die Uhr – Beruhigend, wir sind noch ganz gut im Zeitlimit. Ein Baguette Jambon und ein Kaffee we­cken rasch die Lebensgeister. Dazu wird es allmählich hell.
Abgesehen von einer durch die zusätzliche Radunterhose verursachte Reibestelle, die ich kurz nach Tinteniac mit Sitzcreme erfolgreich behandeln kann, geht es den Umständen entsprechend recht ent­spannt nach Fougeres.
Zunächst versuchen wir in einer Gruppe Engländer mitzufahren, doch deren stetige Tempowechsel und sich verlangsamende Fahrt veranlassen uns, ein wenig mehr Gas zu geben. Und siehe da, es geht wieder. Die Nacht und die Müdigkeit sind vergessen.
Es rollt und die Sonne scheint.
Bald ist Fougeres erreicht.

Fougeres – 921 km, 09:47 Uhr, Zeitlimit: 13:23 Uhr – na passt doch fast wieder.

Ohne Aufenthalt weiter, langgezogene Hügel auf und ab.
So in der Gegenrichtung sieht das alles ganz anders aus. Sind wir hier vorgestern wirklich lang gefahren? Etwas essen könnte man auch schon wieder.
Ein paar junge Mädchen, die das quasi als Ferienvergnügen betreiben, sind die Rettung. Sie standen mit ihren Eltern schon vor Jahren als Kleinkinder mit an der Strecke, wie sie uns im Album zeigen.
Es gibt Pizza! Klasse – und etwas Sirup zum Trinken. Lecker!

Kilometer später die nächste Pause, die Sonne heizt ganz schön ein, man muss es ja nicht übertrei­ben. Also kurzer Genuss im Schatten eines Baumes und den Vorbeifahrenden zuschauen. Das hat auch was!
Bis Villaines ist es dann auch nicht mehr sehr weit. Aber die Luft ist drückend, schwül, es bewölkt sich zunehmend, es tröpfelt ein wenig, man hat das Gefühl, sich mühsam durch eine dicke klebrige Masse zu bewegen. Droht ein Gewitter?
Irgendwie kommen wir nur schleppend vorwärts. Aber auch die Anderen sind nicht schneller. Was tun?
Klar – da gibt es noch unser bewährtes Rezept, der Zeitplan gestattet das auch – eine halbstündige Schlafpause im Schatten auf der Wiese. Danach geht alles gleich viel lockerer.
Und die Einfahrt in Villaines la Juhel wird schon fast zu einer Art Triumphzug.
Was hier los ist! Wahnsinn!
Hier ist ein Getöse wie bei der Tour de France.
Jeder, aber auch wirklich jeder Fahrer bekommt hier seinen persönlichen Applaus. Möööönsch und das alles wegen uns. Kaum zu fassen.

Thomas hat seit einiger Zeit Probleme mit seinem Freilauf und der Kette. Er verschwindet bei den Mechanikern, die aber auch nix weiter tun können, als die Kette zu kürzen, ich schaue mir indessen das Volksfest hier an. Die Krönung ist dann noch der Kinderumzug, der für zusätzliche Stimmung sorgt.
Villaines und deine Einwohner – ein unvergesslich bleibender Eindruck.

1009 km, 16:06 Uhr, Zeitlimit: 20:14 – sieht wieder ganz gut aus.

Deswegen halten wir auch noch einmal beim Bäcker von der Hinfahrt, die junge Verkäuferin ist sehr nett und stellt äußerst interessierte Fragen. Und das Baguette-Brot schmeckt vorzüglich. Vive la France 🙂

Wesentlich schneller geht es nun weiter.
Wir haben unseren Familien ca. 10 Uhr morgen als Ankunftszeit verkündet.
Tatsächlich sind es aber „nur“ noch 220 Kilometer. Werden wir wirklich noch so lange brauchen?
Und so schnell, wie wir jetzt sind, können wir uns das gar nicht so richtig vorstellen. Na gut, dann schlafen wir eben noch eine Runde in der Nacht und kommen dann recht ausgeruht in Paris an. Es rollt und rollt…
Es rollt gut, es rollt Klasse – auch wenn die Luft eigenartig drückend und schwer ist.
Und der Wind weht leise von hinten. Besser geht nicht.
Merkwürdig nur, dass ich ein eigenartiges Gefühl beim Sitzen habe.
Mein Kopf ist ziemlich schwer geworden, der hängt allmählich so tief zwischen den Schultern, ich muss mich zunehmend überwinden und zwingen, den zu heben, um die Gegend an­gucken zu können.

