Spreewaldmarathon 2019

Alle Jahre wieder…
So oder ähnlich geht es durch den Kopf, als wir in der Morgenstille locker an der Spree entlang gen Lübbenau rollen. Das elfte Mal ist es heute, eigentlich gab es nur ein Jahr, 2017, in dem der Radelnde Uhu aussetzen musste.
Das frühlingshaft warme, aber für diese Jahreszeit viel zu trockene Wetter ist mit einem deftigen Gewitter heute Nacht umgeschlagen.
Nun ist der Himmel wolkenverhangen, der Wind weht leicht von West, es ist kühl, aber wir werden den ghanzen Tag lang Glück haben, bis auf wenige Spritzer bleibt es heute noch trocken.
Der Startpunkt für den 17.Spreewaldmarathon ist wegen Bauarbeiten an der Festinsel heute an den Sportpark an der Majoransheide am westlichen Rand der Stadt verlegt.
Auch wenn wir das Ambiente am Schloß auf der Festwiese schöner finden, für den Stadtverkehr ist es schon eher eine Entlastung, wenn sich die zigtausende von Radlern von hier draußen aus auf die Strecke machen.
9 Uhr ist der Startschuß, dann setzen sich 1200 Radler laaangsam in Bewegung auf die 110er-Runde. Nach dem gemütlichen 70er im letzten Jahr äußerten unsere Nachwuchsfahrerinnen den ausgeprägten Wunsch, sich einmal etwas mehr zu fordern und die 110 zu versuchen.
Und so hat der Radelnde Uhu heute DREI !!!! JUNGE !!! DAMEN !!! im Schlepptau. Auch nicht schlecht.
Die Route verläuft zunächst quer durch die Stadt, am zweiten Kreisverkehr gibt es Irritationen, die Schnellen vorn folgen dem blauen (200er) Pfeil und werden rasch nicht mehr gesehen, die Langsameren haben immerhin Zeit zum Reagieren und Schauen und biegen rechtzeitig ab, der rote (110er) Pfeil ist etwas weiter stadteinwärts angebracht, war nicht direkt zu erkennen. Etwas ungünstig ist nun die Vermischung mit dem alltäglichen Kfz-Verkehr. Das wird nicht unbedingt auf Feudenausbrüche bei unseren motorisierten Verkehrsteilnehmern sorgen.
Aber als wir die Stadt schließlich verlassen, ist alles gut und schön.
Und es wird immer schöner…
Das ist es wieder, das Besondere am Spreewaldmarathon, die weite Landschaft, die Störche auf Wiesen und Feldern, die kleinen Straßen und Sträßchen und dann die perfekte und umfassende Betreuung an den Verpflegungspunkten.
Es geht einfach nicht besser und schöner – finden zumindest wir.
Die DREI!!! JUNGEN!!! DAMEN!!! 😉 haben sich mit dem Schnitt, den der Radelnde Uhu vorgibt, wunderbar arrangiert. Nicht zu schnell, schön gleichmäßig, nicht zu große Gänge, kraftsparend und knieschonend eher mit höherer Frequenz, Viele überholen uns zwar, aber es geht nicht ums Gewinnen, sondern ums Durchhalten und Ankommen. Und ums Genießen dieses schönen Tages.
Für ausreichende Pausen und Verpflegung ist gesorgt, alle sind zufrieden und haben ihren Spaß.
Auch die „Strategie“, durch nicht zu lange Pausen Zeit zu gewinnen, geht voll auf. Etliche, die uns überholten, sehen schon am ersten Kontrollpunkt am Eurocamp nach 42 km ziemlich knülle aus, die sehen wir danach erst eine ganze Weile nach unserer Ankunft im Ziel wieder. Aber wir wollten ja nicht gewinnen 😉
Schwere Beine? Gibt es heute auch nicht. Eher schwere Bäuche vom vielen Essen. Oder Mädels?
Die Plinsen in Straupitz sind wieder ein Träumchen (schade, ein Jahr müssen wir nun wieder darauf warten) und nach kurzer Fahrt durch die herrliche Flussauenlandschaft gibt es in Burg schon die nächste Fresspause.
Wetter? Das hält sich – prima. Was kann es Schöneres geben, als an solch einem Tag um bzw. durch den Spreewald zu rollern.
Der „Angsthuckel“ am Tagebau ist heute geschenkt, bald ist Lübbenau erreicht, schon wieder Pause? Neee, war ein Spaß, die muss sein, irgendwie fallen wir sonst vom Fleisch.
Lübben – am Sportpark säumen viele Zuschauer die EInfahrt ins Ziel, dann gibt es die wohlverdienten bronzenen Gurkenmedaillen.
Toll Mädels, es hat heute viel Spaß mit Euch gemacht. Gerne mal wieder…
Nach ein, zwei Bierchen (bleifrei) rollen wir nun wieder zurück zu unserer Unterkunft.
In Summe kommen wir somit heute auf 140 Tageskilometer.
Abgesehen von einigen 200ern kommt uns auf dem Spreedamm kaum noch jemand entgegen. Ruhe macht sich wieder über der Landschaft breit, das Licht in diesen Nachmittagsstunden wird schöner, goldener, glatt ist der Wasserspiegel der gemächlich strömenden Spree.
Die Summe der Ereignisse dieser Tage – das Fest, der Spreewaldmarathon und sein Getöse und die vielen Radler, die extrem beanspruchten, aber immer freundlichen Helfer und Betreuer, das Dahinrollen auf dem Spreedamm, die endlose ruhige Landschaft, wenn der Lärm verschwunden ist, die schöne kleine und gemütliche Altstadt von Lübbenau z.B., die Wanderung an den Kanälen entlang durch den Wald am nächsten Tag, das Paddeln auf dem stillen Wasser, der Sonnenuntergang und die abendlichen Farben – und nicht zuletzt das üppige Bauernfrühstück oder die Grützwurst ergänzt mit ein, zwei, xx Gläschen Babben-Bier, das bedeutet für uns (auch) Spreewald.
Und der nächste Spreewaldmarathon ruft schon.

Spreewaldmarathon 2018

„Die verrückten 200er sind natürlich alle schon durch. Die sie jetzt hier sehen, sind mehr so die Freizeitfahrer…“ – so ungefähr lauten die Worte der Spreewälderin, die den schwer mit kuchenessenden Ausflüglern beladenen Kahn aus dem kleinen Schlepziger Hafen bugsiert.
Danke, wir haben verstanden – Freizeitradler. Hmmm, ist das besser als ein „verrückter 200er“?‘
Da bleiben wir doch glatt noch ein wenig länger hier sitzen. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, ringsum zeigt sich frisches Grün an den Bäumen, hinter uns tummeln sich die vielen vielen Freizeitradler und werden wie immer bestens von den netten ehrenamtlichen Helfern versorgt.
200, das war mal – oft genug sind wir diese Runde gefahren, schnell und noch schneller. Muss heute wirklich nicht sein, schön ist es, dass überhaupt wieder etwas geht und da genügen auch die gemütlichen 70. Genuss ist angesagt, kein selbst gemachter Zeitdruck, nein, einfach nur entspannt dahin rollern und diesen wunderbaren Frühlingstag in all seinen sonnigen Facetten auskosten.
Ja, ein wenig kratzt es schon, wenn man an die vergangenen Jahre denkt.

Aber wer weiß, vielleicht geht mit behutsamer Steigerung auch demnächst mal wieder etwas mehr.

Die schönsten Momente dieser Spreewaldmarathons sind immer wieder, ehrlich gesagt, die Kilometer an der Spree entlang zum Start nach Lübben und dann das Ausrollen danach wieder zurück zur Unterkunft. Noch ist es ruhig in dieser unendlichen Landschaft, das menschliche Getöse ist weit weg, erst auf der Schlossinsel holt es uns dann ein.
Aber das ist dann natürlich auch wieder ein sehr schönes Gefühl, sich mit nun den vielen Radlern mit Polizeieskorte zuerst durch Lübben zu wälzen und dann richtig Fahrt auf den ruhigen Landstraßen aufzunehmen. Sofern man nicht von aggressiven und ungeduldigen Autofahrern abgedrängt wird….
Der größte Respekt gilt dabei immer wieder den Helfern, die hier ihre Zeit damit verbringen, das Sport treibende Volk mit Straßensperrungen und üppiger Verpflegung zu unterstützen.
Und so ist die Zufriedenheit, die sich innerlich auch schon nach den „kurzen 70“ breit macht, eine Kombination aus dem Erlebnis der wunderbaren frühlingshaften Landschaft, dem guten Gefühl des Rollens auf den Straßen und der Volksfeststimmung an den Verpflegungspunkten und hier in Lübben auf der Festwiese.
Das macht diesen Tag wieder einmal zu einem der schönen Momente im Leben – und steigert die Vorfreude auf eine Wiederholung im nächsten Jahr.

