Freude an der Unschärfe

Ich bin mir (fast) sicher 😉 Euch geht es ab und zu genau so.

Ihr versucht, einen besonders schönen Moment, eine besondere Stimmung, ein Gefühl fotografisch darzustellen.
Man macht die Aufnahme und dann – ist das Bild zwar gestochen scharf, aber zeigt nur gnadenlos das, was die Kamera sah und nicht das, was man fühlte und weiter geben möchte, aber nicht erklären kann – ne, das ist auf diesem Bild leider wirklich nicht so richtig zu erkennen.

In diesem Sinne möchte ich Euch in Zukunft gelegentlich Versuche zeigen, mit „verwackelten“ Bildern Empfindungen, Stimmungen, Gefühlslagen darzustellen, die man nicht unbedingt konkret in Worten formulieren kann oder möchte.
Alles kann, sollte man nicht zu erklären versuchen, manches Foto in seiner Wirkung wird/ soll beim Betrachten die Fantasie anregen, es ist fertig und doch nicht fertig, es präsentiert das Motiv erst beim genaueren Anschauen und bietet die Möglichkeit, eigene Interpretationen zu finden – und das ist ja auch nicht ganz verkehrt, ein Bild mit seinen eigenen Augen zu sehen.
Mit viel Glück kann man dann sogar Licht, Finsternis, Wärme, Kälte beim Betrachten fühlen…

Wenn man sich während der Suche umschaut, sieht man, dass es diese Idee ja schon laaange gibt, es einen Fachbegriff und eine breite Szene dafür gibt, und man lernt so Viele kennen, die es bis zur Meisterschaft gebracht haben – Einer hat es mir ganz besonders dabei angetan – das, was Turner in der Malerei zustande brachte, erreicht er mit fotografischen Mitteln.

PS: auf Mehrfachbelichtungen, technische Extras, Effekte, Raffinessen und aufwändige verfremdende Nachbearbeitungen soll konsequent verzichtet werden.

25 Gedanken zu „Freude an der Unschärfe

  1. Ein sehr schönes Foto und ein tolles Projekt. Ich kann ein solches Nachdenken und Umsetzenwollen sehr gut nachvollziehen, widme mich allerdings selber nur ganz ab und an mal der meditativen Fotografie. Ich freue mich auf deine besonderen Fotos.

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    1. Danke Anna 🙂 Die Absicht ist, im Bild nie ganz den Bezug zur Realität zu verlieren und trotzdem das manchmal nicht Formulierbare dahinter zu zeigen… Mal sehen, ob und wie das glückt.
      Der Foto-„Maler“, der mir besonders gefällt, ist Andrew S. Gray, der ist extrem unkonventionell, allerdings ist bei ihm eine enorme Nachbearbeitung nötig, was eher nicht mein Ding ist… Aber die Ergebnisse sprechen bei ihm für sich.

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  2. Gefällt mir gut diese Szene. Für mich zeigt das schöne, warme Licht im Kontrast mit zu den nahen Bäumen eine Art Ambivalenz: Eine Sehnsucht, die durch Hindernisse zurückgehalten wird. Sehr frei interpretiert allerdings…
    Schöne Grüsse, Franz

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    1. Danke Dir lieber Franz, Ziel (für diesen Versuch) erreicht 😉 Die Interpretation durch den Betrachter ist offensichtlich und erfreulicherweise viel freier, als bei einem Bild, welches den Moment „nur kopiert“…
      Viele Grüße
      Lutz

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