Mortagne au Perche, 1090 km, 21:13 Uhr, Zeitlimit: 02:08 Uhr

Irgendwie wird der Kopf-Nacken zum Problem. Eine Pause wäre gut. Es sind nur noch 140 Kilometer und wir haben eine Menge Zeit. Leider hat mein Wunschverpflegungskandidat, der Kebap-Stand geschlossen. Ärgerlich!
Noch einmal den Berg hinauf zum Verpflegungspunkt wollen wir auch nicht. Also weiter. Weiter, möglichst weit an Paris heran kommen. Aber ärgerlich ist jetzt das mit dem entstehenden Hungergefühl, denn Power-Riegel sind keine wirkliche Alternative.
Ärgerlich auch das jetzt mit dem Kopf – „Shermers Neck“ – ausgerechnet. Die Nackenmuskulatur streikt, ist nicht mehr imstande, den Kopf aufrecht zu halten. Es geht zwar noch – irgendwie – aber wie!
Im Gegensatz zu den schon gefahrenen 1000er-Touren in den letzten Jahren habe ich in diesem Jahr den Lenker nicht höher als den Sattel gestellt. Das rächt sich nun heftig, damals saß ich ein ganzes Stück aufrechter, die Nackenmuskulatur wurde nicht so überlastet.
Wir werden langsamer, ich muss die Hand unters Kinn drücken, um den Kopf aufrecht zu halten. Kurze Pause, kleine Bewegungsübungen – jetzt geht es wieder. Ein Stück wenigstens.
Tut mir Leid Thomas, aber das Problem nimmt mich jetzt völlig in Anspruch. Stück für Stück arbeiten wir uns nun durch die Nacht.
Ein Ort – schade, das Restaurant hat schon geschlossen. Wieder ein Ort, eine Bar, Randonneure davor, es gibt Kaffee und Schokoriegel. Der Nacken entspannt sich.
Thomas schwätzt ein wenig mit den Security-Leuten, die mit den Motorrädern pausenlos an uns vorbei pendeln. Sie achten darauf, dass niemand unfreiwillig im Straßengraben liegt.
Über 30 Mann sind dafür rund um die Uhr auf Achse. Ich hänge müde auf meinem Stuhl herum und versuche mich im Kopf-Auf- und -Nieder-Schwenken. Weiter!
Wieder ein Ort, eine Truppe von Franzosen – es gibt ein paar Tassen dicker Suppe und Kaffee. Wie gut das tut! Danke – Merci beaucoup! Ohne Euch wären wir aufgeschmissen.
Daneben ein Randonneur in Rettungsdecken gewickelt. Als man versucht, ihn zu wecken, verleiert er die Augen, wirkt stark abwesend, weggetreten.
Die nächsten Kilometer – es rollt wieder ein Stück nach der Rast.

Fast über den gesamten Horizont ist ein heller, roter Lichtschein zu erkennen. Ist das schon Paris?
Weiter, der Nacken, die Müdigkeit – ätzend…
Schluss – die Wiese an einer kleinen Plantage sieht gut aus. Bis Dreux ist es nicht mehr sehr weit – das ist nachher zu schaffen. Also Biwaksack raus, gleich so, wie wir sind, ins Gras und schlafen. Der zwischenzeitlich einsetzende Regen stört nur wenig.

Letzter Tag

Als wir wieder wach werden, sehen wir immer noch die endlose Lichterkette, die an uns vorbeizieht.
Shermers Neck ist im Augenblick ganz ruhig. Also rauf aufs Rad, Kilometer machen, ehe der wieder zuschlägt. Erstaunlich schnell geht es weiter. Wir überholen viele übermüdete Gestalten.
Dreux, wir kommen.
Aber wo bleibt Thomas, der war doch gerade hinter mir?!
Ein vorbeifahrender Amerikaner murmelt etwas von friend und chain.
Autsch – die Kette. Also zurück, Thomas ist nicht zu übersehen. Als er nun an der gerissenen Kette werkelt und sich bemüht, das Kettenschloss einzusetzen, hält noch ein Mechaniker auf dem Motor­rad. Der kann zwar nicht helfen, aber wenigstens die Lampe halten.
Alles gut. Problem gelöst. Weiter.

Nach wenigen Minuten reißt meine Kette- wir schauen auf die Uhr und stellen fest, dass wir nur 1,5 Stunden bis zum Kontrollpunkt haben – die Kette ist aber schnell geflickt, ein Geheimkontrolleur hält an und leuchtet unsere Feldwerkstatt aus.

Shermers Neck? Noch ruhig. Schnell schnell. Wir fahren jetzt wirklich ein überraschendes Tempo. Und dann ist im leichten Regen endlich Dreux erreicht.

Dreux, 06:08 Uhr, 1165 Kilometer, Zeitlimit: 07:44 Uhr

Hat geklappt, wir sind noch gut im Zeitfenster und bis Paris sollte nun nichts mehr anbrennen. Nur „Shermers Neck“ meldet sich nach der Pause wieder. Sehr unangenehm, im strömenden Regen durch die graue kalte Pampa zu rollern und nur 2 Meter vor dem Vorderrad weit gucken zu können.
Thomas dirigiert mich, so weit es geht, ab und zu nehme ich die Hand, um den Kopf anzuheben und das Sichtfeld zu erweitern. Aber alles grau, nur ne Menge Randonneure vor und hinter uns. Nichts Neues, haben wir alles schon mal gesehen.
Die letzten Kilometer werden endlos…
Regen, kein Regen, grau ringsum, ach nein, das ist nur der Asphalt, außer dem sehe ich im Augen­blick nicht viel… Trotzdem, ein Trost, langsamer als die Truppe ringsum sind wir auch nicht.

Wir rollen im Regen bis ins Ziel, Lutz muss seinen Kopf per Hand anheben, damit er noch etwas se­hen kann, sein Nacken hat der tagelangen Überstreckung nicht stand gehalten, sobald er los lässt sieht er nur noch den Asphalt zwei Meter vor seinem vorderen Laufrad. Zum Glück ist das Problem erst am letzten Abend entstanden.

Kopf hoch – den Rest schaffen wir auch noch. Leicht gesagt, Kopf hoch geht nur mit Handunterstützung…
Die Pariser Vororte, ein paar letzte Hügel, Wald und Parklandschaften, dann sind wir auf einer Art Autobahn und wenige Minuten später schwenken wir auf die schmale Straße ein, die am See in der Nähe des Velodroms vorbei führt.
Oh, da sind schon die Absperrungen, es regnet, nur Wenige haben sich hierher verirrt.
Die letzte Matte, es piept ein letztes Mal beim Einlesen des Transponders.

War es das schon?
Nö?
Ehrlich?
Wir sind da?