Spreewaldmarathon 2016

Samstag, 16.04.2016

Die Anspannung ist ziemlich groß, obwohl eigentlich geplant ist, diese Tour nur so weit zu fahren, wie es Kopf und Körper zulassen.
Nur nichts provozieren – sondern ganz langsam, ganz behutsam den Neuanfang versuchen, den zweiten Neuanfang übrigens nach dem „Fast-Katze-Überfahren“-Crash vom August 2012.
Na ja, eigentlich schon der dritte, nach 08/2015 und 12/2015…

Egal…

Kühl, wolkig, sonnig ist es, für heute ist gutes Wetter angesagt.
Zumindest sollen nicht solche Regenfälle wie gestern zu erwarten sein.
Auf das Einrollen im Morgensonnenschein nach Lübben hinüber verzichten wir, im Auto ist es wärmer und gemütlicher…
Und so kommen wir sogar noch in den Genuss, die „Hasenhochzeit“ auf dem Feld vor Lübben zu sehen. Sind das nun 7, 8 oder 14 Hasen oder 15 Hasen und 7 Ohren oder 15 Ohren und…
Auch egal, auf jeden Fall haben wir noch nie so viele Hasen auf einem Fleck gesehen.
An der Festinsel ist wieder Tohuwabohu, die 1200 Teilnehmer auf den 200 km wälzen sich gerade über die kleine Brücke auf Lübbens Straßen.
Und ganz am Ende rollen wir schließlich in aller Ruhe hinterher. Begleitet vom Polizeifahrzeug mit Blaulicht – auch ein Erlebnis… Dem englischsprechenden Pärchen hinter uns sind wir schließlich zu langsam, die zwei gemächlich dahin rollenden Herren auf den schicken Rennrädern vor uns überholen wir dann nach ein paar Kilometern…
Na was – geht doch.
Uwes geschicktes abwartendes Nachfragen erreicht dann in Lubolz den von ihm gewünschten Effekt. Ich werfe alle Pläne von einer Spreewaldrunde mit maximal 70 km außerhalb jeglicher Wertung, alle Pläne von da mal abkürzen und dort mal ne Beule abschneiden über den Haufen und wir rollern den 200ern in Sichtweite hinterher.
Man muss es ja nicht übertreiben, doch selbst die 150er-Runde, die mir zu diesem frühen Zeitpunkt noch völlig aussichtlos erscheint, kann man ja im Notfall jederzeit abbrechen.
Der neue Verpflegungspunkt in Kasel-Golzig bestärkt dann noch einmal das Vorhaben, auf der ausgeschilderten Route zu bleiben.
Recht locker erreichen wir Krausnick, die Masse der Leute ist schon weg, das bietet die Chance, sich ohne Drängelei zum ersten Mal voll zu fressen. Die Sonne scheint, die fleißigen und netten ehrenamtlichen Helfer lächeln, das Leben ist schön.
Ein kurzes Hineinhorchen – nö – selbst das leise Kribbeln im Hinterkopf ist nicht zu spüren.
Aber – man muss auch das Pausenmachen nicht übertreiben. Radfahren wollen wir auch noch.
Kult-P-Pause im Unterspreewald am Puhlstrom, Plinsen nach weiteren 10 kmchen am Hafen in Schlepzig. Das ist auch neu – und da wir ja ganz entspannt….
So können wir dieses freundliche Angebot einfach nicht ablehnen.
Eurocamp, schon eine ganze Weile beunruhigte die dunkle Wolkenfront im Westen. Doch den nach der Pause einsetzenden Regen soll es lt. Wetterbericht heute eigentlich nicht geben. Kleiner Makel, hört bestimmt gleich wieder auf.
20 Kilometer weiter – sollten wir doch die Regenklamotten anziehen? Der Regen war ja nun nicht angesagt, ist sicher nur die dicke schwarze Wolke, gleich vorbei.
Straupitz – wir sind durch, nass, kalt…
Aber die Leute hier lassen sich einfach nicht verdrießen, das steckt irgendwie an. Und die Plinsen sind nun auch nicht von schlechten Eltern. Dazu ein, zwei Käffchen.
Besser geht dat nich…
Na gut, die Dusche könnte bitte mal jemand abstellen.
Regenklamotten sind mittlerweile sinnlos. Wenigstens die dürfen nun trocken bleiben.
Unsere Familien, die wir angesichts des Wetters in einer ganz anderen Laune erwartet hatten, stehen lächelnd und zufrieden im Regen. Erstaunlich. Was hat der Spreewaldmarathon, was andere Radtouren nicht haben?
Uwes Optimismus leidet jedoch ein wenig, denn die helleren Wolkenlücken werden minutenschnell wieder dunkel zugedeckt, der Jemand dreht am Duschknopf, das Wasser fällt mal spärlicher, mal etwas intensiver, wo kommt das alles her?
Ein Genuss ist die schöne Landschaft zwischen Straupitz und Burg angesichts der Nässe und Kälte heute leider nicht – ja, wir haben abgekürzt – die 200 sollen es heute nicht sein, wir sind zeitlich sowieso viel zu spät, so dass wir die Beule über Lieberose ausfallen lassen.
Aber in Burg gibts schon wieder etwas zu futtern. Lecker Kuchen… Prima.
Offensichtlich bewirkt aber der Dauerregen, dass die angekündigten Sturmböen ausfallen. Ist ganz praktisch, denn im ehemaligen Tagebaugelände südlich von Raddusch würde es sonst ganz schön entgegen blasen. Hat also auch sein Gutes…
Der letzte Verpflegungspunkt an den Lübbenauer Spreewelten wirkt heute ein wenig verwaist. Schade, denn die Blasmusiker geben ihr Bestes und hätten sicher ein wenig mehr Publikum verdient. Und auch die angebotenen Suppen sind genau das Richtige im Augenblick – also auch hier wieder der Vorteil der Situation, man bekommt die und noch nen Nachschlag ohne Schlangestehen.
Lässt das Pieseln jetzt etwa nach?
Es scheint ganz so – tatsächlich das penetrante leise Klopfen auf dem Helm wird langsamer, leiser…
Aber war wohl nur ne Atempause, auf dem letzten Stück auf der Bundesstraße nach Lübben scheint der Duschknopf kaputt gegangen zu sein und der Himmel öffnet nun etwas unkontrolliert seine Schleusen. Die Straße ist eine einzige Wasserfläche, man sieht nur Wasser ringsum, Taucherbrille und Schnorchel wären jetzt ganz praktisch.
Aber dann ist gegen 16 Uhr doch Lübben erreicht.
Fast alle haben durchgehalten, sich allerdings nach der Zieleinfahrt auch gleich verkrümelt. Ein Fest wird das hier eben nicht mehr, auch wenn die Trommler und Cheerleader jedem eintreffenden Fahrer eine Extra-Willkommens-Welle gönnen.
Aber das Ziel ist erreicht und die eigenen Vorstellungen wurden bei Weitem übertroffen.
156 km – das lag außerhalb jeglicher Vorstellung.
Trotz der üblen Vorgeschichte in den letzten Monaten, der fast völlig fehlenden Grundlagenausdauer und der stark abgebauten Muskulatur ist es eine für mich arg überraschende Tatsache, diese Distanz gefahren zu sein. Es geht!
Aber, was folgt nun?
Hineinhorchen, schauen, was mit dem Körper passiert, Ruhe bewahren und auf keinen Fall sofort nachlegen. Man muss es ja nicht übertreiben.
Übrigens scheint jetzt die Sonne von einem blauweißen Himmel.
Da erübrigt sich jeder Kommentar.

Und an die goldene Gurke, wir waren ja eigentlich für 200 gemeldet, werde ich mir ein Zettelchen kleben… „Beschissgurke“ könnte vielleicht drauf stehen 🙂

Spreewaldmarathon 2015

Spreewald-Marathon, 18.04.2015

Am schönsten sind die Momente, wenn die Sonne über dem Horizont erscheint, leichte Nebel über dem stillen Wasser der Spree und der Fließe aufsteigen und ein enormes Vogelkonzert den neuen Tag begrüßt.
Ohne Schmalz und Krümel… Es gibt wirklich (fast) nix Besseres.
Abgesehen von den zu Eisklumpen erstarrten Fingerspitzen, die kaum den Auslöser der Kamera betätigen können, ist das der perfekte Einstieg in diesen Tag.


Der Spreewald-Marathon und für mich die mittlerweile 8. Teilnahme an dieser von vielen ehrenamtlichen Helfern wunderbar organiserten Massenveranstaltung stellt immer wieder DEN ultimativen Start in den Radler-Frühling dar.
Sicher, der Startschuss in die Saison 2015 fiel bereits beim 200er-Brevet in Berlin, aber diese Runde durch und um den Spreewald mit allem Drumherum schafft das lange ersehnte Gefühl, dass sich nun die warme Jahreszeit nicht mehr aufhalten lässt.
Auch wenn der heutige Morgen frostig ist und selbst im weiteren Verlauf des Tages die Temperatur kaum über 12°C steigt…


Zusammen mit fast 1.000 anderen Radlern schickt uns das „Auf die Gurke – fertig los“ wieder einmal 7.30 Uhr von der Schloßinsel Lübben auf die 200 Kilometer lange Reise.
Wie immer sind die Schnellsten sofort weg, wir gehen das Ganze dagegen etwas gemütlicher an. Uns drängelt ja nix…
Und da die Frauen mit den Mädels erst 11.30 Uhr nach pompösen Frühstück im Hotel am Lübbener Hafen auf die 70er Runde starten, haben wir ebenfalls viel Zeit.


Im prallen Sonnenschein am Vormittag „arbeiten“ wir uns auf gewohnter Strecke zum ersten Kontrollpunkt in Krausnick durch.
Gruppenfahren ist zumindest für mich heute nicht so angesagt, das nervöse Hin- und Her, ruckhafte Beschleunigen und Bremsen von Leuten, die die Anderen und deren Fahrgewohnheiten nicht kennen, potenziert das Sturzrisiko. Und da es Spezialisten gibt, die mitten im Feld plötzlich verlangsamen, um einen Schluck aus der Pulle zu nehmen, dabei noch aus dem Gleichgewicht kommen, von rechts nach links und zurück pendeln und die Hintermänner in große Verlegenheit bringen, halten wir uns da doch sehr zurück.
Allein geht besser – oder eben gegebenenfalls selbst vorn im Wind arbeiten….


Krausnick, Groß-Leuthen, Straupitz, Lieberose, Burg, Lübbenau – die zahlreichen Helfer haben wieder für eine erstklassige Verpflegung gesorgt.
Auch wenn die Teilnahmeberechtigung anhand der Startnummer nicht kontrolliert wird, wäre es äußerst unfair, den Obolus in Höhe von 32,- EUR unterschlagen zu haben  und als „blinder Passagier“ an Bord zu sein. Denn die Mühe und Arbeit der Leute, die stundenlang bei diesen niedrigen Temperaturen ausharren, die üppige Palette an handgeschmierten Wurstbroten, Kuchenstückchen, Obst, Gurken, Gummibärchen (welche Kinder haben dieses Opfer gebracht ;-), Schokoladestückchen und – riegeln, Brühreis mit Hühnchen, Nudel- und Kartoffelsuppe, Bockwurst und nicht zuletzt den Plinsen in Straupitz ist das mindestens Wert.
Ganz abgesehen vom unerschöpflichen Getränkeangebot, das für uns bereit steht.


