Zunächst bin ich allein hier auf dem Feldweg an der Baumreihe. Den geeigneten Standort habe ich per App ermittelt, vorgestern auf einer kleinen Erkundungsfahrt stellte sich der Platz wirklich als optimal heraus. Die Sonne, die jetzt zeitweise hinter horizontnahen Zirren eintaucht, müsste laut App aus diesem Blickwinkel neben dem Schornstein des Heizkraftwerkes in Engelsdorf drüben untergehen. Na da, ich bin gespannt.
Ein Pärchen taucht auf und nach einigen Worten platzieren sie sich etwas weiter auf einer Decke, um das bevorstehende Naturwunder zu genießen.
Die Bedingungen sind optimal, abgesehen von den schon erwähnten Zirren am Westhorizont ist es fast wolkenlos, sehr trocken, klar, der Wind weht von Nordost.
Nun treffen weitere Leute ein, dann plötzlich halten etliche Autos am Straßenrand oder auf dem Feldweg, man breitet Picknickdecken aus und so weiter. Das überrascht ein wenig, hätte nicht gedacht, dass so eine Sonnenfinsternis bei uns auf dem Land überhaupt jemanden interessieren könnte. Doch in den Medien wurde heftig für das Ereignis getrommelt, wie später zu erfahren ist, tummeln sich in Leipzig auf den einschlägigen exponierten Aussichtspunkten wie dem MDR-Hochhaus, der Anhöhe am Silbersee oder an der A14 in Paunsdorf teils Hunderte SoFi-Süchtige.
Auch hier nimmt das Ganze den (sehr angenehmen) Charakter eines kleinen Volksfestes an. Kinder, die das Geschehen am Himmel eher weniger interessiert, spielen Ball oder Hasche, fehlt nur noch ein Bratwurststand.
Die Kameras sind eingestellt, die Sony A7S läuft mit dem 200er-Objektiv für den Zeitraffer, die Canon 650D mit dem Tamron 150-600 mit 600 mm Brennweite will ich manuell bedienen.
An der A7S ist ein 100.00er-Sonnenfilter aufgeschraubt, am 600er Objektiv steckt der selbstgebaute Sonnenfilter.
Während die A7S im Dauerbetrieb schon läuft, es muss nur nachgestellt werden, wenn sich die Sonne wegen der Wolken zu sehr verdunkelt, ist am großen Objektiv permanentes Nachziehen und Scharfstellen angesagt.
Eine ganze Weile lang passiert nichts, die Aufnahmen lassen eine runde helle Scheibe und Sonnenflecken erkennen.
19.15 Uhr aber plötzlich, was entsprechend eindrucksvoll ist, sieht man die runde Scheibe rechts angeknabbert. Es geht los, die schwarze Mondscheibe schiebt sich nun ganz langsam und allmählich über die Sonne. Ringsum entsteht eine gewisse Unruhe, alle wirken fasziniert.
Eine ganze Weile dauert das, mit bloßem Auge sind keine Helligkeitsunterschiede in der Landschaft zu erkennen, während durch die Sonnenfilter gesehen, immer mehr von der hellen Sonnenscheibe hinter dem Mond verschwindet.
Schnell sind die Kinder wieder gelangweilt, auch die geflissentlichen Hinweise der Erwachsenen, dass man das wohl kaum noch einmal so in natura sehen könnte, motiviert die Kleinen kaum. Der Ball ist da wesentlich wichtiger.
20.10 Uhr ist das Maximum erreicht, ist es Einbildung oder wird es in diesen Momenten tatsächlich kühler als bisher? Und auch das Licht wirkt nicht mehr normal golden wie bei einem normalen Sonnenuntergang, sondern eher bläulich kühl. Eine ganz eigenartige Stimmung ist das mit einem Mal.
Aber das vergeht viel zu schnell, der Mond verschwindet nun allmählich nach links, südwärts von der Sonnenscheibe, das Licht wird wieder wärmer und schnell entwickelt sich das Schauspiel zu einem Sonnenuntergang, wie man ihn gewohnt ist.
Kurz bevor die Sonne nun hinter dem Horizont (neben dem Schornstein in Engelsdorf – die App hatte Recht) verschwindet, kann man sogar mit bloßem Auge ihre Sichelform erkennen.
Die „Nachbarn“ schauen nun noch interessiert auf das Display meiner Kamera, Einer zeigt mir seine selbstgebaute Lochkamera, von der ich nun wiederum begeistert bin.
Dann löst sich unser Volksfest mit einbrechender Dämmerung langsam auf.
Bemerkenswert war wohl vor allem die uns allen unaufgeregte gemeinsame Freude an diesem elementaren Himmelsereignis, diese vollkommen entspannte und gelöste Eintracht, völlig frei von Spannungen und unterschwelligen Aggressionen, von denen derzeit unsere Gesellschaft so geprägt ist.
Einfach mal wieder unabhängig von persönlichen Meinungen unterschiedslos Mensch sein und sich gemeinsam an den kleinen Dingen erfreuen – wie wohltuend war das.
Erst jetzt beim Zusammenpacken und der Rückfahrt auf dem Rad spürt man, wie kühl es mittlerweile geworden ist.







Wonderful
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Thank you :-)
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Phänomenale Bilder!
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Vielen Dank :-)
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