PARIS – 10:15 Uhr, 1230 km, Zeitlimit: 12:30 Uhr

Es ist vorbei.
Wir strömen mit den Anderen ins Velodrome – dort ist Tohuwabohu.
Der letzte Stempel – die Dame, die unser Brevetheft einsammelt, erwähnt kurz, dass sie lediglich einen deutschen Satz beherrschen würde…
Na – und der wäre?

„Das is mir Wurscht!!!“

Frank ist da, er ist kurz vor uns rein, hat ebenfalls erfolgreich gefinisht.
Glückwünsche.
Gegen einen drohenden Shermers Neck weiß er ein gutes Gegenmittel.
Jaaaaaa – aber ich werde trotzdem nicht zum Liegeradler – nicht mehr in diesem Leben 😉
Wir holen die Räder und wandern zum Camp hinüber, wo Thomas‘ Vater und meine Familie wartet.
Wiedersehensfreude. Ein paar Finisher-Fotos…
Während meine Frauen nun noch einmal nach Versailles wollen, packen wir alles zusammen und fahren ins Hotel.
Duschen…
Ein Bierchen…
Und Schlafen…

Paris-Brest-Paris 2015

Es war ein wunderbares Erlebnis. Weniger des Radfahrens wegen, das kann man schließlich (fast) überall, sondern der unvergesslichen Eindrücke, die uns dieses bunte Gemisch von Fahrern aus weltweit über 60 Nationen und die umwerfende Gastfreundlichkeit der radsportbegeisterten Franzo­sen entlang der ganzen Strecke vermittelten. Und wir sind Beide froh, alles heil und gesund überstanden zu haben und keinerlei negative Nach­wirkungen zu haben. Auch das Problem Shermers Neck ist bereits am nächsten Tag fast vergessen.

Sollte man PBP wiederholen?

Thomas:

Eine gewisse Leere beschleicht mich in diesem Moment. Der Gedanke PBP hat uns jetzt fast 2 Jah­re begleitet und auf einmal ist alles schon wieder vorüber

Jetzt, ein paar Tage nach PBP2015 realisiert man immer mehr, dass dieser Traum in Erfüllung ge­gangen ist, wir es tatsächlich geschafft haben. Man läßt die vielen schönen Szenen revue passieren und ist immer noch hin und weg, sprachlos, beeindruckt, ja manchmal wortlos, fast ohnmächtig – vor Glück!

Was kommt jetzt?

Diese Frage stelle ich mir immer wieder – vor Paris war immer das Ziel klar vor Augen – jetzt ist die Ziellinie überschritten, liegt hinter uns und die Schreie und der Applaus der Menschen verhal­len nach und nach – auch wenn sie unvergessen bleiben werden.

Was kommt jetzt? Was kommt als nächstes?

Es ist im Moment egal – wir genießen einfach mal das Erreichte und denken nicht schon wieder an das nächste Ziel, das nächste Projekt.

Lutz:

Ich werde PBP wohl persönlich in dieser wunderbaren Erinnerung behalten wollen und nicht noch einmal fahren. Eine Wiederholung würde diese Erfahrungen eher abschwächen.

Ich spüre nach wie vor keinerlei Euphorie. Es ist eher eine sehr ruhige angenehme, entspannte und gelassene Stimmung in mir. Es war toll, es war wunderbar, es war einfacher, als ich im Vorfeld be­fürchtet hatte. Und wir sind voller Eindrücke gesund und munter (lässt man Shermers Neck mal bei­seite) zurück gekehrt.

Nun freue ich mich, ehrlich gesagt, auch auf die Zeit danach.

Auf das noch einmal gedankliche Nachfahren dieser Tour, das Sortieren und Strukturieren der Ge­danken und Erinnerungen…

Das Aufschreiben…

Und ich freue mich auf die schönen Herbsttouren und das, was die nächste Saison so bringen wird.

PBP 2015 – 1. Teil

PBP 2015-1

Start und erste Nacht

Gegen 13 Uhr kommen meine Mädels und ich auf dem Camp an.
Die Räder und Taschen sind bereits dort, Thomas hat gestern bereits alles per Auto mitgenommen.
Wir packen noch einmal alles, befestigen die Startnummern am Rahmen. Längere Zeit verbringen wir dann auf dem Platz am Velodrome, wo sich die Randonneure aus aller Welt allmählich sammeln. Da wird Einiges geboten…

16 Uhr erfolgt schließlich der Start der 80-Stunden-Gruppe. Unser Countdown läuft…

Der erste Start, die 80-Stunden-Gruppe mit u.a. Olaf Hilgers, ist 16:00 Uhr – auf dem Platz am Velodrome ist ein Wahnsinns Getümmel, wie bei der Tour de France – sehr
beeindruckend.
Es starten ab jetzt immer 300 Fahrer im 15 minütigen Abstand
Für uns wird es ernst – wir packen, bringen alles Nötige am Rad an, ziehen unser ARA Deutschlandtrikot an und – am Ende ist die Zeit fast zu knapp für einen Abschied von den Familien, wie wir und so zeitig in die Startgruppen einreihen müssen (klappt aber noch)

Wir gehen, um unsere Räder zu holen und wollen uns noch einmal kurz mit Thomas‘ Vater und meinen Mädels treffen.
Aber schneller als erwartet werden wir von den Ordnern mit unseren Rädern gleich in die Startbereiche geschickt. Das ist ein wenig schade, denn so bleibt keine Gelegenheit, dass wir uns von den Familien gebührend verabschieden können.
Aber sie sind clever, haben schnell registriert, dass wir uns schon in der Startgruppe befinden und stehen dann gut platziert im Spalier der Zuschauer und geben uns noch herzliche Wünsche mit auf den Weg.
Thomas war übrigens bereits gestern beim Treffen und Fotoshooting der deutschen Randonneure dabei, während ich meine Mädels vom Bahnhof Paris l’Est abholte.