Also wirklich wieder einmal einen ganz großen Dank an die Veranstalter und alle Helfer und Unterstützer dieser tollen Veranstaltung.

Allmählich bewölkt es sich, wird spürbar kühler, als die Sonne verschwindet.
Und allmählich fressen und trinken wir uns bis Lieberose und Burg durch.


Zwischenzeitlich haben wir einen etwas älteren „Hinterradlutscher“ im Huckepack, der sich konsequent der Führungsarbeit verweigert und dessen größtes Problem die jungen Mädels sind, die das Ganze so locker fahren und dabei noch quatschen können. Na ja 😉
Wenn es weiter nix gibt…
Aber bei einer von Uwe geschickt gesetzten Pause will unser „Windschattenfahrer“ nicht abwarten, sondern gondelt allein weiter und wird flugs von einer anderern Gruppe geschluckt und mitgezogen.

Burg – ca. 160 Kilometer – schade, schon fast vorbei. Große Stimmung hier im Ort, der Moderator sorgt für volksfestähnliche Unterhaltung.
Nun wird der Verkehr etwas „dicker“, die 70er, 110er und 150er kommen noch mit dazu.
Aber es rollt.

Im ehemaligen Tagebau Vetschau und anschließend in Lübbenau bei ein, zwei Bierchen „ohne“  und Kartoffelsuppe treffen wir auf unsere Frauen.
Danach folgt schon wieder die Kür, leider auf der Bundesstraße, sehr zum Leidwesen des motorisierten Kraftverkehrs, die sich heute ihr ureigenstes Medium mit richtigen KRAFT-Fahrern teilen müssen. Und die kämpfen sich alle eisern beim noch einmal aufdrehenden Gegenwind bis Lübben durch.
Kurz vor 16 Uhr sind wir im Ziel.


Es waren 202 Kilometer.


Das reicht auch, um noch in guter entspannter Stimmung und Laune, von den Cheerleadern und den Trommlern begrüßt, die goldene Gurke abzuholen.


Die Sonne zeigt sich auch wieder, so dass wir nur wenig frieren müssen, bis unsere Frauen eintreffen.
Schade – schon vorbei.


Es folgt der Epilog – das gemütliche Ausrollen im Abendsonnenschein auf dem Spreedamm zurück zur Unterkunft.

Schön war es.

Wir kommen wieder!

Spreewaldmarathon 2014

26.04.2014
Halb sechs ist heute Aufstehen angesagt. Meine Bio-Uhr funktioniert, ich werde kurz vor dem Wecker wach. Draußen ist es jetzt, Ende April, schon fast hell. Leider lässt sich im Holzbungalow das Knarren der Dielen nicht vermeiden, so dass vermutlich auch meine noch schlafenden Frauen mein bemüht leises Schleichen nicht überhören können.
Deshalb frühstücken wir, als Uwe und Thomas vorbei kommen, gleich draußen im Stehen auf der Terrasse. Trockenes Brötchen mit original Rostocker Wiener Würstchen. Und einen Kaffee habe ich seit gestern Abend schon in der Thermoskanne.
Die Sonne scheint schon, auf dem See liegen leichte Nebelbänke. Idyllisch…
Der Abend gestern im Restaurant war auch wieder einmal gemütlich. Es war so warm, dass wir sogar noch auf der Terasse mit schönem Blick auf den See sitzen konnten. Dazu unterstützten ein riesiges Bauernfrühstück und ein paar Bierchen unsere mentale Vorbereitung auf den heutigen Spreewald-Marathon.
Ein wenig spannend ist das schon, ich kenne Thomas nur flüchtig, wir sind einmal bei der Tour im September 2011 mit Roland zusammen gefahren. Da war er auf dem Mountain Bike genauso schnell wie wir auf Rennrädern. Mal sehen, wie das heute in unserer Gruppe funktioniert. Gegen halb sieben starten wir dann. Uwe fährt mit dem Auto, er will noch ein wenig Ruhe, Thomas und ich fahren mit den Rädern die 11 Kilometer nach Lübben hinüber.
Das erste kleine Abenteuer heute bieten die drei aus einer Koppel ausgebrochenen Pferde auf dem asphaltierten Waldweg nach Klein Radden. Statt vor uns in die Felder auszuweichen, galoppieren sie ein ganzes Stück vor uns her bis zur Hauptstraße, so dass wir uns ein wenig wie Cowboys auf Rädern vorkommen 🙂
Dann sind wir recht schnell in Lübben. Nachdem Uwe sein Rennrad auf dem Parkplatz am Burglehn zusammengebaut hat, wechseln wir zur Information auf der Schlossinsel, wo wir uns mit Bärbel treffen.
Wenige Minuten später geht es dann wieder mit „Auf die Gurke, fertig, los.“ 7.30 Uhr auf die Piste.
Der 12. Spreewald-Marathon hat für uns begonnen.
Unsere Frauen und Töchter starten auf die 70 Kilometer erst 11.30 Uhr. Sie frühstücken noch in aller Ruhe im Restaurant und fahren dann auch mit den Rädern zum Start nach Lübben.
Die Sonne scheint, der Wind weht auf den ersten Kilometern unterstützend von Ost.
Wir sind, nachdem wir die Stadt verlassen haben, recht schnell unterwegs, fahren zunächst in einer großen Gruppe bis Krausnick. Doch das permanente unruhige Stop and Go, 40-25er Spielchen mit rechts, links sonstwie überholen macht keinen rechten Spaß. Da sind Stürze geradezu vorprogrammiert.
Die Route ist seit Jahren unverändert, erst ein Stück nach Westen, Kasel-Golzig, dann gen Golßen, vorher biegen wir wieder nach Osten ab, überqueren die Autobahn und dann geht es durch den großen Wald bis Krausnick. Es sind mehr 200er als sonst unterwegs, nach Schätzung müssten es über 700 Teilnehmer allein auf dieser Tour sein. Und entsprechend ist auch das Gedränge am Kontrollpunkt. Aber der Veranstalter hat die Massen gut im Griff, es gibt wieder prima Wurst- und Käsebrote, Spreewaldgurken, Bananen, Getränke usw. Darauf freut man sich ja doch immer wieder. Der Spreewald-Marathon ist eigentlich mehr ein Volksfest, bei dem man nach Herzenslust fressen kann. Und nebenbei fährt man noch ein wenig Rad…
Wir haben bis hierher ungefähr einen 32er-Schnitt!
Nun fahren wir aber zunächst in unserer 4er-Gruppe weiter. Kurze P-Pause im Unterspreewald am Puhlstrom – hier habe ich sehr schöne Erinnerungen an unseren Familienurlaub 2013 und die Paddeltouren, dann rollen wir mit gleichmäßigem 32er-Tempo weiter. Durch Schlepzig, vorbei an Seemanns Haus, nach Norden – Klein Lübbenau, dann nach Osten, gegen den Wind. Und dann werden wir von einer größeren Gruppe geschluckt und nun wird es wieder etwas schneller, bis wir nach ca. 72 km und einigen Kopfsteinpflasterpassagen das Euro-Camp und damit den zweiten Kontrollpunkt erreichen.
Die Wurstbrote schmecken super, bei kohlensäurehaltigen Getränken halte ich mich heute besser zurück, ich habe da noch meine Probleme des letzten Jahres im Hinterkopf.
Weiter nun, eine sehr schnelle Gruppe lassen wir besser ziehen, fahren wir zu Viert schön gleichmäßig wieder am Briesensee vorbei, absolvieren den Bogen über Alt Zauche, einige Leute mit ihren Kindern stehen an den Gartenzäunen und winken oder feuern uns an, das macht Spaß (!), und sind nach 104 Kilometern 11.30 Uhr in Straupitz. Die frühe Startzeit hat den Vorteil, dass wir heute ohne Anstehen sogar Plinsen und Kaffee bekommen. Herrlich!
Große Mittagspause…
Dann der Bogen über Lieberose. Auch hier fahren wir zunächst zu Viert los. Nun habe ich ein wenig zu tun. Zunächst mit meiner Motivation, die etwas nachlässt, gerade, als wir unter einer Regenwolke hindurch müssen, aber auch deswegen, weil ich spüre, dass mich das durchgehend hohe Tempo mehr anstrengt, als ich das wollte. Die Straße von Goyatz nach Lieberose hinüber ist neu asphaltiert, das ist (trotz einsetzendem Regenschauer) im Vergleich zur Holperpiste der letzten Jahre sehr schön zu fahren.
Lieberose, Rast (ca. 130 km) – hier gesellt sich der Berliner, der im letzten Jahr bei uns mitfuhr, zu uns. Sein Kumpel ist zwischenzeitlich langsamer geworden und fährt nun hinterher. Er selbst ist auch noch nicht so gut drauf, und im späteren Verlauf muss er uns dann auch ziehen lassen.
Nun über die Heide, der größte Anstieg bei dieser Tour. Uwe lässt sich etwas Zeit, ich warte auf ihn, die Drei fahren schon vornweg. Dann kommt Uwe in einer mit gutem Tempo fahrenden Gruppe hinterher, in die auch ich mich einreihe und so holen wir auch unsere Drei wieder mühelos ein. In Richtung Burg über Drachhausen und Schmogrow-Fehrow haben wir wieder Rückenwind. Es rollt gut, ich habe großen Respekt vor demjenigen, der ununterbrochen vorn ein gleichmäßiges Tempo fährt und nicht wechselt.
In Burg am Pausenpunkt werden wir sogar mit Musik und Ansager als quasi „Helden der Landstraße“ empfangen. Und es gibt wieder genug zu Essen 🙂
Allerdings merke ich langsam, dass mir allmählich, obwohl ich genug trinke, erste Anzeichen einer Dehydrierung zu schaffen machen – unangenehm. Wir haben immer noch einen fast 31er-Schnitt. Thomas macht Druck, woher nimmt er die Kraft? Alle Achtung!
Nun werden die Wege enger, an Vetschau vorbei, durch Raddusch und den ehemaligen Tagebau sind wir permanent damit beschäftigt, konzentriert die langsameren Radler der kürzeren Touren zu überholen. Dabei entdecken wir auch Fränze, die mit großem Vorsprung vor den anderen Mädels hier unterwegs ist. So kommen wir nach Lübbenau, bleiben bis zur Stadt ein Stück auf der stark befahrenen Bundesstraße, und müssen noch die Plattenstraße an der Arbeiterherberge vorbei befahren, wobei ich endlich auch abreißen lasse und erreichen kurz darauf den letzten Kontrollpunkt (ca. 190 km) am Spaßbad „Spreewelten“.
Hier ist noch einmal große Stimmung, gute Verpflegung, ich hätte auch gern noch die Kartoffelsuppe gekostet, aber es geht leider auch gleich weiter.
Es ist 15 Uhr, als wir das Ziel auf der Schlossinsel in Lübben erreichen, das sind 204,64 km in einer Nettozeit von 6:37 Std.
Die Sonne scheint, auf der Festwiese ist Volksfeststimmung. Nur die Trachtenmädels mit den Gurken fehlen heute. Wir müssen die Damen, die uns die goldenen Gurken um den Hals hängen, erst suchen. Dafür legen die Trommler und Cheerleader einige Zeit später richtig los.
Gegen 17 Uhr sind dann auch alle Anderen da und wir rollen nun noch gemütlich auf dem Spreedamm via Ragow und Klein Radden im Abendsonnenlicht zurück und lassen so diesen schönen Tag ausklingen.
Nach dem Duschen ist im Restaurant noch am großen gemeinsamen Tisch „Nachbereitung“ angesagt. Der Hunger ist riesig, obwohl ich auch heute das Bauernfrühstück wieder nicht schaffe, der Durst groß und wird mit ein paar „Babben“-Bierchen gelöscht, die Stimmung entsprechend gut.
Es war wieder toll und wir beschließen, morgen gleich für das nächste Jahr wieder vorzubuchen.

