Sommer 21 – Schmetterlinge

Schmetterlinge abbilden – dieses zitternde Leben, das Verletzliche, Zarte, Feine einzufangen – ist ehrlich gesagt, nicht einfach, wenn man noch keinen richtigen Plan hat.
Nun gut, man kann zum Beispiel geduldig warten und draufhalten und hoffen, dass eins der Fotos gelingt und ausreichend scharf ist. Aber dann stört das Chaos der Halme im Hintergrund, viel zu unruhig das Ganze, das langweilige Licht, welches das Motiv gar nicht so recht in Erscheinung setzt…
Ne, das isses nicht.
Und bei den Wolken wird das auch nichts mehr.
Aber dann kommt die Sonne heraus, noch einmal macht sich der uHu (dieses Mal mit dem Rad) auf den Weg zum distelbewachsenen Feldsaum.
Der nächste Versuch – das geduldige Warten bleibt nicht erspart, das Beobachten des durch die Luft gaukelnden Objekts der Begierde – hoffffffentlich setzt er sich auf diese Blüte oder an den langen Grashalm – nein? – nein – schaaaaade, Warten… Warten.
Da ist er wieder, endlich – er zeigt offenbar Erbarmen mit dem lauernden uHu, dem allmählich Knie und Kreuz weh tun.
Die Kamera hat zum Glück ein schwenkbares Display, das ermöglicht einen guten Sichtwinkel aus Bodennähe, ein „Hindernis“ vor dem Motiv, ein gewollter leichter Schleier, die Blüte oder der Halm, der (geduldige) Schmetterling, die Sonne, deren Licht die Flügel so wunderbar transparent machen…

Klick.

Schon besser…
Das wird dem Anspruch in etwa gerecht.

Werra-Weser 2021 (09)

Freitag, 25.06.2021

Draußen scheint wieder die Sonne vom blauen Himmel und nach dem üppig schönen Frühstück radeln wir ohne Gepäck heute nordwärts aus Bremerhaven hinaus. Dabei können wir den riesigen Containerschiffen zuschauen, die in kurzen Abständen den Überseehafen Bremerhaven ansteuern. Die Flut ist gerade im Kommen, schnell ein paar Fotos vom Watt, auf der Rückfahrt ist hier dann Wasser.
Wremen ist ein kleines Dörfchen mit kleinem Fischerhafen, ein kurzes Stück nördlich davon erreichen wir den Punkt, an dem geographisch die Weser in die Nordsee übergeht.
Ringsum endlose Weite, das Meer, die Deiche, das platte Land… Darüber ein endlos blauer Himmel.
Ziel erreicht, es war wieder einmal eine sehr schöne und lange Radreise.
Und im Kopf spuken schon Ideen und Pläne, was man denn so demnächst anstellen könnte.
In Wremen-Hafen kehren wir dann auf Fisch und ein Flens noch ein, ehe wir zurück in die Stadt fahren.
Dabei kommen wir am Containerhafen vorbei, an dem man aus allernächster Nähe dem Be- und Entladen der Schiffsgiganten zuschauen kann. Das beeindruckt uns eine ganze Weile, danach überflutet uns der Überseehafen und seinen von LKWs verstopften Straßen, den überdimensionalen Autotransportschiffen und den Kreuzfahrern mit Eindrücken.
Zum Schluss schauen wir uns noch einmal direkt im Zentrum, angesichts der Glas-Stahl-Beton-Bauten um, ehe es müde ins Hotel zurück geht.
Gegessen wird heute zum Abschluss lecker beim Perser gegenüber.
Etappe Bremerhaven – Wremen – Bremerhaven: 50,16 km

Samstag, 26.06.2021

Die lange Zeit vom Frühstück bis zur Zugabfahrt überbrücken wir heute mit einem sehr interessanten und eindrucksvollen Besuch im Klimahaus. Das sollte glatt obligatorisch für Schulen werden…
In aller Ruhe geht es danach durch die Einkaufsmeile zum Bahnhof und einen Zug eher schon nach Bremen, wo wir uns noch eine Stunde lang in der Bahnhofsgegend umschauen. Ein wenig beunruhigend wirkt das Treiben einiger Zeitgenossen hier schon.
Der IC von Norddeich nach Leipzig ist dann pünktlich, fährt aber, weil man ein Fenster in der 1. Klasse nicht schließen kann, mit 20 min Verspätung ab. Dazu noch die Umleitung über Verden, aber uns drängt ja nun nichts mehr. Wir fahren, die Räder sind gut untergebracht.
Und die Verspätung verkürzt uns dann abends in Leipzig die Wartezeit auf den Umstieg in den Dresdner Zug.
Gegen 23.15 sind wir schließlich wieder zu Hause.
Und es war wieder einmal sehr schön.

