Werra-Weser 2021 (01)

Donnerstag, 17.06.2021

Unser jüngstes Töchterchen verabschiedet uns nach einem Becher Kaffee auf dem Bahnsteig. Wir sind schon per Rad in die Stadt gefahren, zu der Stunde waren die Temperaturen noch angenehm und wir ersparten uns ein unnötiges Gedränge in der S-Bahn. Und die Jüngste fährt nun zur Entspannung zu uns raus aufs Land
Gepackt haben wir gestern in aller Ruhe, allerdings, bei den zwei Fahrradtaschen gab es nicht viel Platz für Überflüssiges, die Kunst bestand eher wieder darin, sich auf das Nötige zu reduzieren und dieses raumsparand zu verstauen. Letztendlich ist es nun wieder einmal erstaunlich, wie leicht die Taschen sind.
Beim Einsteigen in den ICE machen wir Bekanntschaft mit einer Radlerin in unserem Alter, sie will mit ihrem Drahtesel eine Tagestour von Eisenach über Gotha bis Erfurt oder noch weiter machen und dabei das Vorland des Thüringer Waldes kennenlernen. So gibt es einen netten Schwatz, während unser Zug mit über 230 km/h gen Erfurt rauscht.
Gegen 10.45, nach einer reichlichen Stunde schon, sind wir in Eisenach.
Wir halten uns nicht lange in der Stadt auf, ein paar Fotos vom Markt mit Kirche und Brunnen, es wird allmählich heiß und wir wollen ja noch ein ganzes Stück weit die Werra abwärts voran kommen.
Bis Hörschel hinüber ist es im Wald angenehm schattig, auch wenn es an den Anstiegen schon zu ersten Schweißausbrüchen kommt.
Hörschel, Endpunkt der Rennsteig-Wanderer und derer, die ihn mit Mountain Bike bewältigt haben, vom Start in Blankenstein an der Saale bis hierher, sind dabei 180 km Auf und Ab zu absolvieren.
Einer trifft gerade zu Fuß hier ein, er sieht nicht besonders geschafft aus, hat das Ganze in 5 Tagen geschafft- Respekt. Und seine Schuhe hängt er nun an den schon reichlich bestückten Baumstamm.
Eine Andere, Rentnerin ihres Zeichens, beginnt einen Plausch, dabei geht es wieder um Touren, die schon gemacht wurden, bzw. noch auf der Wunschliste stehen. Erstaunlich, was sie in ihrem Alter mit ihrem Mann da alles auch an bergreichen Fahrten unternimmt – bis wir beim Abfahren sehen, da stehen die E-Bikes. Nun ja, mein eigenes Argument – auf jeden Fall besser als Auto fahren, muss ich in diesem Sinne in den nächsten Tagen extrem strapazieren.
Bis Hörschel fuhren wir im letzten Jahr die Werra von der Quelle an abwärts – und hier setzen wir in diesem Jahr wieder ein und wollen sie bis zum Zusammenfluss mit der Fulda in Hann. Münden und dann die Weser bis Bremerhaven zur Mündung begleiten.
Es liegen ca. 520 km Tour vor uns.
Und jetzt geht es wirklich richtig los. Nicht schnell, eher gemächlich, die Zeit, um diese wunderbar idyllische Mittelgebirgslandschaft in Ruhe anzuschauen und zu genießen muss einfach sein.
Die Werra schlängelt sich in vielen Schleifen durchs Thüringer Vorland, am Hainich entlang und entlang des Eichsfeldes.
Creuzburg, Fotopause, die alte Steinbrücke mit der Kapelle ist DAS Fotomotiv. ein weiter Bogen bis Mihla, Unmengen von Menschen, die in ein Freibad strömen, wir dagegen rollen (noch recht entspannt – aber mit zunehmendem Durst) in der Hitze ohne Aufenthalt weiter.
Die Gegend – märchenhaft – ein wahres Gedicht. Die Hitze, weniger toll, leider aber gibt es keine Möglichkeiten, unterwegs einzukehren, fast alle Gasthöfe im Thüringischen sind geschlossen, die traurige Konsequenz der Corona-Wellen, die wir erleben mussten.
Erst nach ca. 30 Kilometern lädt „Giselas Café“ mit einem schönen schattigen Freisitz zu einer ausgiebigen Pause ein. Zwei Hefeweiße, zwei große Radler, alles ohne Alkohol versteht sich, denn der würde uns gnadenlos vom Rad fegen. Dazu Hannchen-Jensen-Torte, die kennen wir (zum Erstaunen der Chefin) nicht, schmeckt aber seeeehr gut. Genau das Richtige.
Aber es nützt nichts, wir müssen weiter, bis zum vorgebuchten Quartier vor Eschwege sind es noch ca.30 weitere Kilometer.
Auf jeden Fall rollt es eine ganze Weile nun wieder etwas leichter. Wir durchqueren nette Städtchen wie Treffurt und Wanfried,schöne Fachwerkdörfchen und kommen allmählich ins Hessische.
In Wanfried ist noch einmal Flüssigkeit-Nachtanken angesagt, noch einmal zwei Hefeweiße und Radler, man kann kaum so viel trinken, wie man ausschwitzt. Die Chefin möchte wissen, ob uns die laute Musik (aus den 70ern) stört, aber die Knobelbrüder drüben im Garten brauchen das – und wir haben danach ein oder mehrere Ohrwürmer von dahamals im Kopf.
Nun ist Niederdünzebach mit der Alten Schule, unser heutiges Tagesziel, nicht mehr weit.
Der Chef lässt die Räder sicher im Schuppen verstauen, perfekt, einen Biergarten mit Thai-Küche haben die auch. Besser geht es nicht. Dazu gratis eine schöne Sicht am Abend übers weite Werra-Tal.
Das Quartier ist in Ordnung, das Abendessen wirklich lecker.
Und dann dämmert es, ein schöner erster Tourtag ist vorbei.
Und die Bachstelze, die irritiert und energisch immer wieder gegen das Fenster hackte und flog, geht nun auch schlafen.

Etappe Eisenach – Niederdünzebach: 59,71 km

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