Spreewaldmarathon 2013

Samstag, 20.04.2013
Ich werde, wie immer, auch ohne Wecker schon recht zeitig wach. Da wir halb acht nach Lübben zum Start fahren wollen, stehe ich lieber gleich auf, ehe es mit meinen Frauen in ein paar Minuten zu eng und hektisch wird. Und so sitze ich dann schon am Tisch und frühstücke, als sich meine Mädels aus den Betten quälen. Uwe kommt gegen 7 Uhr herüber, verschmäht jedoch meine von zu Hause mitgebrachten prima handgeschmierten Leberwurstbrote und isst lieber seine Salzbrezel.
Das Bauernfrühstück gestern Abend im Restaurant war übrigens auch nicht von schlechten Eltern, aber ihm liegt das und vermutlich ein Bierchen zuviel noch ein wenig schwer im Magen.
Halb acht sitzen wir dann wirklich wie geplant in den Autos, die Schranke geht auch auf und dann fahren wir hinüber nach Lübben.
Die Sonne scheint, es sind derzeit 4°C, das ist auszuhalten. In vergangenen Jahren hatten wir manchmal auch leichten Frost am Morgen.
Minuten später sind wir in Lübben und bauen auf dem Parkplatz am Burglehn die Rennräder zusammen.
Die Mädels folgen uns kurz darauf, sie haben im Hotel am Hafen Frühstück bestellt, wofür sie sich bis zum Start 10 Uhr Zeit lassen können.
Uwe und ich sortieren uns indessen auf der Festwiese wie gewohnt hinter den schicken und schnittigen Rennern fast am Ende des Feldes ein.
8.30 Uhr
„Auf die Gurke, fertig, los…“
Eigentlich könnte man erst einmal bis zur Straße vor schieben, ehe sich alle 637 Teilnehmer der 200er-Strecke sortiert haben. Na ja, irgendwann rollt es doch…
Dieses Gefühl, bei den 200ern wieder dabei zu sein, ist schon großartig.
Infolge einer Straßenbaustelle werden wir zunächst durch das Stadtzentrum mit Kopfsteinpflasterbelag geleitet, dann beschleunigt das Feld auf der Straße, auf der wir gen Westen Lübben rasch verlassen. Die ganz Schnellen sind schon weg, trotz meines Vorsatzes, heute nicht in einer Gruppe mit zu fahren, um die Sturzgefahr zu minimieren, heften wir uns bald darauf an ein paar Leute, die ein auch für uns gutes Tempo von knapp über 30 km/h fahren. Nur nicht übertreiben.
So rollt es gut, die Gruppe bleibt zusammen, gen Westen, Kasel-Golzig, dann nach Norden und dann wieder nach Osten. Soooo weit hinten sind wir gar nicht. Trotz fehlender Form überholen wir etliche Fahrer, es kurbelt sich leichter, als erwartet. Zwischenzeitlich, als „Rücklicht“ der Gruppe, schwätzen wir miteinander oder mit dem Liegeradfahrer, der ebenso entspannt neben uns herrollt. Der hat hier einen Verleih, vielleicht sollte man es mal im Sommer, wenn wir im Urlaub hier sind, probieren.
So erreichen wir bald Krausnick.
41,77 km, 1 :23:38 Std, ca. 09:55 Uhr
Gedränge am Stempeltisch, belegte Brote, Cola, Wasser, Fruchtlimonade, freundliche freiwillige Helferinnen, die uns bestens versorgen, schön ist es heute wieder. Wir machen nur kurz Pause, schließen uns dann ein paar Fahrern an, die ziemlich zügig fahren, an denen wir aber noch ganz gut dran bleiben können. So vermeiden wir, als es nach der Durchquerung des Unterspreewalds hinter Schlepzig nach Norden geht, den lästigen Gegenwind, haben zwar in den Kurven das „Ziehharmonika“-Problem, was die Oberschenkel arg beansprucht, sparen aber trotzdem wertvolle Körner. Leider sehen wir kaum Störche dort, wo letztes Jahr etliche zu entdecken waren.
Doch als die Gruppe wieder größer wird, nimmt auch das Sturzrisiko auf Grund des Stop- and Go-Fahrens wieder zu. Die Kopfsteinpflasterpassagen in Wittmannsdorf bringen noch ein wenig Paris-Roubaix-Feeling, ehe wir dann schnell den Kontrollpunkt am Eurocamp Groß Leuthen erreichen.
11:05 Uhr, 72,39 km, 2:23:30 Std.
Ein wenig spüren wir die Beine, aber das war am zweiten Kontrollpunkt bisher immer so. Eine etwas langsamere Gruppe wäre jetzt ganz gut. Aber nach der Rast, bei der ich mir auch ein paar „Gummibärchen“-Drinks einflöße, bolzen die Leute, bei denen wir mitfahren, wie die Wilden los. Nicht so toll und nachdem wir Briesensee, Alt Zauche und Wußwerk durchquert und einige Gruppen aufgesaugt haben, lassen wir es ein paar Kilometer vor Straupitz abreißen, als sich eine etwas langsamere Gruppe absondert und neu formiert.
Das Gedränge in Straupitz ist riesig, die Brote sind fast alle, die Plinsen sind alle, der Kaffee auch gerade…
Schade, darauf hatte ich mich gefreut, aber da wir eine halbe Stunde später gestartet sind, sind die anderen „Heuschrecken“ schon durch und da blieb nun nicht viel übrig.
12:05 Uhr, 103,83 km, 3:20:11 Std.
Mangels Kaffee und Plinsen verkürzen wir die Pause, fahren weiter und das nun erst einmal zu Zweit.
Eine Gruppe überholt uns, die sind zu schnell. Erst im Wald hinter Butzen sehen wir vor uns eine kleine Gruppe, der wir uns nähern. Vier Leute, denen wir uns anschließen und ein wenig Kreisel spielen.
So fährt es sich sehr entspannend für alle, wir sind nicht zu schnell, obwohl auch wir einen 30er-Schnitt haben. Allesamt sind sehr sympathisch und es gibt viel zu erzählen.
Schön, das macht wirklich Spaß – bei dem gleichmäßigen zügigen Fahrstil hat man immer noch Luft zum Erzählen.
Die schlechte Asphaltpiste und etwas hügelige Passage bis Lieberose wird noch einmal hart, dann ist schon wieder Pause.
13:15 Uhr, 129,48 km, 4:13:53 Std.
Es gibt Bockwurst. Lecker…
Und immer noch ist es warm und die Sonne scheint, so dass ich nun sogar Jacke und Beinlinge ausziehen kann.
Mit unseren vier Langstreckenfahrern geht es nun angenehm und im moderaten Tempo weiter, nachdem wir uns noch über den laut brüllenden Kleinbürger amüsiert haben, der sich mit den Radlern anlegt, welche die Räder an sein schlecht verputztes Haus lehnten. Übrigens holte der sogar noch die Polizei, die in eine sehr missliche Situation geriet, weil die Region ja auch die radfahrenden Gäste braucht.
In Fehrow, dem neuen Kontrollpunkt stoppen wir dann lieber noch einmal, bis Raddusch ist es erfahrungsgemäß eine lange Durststrecke.
Mit den schnelleren Gruppen 2011 und 2012 fuhren wir hier stets durch, eigentlich schade, denn die netten Frauen haben alles gut im Griff, es gibt sogar Schokolade. Und welch ein Glück, dass wir hier Pause machten, denn, nachdem wir Burg durchfahren haben und nach dem Spreewaldausläufer ins offene Gelände kommen und Raddusch erreichen, stelle ich verwundert fest, dass irgendetwas komisch ist. Wir sind schon durch Raddusch durch, aber kein Kontrollpunkt war zu sehen…
Sind wir falsch gefahren? Nein, die Pfeile sind eindeutig, es folgt der ehemalige Tagebau, der große See, die Slawenburg.
Lübbenau, erst Bundesstraße, das ist mit dem Autoverkehr nicht so schön, danach Plattenstraße an der Arbeiterherberge vorbei und am Spaßbad „Spreewelten“ ist kurz darauf schließlich die letzte Pause. Dort spielt sogar eine Blasmusikkapelle.
Ca. 190 Kilometer haben wir absolviert. Ich habe Probleme mit der Kohlensäure der Cola, zwinge mir aber doch noch wenigstens ein Speckfettbrot hinein 🙂
Nun nehmen wir gemächlich die letzten Kilometer unter die Räder, ab Ragow lauert das letzte Stück Bundesstraße bis Lübben, hier weht der Wind frontal von vorn. Dann die letzte Kopfsteinpflasterpassage, die Straßenbaustelle und schließlich rollen wir gemeinsam und langsam über die Brücke und erreichen die Festwiese.
Dort empfängt uns der Animateur mit Mikro und eine Herde kreischender Cheer Leader.
Schrill und lustig. Das Pünktchen auf dem i.
16:25 Uhr, 207,13 km, 6:57:29 Std.
Die Beine sind ok, der Hintern auch… Wunderbar!
Der erste Radmarathon 2013, der erste nach dem Unfall!
Ehe wir uns verabschieden, gibt es noch die goldene Gurke um den Hals und Abschiedsfotos.

