Alpe-Adria 2022 (Epilog)

15.09.2022 – Grado

Das Frühstück im Hotel, draußen auf der Terrasse, es ist ja warm, ist ok.
Große Radtouren haben wir heute nicht vor uns, wir können uns viel Zeit lassen, zumal sich ringsum auch bedrohlich dunkle Wolken ballen. Und plötzlich ist es dann da, das Gewitter. Blitz, Donner, heftiger Regen, den wir auf dem Balkon sitzend beobachten können. Ist das jetzt der Auftakt zur Unwetterserie der nächsten beiden Tage?
Der Regenradar sagt nein. Zwar ziehen nördlich, jetzt möchten wir nicht auf dem Rad in den Alpen stecken, und südlich Gewitter vorbei in Richtung Slowenien jenseits der Bucht, aber bei uns ist es bald wieder vorbei, was ich kurz entschlossen dazu nutze, die abziehenden Gewitterwolken über dem Meer abzulichten. Sehr eindrucksvoll…
Bei uns bleibt es noch eine Weile trübe, wir radeln, da der Regenradar nichts weiter Regnerisches meldet, mit den winzigen Hotel-Leihrädern durch und um Grado, versuchen, auf holprigen Wegen die Lagune zu erreichen, was erst im zweiten Versuch gelingt, die aber leider bei dem Licht auch keine nennenswert exklusiven Motive bietet.
Also zurück nach Grado, ein paar Fotos am Salzburg-Grado-Bilderrahmen, kleiner Schwatz mit zwei älteren Österreichern, die von Villach hierher geradelt sind. Es wird wieder sonnig und heiß.
Dann genehmigen wir uns in einem Freisitz am Jachthafen ein copertofreies Radler, ehe wir weiter durch die Stadt bummeln und schließlich die Räder wieder abgeben.
Nachmittags sind wir auf der Strandpromenade unterwegs und abends ergattern wir mit viel Glück rechtzeitig einen Tisch in einer Trattoria mitten in der wunderbaren Altstadt. Zur Feier des Tages ist das heute angesagt. Es macht ungemein Spaß, bei dem guten Essen und Wein die Leute ringsum zu beobachten. Die Meisten haben sich abendfein gekleidet und suchen eine Restauration zum Essen. Einer hat seinen Fahrradhelm mit Regenschutz auf.
Hey Junge, Du hast es geschafft, Du bist am Ziel, kannst den Helm jetzt absetzen!
Wir runden den schönen Abend mit einem Bummel durch die Altstadtgassen ab und lauschen dem Choral in der Kirche.
Ringsum über den Bergen und der See wetterleuchtet es. Doch wir haben den ersten Grado-Tag glücklich bei schönem Wetter erleben dürfen.

16.09.2022 – Grado
Aus den Nachrichten erfahren wir, dass südlich bei Ancona heftige Unwetter wüteten, mehr als 400 l Regen in 24 Stunden gab es, was zu extremen Überschwemmungen führte und 10 Tote forderte. Sehr schlimm und traurig ist das, hier und heute ist es aber wieder, entgegen aller Voraussagen warm und sonnig.
Wir bummeln nach dem Frühstück bei Tageslicht durch die Altstadt, die liebe Reisegefährtin geht ein wenig shoppen, während ich ein paar Fotomotive am Meer bei heftigem Wellengang suche.
Nachmittags sind wir noch einmal am Strand, gönnen uns danach ein Getränk in einer Strandbar, ehe uns aufziehende dunkle Wolken in die Stadt zurück vertreiben.
Heute ist die Luft so klar, dass wir sogar die Alpen im Norden sehen können.
Aber hier passiert nix, den gesamten Tag konnte man wieder drohende Quellwolken ringsum beobachten, über Slowenien drüben folgt ein Gewitter dem anderen…
Abends ist es kühl, wir packen schon, müssen morgen früh zeitig raus.

