An der Altmühl (4)

Mittwoch, 29.06.2022

Der sich täglich wieder verfestigende und zur Gewohnheit werdende Rhythmus stellt sich ein.

Packen, Taschen unten deponieren, unscheinbar wirken unsere Reisetäschchen gegenüber den teilweise recht üppig dimensionierten Schalenkoffern. Was werden die Leute wohl alle dabeio haben für diese Woche?

Das Frühstück ist wieder ok, ein Niederländer erklärt der Chefin die Zubereitung eines 2-Minuten-Eies und besteht darauf, dass sie dieses sogleich servieren möge. Nun denn…

9 Uhr, eine Stunde zeitiger als gestern, ist heute Abfahrt.

Wir müssen, weil wir nicht in Treuchtlingen nächtigten, 10 Zusatzkilometer absolvieren, aber das bringt uns ja nicht um. Das Wetter ist trübe, der Wind weht von SW, wir haben also leichten Rückenwind. Regen und heftige Gewitter sind angesagt, da wollen wir schon nah am Ziel sein, wenn die Gewitter eintreffen.

Zu Hause ebenfalls Dauerregen angesagt – am Ende fällt jedoch kein Tropfen, wie können die Vorhersagen so daneben liegen??? Und auch hier regnet es vorerst nicht, es wird schwül, aber sonst nix

Am Karlsgraben bei Treuchtlingen treffen wir das österreichische Paar. Kurzer netter Gruß, sie sind etwas früher als wir hier gewesen und radeln schon weiter, wir schauen uns noch kurz um. 793 wollte Karl der Große einen Kanal graben lassen zwischen der Schwäbischen Rezat, die zum Rhein fließt und der Altmühl, die zur Donau fließt. Ein kluges Vorhaben, wie auch immer man schon damals feststellte, dass geogaphisch hier dafür die beste Stelle sei, das scheiterte aber leider.

Schnell radeln wir danach durch Treuchtlingen, Erinnerungen an den 600er 2015 sind plötzlich da, die Gegend ist vertraut. Das Tal bis Pappenheim wird nun kurvenreich, waldig, eng, schön. Fotopause in Pappenheim, der Ruf der Pappenheimer geht übrigens auf die besondere Tapferkeit und Robustheit der von hier stammenden Söldner im 30jährigen Krieg zurück.

Solnhofen ist alsbald erreicht. Solnhofen und seine Steinbrüche, in denen man reichliche Funde von urzeitlichen versteinerten Tieren hatte und wohl noch hat. Das berühmteste, hier gefundene Exemplar ist der Vorläufer der Vögel, der Achaeopteryx, dem man unweit ein Denkmal gesetzt hat.

Zeit für ein zweites Frühstück. Abstecher in die nahe Klosterbäckerei, Kaffee und Kuchen im Hof zwischen Hühnern und Kaninchen, das ist Idylle pur, ein wahrer Geheimtipp.

In der Nähe des Bahnhofs befindet sich ein Laden mit vielen schönen Versteinerungen aus dem Solnhofener Steinbruch, die anzuschauen wir uns auch nicht entgehen lassen.

Weiter rollen wir nun durch das schöne Tal mit vielen Flusswindungen, vorbei an den Felsgruppen der 12 Apostel am gegenüberliegenden Ufer. Es ist immer noch stark bewölkt und schwül – aber trocken.

Weit ist es nun auch bis Eichstätt nicht mehr, die Burg ist eindrucksvoll, das Stadtzentrum hochherrschaftlich, bischöflich barock, sogar eine Universität gibt es hier, wir aber kehren nirgendwo ein, wir hoffen auf einen schönen Biergarten am Fluss. Doch nix ist! Alles zu oder eben gar nix…
Also bleibt uns an einer mittelalterlichen Brücke nur eine Rast mit Power-Riegeln übrig. Aber gut so, dass wir wenigstens die im Magen haben, denn auf den letzten Kilometern bis Kipfenberg lauert noch ein heftiges Auf und Ab im Wald am Fluss. Gegen 17 Uhr kommen wir an der Pension beim Metzger Neumeyer an. Alles ist gut – und trocken, der angesagte Regen fällt also auch hier aus, es wird langsam sogar wieder sonnig, gibt offenbar auch keine Gewitter mehr heute.

In Österreich dagegen gab es Unwetter, Hochwasser, Murenabgänge, kleiner Blick zum Inn rüber, auch da schüttete es heute heftig. Glück gehabt, Flixbus sei Dank.

Nach dem Abendessen im Gasthof folgt noch ein kleiner Rundgang durch den Ortskern und schließlich die Einkehr auf Bierchen und Radler im Biergarten. Kein bekanntes Gesicht ist zu sehen, wo werden „unsere“ Altmühlradler alle abgestiegen sein?

ca . 85 km Tour heute, die Königsetappe

4 Kommentare zu „An der Altmühl (4)

  1. Das Foto mit der Brotzeit ist saugut,
    ebenso das mit dem Schatten der Kirche!

    Gefällt 1 Person

    1. Danke. Und das (quicklebendige) Kaninchen komnte sein Leben auf diesem Hof offenbar wirklich genießen. 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. 👌👌👌📷✍️

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close