Samstag 17:00 Uhr fand das Treffen der dt. Radler zum Mannschaftsfoto statt. Es versammelten sich geschätzte 400 Radler. Ungefähr eine Stunde lang gab es kleine Ansprachen, moderiert von Reiner Paffrath, die Brevetorganisatoren aus den verschiedenen Bundesländern wurden vorgestellt, Und Friedhelm Lixendorf, der Grandseigneur der Szene, spricht 15 Minuten in unnachahmlicher Art.

Der jüngste deutsche Teilnehmer ist 19 Jahre jung, Friedhelm mit seinen 84 Lenzen ist der wohl auch international älteste Fahrer.

Ich bin noch auf der Suche nach der Euphorie, als wir weit am Ende, fast als die Letzten unserer Startgruppe langsam durch den Startbogen rollen.

Wir befinden uns fast ganz hinten, wollen uns aus dem nervösen Start Getümmel heraushalten – nicht in Unfälle verwickelt werden.

Nur die indische Gruppe hat sich mit einem asisatisch-diplomatischen Lächeln hinter uns platziert.
Da sind unsere Familien, Thomas Vater, meine drei Frauen, ein Lächeln, noch einmal gewinkt, dann sind wir schon an ihnen vorbei.
Wir rollen durch den Kreisverkehr am Velodrome, nehmen allmählich Fahrt auf, ringsum jubelnde, applaudierende Zuschauer, sind die etwas alle wegen uns da???
Es ist kaum zu fassen. Ja gibt es denn so etwas???

Ein schönes Gefühl, die Aufregung steigt, noch zwei Startblöcke im Wartebereich, noch einer, dann dürfen wir „hoch“ in den Startbereich. Abschied von den Familien, noch ein paar Fotos ein letztes Winken, dann geht’s über die Startlinie 18:30 Uhr, die Zeit läuft, wir sind unterwegs, Gänsehaut, so viele Leute jubeln uns (UNS) zu, wünschen eine gute Reise, applaudieren – wir sind überwältigt, den Tränen nah, vor Rührung – Wahnsinn!!! Das ist Paris Brest Paris

Es findet nur aller 4 Jahre statt und man hat das Gefühl, dass nicht nur die Radler danach lechzen, sondern auch die Bevölkerung.

Immer wieder rufende, klatschende, motivierende Zuschauer am Straßenrand, deren „Bonne Route“, „Bon Courage“, „Allez allez“ klingen in uns lange nach, begleiten uns in den nächsten Stunden.
Ein Kribbeln breitet sich im ganzen Körper aus, Gänsehaut.
Wir sind on Tour, wir haben die „Monstretour à Brest et retour“ begonnen.

In nackten Zahlen ausgedrückt liegen 1230 Kilometer und über 10000 Höhenmeter vor uns.

Also nur keinen Sturz jetzt riskieren, nicht zu nah an die Kante drängen lassen, aber auch nicht zu viel Tempo verlieren, sondern an der Gruppe dran bleiben.
Wie immer ist es nach längerem Zeitraum für mich etwas gewöhnungsbedürftig, mich an die durch die Gepäcktaschen etwas veränderten Balance-Verhältnisse auf dem Rennrad zu gewöhnen. Die Last bremst aus, ich komme mir relativ langsam vor.
Aber wir haben 90 Stunden Zeit. Die sind bezahlt, die wollen wir auskosten. Es geht nicht um Tempo. Durchhalten, gesund ins Ziel kommen – das zählt. Und wenn möglich, wollen wir PBP genießen.
Ein erster Unfall in einem Kreisverkehr, ein Asiate, vielleicht ein Japaner, hat die Bordkante touchiert, er muss etwas unsanft aus dem Sattel – doch er hat Glück, mit einem Lächeln steigt er sofort wieder auf…
Das Gelände außerhalb der Pariser Vororte ist leicht wellig, für den Anfang lässt es sich zumindest schon sehr angenehm zu fahren.

Kleine Wälder, Felder, Wiesenlandschaften wechseln einander ab, als wir in den ersten Abend hinein fahren.
Das Wetter kann nicht besser sein. Der Himmel ist bewölkt, die Sonne hat jedoch auch ihre Chance, was kann es Schöneres geben, als an solch einem Tag Rad zu fahren.
Und der Wind ist unser Freund, er hält sich angenehm zurück oder weht leise aus Nordost.
Müssen wir ein schlechtes Gewissen haben, wird PBP eine „Weichei“-Tour?
Nein wohl eher nicht, wir sind der Meinung, dass wir uns das nach den Härten der Qualifikations-Brevets verdient haben.
In einer endlosen Kette von Randonneuren aus aller Welt fahren wir nun in angemessenem Tempo gen Westen.
Während wir nun Kilometer für Kilometer fressen, stellt sich auch wieder das erwartet sichere Gefühl auf dem Rad ein. Die Last am Hinterradgepäckträger ist nicht mehr zu spüren. Es rollt.
Da ist Karl Weimann, wir überholen ihn winkend an einer leichten Abfahrt. Prima, der Haudegen hat es trotz seines Unfalls im Frühjahr geschafft, hier wieder dabei zu sein.
In den Dörfern immer wieder Menschen, die uns zujubeln.