Spreewaldmarathon 2012

Alle Jahre wieder.

Samstag, 21.04.2012

Irgendwie, auch wenn es für mich ist bereits der fünfte 200er bei diesem großen Volksfest im Spreewald ist, sitzt schon Tage vorher eine latentes Kribbeln in mir. Uwe, der den 200er zum ersten Mal mit fährt, schien auch etwas angespannt.
Wie wird es wieder rollen, die Strecke kenne ich mittlerweile in- und auswendig, werden wir gute Gruppen finden, fahren wir allein, wie ist das Wetter, wie stark weht der Wind?
Halb fünf bin ich schon wach, kann auch nicht wieder einschlafen, so dass ich 6 Uhr endlich aufstehe.
Kaffee habe ich mir mitgebracht, Brot ebenfalls, Uwe kommt halb sieben rüber, wir frühstücken, durch das Geraschel und Flüstern werden auch meine Mädels wach, und brechen mit seinem Auto, in dem wir unsere Rennräder verstaut haben, 7 Uhr auf.
Die Sonne scheint, es ist wolkig, 7°C, das Wetter wird sich über den ganzen Tag halten, an windgeschützten Stellen werden es sogar über 20°C sein. Also ideal für uns.
Auf dem großen Parkplatz bauen wir die Räder zusammen und rollen dann zur Festwiese, wo schon viele 200er stehen. Immer wieder respekteinflößend die teilweise doch sehr durchtrainiert aussehenden Leute auf ihren tollen Rädern. Na ja… Wir werden es auch packen, da habe ich keine Zweifel.
Und als Stargast sehen wir am Start Didi Senft, den Tourteufel von der Tour de France. Genial…
Der Mann dieses Mal bei uns, das hebt die Stimmung.
„Auf die Gurke fertig los“, es ist acht Uhr. 500 Teilnehmer sollen es bei diesem Jubiläum auf der 200er Strecke sein.
Wir haben uns hinten eingereiht, rollen über die Brücke durch die Stadt, recht schnell komme ich auf Touren, vermute eine Zeitlang Uwe hinter mir, als ich mich allmählich nach vorn arbeite.
Wie im letzten Jahr lösen sich auf der Strecke nach Golßen die sich kurzzeitig bildenden Grüppchen immer wieder rasch auf, so dass ich immer wieder Anschluss nach vorn finden muss, um dem SW-Wind ein wenig zu entgehen.
Diese Mal sehen wir das Schild am Abzweig in Golßen rechtzeitig, so dass wir problemlos wieder gen Osten finden. Die Gruppe, in der ich bis Krausnick nun mitrolle, ist recht schnell, der Schnitt liegt über 35, aber kein Problem. Ich fühle mich gut, 5500 Trainingskilometer habe ich bis jetzt schon in den Beinen.
Schnell sind wir in Krausnick, herrlich wieder hier die üppige Verpflegung, Brote, Getränke, Gurken, Bananen… Nur die Fitness- und Schokoriegel vermisse ich ein wenig. Na ja… (9:15 Uhr, 40,60 km)
Auch den Verpflegungsgutschein in den Startunterlagen hat man eingespart. Aber trotzdem wieder einmal herzlichen Dank an die vielen netten ehrenamtlichen Helfer, die dieses Fahrradfest so gut betreuen. Es ist schon ein fester und schöner Höhepunkt im Jahr.
Minuten später trifft Uwe ein, wir machen kurz Pause zusammen, als ich mich der langen Beinlinge entledige, fährt er aber schon „langsam“ los.
Und ich rase dann hinterher. So sehe ich nur im Vorbeiflug hinter Schlepzig die Storchenpaare in den Nestern… Es rollt einfach herrlich, bis ich nach 20 Solokilometern die Gruppe einhole, in der Uwe mitfährt.
Eurocamp. (10:20 Uhr, 72,22 km) Stempeln, Uwe will nach der Pause auf eine Gruppe warten, ich fahre zunächst allein los und hänge dann aber bald in einer sich neu formierenden Gruppe drin, so dass es nun am Briesensee vorbei schnell nach Straupitz geht. Eigenartig hier, niemand will so recht führen, als ich dann vorn im Gegenwind fahre, folgt mir niemand, so dass ich plötzlich allein bin.
Also werde ich langsamer und hänge mich in die Gruppe wieder rein, führe nun aber auch nicht mehr. Straupitz – Mittagspause, Massengewühl, die 70er und 110er sind auch hier, Gedränge an den Ständen, es gibt Plinsen und „Gummibärchen“-Fitness-Drinks. (11.35 Uhr, 107,07 km)
Angenehm unter so vielen Gleichgesinnten.
Als Uwe eintrifft, ich sehe ihn nur flüchtig, bin ich schon wieder auf dem Weg und hänge mich nun an eine bunte Gruppe nach Lieberose dran. Aber das Tempo, was die hier veranschlagen, ist heftig.
Bislang habe ich einen Schnitt von 31,5 km/h, aber nun geht es wirklich an meine Grenze. Die ballern mit 40 km/h durch die Gegend, von auch-mal-Führungsarbeit-leisten kann mir keine Rede sein, im hügligen Gelände habe ich zu tun, an der Gruppe überhaupt dran zu bleiben. Respekt vor allem vor dem Fahrer im Fichkona-Trikot, der kilometerlang vornweg fährt. Und so wie wir nun rasen, holen wir etliche andere Gruppen vor uns ein. Ist auch eine Erfahrung. Einige müssen offensichtlich abreißen lassen, das passiert mir dieses Mal glücklicherweise nicht, ich kurbele auf dem großen Blatt, es geht…
Aber in Lieberose bin ich dann doch etwas geschafft. Das halte ich bis zum Schluss nicht durch.
Noch sind es 80 Kilometer. (12:30 Uhr, 132,25 km)
Von Uwe keine Spur, ich esse eine Bockwurst, trinke, trinke, trinke und fahre dann erst einmal allein los, werde dann aber auch vor den Anstiegen in der Heide von einer größeren schnelleren Gruppe geschluckt, so dass ich nun die anstrengendste Passage via Drachhausen und Fehrow mit dem Gegenwind gut mitfahren kann. Auch hier plötzlich wieder das Phänomen, als ich mit dem gleichen Tempo, welches mein Vorgänger fuhr, ebenfalls mal vorn bin, bleibt die Gruppe zurück. Also lasse ich mich zurück fallen und rolle nur noch entspannt in der Gruppe mit.
Den Rastpunkt Fehrow ersparen die sich, leider, denn die Distanz zwischen Lieberose und Raddusch ist recht lang und anstrengend. Aber in dieser Gruppe funktioniert das recht gut, die Starken führen vorn, bei Burg hängen wir uns dann an eine Gruppe 150er dran, die uns nun wiederum mitziehen.
Ärgerlich ab und zu die aggressiven Autofahrer, die sich selbst auf schmaler Fahrbahn in unseren Pulk drängen, dann Gas geben – sinnlos und gefährlich. Stürze gab es übrigens auch, mein Nebenmann, der allmählich über Krämpfe ächzt, erzählt, dass sich sein Kumpel gleich 10 Kilometer nach dem Start hinlegte und einen offenen Ellbogenbruch erlitt.
Auch Uwe sah einige Stürze. Raddusch, der letzte Kontrollpunkt. Noch einmal ein schönes Speckfettbrot, Trinken… (14:00 Uhr, 187,24 km)
Ich sehe Ronald mit Max und Luzie, sie fahren die 70. Nun fahre ich allein weiter, die letzten 30 Kilometer werden schon noch so gehen.
Zunächst vorbei an der Slawenburg, anschließend durch das rekultivierte Tagebaugelände, dann vorbei an Lübbenau, der Herberge, in der wir vor zwei Jahren nächtigten. Auch jetzt komme ich solo noch ganz ordentlich voran, muss aber die Teile der „Lieberose-Raddusch“-Gruppe, die mich ein- und überholen, ziehen lassen. Na gut, eigentlich will ich es jetzt auch noch ein wenig genießen und ausrollen.
Letzte kurze P-Pause an der Bundesstraße nach Lübben, wir werden nun dieses Jahr nicht über den Spreedamm geleitet, sondern müssen uns mit den sicher teilweise recht frustrierten Autofahrern die Straße teilen, dann erreiche ich bald Lübben, letztes Gerüttel auf dem Kopfsteinpflaster, dann geht es wieder über die kleine Brücke auf die Festwiese, begrüßt von Didi Senft. Geschafft.
Die goldene Gurke (eine hohle (?) Lightversion) hängt mir dieselbe Spreewadmaid wie im letzten Jahr um.
15.10 Uhr – der Spreewaldmarathon 2012 ist Geschichte.

208,12 km in 6:29:50 Std., 32,03 km/h Schnitt.

