Der lange Weg

Thomas:

Also die Idee hatte ich schon vor 12 oder 13 Jahren.

Da habe ich von PBP gehört/gelesen und wollte eigentlich ganz gern teilnehmen.

Jörg mit dem ich damals die Tour de Ostsee gefahren bin, hatte aber keine Lust dazu.

Der Gedanke war also nicht mehr ganz frisch , er ist aber neu aufgeflammt, als ich auf Lutz traf bin und wir geredet haben.

Ich war und bin fasziniert, war mir aber schon immer sicher es zu schaffen (klingt überheblich, ist aber definitiv nicht so gemeint)

Und Respekt habe ich trotzdem vor der Veranstaltung.

Lutz:

Februar 2007 – es ist ein ausgesprochen milder Winter, als ich in Vorfrühlingseuphorie beim Ideensammeln für Radtouren im Internet auf die Seiten der Randonneure stoße.

Das ist ja Wahnsinn, was die machen. Da sind ja die 250 km ins Erzgebirge im, letzten Jahr der reinste Klacks dagegen. Und das sind keine Profis, das sind offensichtlich ganz normale Hobby-Radsportler.

200 sind für die nur der Anfang. 300 sind vielleicht auch noch vorstellbar – aber dann dieses Paris-Brest-Paris, von dem ich bisher noch nie gehört habe… 1200 Kilometer nonstop. Ist das gesund?

April 2013 – Spreewaldmarathon, wir lernen auf der Tour vier Randonneure aus Norddeutschland kennen. Bärbel, die Eine von ihnen, hat 2007 erfolgreich an PBP teilgenommen und erzählt eine Menge wissenswerter Dinge darüber.

Das Interesse erwacht. Aber von 1200 Kilometern 1000 im Regen fahren? Muss man sich das antun?

Allerdings hab ich im letzten Jahr auf der Tour Paris-Zweenfurth diverse Erfahrungen sammeln können, die PBP machbar erscheinen lassen.

Frühjahr 2014 – Welchen inneren Kampf, welches Hin- und Hergerissensein hat es gekostet, vom Prinzip der Solo-Touren Abstand zu nehmen, und den Versuch zu wagen, bei einem Brevet mit zu fahren.

Der 200er im April bei Olaf ist absolviert, es war für meine Begriffe ein irrsinniges sehr sportliches Tempo, der 600er in Berlin dagegen ist ein Genuss.

PBP 2015 – warum nicht.

Nachdem der Entschluss gefallen war, musste nun Einiges in die Vorbereitung investiert werden.

Zum Einen waren die Vorgaben der Organisatoren für eine mögliche Teilnahme an PBP zu erfüllen. Auf Grund der vermutlich limitierten Fahrerzahl war es schon im Vorjahr der Veranstaltung günstig, einen möglichst langen Brevet zu fahren. Das gestattete eine wesentlich frühere Vorregistrierung, d.h. einen Platz viel weiter vorn in der Warteliste, als wenn man sich nur auf Grundlage der 2015 sowieso zu absolvierenden Brevets anmelden würde.

Thomas war es nicht möglich, schon im April 2014 beim 200er dabei zu sein, und absolvierte dagegen den 300er. Ich fuhr zwar den 200er, musste aber aus gesundheitlichen Gründen, die sich hoffentlich 2015 nicht wiederholen würden, beim 300er und 400er passen.

Schließlich schafften wir es gemeinsam, im Juni 2014 den 600er von Berlin an die Ostseeküste und zurück zu absolvieren.

Das Schöne daran war nicht nur die Landschaft, sondern vor allem auch der sehr freundschaftliche Umgang der Randonneure untereinander und auch uns Neulingen gegenüber.

Und dann trauten wir uns plötzlich alles zu.

2015 – das PBP-Jahr

Als ob uns im letzten Jahr Einer das Randonnieren möglichst schmackhaft zu machen versucht hatte, kümmerte sich ebendieser 2015 intensiv darum, uns konsequent auch die härteren Seiten dieses Sports nahezubringen.

So fiel der erste 200er Brevet im März buchstäblich ins nur 3°C kalte Dauerregen-Wasser. Aber – geschafft. Das war die Hauptsache! Wieder ein Bausteinchen für die Teilnahme an PBP.

Es konnte nur besser werden, dachten wir danach.

Dass ich beim 300er dann mit Hungerast nach einem für meine Verhältnisse völlig überzogenen Start nur mühsam in Thomas‘ Kielwasser in Bennewitz wieder ins Ziel kam, ließ mich zumindest enorm an meinen Fähigkeiten für PBP zweifeln.

Trotz meiner Bemühungen, diese Fehler nicht zu wiederholen, geschah Ähnliches beim 400er mit seiner eisig kalten Nacht. Aber glücklicherweise gelang es hier wenigstens, mich so weit zu regenerieren, dass dieser Brevet aus eigener Kraft zu Ende gebracht werden konnte.

Im Anschluss trugen wir uns am 03.05.2015 in die Warteliste ein. Das ging völlig problemlos, die Zahlung der 30,-EUR Gebühr erfolgte prompt.