17.09.2022 – Rückreise
Heute Nacht kam das Gewitter. Und nun schüttet es auch hier seit Stunden.
Ein Wetter zum Abreisen.
Im Frühstücksraum bekommen wir noch einen schnellen Cappuccino und ein Croissont, dann steht schon der gestern über die Rezeption bestellte Taxifahrer vor dem Hotel.
Es ist trübe, extrem nass, als wir die 17 Kilometer nach Cervigniano zum Bahnhof gefahren werden. Bus war uns zu unsicher, die 40,- Euro Festpreis müssen also gerade bei dem sintflutartigen Regen noch sein.
Cervigniano Bahnhof – der Regional-Zug von Triest nach Venedig kommt pünktlich und nun rollen wir durch regennasse graue Land.
Venezia Mestre nach einer Stunde.
Chaos am Bahnhof. Menschengetümmel und ein roter Schnellzug nach Verona, den wir mit unserem Ticket wohl gar nicht hätten nehmen dürfen. Alle Plätze sind reserviert, die liebe Reisegefährtin hat Glück und kann sitzen, ich stehe neben der freundlichen Zugbegleiterin, die unser Ticket gar nicht interessiert, eine Stunde bis Verona.
Auf den höheren Alpengipfeln Schnee.
In Verona ist es trocken, der Regen ist durch.
Eine Stunde Aufenthalt, bis der Euro-City von Bologna nach München pünktlich einrollt, aber aus unerfindlichen Gründen nicht pünktlich abfährt. Das könnte bei den 29 Minuten Umstiegszeit in München knapp werden.
Der Zug ist brechend voll, wir haben zum Glück reservierte Sitzplätze. Aber sauch so ist es bei den teilweise stehenden Leuten kein rechtes Vergnügen. Wir tuckern nordwärts durch die Alpen, Trient, Trento, Bozen, der Brenner. Die hohen Gipfel sind weiß angepudert.
Kurz vor Innsbruck steht der Zug dann wieder zehn Minuten, angeblich sind Leute auf dem Gleis, scheinbar aber nur auf unserem, denn der Gegenzug fährt. Und nicht nur ich sondern offenbar auch einige Andere werden zunehmend unruhig wegen der Warterei.
Hoffentlich klappt das in München.
Ein Baby und eine Italienerin mit ihrem Riesenkoffer sorgen für Abwechslung, ab Innsbruck ist es trübe und kalt draußen, die Wolken ziehen dunkel und tief und die Schneegrenze liegt bei ca. 1500 Metern. So ein Absturz in den Herbst.
Bis München wird nun aber richtig Gummi gegeben, man holt etliche Minuten der Verspätung wieder auf.
Trotzdem müssen wir uns beeilen bis zum ICE hinüber.
Es ist mittlerweile Abend geworden, draußen dämmert es und wird dunkel, als wir nun wieder mit teilweise 250 km/h nach Leipzig rasen.
Reichlich drei Stunden, pünktlich kommen wir in Leipzig an,schaffen die nächste S-Bahn und dann wartet die jüngste Tochter mit dem Auto am Bahnhof, so dass wir die Taschen das letzte Stück nach Hause zum Glück nicht durch diesen herbstlich feuchten dunklen Abend schleppen müssen.

9 Kommentare zu „Alpe-Adria 2022 (Epilog)

  1. Die Wolkenbilder sind an Dramatik und Düsternis kaum zu übertreffen…
    Mit dem Eurocity von Venedig nach München bin ich schon ein paar Mal gefahren. Ich finde diese Zugstrecke hinreissend schön.
    Vielen Dank fürs Mitnehmen auf diese feine Radtour. Wenn ich noch radfahren könnte, dann würde die Alpe-Adria-Radfahrt ganz oben auf meiner Reiseliste stehen.

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    1. Unheimlich war zwei Tage lang, dass die Unwetter ununterbrochen vorbei zogen und wir uns quasi wie im Auge des Hurrikans vorkamen.
      Die Bahnstrecke ist wirklich wunderbar, man erfährt den Wechsel aus dem Süden in den „kalten“ Norden in wenigen Stunden und im Zug (auch wenn der überfüllt ist) kann man das wesentlich entspannter genießen, als im Auto auf (überfüllten) Autobahnen.

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  2. Vielen Dank Lutz, dass ich dich auf deiner Reise begleiten durfte, zu mindestens virtuell.
    Liebe Grüße,
    Roland

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    1. Keine Ursache Roland. Wollen wir hoffen, dass wir so etwas in der Art noch ne ganze Weile machen können 🙂
      LG Lutz

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  3. Danke für den Reisebericht und die Fotos. Muss ein tolles Gefühl sein, so eine Tour bewältigt zu haben. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt. Gruß Reiner

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    1. Gern geschehen Reiner. So überschwänglich oder euphorisch war das Gefühl dieses Mal gar nicht, aber das Gute ist vor allem auch, dass sich mit einem Schlag die innere Unruhe legt und man völlig tiefenentspannt ist. 🙂

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  4. Und wieder so wunderschöne Bilder – das macht Lust auf Urlaub…. 🙂

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    1. Danke – wir könnten auch sofort wieder losfahren 🙂

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      1. Das glaub ich wohl….! 🙂

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