Spreewaldmarathon 2011

16.04.2011

Es war toll, es war schön, es war schnell…
So gut rollte es bislang noch nie beim Spreewaldmarathon.
Ich habe mir schon Kaffee in der Thermoskanne und belegte Brote mitgebracht, so dass ich am Morgen nicht viel zu tun habe und entspannt frühstücken kann.
Die Anderen tun das dann nachher im Restaurant. Gegen 7 Uhr fahren wir, vorher war Scheiben-vom-Eis-frei-kratzen angesagt, nach Lübben.
Der Himmel ist wolkenfrei, die Sonne scheint schon, am See Nebelschwaden, aber noch ist es recht eisig.
Halb acht stehe ich dann auf dem Parkplatz in Lübben, baue das Rennrad zusammen, vereinzelt stehen noch mehr solcher merkwürdiger Typen, die an ihren Rädern herum fummeln. Man grüßt sich, vielleicht fährt man ja nachher zusammen.
In Ruhe rolle ich nun wieder zur Schlossinsel hinüber, ein Jahr ist vorbei, kaum zu glauben, wie schnell das ging, nun stehen wir wieder hier und warten auf den Start. Wieder einmal…
Da sind wieder die Leute auf ihren teuren Rädern, den werbebedeckten Trikots, da ist die Mitgas-Truppe, vereinzelt sieht man Fichkona-Leute zwischendrin…
Allmählich kommt Gelassenheit auf, der Startbereich füllt sich.
Und schneller als gedacht kommt auch da nach der kurzen Ansprache schon das „Auf die Gurke, fertig, los“.
Der Schuss aus der Startpistole, dann gaaaanz langsam im Schritttempo geht es über die Brücke, auf die Straße, durch die Stadt. Vornweg bis zum Stadtrand begleitet uns die Polizei, schon rollen wir mit über 30 km/h dahin, werden schneller. Und dann sind wir aus Lübben hinaus.
Nun allmählich wäre es gut, Einige zu finden, die ein gutes Tempo fahren.
Die Route ist bekannt, aber immer noch sind es nur Einzelne, Versprengte, kurz bilden sich Grüppchen, die gleich darauf wieder auseinander fallen, ich werde immer schneller und schneller, um eine Gruppe zu finden und weil vor mir sich immer wieder Gruppen zeigen. Aber das geht dann nur für kurze Zeit… Leider… So bin ich (eigentlich zu schnell) allein unterwegs, überhole etliche andere Einzelfahrer, das gute Canyon fährt sich aber auch vorzüglich. Doch lange darf das nicht mehr so gehen, die Oberschenkel schmerzen bereits ein wenig, der Puls geht hoch und die kalte Morgenluft ist unangenehm einzuatmen, so verschleiße ich mich schon viel zu zeitig.
Bis ich dann endlich ein paar Mitgas-Kolosse eingeholt habe, etwas größer, etwas breiter, hinter denen ich mich verstecken kann 🙂
Gemütlich mit reichlichem 30er-Schnitt rollen wir nun in Richtung Golßen, an Golßen vorbei…
Der Raser, die ganz Schnellen sind schon weg.
Aber da kommt uns ein Pulk entgegen. Was ist das, eine Alternativeranstaltung? Auf der gleichen Route. Das gibt Chaos!
Plötzlich aber merken wir, dass das ja Unsere sind. Die kommen zurück??? Na klar, irgendwo hätten wir schon lange abbiegen müssen! Aber da war kein Pfeil.
Den hat vermutlich jemand geklaut.
Vorsichtig reihen wir uns in den entgegenkommenden Strom ein, nur keinen Sturz verursachen. Und nun wird es wesentlich schneller. 40 – 45 km/h, plötzlich ein „Stop“, hochgerissene Arme, Abbremsen auf 25 km/h, wieder Anziehen des Tempos auf 40, am Abzweig nach Tropical Island. Halt, wo lang? Keine Pfeile zu sehen, die Masse fährt in Richtung Lübben zurück, wir hinterher, wieder Tempo 40, Abbremsen, plötzlich der blaue Pfeil, es geht nach links.
Ja, jetzt sind wir wieder richtig! 10 Kilometer hat uns der Umweg gekostet. Aber, was soll’s, bei dem Wetter kein Problem. Zum Glück haben wir das noch rechtzeitig vor Berlin gemerkt 🙂
Nun weiter im Affenzahn durch die verschlafenen Dörfchen, allmählich werde ich den Gedanken nicht mehr los, dass ich dieses Tempo nicht 200 km lang durchhalten kann. Das ist doch kein Rennen!
Und immer wieder dieses Stop and Go! Dazu Leute, die nicht in der Spur bleiben, hin und her wechseln, rechts überholen, links zurückfallen. Blöd.
Und dann, zwei Kilometer vor Krausnick im Wald geschieht das, was einfach kommen musste!!!
Ein lautes Scheppern, „Massensturz“ schreit Einer, wir sehen schon, wie die vor uns übereinander fallen, mit Mühe und Not bringen wir die Räder gerade noch zum Stehen und auch die nach uns Kommenden können zu unserem großen Glück rechtzeitig bremsen.
Aber die da vorne müssen sie auseinander ziehen, einer hat ein großes Loch in der Hose, da sieht man die große Schürfwunde. An den Rand hat man eine junge Fahrerin getragen, die rührt sich gar nicht. Einer ruft den Notarzt, wir wollen helfen, doch da sind schon Helfer genug. So fahren wir ein wenig schockiert weiter. Die junge Frau muss sich wohl ernsthaft den Arm verletzt haben, glücklicherweise wohl nichts Schlimmeres.
Und Einer stellt fest, dass es „nur Eine?!“ sei, meinte aber, dass wir wohl alle sehr großes Glück hatten und es nicht mehr Verletzte gab.
Trotzdem schlimm! Und der Schreck sitzt noch bis zum Kontrollpunkt in den Gliedern.
Und dann Krausnick – wieder der Spreewald-Traum, belegte Brote, Obst, Riegel, Getränke und natürlich Gurken… (46,24 km)
Auch deswegen sind wir ja wieder hier! Und es schmeckt!
Weiter…
Nun bis Schlepzig, ich hänge an drei anderen Fahrern, die wiederum die vor uns rollende Gruppe einholen und dann fahren wir recht entspannt gemeinsam und haben so auch noch Zeit, den Storch auf der Wiese zu registrieren. Schön… Angenehm.
So kommen wir nun bis zum Euro-Camp, inklusive einem kleinen Schlenker über Dörfer, durch die wir in den letzten Jahren nicht gefahren sind. Und auch hier wieder die gewohnt gute Organisation, die Superverpflegung, die vielen Freiwilligen, die diese Veranstaltung unterstützen. Einfach Klasse.
Dazu das Wetter und der schöne frühlingshafte Spreewald, durch den wir fahren.
Nach der Rast am Eurocamp (77,38 km) muss ich nun allein weiter, die Gruppe vor mir ist zu schnell, die hole ich allein nicht ein.
Also mache ich mich nun solo auf die Reise. Auch hier macht die Route heute einen kleinen Umweg, die Straße ist stellenweise nicht ganz so toll, aber dafür vermeiden wir die stärker befahrene Hauptstraße.
Briesensee, Alt und Neu Zauche, überrascht stelle ich fest, auch allein diese Strecke mit einem 30er Schnitt fahren und durchhalten zu können. Erst kurz vor Straupitz holt mich eine Gruppe ein, doch das sind keine Zweihunderter, das sind Hundertzehner! Die sind noch wesentlich ausgeruhter. Obwohl es auch mir super geht, die vielen GA-Kilometer der letzten 3 Monate machen sich bezahlt. Also rolle ich noch 5 Kilometer locker im Windschatten mit und erreiche 11.35 Straupitz. (112,68 km)
Mittag – leckere Plinsen, Kaffee, Tee, Apfelschorle, Schnittchen mit Leberwurst, Grützwurst, Speckfett, Gurken üppig!
Das Gewühl von Radfahrern ist hier aber schon enorm, viele 110er sind schon hier, auch einige 70er sehe ich, die müssen früher gestartet sein, 200er verstreut… Die 150er kommen noch, die müssen die gleiche Strecke fahren und kommen eine ganze Weile nach uns. Wie die Anderen später berichten, sind sie zeitgleich in Straupitz. Aber da sind wir schon ein ganzes Stück voraus.
In Richtung Lieberose fahre ich nun zunächst allein, das geht auch ein längeres Stück ganz gut.
Unterwegs sehe ich aber wieder einen Rettungswagen, eine Gruppe 200er daneben, man hebt gerade auf der Trage Einen mit Halskrause ins Fahrzeug. Das Risiko des Gruppenfahrens…
Erst im hügeligen Gelände südlich des Schwielochsees holen mich die Tharandter ein, lassen mich aber mitfahren, und dann geht es in Zweierreihe inkl. Kreisel nach Lieberose.
Lieberose (138,26 km), Rast, eine Bockwurst, nicht lange, einige Minuten nur, obwohl der Abschnitt bis Raddusch heute entschärft ist. Im letzten Jahr bei Gegenwind war das eine endlose Durststrecke, dann in Raddusch gab es kein Essen mehr, nur noch Wasser… Das war übel.
Heute aber ist in Fehrow schon ein Getränkepunkt eingerichtet, den Hinweis haben auch Andere gebracht, ein Ehepaar versorgt uns freundlich am Gartenzaun. Und dazu kommt, dass ich nun mit  Axel aus Potsdam und Stefan aus Sachsen-Anhalt zusammen fahre. So wird es leichter. Wir wechseln uns ab, kassieren noch zwei Fahrer vor uns und erst in Fehrow holen uns die Tharandter wieder ein, mit denen es zusammen weiter geht. Die Getränke in Fehrow waren genau richtig.
Stefan hat nun schon kleinere Probleme, ist kurz vorm Krampf, er beißt, kämpft. Aber es geht gut.
An einer Brückenbaustelle, wo die Beschilderung eigentlich eindeutig ist, gibt es eigenartigerweise Orientierungsprobleme bei den Tharandtern. Und der, mit dem ich dann in der Zweierreihe rolle, meint plötzlich, dass sie ihren Alterspräsidenten da verloren haben. Er sieht es aber mit einem Lächeln recht gelassen.
Burg, schnell geht es hindurch, dann kleine Straßen nach Raddusch und nun die vielen langsameren Radler der kürzeren Strecken. Das geht es manchmal recht knapp zu, wir wollen ja nun gern auch das Tempo halten, aber die Überholvorgänge sind manchmal bei den in Zweier- oder Dreierreihen nebeneinander radelnden Teilnehmern der kürzeren Strecken ziemlich riskant.
Ich überlege, ob ich Dagi anrufe, eigentlich könnten wir, so hatten wir am Morgen besprochen, von Raddusch aus zusammen das letzte Stück nach Lübben fahren. Aber wir sind gerade so schön schnell und als ich mir gerade noch zwei Schnittchen hinein schiebe, sitzen Axel und Stefan schon auf den Rädern. Sie warten aber geduldig.
So unterlasse ich den Anruf. War auch ganz gut so, denn meine Mädels sind erst 1,5 Stunden später hier in Raddusch.
Nun durch den rekultivierten Tagebau, an Lübbenau vorbei, dann ein Stück Radweg, die Pfeile weisen nun zur Spree. Fahren wir nun Straße bis zum Ziel?
Na gut – Spreedamm. Aber auch hier ist Vorsicht wegen der vielen langsamer Fahrenden angesagt.
Bei 205 km schaue ich kurz auf den Fahrradcomputer, das hatte ich in Raddusch vergessen (da waren es ca. 184 km). 6:27 Std.
Eine Wahnsinnszeit. Es ist doch tatsächlich gelungen, den fast 32er-Schnitt bis hierher zu halten.
Und dann Lübben. Pflasterstraße, Ampeln, Menschengedränge am Kahnhafen, die schmale Brücke, das Ziel!!!
Das war es wieder einmal.
Verabschiedung von den Beiden.
Die Spreewaldmaid hängt mir die goldene Gurke um den Hals…

219,34 km, 6:56:13 Std Netto.