Langsam wird es dunkel, etliche Randonneure machen an kleinen Läden oder Restaurants die erste Pause. Aber wir wollen weiter.
Lieber etwas langsamer fahren, die Körner aufsparen, dafür aber kürzere und etwas weniger Pausen machen. Das ist unsere „Strategie“.
Trotzdem überholen wir, zeitweise fahren wir in einer kleinen Gruppe mit einem angenehmen 25er-Schnitt, vor allem viele Asiaten. Die Inder haben den Mundschutz angelegt, die kühle Abendluft wird ihnen jetzt schon zu schaffen machen.
Und bei dem ungewöhnlichen Bummel- & Sprint-Fahrstil Mancher fragen wir uns, wie die wohl diese Strecke durchhalten können und wollen.
Erste kurze Rast nach 70 Kilometern, wir scheren aus der Reihe aus. Trinken, Essen. Wieder Einreihen…
Das ist der erste starke und unvergessliche Eindruck auf dieser Tour.
Bis an den Horizont über Wellen und Hügel zieht sich eine endlose Kette von roten Rücklichtern. Dreht man sich um, so erblickt man eine ebenso endlose Kette von gelben und weißen Scheinwerfern.
Eine Lichterkette, die von Paris bis Brest zu reichen scheint.

Das Kribbeln ist ganz gewaltig – wir sind zwei winzige Teilchen in diesem Lebewesen, welches hier über die kleinen Straßen Frankreichs durch die Dunkelheit gen Westen zieht. Wir sind dabei!!!

Es ist stockfinster, als wir kurz vor Mortagne au Perche am linken Straßenrand einen Radler liegen sehen. Helfer kümmern sich um ihn, betten seinen Kopf in eine bessere Position… Hoffentlich ist ihm nichts Schlimmeres zugestoßen.

KM 120 – ein Radler liegt am Boden, wird am Kopf und Hals von anderen „behandelt“ – wenn man das sieht wird einem mulmig

0.30 Uhr Mortagne au Perche. Wir sind in der Startgruppe L, etliche aus den M- und sogar schon den P- und S-Gruppen haben uns bereits überholt, aber hier treffen wir auch viele aus G, H, J, K…
Das große Feld vermischt sich…
Die letzten Hügel haben mir schon Einiges abverlangt. Zum Glück gibt es hier ein kleines Restaurant, wo wir halten. Trotz der vielen Randonneure haben die Leute drinnen den Laden im Griff und wir bekommen ohne langes Warten eine Art Kebap im Fladenbrot.

140 Kilometer, Rechnen ist noch nicht angebracht.

Aber zumindest sollte ich darüber nachdenken, wie es weitergehen soll.
Ja zugegeben, ein wenig haben wir uns von der Euphorie anstecken lassen und ziehen lassen, sind für meine Fähigkeiten etwas zu zügig die Hügel hinauf gefahren.
So wie ich mich kenne, ist schnell Schluss bei mir, wenn das so weiter geht. Aber Thomas wäre nicht Thomas, wenn er nicht in seiner Kompromissfähigkeit, die ich so an ihm schätze, ohne Umschweife auf meine Befindlichkeiten eingehen würde und wir anschließend etwas Tempo heraus nehmen. Auch wenn es in der Finsternis nun kaum noch einzuschätzen ist, wie schnell oder langsam wir uns vorwärts bewegen, so können wir angesichts derer, die sich schon jetzt wesentlich mühsamer als wir die Anstiege hinauf schinden und Schlängellinien fahren, erkennen, dass wir wohl noch ganz gut unterwegs sind. Nach der „offiziellen“ 90-Stunden-Strategie sollte man die erste Nacht durchfahren und erst am späten Abend in Carhaix eine Schlafpause einlegen. Das werden wir nicht schaffen. Irgendwann in der Nacht wird die Müdigkeit so groß, dass wir uns abseits der Straße in eine Einfahrt setzen und eine halbe Stunde schlafen wollen. Das klappt erwartungsgemäß nicht, die Aufregung, die unbequeme Sitzhaltung, die kühlen Temperaturen…
So sehen wir also zu, wie ununterbrochen die Randonneure mit ihren starken Scheinwerfern auf der Straße vorbei rauschen. Trotzdem fühlen wir uns erholt und konzentriert, als wir uns schließlich wieder einreihen.

Der Morgen dämmert, als wir gegen 6 Uhr Villaines la Juhel erreichen. Zeitlimit ist für uns hier 9.10 Uhr, d.h. wir haben auf den ersten 220 Kilometern trotz Pause drei Stunden Zeitpuffer heraus gefahren.
Unser Plan beabsichtigt, dass wir uns einen durchschnittlichen Puffer von 5 bis 10 Stunden verschaffen wollen, um in den Nächten entsprechend auch längere Schlafpausen machen zu können. Die erste Nacht haben wir nun schon irgendwie überstanden, trotzdem sind uns drei Stunden geblieben. Beruhigend, denn wir hoffen, im Laufe des kommenden Tages wieder Einiges herausfahren zu können. Wir passieren den Bereich, wo sich die Begleitfahrzeuge aufhalten dürfen, die Begleiter stehen Spalier und erwarten ihre Fahrer. Die Stadt an sich schläft noch, aber im Kontrollbereich und an der Verpflegungsstelle herrscht ein großes Durcheinander.

Die Kontrollpunkte sind sehr voll, zunächst muss man das Rad irgendwo abstellen können, dann wird die Zeit genommen (Transponder und Kontrollkarte)

Trotzdem ist das alles so professionell organisiert, so dass wir ohne lange Wartezeiten unsere Kontrollstempel bekommen und eigentlich sofort weiter fahren könnten. An die Schlange im Restaurant wollen wir uns also lieber nicht anstellen.
Das ist der andere Teil unserer „Strategie“. Wir wollen lange Wartezeiten in den offiziellen Versorgungsstellen vermeiden und eher die alternativen Angebote vor Ort, also kleine Läden, Bäckereien etc. nutzen.
Und siehe da, auch der kleine Bäcker, wenige hundert Meter vor dem Kontrollpunkt, hat schon geöffnet und wir bekommen einen prima Kaffee, Fanta und Croissons. Genau das Richtige…

Am Velodrome

Fahrradcheck am Velodrome

Wie viele Andere sind wir PBP-Novizen, besitzen noch nicht die gelassene Abgeklärtheit der alten Hasen, die bereits zum x-ten Mal hier teilnehmen.