Damit war auch das abgesichert. Wir standen in der Teilnehmerliste.

Doch bei mir waren die Zweifel groß. Thomas hatte offensichtlich gar keine Probleme, entspannt und zügig die Touren abzuspulen.

Aber ich… Sollte ich besser auf den 600er verzichten und Thomas die Möglichkeit geben, das Ding in seinem Stil abzuspulen, ohne auf mich unnötig warten zu müssen?

Doch da hatte ich nicht mit seiner Kompromissbereitschaft und seiner sicheren Gewissheit, dass wir Beide das schaffen würden, gerechnet.

Wir bringen das gemeinsam zu Ende, so seine Einstellung und sei es eben im „Dieselmotortempo“. Solange dadurch nicht die Qualifikation für PBP gefährdet würde, sei ihm alles Recht.

Der 600er kam, es wurde eine ganz tolle, sehr bergige Fahrt und diese absolvierten wir (natürlich inkl. stundenlangem Dauerregen) gemeinsam!

Nun waren alle Bausteinchen für PBP gesetzt. Mehr konnten wir auf dem offiziellen Weg nicht tun.

Am 31.05.2015 wandelten wir unsere Vorregistrierung in eine richtige Registrierung um.

Das kostete noch einmal ca. 80,- EUR zusätzlich, dazu kam der Preis für zwei PBP-Trikots und die Super-Randonneursmedaille.

Was konnte nun noch geschehen oder schief gehen?

Nun lag es an uns, die bereits gewonnene Form über die verbleibenden zwei Monate bis zu PBP zu konservieren.

Nicht ganz einfach, da sich eine gewisse innere Ruhe breit machte, PBP ja noch lange hin war und wir die Motivation irgendwie bewahren mussten.

Mit einer 480-km-Solo-Tour von München nach Zweenfurth und einer gemeinsamen wunderschönen 450-km-Brocken-Runde verschafften wir uns im Juni/Juli noch einmal die Bestätigung, dass derlei Langstrecken zur Zeit kein Problem darstellten und wir wohl recht gut auf das Jahresereignis vorbereitet waren.

Rad, Ausstattung etc.

Thomas:

Rad: Basso ZER

Reifen: Continental Grand Prix 4-Seasons 25mm

Schaltung: Campagnolo Record

Kette: KMC

Scheinwerfer: B&M Luxos U

Rücklicht: B&M Toplight Brake Plus

Stromversorgung für Smartphone oder Navi: über Luxos U – USB-Anschlussmöglichkeit

Nabendynamo: Shutter Precision PD8

Navigationsgerät: Garmin eTrex 30

Gepäckträger: Tubus Fly

Taschen: Ortlieb Front Roller, Ortlieb Saddle-Bag Größe L, Oberrohrtasche

Biwaksack: Mountain Equipment Ultralite Bivi

Das Rad ist mindestens 15 Jahre alt, fährt sich in dieser Konfiguration sehr gut

Lutz:

Rad: Canyon Roadmaster Pro

Reifen: Schwalbe Durano 25 mm (Pannenschutzbänder haben sich nicht bewährt)

Schaltung: Shimano 105

Kette: Shimano HG 53 (hat sich erstaunlicherweise auf der Strecke bestens bewährt)

Scheinwerfer: Supernova E3 Pro 2

Rücklicht: Supernova E3 Taillight 2

Ersatzbeleuchtung: B&M Ixon IQ, Conrad LED-Rücklicht (beides mit Akku)

Stromversorgung: cycle2charge mit USB-Anschlussmöglichkeit (Anschluss parallel zum Scheinwerfer am ND)

Nabenynamo: Shimano DH3N80

Navigationsgerät: Garmin eTrex 30

Gepäckträger: Tubus Fly

Taschen: Ortlieb Front Roller, Lenkertasche, Oberrohrtasche

Biwaksack: Mountain Equipment Ultralite Bivi

Der Brooks-Sattel hat sich bestens auf dieser Strecke bewährt.

Die einzige Reibestelle entstand durch die doppelt unter die Radhose gezogene Fahrrad-U-Hose. Diese ließ sich jedoch mit dick aufgetragener Sitzcreme optimal behandeln

Das Problem Shermers Neck ist auf eine (bei den Brevets gab es das nicht) zu überstreckte Haltung auf dem Rad zurück zu führen. Der Lenker war bei PBP im Gegensatz zu früheren 1000er-Touren (wo ich aufrechter saß) niedriger angebracht als der Sattel. Durch diese Sitzposition wurde die Nackenmuskulatur überlastet. Eine weitere Ursache dürfte im mangelnden Training der entsprechenden Muskelgruppen liegen.

Bekleidung: es war an sich wieder mal zu viel in den Taschen (auch aufgrund des anhaltend guten Wetters) – die zweite Garnitur Radwäsche wurde nicht benötigt, ärmellose Weste und Gamexjacke auf Grund der sehr kühlen Nächte schon.

Regenjacke und Regenhose sowie wasserdichte Überzieher wurden (zum Glück) ebenfalls nicht benötigt.