Spreewaldmarathon 2010

Spreewaldmarathon 2010
 
Es ist unglaublich, obwohl es nun schon meine dritte Teilnahme ist, wie intensiv sich wochenlang vorher bei mir schon eine innere Spannung aufbaute. In diesem Jahr erhöhte sich das dann zusätzlich durch den langen Winter und der noch größeren Unsicherheit, ob und wie ich den Spreewaldmarathon fahren würde. Aber die Karfreitags-Tour war ein Erfolg, war sehr lang und schön und verlief ohne Nachwirkungen, war also ein Indiz, dass die Fitness doch schon ausreichend vorhanden war.
Und trotzdem…
Jetzt, da der Spreewaldmarathon vorbei ist, breitet sich ein sehr entspanntes Gefühl aus. Draußen scheint die Sonne, es war alles gut, es war schön und erfolgreich. Nun können das Frühjahr und der Sommer kommen. Und die Vorfreude auf angenehme Touren abends oder den einen oder anderen privaten Marathon wächst. Es gibt keinen Druck mehr, den ich mir nicht selbst verursache.
 
Samstag, 17.04.2010
Unser Quartier ist in diesem Jahr nicht so toll wie 2009, eine Plattenbauherberge am Rand von Lübbenau, aber was soll’s. Wir schlafen nur hier und bei dem Massenandrang an diesem Wochenende können wir vermutlich froh sein, etwas in günstiger Preislage gefunden zu haben.
Nach unruhiger Nacht in dem hellhörigen Gebäude bin ich rechtzeitig wach. Der Himmel ist blau, wolkenlos, die Sonne scheint schon. Und das Frühstück schmeckt auch… Eine Schranke haben wir heute morgen nicht als Hindernis, nur die Frontscheibe muss freigekratzt werden.
Ich fahre bis Lübben, Uwe bringt unser Auto zurück, als ich dann dort auf dem Parkplatz ausgestiegen bin und zum Start rolle. Es ist genügend Zeit, noch ist es kühl, der Wind weht aus Nordwest. Die Festwiese ist schon mit mehreren hundert Fahrern gefüllt.
Dann, acht Uhr, ertönt das „Auf die Gurke, fertig, los“… Einfach ein gutes Gefühl, sich nun im Peloton von vielleicht 400 Fahrern zu befinden und allmählich auf Lübbens Straßen zu sortieren.
200 Kilometer liegen wieder einmal vor uns.
Es ist wie immer, eine erste große Gruppe löst sich bald und ward nicht mehr gesehen. Die zweite Hälfte fährt mit einem Schnitt von über 30 km/h gen Westen. Es rollt trotz leichtem Gegenwind vorzüglich, so nach und nach sammeln wir Versprengte der ersten Gruppe auf, Einige bleiben jetzt schon zurück. Die Strecke ist bekannt, zunächst westwärts bis Golßen, dann ein Stück Bundesstraße und dann nordöstlich nach Krausnick, durch die Wälder.
Schön in Krausnick und auch an den folgenden Kontrollpunkten wieder die einwandfreie Verpflegung, belegte Brote, Energie- und Schokoriegel, Obst, Äpfel, Bananen und natürlich Spreewaldgurken. Dazu ausreichende Getränke, Cola, Apfelschorle, Wasser, Tee… (49,39 km; 1:34:56; 9.35 Uhr) Es wird allmählich auch wärmer, angenehmer, aber auch der Wind wird etwas kräftiger.
Nach der kurzen Pause geht es bis Schlepzig noch ganz gut, dann aber haben wir heute einen etwas geänderten Routenverlauf, es geht nun streng nach Norden mit Wind schräg von vorn, nach Neu Lübbenau. Das ist schon recht anstrengend. Leider ist auch keine Gruppe in der Nähe. Aber dann holt mich Einer aus dem Erzgebirge ein, den frage ich, ob wir ein Stück zusammen fahren und so geht es dann ganz gut. Abwechselnd führend gelingt es uns sogar, eine vor uns fahrende Gruppe einzuholen. Allerdings lassen wir dabei einige Körner, auch ihm geht es dann nicht so gut.
Und ich spüre die Beine jetzt, nach 70 Kilometern schon. Lange halte ich das nicht durch. Euro-Camp, nächster Halt, wieder ordentliche Verpflegung, man ist den vielen Helfern hier richtig dankbar dafür. (71,80 km, 2:16:47; 10.35 Uhr)
Nun nach Süden, mal mit, mal ohne Gegenwind, einige Minuten versuche ich, drei Leuten zu folgen, aber die sind zu stark für mich, also lasse ich mich abfallen. Doch einige Zeit später, am Briesensee, dessen weißer Sandstrand herrlich durch die Bäume schimmert, kommt die nächste (größere) Gruppe, Einer von denen, mit dem ich am Morgen kurz sprach, ruft mir zu, zu folgen und das klappt dann. Allerdings ist das Gruppenfahren recht anstrengend. Gerade in Kurven oder an Kreuzungen, wenn stark abgebremst werden muss und nach der Kurve oder Abbiegung die starken führenden Leute schon wieder richtig Gas geben, hat man zu tun, die sofort entstehende Lücke wieder zu schließen. Und das ist heftig auf die Dauer. Zudem überholen wir jetzt pausenlos auch die anderen Radler der kleineren Runden, die zu zweit oder zu dritt nebeneinander die rechte Spur dicht machen. Aber bald ist Straupitz erreicht. Mittag!
Plinsen, und trinken, trinken, trinken. Ich spüre jetzt schon, dass mich diese Tour heute stärker schafft als im letzten Jahr. In Straupitz nun Menschenmassen, das ist hier der zentrale Punkt, an dem alle zusammen treffen. (103,46 km; 3:18:37; 11.30 Uhr) Allein fahre ich nun weiter. Das ist angenehmer, das Tempo jetzt zur Abwechslung etwas herunter zu nehmen und selbst zu bestimmen.
Erfahrungsgemäß ist die 60-km-„Beule“ über Lieberose für mich immer die anstrengendste. Aber der Wind ist günstig, auch solo ist ein guter Schnitt möglich.
Lieberose (128,92 km; 4:09:57; 12.35 Uhr), das ist fast eine Stunde früher als 2008. Der Kontrollpunkt befindet sich heute mitten in der kleinen Stadt, na auch gut, dann ist der Rest nicht mehr so lang J Trinken, trinken, trinken. Dazu etwas essen, das ist wichtig. Die Bockwurst geht gerade noch, die Schokoladenstückchen sind mir allerdings lieber.
Allein radele ich los, jedoch gelingt es mir zum Glück, bevor die Hügel losgehen, eine Gruppe zu finden, die mit moderatem Tempo fährt und mir genügend Windschatten bietet. Doch der Fairness halber will ich nicht nur profitieren und lasse mich am Abzweig nach Drachhausen, Burg zurückfallen. Etwas später empfinde ich das aber als Fehler, denn der Wind kommt genau aus der Gegenrichtung. Und das schlaucht, das macht mich zunehmend fertig. Die Beine sind schon schwer, aber nun werde ich auch auf 22 – 26 km/h abgebremst. Aber was ich noch erstaunlicher finde, ist die Tatsache, dass mich bis Burg niemand einholt. Bin ich so schnell oder machen die Anderen nur eine ewige Pause? Das werde ich wohl nicht herauskriegen. Die Strecke dehnt sich endlos, Schmogrow-Fehrow, Burg… Es gibt viel freies Gelände, wo es richtig windet. Leider ist in Burg in diesem Jahr kein Kontrollpunkt, immer mühseliger wird das Kurbeln.
Und doch holen mich die Nächsten erst kurz vor Raddusch, dem letzten Kontrollpunkt (ja, auch Lübbenau ist leider gestrichen) ein. Die sind noch etwas frischer als ich. Und in Raddusch gibt es nicht einmal mehr etwas zu essen. Tee ist alle, bis auf Wasser gibt es nix mehr. Das ist ganz schlecht. Ein Glück, dass ich mir in Krausnick ein paar Riegel eingesteckt habe. Ich treffe hier auch Ronald , der mit Max die 70 Kilometer fährt. Noch haben wir 30 km vor uns. (174,58 km; 5:56:15; 14.35 Uhr) Wir erholen uns eine Weile auf den bereit gestellten Bänken in der Sonne, dann breche ich wieder auf. Ein Stück führt die Route nun durchs ehemalige Tagebaugelände, ich bummele ein wenig bei dem Wind, überhole noch einige Familienradler, bis auch mich wieder eine größere Gruppe aufnimmt. Die fahren nun so gut, dass es kein Problem ist, da mit zu kommen. Sofort geht es auch mir wieder besser, Lübbenau streifen wir nur, vorbei an unserer Familienherberge, dann südlich um die Stadt herum auf die Bundesstraße und dann direkten Weges nach Lübben.
Es geht nun noch einmal so schnell, dass die letzten Kilometer kaum zu spüren sind. Klasse, gemeinsam rollen wir in Lüben ein, gemeinsam erreichen wir nun auch das Ziel.
Herrlich… Völllig überrascht kommen meine Mädels gerade vom Plinsenstand entgegen, sie hatten jetzt, 15.53 Uhr noch nicht mit mir gerechnet. Aber ich selbst auch nicht.
Es gibt von einer jungen Spreewald-Trachten-Maid wieder eine goldene Gurke um den Hals. Dafür hat es sich doch gelohnt. Schön war es, ein gutes Gefühl ist sofort da.
202,60 km, etwas weniger als in den Vorjahren, in 6:59:50.
Nun noch ein wenig Genießen des Volksfestes ringsherum, Erholen…
Es war sicher nicht der letzte Spreewaldmarathon.

