Werra-Weser 2021 (03)

Samstag, 19.06.2021

Frühstück im Hotel, Büffet mit Maske – der Tribut an die Corona-Pandemie, wir sind immer noch mittendrin, auch wenn die Zahlen planmäßig zum Reisesommer positiver aussehen.
Das Frühstück – ist ok…
Danach Packen und Abfahrt.
Vater mit Tochter ist auch schon unterwegs, wir sehen sie dann ab und zu noch wieder, zumindest heute noch.
Noch ein Foto von der ältesten Steinbrücke Deutschlands und dem Zusammenfluss. Eigentlich wurden Werra-Weser noch vor einigen hundert Jahren als ein Fluss angesehen (auch wenn die Fulda wasserreicher ist, ist die Werra ein ganzes Stück länger), erst durch sprachliche Trennung entstand auch diese Art von geographischer Trennung. Aber so kann man trotzdem konstatieren, den Fluss in seiner ganzen Länge von der Quelle bis zur Mündung abgefahren zu haben. Und das ist auch nicht schlecht 😉 Für die Statistik wenigstens…
Einige Anstiege und Schiebeabschnitte lauern heute auch. Na gut, das überstehen wir…
Auch heute steht uns noch einmal ein Hitze-Tag bevor. So nutzen wir den ersten schönen Ausblick auf die Weser am Kloster Bursfelde, um eine nötige Pause zu machen.
Übrigens radeln wir nun schon seit gestern durch eine Region, in der etliche von Grimms Märchen ihren Ursprung fanden. Witzenhausen, im Werra-Meißner-Kreis zum Beispiel ist „Frau-Holle-Land“, hier in der Nähe steht die Sababurg, das Dornröschenschloss für einen Abstecher leider zu weit, die Trendelburg bei Bad Karlshafen ist das Rapunzelschloss und morgen geht es an Polle vorbei, wo das Märchen von Aschenputtel entstand. Nicht zu vergessen Bodenwerder – welches wir ebenfalls morgen passieren, der Baron-von-Münchhausen-Ort.
Das Fährhaus von Oedelsheim hat einen Freisitz, bestens geeignet, um die nächste Trinkpause zu machen und dabei in Ruhe das Geschehen auf dem Fluss, die Fähre, die Motor- und Paddelboote zu beobachten – und natürlich die zahlreichen (E-) Radler.
Vor Bad Karlshafen lauert im Wald ein heftiger 25%-Anstieg, oben steht eine E-Bike-Truppe, die einige Sprüche klopfen, als wir an ihnen vorbei schieben. Die liebe Reisegefährtin ist etwas verärgert darüber, aber als wir dann schon hinter Bad Karlshafen in einer übervollen Ausflugsgaststätte beim Hefeweißen, Radler und Kuche sitzen und die E-Biker (trotz motorisiertem Untersatz) später eintreffen und keinen Platz mehr findet, ist für uns die Welt sozusagen wieder gerade gerückt… 😉
Hase und Igel quasi – wir sind (obwohl „Bio-Radler“ – den Ausdruck prägt die Wirtin in unserer Unterkunft in Boffzen am nächsten Morgen) schon da. Und wir lernen eine nette junge („Bio-„) Radlerin kennen, die mit ihrem Vater ein paar Tage am Fluss unterwegs ist.
Nun ja, es ist auf jeden Fall müßig, sich da in einen künstlichen Konflikt hinein zu reden oder zu steigern. Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir mit Sicherheit auch auf E-Bike umsteigen werden, einfach um weiterhin noch lange Zeit das Gefühl des Radelns genießen zu können. Was wir eher weniger verstehen, sind die zahlreichen jungen E-Radler mit den vollgefederten Ballonreifen-Rädern in den schicken Trikots, die an uns auf den flachen Strecken stromverstärkt vorbei brausen. Warum versuchen sie es nicht einmal mit eigener Kraft?
Aber egal – wir rollern weiter als „Bio-Radler“ durch die herrliche Landschaft.
Bis Boffzen, unserem Tagesziel gibt es noch ein paar Kilometerchen – und ein paar Anstiege.
In der „Alten Post“ werden wir von der Chefin herzlich empfangen, das Zimmer ist topp. Und sie empfiehlt uns am Badesee bei Höxter (noch ein paar Zusatz-kmchen ohne Gepäck) noch ein Restaurant, wo wir essen können.
Gesagt getan, kurzer Anruf, Tisch reserviert, die liebe Reisegefährtin steigt dann mal kurz ins Wasser, am See herrscht reges Treiben und dann stehen wir vor dem „Strandgut“ und man kennt die Reservierung nicht. Upps, gibt es hier noch ein Restaurant? Nö, keine Ahnung. Aber die Leute sind flexibel, wir bekommen trotzdem einen Zweiertisch, drinnen läuft das EM-Spiel D – Portugal, nach dem bedröppelten Gesicht des Mannes im Deutschland-Trikot gegenüber, der geschickt seine Frau mit dem Rücken zum Bildschirm platziert hat, scheint Portugal das erste Tor geschossen zu haben.
Auf der Rückfahrt zur „Post“ in Boffzen streifen wir noch kurz die Altstadt von Höxter.
Etappe Hannoversch Münden – Boffzen: 64,52 km