Aber umso unbeschwerter ohne jeglichen Erwartungsdruck unterhalten wir uns nun mit den anderen hier in der Schlange am Fahrradcheck, den Japanern, Engländern, Iren, Australien, Thailändern, Chinesen, Russen, Italienern, Brasilianern und begutachten unsere Räder.

Dass der Japaner mit einem Scheinwerfer von Busch und Müller sowie einem deutschen SON-Nabendynamo fährt, ich dagegen einen japanischen Shimano-Nabendynamo verwende, erregt Heiterkeit.

So was aber auch.

Der Fahrradcheck wird professionell und zügig von den vielen ehrenamtlichen Helfern erledigt, die Lampen funktionieren, die Bremsen auch, innerhalb von Minuten befinden wir uns auf dem Weg hinauf zum riesigen Velodrome und schauen staunend und mit ein wenig Gänsehaut auf das Treiben unten im Hexenkessel.

Wir sind keine Zuschauer, nein, wir sind dabei…

Für UNS wird dieser ganze Rummel veranstaltet.

Auch die Ausgabe der Startunterlagen erfolgt bestens organisiert und rasch.

Kurze Zeit später schon stehen wir mit unseren Beutelchen, in dem sich die Startnummern, Trikots und die Super-Randonneur-Medaille befinden, wieder draußen, holen die Räder ab und sind angesichts der zunehmenden Menschenmenge froh, frühzeitig hier gewesen zu sein.

So bleibt dieser Tag noch, um uns in Versailles und Paris ein wenig abzulenken.

Morgen Abend!

Der lange Weg

Thomas:

Also die Idee hatte ich schon vor 12 oder 13 Jahren.

Da habe ich von PBP gehört/gelesen und wollte eigentlich ganz gern teilnehmen.

Jörg mit dem ich damals die Tour de Ostsee gefahren bin, hatte aber keine Lust dazu.

Der Gedanke war also nicht mehr ganz frisch , er ist aber neu aufgeflammt, als ich auf Lutz traf bin und wir geredet haben.

Ich war und bin fasziniert, war mir aber schon immer sicher es zu schaffen (klingt überheblich, ist aber definitiv nicht so gemeint)

Und Respekt habe ich trotzdem vor der Veranstaltung.

Lutz:

Februar 2007 – es ist ein ausgesprochen milder Winter, als ich in Vorfrühlingseuphorie beim Ideensammeln für Radtouren im Internet auf die Seiten der Randonneure stoße.

Das ist ja Wahnsinn, was die machen. Da sind ja die 250 km ins Erzgebirge im, letzten Jahr der reinste Klacks dagegen. Und das sind keine Profis, das sind offensichtlich ganz normale Hobby-Radsportler.

200 sind für die nur der Anfang. 300 sind vielleicht auch noch vorstellbar – aber dann dieses Paris-Brest-Paris, von dem ich bisher noch nie gehört habe… 1200 Kilometer nonstop. Ist das gesund?

April 2013 – Spreewaldmarathon, wir lernen auf der Tour vier Randonneure aus Norddeutschland kennen. Bärbel, die Eine von ihnen, hat 2007 erfolgreich an PBP teilgenommen und erzählt eine Menge wissenswerter Dinge darüber.

Das Interesse erwacht. Aber von 1200 Kilometern 1000 im Regen fahren? Muss man sich das antun?

Allerdings hab ich im letzten Jahr auf der Tour Paris-Zweenfurth diverse Erfahrungen sammeln können, die PBP machbar erscheinen lassen.

Frühjahr 2014 – Welchen inneren Kampf, welches Hin- und Hergerissensein hat es gekostet, vom Prinzip der Solo-Touren Abstand zu nehmen, und den Versuch zu wagen, bei einem Brevet mit zu fahren.

Der 200er im April bei Olaf ist absolviert, es war für meine Begriffe ein irrsinniges sehr sportliches Tempo, der 600er in Berlin dagegen ist ein Genuss.

PBP 2015 – warum nicht.

Nachdem der Entschluss gefallen war, musste nun Einiges in die Vorbereitung investiert werden.

Zum Einen waren die Vorgaben der Organisatoren für eine mögliche Teilnahme an PBP zu erfüllen. Auf Grund der vermutlich limitierten Fahrerzahl war es schon im Vorjahr der Veranstaltung günstig, einen möglichst langen Brevet zu fahren. Das gestattete eine wesentlich frühere Vorregistrierung, d.h. einen Platz viel weiter vorn in der Warteliste, als wenn man sich nur auf Grundlage der 2015 sowieso zu absolvierenden Brevets anmelden würde.

Thomas war es nicht möglich, schon im April 2014 beim 200er dabei zu sein, und absolvierte dagegen den 300er. Ich fuhr zwar den 200er, musste aber aus gesundheitlichen Gründen, die sich hoffentlich 2015 nicht wiederholen würden, beim 300er und 400er passen.

Schließlich schafften wir es gemeinsam, im Juni 2014 den 600er von Berlin an die Ostseeküste und zurück zu absolvieren.

Das Schöne daran war nicht nur die Landschaft, sondern vor allem auch der sehr freundschaftliche Umgang der Randonneure untereinander und auch uns Neulingen gegenüber.

Und dann trauten wir uns plötzlich alles zu.

2015 – das PBP-Jahr

Als ob uns im letzten Jahr Einer das Randonnieren möglichst schmackhaft zu machen versucht hatte, kümmerte sich ebendieser 2015 intensiv darum, uns konsequent auch die härteren Seiten dieses Sports nahezubringen.