Spreewaldmarathon 2009

18.04.2009
Ein wenig innere Anspannung hatte ich in den vorangegangenen Wochen schon. Aber letzte Woche der Dreihunderter, der gut rollte, auf dem Darß der lockere Fuffi gegen den Wind zum Pramort, ein wenig Vorbereitung hatte ich trotzdem schon.
Gestern abend hatten wir die Startunterlagen in Lübben geholt, Start würde dieses Jahr auf der Festinsel sein, die Läufer starteten am heute in Lübbenau, morgen in Burg. Also fuhren wir nun auch noch einmal nach Lübbenau hinüber und holten dort die Unterlagen für Fränze und gleich für Uwe mit.
Wetter regnerisch nach Wochen mit wolkenlosem blauen Himmel und Sonne. Hermsdorfs kamen etwas später auf dem Camp an, Uwe hatte sich nachmelden lassen, weil seine Unterlagen verschwunden waren und niemand wusste, wo die hin gekommen waren… 🙂
Nun stand er zweimal in der Liste… Aber er bekam das heute wieder hin…
Die Kinder ebenfalls aufgeregt und in Vorfreude…
Und nun stehen wir hier an der verschlossenen Camp-Schranke, die Zeit läuft, ich bekomme langsam die Panik, ich kann niemand, der das Ding aufmacht finden. Uwe ist noch einmal auf dem Camp, kommt gerade gerannt, in meiner aufkommenden Panik will ich schon per Rad nach Lübben, aber das schaffe ich bis zum Start nicht mehr…
Wir sollen nur nahe an die Schranke fahren, dann… Gesagt, getan!
Und siehe, ein Wunder, das Ding geht auf… Technik, die begeistert.
Uwe fährt rasant, aber wir schaffen es, Lübben ist nicht weit weg. Er lässt mich auf dem großen Parkplatz, wo ich auch im letzten Jahr parkte, aus dem Auto, so dass ich mich fünf Minuten vor dem Start noch am Ende des Feldes einreihen kann.
Und dann geht es auch schon los, „Auf die Gurke, fertig, los…“
Gaaaanz langsam drängen und schieben sich die über 250 Fahrer von der Festwiese über die kleine Brücke auf die Straße hinaus. Es dauert Minuten, ehe wir ins Rollen kommen, doch dann, die Polizei geleitet uns bis zum Stadtrand, wird das Tempo spürbar schneller. Wetter, es ist bedeckt, ein wenig trübe, mild, der Wind weht ziemlich gleichmäßig von Nordost. Wenigstens kein Regen… Aber die Sonne bekommen wir heute auch nur selten zu Gesicht.
Das Feld ist weit auseinander gerissen, die Masse ist schon ein Stück weg, ich fahre in einer Gruppe mit ca. 30 – 35 km/h im letzten Drittel. Die Route ist fast die gleiche wie im letzten Jahr, nur Tropical Island lassen wir aus, stattdessen geht es südlich davon über kleine Straßen bis Krausnick, wo der erste Kontrollpunkt ist. Nach ca. 20 Kilometern hält die Gruppe, Einige sind zurück gefallen, ich fahre nun allein weiter. Und siehe, es geht gut, mit gutem Schnitt sauge ich mich sogar an vor mir Fahrende heran und kann die überholen.
Golßen, dann weiter in Richtung Osten, zum Unterspreewald, Dämmerlicht, Gegenwind, einzelne Versprengte hole ich ein, komme an denen vorbei, kurz vor Krausnick im Wald eine Verletzte, ein Sturz(?) am Straßenrand, aber ihre Gruppe ist bei ihr.
Und in Krausnick höre ich, wie einer per Handy telefoniert und von Polizei und Fahrerflucht und Anzeige redet. Aha… Militante Autofahrer!
Die Verpflegung ist wieder einmal super, Wurst-, Käse- und Fettbrote, Bananen, Äpfel, Tee, Apfelschorle, alles was das Herz begehrt… Und natürlich Spreewald-Gurken!!!
Kurze Rast, Stempel, dann weiter. Ich rolle nun in einer Gruppe mit, die recht gemäßigt fährt und ebenfalls einige Einzelfahrer aufsaugt. Doch ca. 10 Kilometer vor dem nächsten KP am Leuthener See, als ich mal die Führung übernehmen und ziehen will, bleibt niemand dran, so dass ich plötzlich allein bin und einige Minuten vor dieser Gruppe am KP ankomme.
Im Augenblick fühle ich mich sogar noch besser als im Vorjahr an diesem Kontrollpunkt. Weiter, nun nach Briesensee, quer durch die Wälder, ich hänge nun an einer zügig fahrenden Berliner Gruppe, der Berlin Crew, allesamt offensichtlich (nach den Trikots) Triathleten, die sich abwechseln in der Führung, so dass ich etliche Kilometer später, ausgerechnet an dem Anstieg, wo ich letztes Jahr die Fichkona-Fahrer ziehen lassen musste, gegen den Wind mit einem Berliner führen muss. Aber das ist halt der Preis fürs Mitfahren. Dafür komme ich sehr kraftschonend bis Straupitz, wo es jetzt, um die Mittagszeit, heiß hergeht. Und die frisch gebackenen Plinsen locken und schmecken! Dazu ausreichend trinken und natürlich Gurken essen 🙂
Über 110 Kilometer sind absolviert, Mittagszeit. Nun aber fahre ich wieder allein, zunächst mit Kantenwind von vorn, es ist ein ganz anderes Fahren als in Gruppe, die Anderen überholen mich, aber ich will nicht dran bleiben, das ist mir jetzt auch zu anstrengend.
Lieberose erreiche ich trotzdem recht gut, mein Zustand ist immer noch besser als zur gleichen Zeit im Vorjahr. So genieße ich dieses Mal die Verpflegung, trinke viel, um ja nicht den Fehler von 2008 zu wiederholen. Und recht entspannt geht es, die Gruppe ist schon weg, Minuten später weiter.
Doch auf der geraden Strecke am Ortsausgang von Lieberose sehe ich einige hundert Meter vor mir die Gruppe. Und im Bewusstsein habe ich die Erinnerung an diesen Abschnitt aus dem letzten Jahr, ein größerer Anstieg, dann lange gerade Straße, recht öde, kräftezehrend, zermürbend, und physisch und psychisch sehr anstrengend bis Burg. Ich werde immer schneller, bin selbst erstaunt, was jetzt, nach 140 Kilometern noch geht und schaffe es, die Berlin Crew, die auch Andere nun integriert hat, wie z.B. zwei Flöhaer Radteufel, wieder zu erreichen.
Am erwarteten Anstieg reißt plötzlich die Gruppe auseinander und als es nach dem Heideplateau wieder nach Westen geht, lasse ich die Gruppe dann doch ziehen. Es ist mir zu schnell…
Und so rolle ich etwas geschafft solo bis Schmogrow-Fehrow, wo mich eine bunt zusammen gewürfelte Truppe einholt. Prenzlau, Zwickau, Meißen…  „Komm mit“ ruft mir Einer zu. Nichts besser als das, ich reihe mich am Ende ein und so geht es bis Burg nun doch wieder ganz schön schnell.
Kontrollpunkt Burg, ein alkoholfreies Erdinger, das kommt jetzt gerade recht und schmeckt in dieser Situation super.
Die bunte Gruppe, auch die Berlin Crew sehe ich noch einmal kurz, macht längere Rast, ich steige nach Minuten wieder aufs Rad. Und siehe da, es geht immer noch hervorragend. Bin zwar recht müde geworden, der Wind schiebt auch nicht so recht, aber die letzten 30 – 40 Kilometer bis zum Ziel werde ich nun allein fahren. Spreewald, Wald, Wasserarme, Wiesen, Felder, kleine verstreute Siedlungen, Vetschau, die Autobahn, dann der rekultivierte Tagebau, ab und zu ein paar Familienradler, ein Österreicher aus Wörgl, ebenfalls ein 200er, überhole ich noch, den sehe ich in Lübben noch einmal wieder.
Kurz vor Lübben führt die Route nun auf die Bundesstraße, das ist nicht so toll, im letzten Jahr durften wir wenigstens durch die ruhigeren Gartensiedlungen fahren. Lübben, letzte Rast, Stempel, Speckfettbrote und Gurken. Genial.. Und nun ruhiges Ausrollen an der Spree entlang, inmitten von Familienradlern und Fahrern auf kürzeren Strecken, na ja, wenn es schneller möglich ist, kann man auch etwas schneller fahren, bis Lübbenau.
Die Flöhaer Radteufel überholen mich wieder. Einer grinst, na klar, ich bin mal wieder salzweiß im Gesicht, deswegen!
Lübben, die letzten Kilometer… Die Stadt, die letzte Kurve, hinunter von der Straße, die Brücke, dieser blöde Versorgungslaster, nun müssen wir noch anhalten… Und dann stehen meine Mädels am Ziel, begrüßen mich, dort sind auch die Anderen, fröstelnd. Es ist nicht sehr warm…
Und dann die Spreewaldmaid mit der goldenen Gurke, allerdings muss sie warten, bis Dagi mit dem Fotoapparat so weit ist.
Der zweite Spreewaldmarathon…
211,95 km, 7:32:06 Std, 28,13 km/h.
Toll war’s wieder.