Werra-Weser 2021 (08)

Donnerstag, 24.06.2021

Schon der letzte Tourtag. Wieder einmal… Aber noch liegt die „Königsetappe“ vor uns. 80 Kilometer durch flaches Land am Deich stur nach Norden gegen den Wind.
Frühstück ok, das hält nicht ganz dem Vergleich mit den Anderen stand.
Auschecken, Räder holen, Abfahrt. Und auch hier, wie gestern das gute Erlebnis, dass man auf Radwegen entlang der großen Straßen völlig entspannt aus der Stadt hinaus und bei Vegesack wieder an den Fluss kommt. Der ist hier schon ganz schön groß und mächtig, die Hügeleinlagen in der Gegend – geschenkt.
Nach 30 Kilometern fahren wir am U-Boot-Bunker Valentin vorbei, einem überdimensionalen Monstrum aus Beton. Die U-Boote, die hier gebaut werden sollten, sollten dann gleich über die Weser ins Meer einlaufen. Es kam nie so weit. Der Bunker steht dagegen immer noch.
Weiter am Deich, Baustelle, die durchqueren wir, mit dem Rad kommt man (fast) überall durch. Nordwärts, gegen den Wind. Trübe ist es, kühl ist es… Weit und breit keine Pausenstation in Sicht. Also fahrn, fahrn, fahrn…
Endlich – das Dörfchen Wersabe – und ein Schild – Hofcafé An’n Diek…
Klein unscheinbar ein Lädchen mit Garten, man solle klingeln. Also klingeln und eine sehr freundliche ältere Dame kommt sofort und öffnet. Was wir wollen – Kaffee? Klar doch, Kuchen, Torte, das, was wir im Kühlschrank sehen, macht die Entscheidung schwierig. Wir begnügen uns mit drei Stück Torte. Und Kaffee, warum zwei Tassen, wenn man eine ganze Kanne bekommt?
Die später Kommenden sind ebenso begeistert. Das ist doch mal wieder ein wunderbares Ferienerlebnis. Da bleibt man sehr gern hängen. Warum noch weiter fahren. Hier ist es auch schön…
Aber es nützt nichts, es muss weiter gehen.
Der Fluss wird breit, riesig, die vorbei fahrenden Schiffe immer größer, dann der Wesertunnel, danach ein Imbiss am Strom, wo es lecker Fischbrötchen gibt.
Und dann irgendwann die Einfahrt nach Bremerhaven. Die Skyline beeindruckend, das sieht nach etwas aus, drüben die Kranbrücken des Überseehafens.
Nur der Radweg ist plötzlich zu Ende, nun heißt es, vorsichtiges Fahren inmitten der zahlreichen Autos. Durch die Stadt, nach Bremerhaven Lehe, wird es nun einigermaßen anders, kulturell und ethnisch bunt, die Häuser ein Gemisch aus bröckelnden und gut restaurierten Fassaden, das Hotel dann am nördlichen Rand in einer ruhigeren Wohngegend.
„Columbus“ – benannt nicht nach Christoph, sondern nach dem Superdampfer Columbus, der 1924 vom Stapel lief. Das Schiff verkehrte auf der Nordamerika-Route. 1939, nach Ausbruch des 2. Weltkrieges sollte auf der letzten Nordamerika-Rückfahrt verhindert werden, dass es den Engländern in die Hände fiel und wurde deswegen im Atlantik versenkt. Ein amerikanisches Schiff nahm die Schiffbrüchigen auf, der Obersteward blieb bis nach dem Krieg in Tokio und gründete, zurück in Deutschland, 1950 das Hotel.
Viele Stücke, Gemälde, Fotos erinnern an die Seefahrt und verleihen dem Ganzen einen angenehmen, gediegenen Eindruck.
Abendessen gibt es heute beim Italiener ein wenig die Straße abwärts, den massiven Polizeieinsatz beim Penny gegenüber können wir gratis miterleben.