So fiel der erste 200er Brevet im März buchstäblich ins nur 3°C kalte Dauerregen-Wasser. Aber – geschafft. Das war die Hauptsache! Wieder ein Bausteinchen für die Teilnahme an PBP.

Es konnte nur besser werden, dachten wir danach.

Dass ich beim 300er dann mit Hungerast nach einem für meine Verhältnisse völlig überzogenen Start nur mühsam in Thomas‘ Kielwasser in Bennewitz wieder ins Ziel kam, ließ mich zumindest enorm an meinen Fähigkeiten für PBP zweifeln.

Trotz meiner Bemühungen, diese Fehler nicht zu wiederholen, geschah Ähnliches beim 400er mit seiner eisig kalten Nacht. Aber glücklicherweise gelang es hier wenigstens, mich so weit zu regenerieren, dass dieser Brevet aus eigener Kraft zu Ende gebracht werden konnte.

Im Anschluss trugen wir uns am 03.05.2015 in die Warteliste ein. Das ging völlig problemlos, die Zahlung der 30,-EUR Gebühr erfolgte prompt.

Damit war auch das abgesichert. Wir standen in der Teilnehmerliste.

Doch bei mir waren die Zweifel groß. Thomas hatte offensichtlich gar keine Probleme, entspannt und zügig die Touren abzuspulen.

Aber ich… Sollte ich besser auf den 600er verzichten und Thomas die Möglichkeit geben, das Ding in seinem Stil abzuspulen, ohne auf mich unnötig warten zu müssen?

Doch da hatte ich nicht mit seiner Kompromissbereitschaft und seiner sicheren Gewissheit, dass wir Beide das schaffen würden, gerechnet.

Wir bringen das gemeinsam zu Ende, so seine Einstellung und sei es eben im „Dieselmotortempo“. Solange dadurch nicht die Qualifikation für PBP gefährdet würde, sei ihm alles Recht.

Der 600er kam, es wurde eine ganz tolle, sehr bergige Fahrt und diese absolvierten wir (natürlich inkl. stundenlangem Dauerregen) gemeinsam!

Nun waren alle Bausteinchen für PBP gesetzt. Mehr konnten wir auf dem offiziellen Weg nicht tun.

Am 31.05.2015 wandelten wir unsere Vorregistrierung in eine richtige Registrierung um.

Das kostete noch einmal ca. 80,- EUR zusätzlich, dazu kam der Preis für zwei PBP-Trikots und die Super-Randonneursmedaille.

Was konnte nun noch geschehen oder schief gehen?

Nun lag es an uns, die bereits gewonnene Form über die verbleibenden zwei Monate bis zu PBP zu konservieren.

Nicht ganz einfach, da sich eine gewisse innere Ruhe breit machte, PBP ja noch lange hin war und wir die Motivation irgendwie bewahren mussten.

Mit einer 480-km-Solo-Tour von München nach Zweenfurth und einer gemeinsamen wunderschönen 450-km-Brocken-Runde verschafften wir uns im Juni/Juli noch einmal die Bestätigung, dass derlei Langstrecken zur Zeit kein Problem darstellten und wir wohl recht gut auf das Jahresereignis vorbereitet waren.

Rad, Ausstattung etc.

Thomas:

Rad: Basso ZER

Reifen: Continental Grand Prix 4-Seasons 25mm

Schaltung: Campagnolo Record

Kette: KMC

Scheinwerfer: B&M Luxos U

Rücklicht: B&M Toplight Brake Plus

Stromversorgung für Smartphone oder Navi: über Luxos U – USB-Anschlussmöglichkeit

Nabendynamo: Shutter Precision PD8

Navigationsgerät: Garmin eTrex 30

Gepäckträger: Tubus Fly

Taschen: Ortlieb Front Roller, Ortlieb Saddle-Bag Größe L, Oberrohrtasche

Biwaksack: Mountain Equipment Ultralite Bivi

Das Rad ist mindestens 15 Jahre alt, fährt sich in dieser Konfiguration sehr gut

Lutz:

Rad: Canyon Roadmaster Pro

Reifen: Schwalbe Durano 25 mm (Pannenschutzbänder haben sich nicht bewährt)

Schaltung: Shimano 105

Kette: Shimano HG 53 (hat sich erstaunlicherweise auf der Strecke bestens bewährt)

Scheinwerfer: Supernova E3 Pro 2

Rücklicht: Supernova E3 Taillight 2

Ersatzbeleuchtung: B&M Ixon IQ, Conrad LED-Rücklicht (beides mit Akku)

Stromversorgung: cycle2charge mit USB-Anschlussmöglichkeit (Anschluss parallel zum Scheinwerfer am ND)

Nabenynamo: Shimano DH3N80

Navigationsgerät: Garmin eTrex 30

Gepäckträger: Tubus Fly

Taschen: Ortlieb Front Roller, Lenkertasche, Oberrohrtasche

Biwaksack: Mountain Equipment Ultralite Bivi

Der Brooks-Sattel hat sich bestens auf dieser Strecke bewährt.

Die einzige Reibestelle entstand durch die doppelt unter die Radhose gezogene Fahrrad-U-Hose. Diese ließ sich jedoch mit dick aufgetragener Sitzcreme optimal behandeln

Das Problem Shermers Neck ist auf eine (bei den Brevets gab es das nicht) zu überstreckte Haltung auf dem Rad zurück zu führen. Der Lenker war bei PBP im Gegensatz zu früheren 1000er-Touren (wo ich aufrechter saß) niedriger angebracht als der Sattel. Durch diese Sitzposition wurde die Nackenmuskulatur überlastet. Eine weitere Ursache dürfte im mangelnden Training der entsprechenden Muskelgruppen liegen.