Werra-Weser 2021 (07)

Mittwoch, 23.06.2021

Am Morgen die Idee, wir stornieren die Fahrkarte, das können wir ja und suchen uns eine Alternative. Und das klappt, wir büßen zwar das Geld für Sitzplätze und Fahrräder ein und zahlen 10,- Euro Gebühren und müssen, weil Fahrradplätze ausverkauft, mit einem wesentlich späteren Zug fahren, aber Hauptsache, wir kommen so bis Leipzig zurück.
Das Frühstück wieder sehr gut, danach Abfahrt nach Norden.
Zunächst fahren wir durch niedersächsische Bilderbuchdörfchen, Störche sehen wir, dazu scheint die Sonne – das macht Spaß.
Für den Bogen über Verden haben wir leider als „Bio“-Radler auch nicht Recht Zeit, das kürzen wir auf winzigen Sträßchen südlich der Weser ab, den Abstecher über Thedinghausen (ein kleines Schloß, kein Biergarten, kein Bäcker) hätten wir uns (eigentlich) auch schenken können. Zudem trübt es sich allmählich ein, auf den Radwegen entlang stark befahrener Straßen wirkt das langsam ziemlich trist und auch entlang des Weser-Deichs ist die Landschaft nun recht öde.
Aber – und das ist ein ganz großes Plus der Route, man schlängelt sich nun auf dem Flussdeich völlig unbeeinträchtigt vom Autoverkehr bis mitten hinein nach Bremen. Drüben das Weser-Stadion, da hinten schon die Türme des Doms…
Schnell sind wir mitten drin und stehen unverhofft vor unserem Hotel direkt in der Altstadt.
Einchecken, nun gut, das ist genauso ein Riesenkasten wie der in Regensburg im letzten Jahr, aber die Lage ist optimal. Die Fahrräder müssen wir im Parkhaus am Dom, 5 min zu Fuß entfernt, unterbringen. Welch cleveres Konzept, für 1,- Euro für 24 Std. kann man den treuen Drahtesel in einer Sicherheitsbox nächtigen lassen.
Nach dem Duschen sehen wir uns dann am Markt, Dom und Böttchergasse ein wenig um.
Kurzer Rundgang durch die Schnoor, dann kehren wir auf ein gutes Abendessen in der Kneipenmeile an der Schlachte ein. Im TV läuft parallel die Übertragung des Spiels D gegen Ungarn, die Ersten, die wir schreien hören, sind die Ungarn, die sich vor Freude kaum fassen können. Die regelmäßig präsente Polizei verhindert zum Glück aufregendere und handfestere Situationen zwischen den Fans.
Wieder ein schöner Abend, den wir dann zum Schluss noch mit einer Fotorunde zur Blauen Stunde beschließen.
Etappe Bücken – Bremen: 66,24 km

Werra-Weser 2021 (06)

Dienstag, 22.06.2021

Trocken, aber kühl ist es heute Morgen.
Das Frühstück lässt wieder nichts zu wünschen übrig, zusammen mit einer anderen Radlergruppe, von denen Dadie liebe Reisegefährtin vermutet, es seien Rennradfahrer, essen wir vorn im „Laden“ an der Straße. Dazu gibt es einen ausgiebigen, sehr schönen Schwatz mit der Chefin und schließlich ein beiderseitiges herzliches „Alles Gute“ mit auf den (Lebens-) Weg.
Die Herrengruppe bricht gerade auf ihren (Strom-) Rädern auf – ne, doch keine Rennradler, sie wollen bis Verden heute, wir nicht ganz so weit.
Da sie ausschließlich nach den Schildern fahren, haben sie sich gestern schon ab und zu verfahren und wir dank Navi gelegentlich eine ausgedehnte Schleife über Feldwege abkürzen, treffen wir uns auf der Fahrt immer mal wieder, will heißen, sie überholen uns sozusagen zwei- oder dreimal…
Hase und Igel.
Die Strecke nach Track ist aber auch nicht so toll, da es dort teilweise auf Straßen entlang geht. So improvisieren wir ebenfalls und fahren Radweg oder mit Radreiseführer auch mal ne Alternativroute. Auf die Art und Weise kommen wir also auch nach Nienburg, machen dort Mittagspause beim Bäcker und nehmen dann eine Variante über Drakenburg an einem Schleusenkanal entlang, wo wir eine ganze Zeit lang das Schleusen von Frachtschiffen bestaunen. Ist schon bemerkenswert, was der Mensch alles so technisch zustande bringt.
Bücken ist letztendlich heute recht zügig erreicht.
Alles in allem ein guter Radeltag .
Allerdings taucht nun plötzlich ein Problem auf, mit dem wir gar nicht gerechnet haben. Der Zug, mit dem wir am 26.06. von Bremerhaven zurück fahren wollen, fällt aus. Es fallen vom 25.6. bis 2.7. alle Regionalzüge von Bremerhaven nach Hannover aus, es gibt Schienenersatzverkehr mit Bussen, man hat Bomben an der Strecke bei Bremen gefunden, der ganze Bahndamm muss abgetragen werden. Nur die Fernzüge, die ICs werden umgeleitet und fahren. Was nun???
Das sorgt für innerliche Unruhe.