Bekleidung: es war an sich wieder mal zu viel in den Taschen (auch aufgrund des anhaltend guten Wetters) – die zweite Garnitur Radwäsche wurde nicht benötigt, ärmellose Weste und Gamexjacke auf Grund der sehr kühlen Nächte schon.

Regenjacke und Regenhose sowie wasserdichte Überzieher wurden (zum Glück) ebenfalls nicht benötigt.

Wer sind wir

Wer sind wir?

Vielleicht ist es wichtig, an dieser Stelle ein paar Worte über uns selbst zu verlieren.

Die Idee stammt von Thomas und ich meine, es ist richtig, kurz darauf einzugehen. Ohne eine gewisse Kenntnis des Anderen ist es nicht möglich, sich 3 Tage und 4 Nächte lang auf solch ein intensives Abenteuer einzulassen und das erfolgreich zu Ende zu bringen. Man sollte sich vertrauen und aufeinander verlassen können.

Thomas macht es mir einfach, er liefert also die Vorlage, ich kann mich darauf beschränken, auf seine Beurteilungen zu reagieren 😉

So sehe ich Lutz:

Lutz ist ein sehr akkurater Mensch, bei dem die Reise schon mit einer sehr akribischen Vorbereitung beginnt. Er überlässt nichts gerne dem Zufall, macht sich Gedanken in jeglicher Hinsicht und in jegliche Richtung.

Wenn Du meine Schlampigkeit und Nachlässigkeit kennen würdest…

Er ist wie ein Dieselmotor, einmal angelassen, kann er tage und wochenlang „tuckern“. Nur zu hohe Drehzahlen und zu viele und zu schnelle Drehzahländerungen sind Gift für ihn – aber dafür ist er ja auch ein Diesel 🙂

Ja, Recht hast Du. Die Sache mit dem Dieselmotor ist bei mir viel zu spät angekommen. Deswegen gingen der 300er und 400er fast schief.

Im Gegensatz zu mir bist Du aber der wesentlich sportlichere Typ. Wenn Du so fahren würdest, wie Du kannst, wärst Du nach 70 Stunden zurück gewesen. Keine Ahnung, aber Du gehörst zu den Menschen, die wohl auch von der Physis her eindeutig im Vorteil sind – das muss ich immer wieder neidlos anerkennen.

Lutz ist sehr viel gefahren in der Vorbereitung, täglich 75 Kilometer

Ja, Du brauchst nix zu tun und bist trotzdem besser. Ich muss eben für ein wenig Grundlagenausdauer etwas mehr machen 😉

Er ist ein sehr angenehmer Reisepartner, der sich niemals in den Vordergrund spielt, man hat das Gefühl mit ihm auf Augenhöhe zu sein, die gleiche Basis zu haben.

Weshalb in den Vordergrund spielen, wenn ich denke, dass Thomas in Bezug auf den Radsport noch ne Nummer erfahrener und fachlich wesentlich versierter ist. Da kann ich nur von Dir lernen.

Und das schätze ich auch an Dir – Du bist ein Klasse-Reisepartner. Deine ausgeprägte Kompromissfähigkeit, Toleranz und Höflichkeit und eben auch die Art, Dich nie mit Deinem großen Fachwissen in den Vordergrund zu spielen, sind sehr wohltuend. Bin Dir dankbar dafür, dass Du Dich sowohl bei den Brevets als auch bei PBP diskussionslos auf meinen „Reisestil“ eingelassen hast. Das tat mir ab und zu zwar etwas Leid, aber schneller ging bei mir nicht. Und im Vordergrund stand letztendlich auch die Absicht, PBP und seine einzigartige Atmosphäre vor allem zu genießen. Ich hoffe, diese verlangsamte Fahrweise hat auch Dir etwas Vergnügen gebracht.

Nie hat man das Gefühl, dass Dich irgendetwas, auch wenn es Dir gegen den Strich geht, aus der Fassung bringt. Du beherrschst Dich in jedem Fall, wirst nicht ungehalten, wütend, launisch – bist imstande, Dich auch auf mich spleenigen Menschen einzulassen.

Und in jeder „Katastrophe“ bewahrst Du die Ruhe. Tolle Einstellung – es wird schon und sei es mit ein wenig Improvisation.

Er hat einen wunderbaren Schreibstil, es macht Spaß den Bericht durch seine Feder fixiert zu lesen

Ich schreibe gern, glaube, ich kann mich schriftlich wesentlich besser artikulieren und Gedanken oder Gefühle vermitteln als aus einem Gespräch heraus. Wenn es Anderen gefällt – umso besser…

So sehe ich mich:

Ich überlasse die Dinge gern mal dem Zufall, weil ich sie dann spannender finde, ich achte darauf das Nötigste dabei zu haben und improvisiere ansonsten gerne mal.

Das erhöhte bei mir manches Mal die Spannung – aber mit Deiner inneren Gelassenheit ließ sich jede Situation in Ruhe meistern.

Ich hatte PBP immer sportlicher gesehen, bin aber froh in Reisegeschwindigkeit (und nicht in Renngeschwindigkeit) unterwegs gewesen zu sein – so habe ich Land und Leute (und Lutz) am besten kennen gelernt.

Da spüre ich, dass ich (altersmäßig) leider etliche Jahre Vorsprung habe. Bei mir tritt allmählich der sportliche Ehrgeiz zugunsten des Anspruchs, solche Ereignisse zu genießen, zurück.

Lutz und ich kommen super zurecht, auf und abseits der Piste.

Das meine ich auch!

Ich freue mich auf die nächsten gemeinsamen Fahrten.

Wie wär’s mit nem Ausflug in die Rhön und einer Sternen-Biwak-Nacht auf der Wasserkuppe?